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3. Jahrgang.

Ezialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei SR in der tschechoslowakischen Republit.

Die Partei der Konfusion.

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Donnerstag, 26. Juli 1923.

Dem Chaos entgegen!

Von wem wäre sonst die Rede, als von Katastrophale Lage der Arbeiterschaft.

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Passivität der Reichsregierung. 1 Dollar= 620.000 Mart.

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Berlin , 25. Juli. ( Eigenbericht.) Die Wirtschaftslage des Reiches hat eine so scharfe Zu­spigung erfahren, daß man den nächsten Tagen und Wochen mit der größten Besorgnis ent gegenschen muß. Die Preise für alle Waren und Lebensmittel haben sich genau den Devisen turfen angepaßt, troßdem find gerade die nötig sten Lebensmittel, wie Kartoffeln, Butter, Mar­garine, nur in geringen Quantitäten zu haben. Offiziös wird zwar versichert, dieser Mangel sei nur vorübergehend; in Wirklichkeit halten Produzenten und Händler, in Erwartung veit höherer Preise, die Waren zurück. Troß des allwöchentlich festgeseßten Index und der zweimal wöchentlich stattfindenden Lohnauszahlung bleiben die Einnahmen der werk­tätigen Bevölkerung immer mehr hinter den Kosten der Lebenshal. tung zurüd. Die Hauptschuld an dieser Entwvidlung hat die Passivität der hat die Passivität der Reichsregierung in allen Finanz- und Wirtschaftsfragen. Die Notenpresse bringt immer neue Papiermengen heraus, aber die Regierung unterläßt es noch immer, durch An­wendung geeigneter Maßnahmen, wie sie beson ders die deutsche Sozialdemokratie feit langem fordert, dem unausgesetzten Währungszerfall zu begegnen. Es ist daher kein Wunder, wenn die Erbitterung der arbeitenden Massen immer mehr steigt und wenn sie ein leichtes Opfer der fommunistischen Parteidiktatur werden. Die Sozialdemokratie ist nicht länger gewillt, diese Passivität des Kabinetts Cuno zu dulden. In diesen Tagen wird der Vorstand der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion über die Lage beraten. Zweifellos werden seine Beschlüsse geeignet sein, um durch schärfften Drud die Regierung zur Erfüllung der sozialdemokratischen Forderungen zu alvingen.

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jezt über ihn unter dem Titel Dr. Schil. lings Jrrweg e" leitartikelt, folgendes:

,, Es sei nicht geleugnet, daß einzelne Ber­treter des Bundes( der Landwirte), der Christ­lichsozialen, der Deutschdemokraten, hinsichtlich der Taktik Wege einschlagen, die nicht die unseren sind. Ich glaube, nicht betonen zu müssen, daß ich diese Wege bei der herr­schenden Geisterverfassung der Tschechen für zum mindesten verfrüht ansehe. Eine Verhandlungsbereitschaft müßte den Tsche­chen erst mit ganz anderen Mitteln e in gehämmert werden."

Und darum freute sich Dr. Schilling da mals, daß der Gedanke der Kampfgemein­schaft immer mehr an Boden gewinne". Nun aber hat dieser selbe Schilling in der Trop­pauer Deutschen Post" unter dem Titel ,, Verständigung" einen Artikel veröffent­licht, mit dem verglichen die Canossagänge" Zulegers und Genossen sich wie Heldenzüge ausnehmen. Herr Dr. Schilling hält es an der Zeit, die Frage der Aufnahme der Deutschen in den Schoß der Koalitionsregierung zu prü fen, bei welchen Erwägungen die Parteien jo­fort auszuschalten seien, die erflären, mit den Tschechen gibt es fein Vaktieren. Und er jchreibt:

dem wackeren deutschgelben Fähnlein der Jung, Knirsch und Konsorten! Es gibt wohl noch eine andere Partei, deren Politik die aben­teuerlichsten Abwege wandelt: die deutsche Na­tionalpartei des Dr. Lodgman, aber die ist wenigstens fonsequent in ihrer Verstiegenheit, während die Deutschgelben wirklich nicht mehr wissen, was sie wollen. Das deutsche Volk soll, das deutsche Volk muß... ja, was denn? Jeden Augenblick soll" und muß" es etwas anderes. Was heute noch als unfehlbares Dogma in der Taktik der Herren National­sozialisten galt, wird schon morgen durch eine neue Idee, eine neue Konfusion abgelöst. In der Fabrikation neuer Parolen ist ihnen nur noch eine Partei gewachsen: die kommunistische. Kaum noch sind sich die bedauernswerten An­hänger dieser Partei bewußt geworden, daß die Juden der Ursprung alles Uebels in der Welt sind, daß, um mit Börne zu sprechen, das Judentum ihrem schwindelnden Blide als ein wildes Meer erscheint, wo Haifische rauben und heuchlerische Krokodile betrügen, und daß schließlich nur der infernalistischeste Judenhaß ,, Soweit mir befannt ist, vertritt die Welt der Erlösung entgegenführen fann- diese restlos unversöhnliche Hal­faum hat sich, wie gesagt, das Gemütsleben tung nur die deutsche National­der deutschgelben Mannen dieser antisemiti partei, während die nationalsozia ichen Denfrichtung angepaßt, streut einer ihrer Listische Partei, da sie die Selbstverwal­führenden Geister den Samen des Zweifels in tung fordert, an ein Verhandeln denkt. ihr Herz und prüft", ob der Antisemitismus innerpolitischen, als auch wegen der außenpoliti- Es gibt leider viele, die es schon als Volks­dem deutschen Bolte fromme und ob es nicht Berlin , 24. Juli .( Wolff.) Der Reich 3 m intelt ist, wenn die englische Note eintrifft. fchen Vorgänge und damit der Reichstag versam doch besser wäre, wenn es die Juden als Volks- nister des Innern hat ein Rundschreiben an die Die Rote Fahne " schreibt zu dem Ver­genossen gelten lassen würde. Darüber entsteht Landesregierungen erlassen, in dem auf die Mög- bot u. a.: Die Arbeiter werden sich nicht von den Heftiger Streit unter den Schriftleitern, der lichkeit von Zusammenstößen, insbesondere am weißen Horden übertölpeln lassen, die Millionen unentschieden bleibt. 29. Juli, hingewiesen und ersucht wird, alle werden Mittel und Wege finden, um ihren Willen Waßnahmen zur Vermeidung von fundzugeben und der fascistischen Gefahr entgegen­Ruhe störungen zu treffen. Nötigenfalls zutreten. sollen alle Versammlungen unter freiem Himmel verboten werden. Der preußische Minister des Innern hat einen gleichen Erlaß an die Oberprä­fidenten gerichtet.

Der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft zeigt sich deutlich an dem Verfall der Mart, der heute an den ausländischen Börsen große Fortschritte machte. In Berlin war heute fein Devisenhandel, doch entspricht die Dollarparität heute etwa 620.000 Mart gegen 470.000 Mart am gestrigen Tage. Die österreichische Krone, deren Abstand von der Mart mehr als neun Mo­nate hindurch fonstant war, ist heute zur Edelvalum geworden. Beim gegenwärtigen Tempo der Markentivertung wird Deutschland in absehbarer Zeit auch Rußland eingeholt und die schlechteste Währung der Welt haben.

Bortehrungen für den 29. Juli.

Warnende Blätterstimmen.

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verrat bezeichnen, wenn an einen sudeten­deutschen Politiker auch nur die Versuchung einer Verständigungsgeneigtheit herantritt. Es mag ja sehr forsch sein und schöne Erinnerungen aus der Leutnantszeit wachrufen, wenn man so fort mit dem schweren Geschütz des Volksver­rats auffährt, abproßt und nun den politischen Gegner im deutschen Lager niederfartätscht. Wir sollten aber mit solchen, doch ctivas schwer wiegenden Vorwürfen, gerade Volks genossen gegenüber, etwas sparsamer fein. Wer aber der Meinung ist, daß er seinem Volf dient, wenn er die Bürde eines Ministerpostens auf sich nimmt, oder wer einen tschechisch deutschen Bun desstaat" für eine auch für die Deutschen zweddienliche Form hält, ist deshalb noch lange tein Voltsveräter..... Ich behaupte, daß sogar Voraussetzungen eintreten tönnen, die uns Sudetendent­schen eine Verständigung mit den Tschechen zur nationalen Pflicht machen können..... Es kann daher an uns sehr wohl die nationale Pflicht herantreten, den Tschechen die Sände zureichen."

gelber, er ist es noch. Der Tag" selbst gibt Dr. Schilling war nicht bloß Deutsch­zu, daß er noch heute Mitglied der deutschen nationalsozialistischen Partei ist. Ob das, was

Berhinderte Unruhen in Oftfachsen. Schilling sagt, nach unserer Meinung richtig iſt oder nicht, mag unerörtert bleiben, jedenfalls Dresden , 25. Juli .( Wolff.) Als Fortsetzung steht es im schwersten Widerspruche zu dem,

Dem ersten Teil der Konfusion folgt bald der zweite. Die deutsche nationalsozialistische Partei wurde als eine Partei der Gelben mit Ansturm auf die deutsche Reichsbant. Fabrikantengeldern gegründet und erhalten, Berlin , 25. Juli .( Tsch. P.-B.) Dem An­welche die Aufgabe hatten, den deutschen Kas pitalisten als Fanghunde gegenüber der Sozial­Wie der sozialistische Parteivorstand dem sturme, den die neue Geldentwertung und die da­demokratie zu dienen und den deutschen Ar. Vorwärts" mitteilt, hat die Vereinigte sozial- durch notwendige Vermehrung der Zahlungsmit­demokratische Partei mit dem von den Kommu- tel gebracht hat, ist die Reichsbant nicht gewachsen. beitern bei Lohnkämpfen in den Rücken zu nisten auf den 29. Juli angeſetzten Antifascistentag Die Kaffenboten der Banken ſizen stunden-, fallen. Der Erfolg war, daß ſich außer ein nichts zu tun. Die örtlichen Organisationen ogar tagelang und warten auf die Aus­paar indifferenten Arbeitern nur der Abhub haben die Teilnahme an den Veranstaltungen ab zahlung der Gelder. Diese werden aber z. B. gewisser proletarischer Schichten ihnen zuulehnen. heute in 5000 Mart- Scheinen bezahlt, da die gro wandte. Um wenigstens Teile der deutschen Ben Scheine hauptsächlich nach dem Ruhrgebiet und der Provinz abgegangen sein sollen. Die Arbeiterschaft zu gewinnen, befürworteten die B. 3. am Mittag" bemerkt dazu, daß ungeachtet Einen, die Partei zu einer Klassenpartei" zu Berlin , 25. Juli. Das in Preußen ergan dieser Snappheit gestern ein Tresor der Reichs­machen. Nein, sagten die Andern, dann läuft gene Verbot von Versammlungen unter freiem bank in Berlin mit neugedrudten Ein- und Zwei­uns der kleinbürgerliche Anhang davon, wir Himmel und das Rundschreiben an die Landes- mark- Scheinen aufgefüllt worden ist. Die Ban­dürsen höchstens Standes" aber feine Klaj- regierungen gegen etwaige Zusammenstöße, besonten suchen sich damit zu helfen, daß sie bis zu 20 sen"-Interessen vertreten. Wir müssen den ders am 29. Juli, mit wirksamen Mitteln einzu Boten gleichzeitig nach der Reichsbant schiden. Klassenkampf führen, wie die Sozialdemokraten, schreiten, wird von den Blättern im allgemeinen Heute morgen warteten schon Tausende, als die mit Befriedigung aufgenommen. erklärten etliche, worauf wieder andere prokla­Bant geöffnet wurde. Die B. 3. am Mittag" Die Vossische Zeitung" meint, man betrachtet es als ausgeschlossen, daß die Reichsbank mierten: wie sind eine Partei des deutschen tönne daher einen ruhigen Sonntag erwarten, bei dem gegenwärtigen Betriebe den an sie ge­Volfes, eine Kampfpartei" schlechtweg, und aber die Regierung müsse sich Rechenschaft able- stellten Forderungen entsprechen kann. nicht bloß eine solche der Arbeiter. Nach dem gen, daß mit den Witteln der Exetution, Kriege waren die Deutschgelben begeisterte De- allein so gefährliche Strömungen nicht zu be­mofraten und Republikaner, da das Zeitalter endigen sind und müsse sich endlich einmal zu po­der Demokratie angebrochen schien, und es gab litischen Taten entschließen, vor allem eine Richtung, die sogar auf eine Annäherung zu Steuermaßnahmen, um die Kosten des Nuhr- der Unruhen in Breslau und Frankfurt sollten was die Deutschgelben als ihre Taktik und ihre an die Sozialdemokraten hinarbeitete. Aber lampfes nicht lediglich aus der Notenerzeugung zu auch in Ostsachsen von den Eriverbslosen große Grundsäße ausgeben. Wohl sucht der Tag" decken. Dem Blatte zufolge bestehe nicht nur Strawalle veranstaltet werden. Der Polizei ist es als Horthy in Ungarn und Mussolini in Ita- bei den Sozialdemokraten, sondern auch bei den gelungen, diesen Plan rechtzeitig aufzudecken, Dr. Schillings Anschauungen als solche rein lien siegte, und Hitlers Ruhm in Bayern stieg, anderen Parteien der Wunsch nach Einberu- worauf alle Versammlungen der Erwerbslosen persönlichen Charakters" hinzustellen und er da dachten die Deutschgelben, daß sich mit dem fung des Reichstages, sowohl wegen der unter freiem Himmel verboten wurden. empfiehlt ihm Zurückhaltung", wenn schon Fascismus doch bessere Geschäfte machen ließen, seine persönlichen Anschauungen ihn in Gegen­als mit der Demokratie und dem Republika­say mit der Politik seiner Partei bringen, aber nismus, und so häuteten sie sich aufs neue. mitott", weiter. Die Vereinigung der gannen und heute noch weiterführen. Zur Zeit, warum sollte sich Schilling zurückhalten", da Demokratie ist Judenherrschaft, und Parla- deutschgelben Abgeordneten mit den deutsch als sie riefen, der Kampf müsse mit ungesetz- doch jeder der deutschgelben Schriftgelehrten mente werden dem deutschen Volt nicht helfen, bürgerlichen im Deutschen parlamentarischen lichen Mitteln geführt werden, schrieben sie auf denkt und tut was er will. Heute so, morgen sagte Hitler , und sie taten alles, dem neuen Verband galt jahrelang" höchste Boltsnotwen ihr Programm das Selbstbestimmungsrecht. so. Dr. Schilling fann doch wirklich nicht fascistischen Messias nachzustreben. Und nun digkeit", und die deutschen Sozialdemokraten, Jezt aber heißt es: nicht Selbstbestimmungs-, wissen, was die augenblickliche offizielle Mei­rufen sie nach der nationalen Diftatur". Be- die nicht mit bei der deutschen Einheitsfront" sondern Selbstverwaltungsrecht, und Lodgman nung der Partei der Konfusion ist. Bald de­seitigung der Demokratic, und flagen gleich sein wollten, wurden als schnöde Volksverräter wird, weil er an dem ersteren festhält, als Don mokratisch, bald fascistisch, bald antisemitisch), zeitig über die nationale Diktatur" der tsche- verdonnert. Im Vorjahre aber sprengten die Quijote verhöhnt. Wohin sich die deutschgelbe dann für ein Zusammengehen mit den Juden, chischen Machthaber, und die Verletzung der Deutschgelben mit Lodgian, der ihnen damals Wetterfahne morgen drehen wird, hängt von der bald Klassen- und bald wieder Volkspartei, Demokratie durch sie. Alles in einem Atem- noch ein Nationalheiliger war, den Verband, Windrichtung ab. heute für das Selbstbestimmungsrecht und nach) zuge! Nur recht feste druff" und radikal um der, wie sie versicherten, schon lange ihre Be- Aber schon fündigt sich eine neue deutsch - vier Wochen für das Selbstverwaltungsrecht, jeden Preis, riet die eine Richtung; um Got- wegungsfreiheit gehemmt habe, und das höchste gelbe taktische Richtung an. Sie geht von Dr. erst mit den Kapitalisten, dann Anbiederung teswillen, nur bedächtig und vorsichtig, warnte Ziel war nun: nur nicht gemeinsam marschie- chilling aus, der nichts geringeres emp- an die Sozialdemokraten, bald äußerster die andere, denn seit dem Schußgesetz getrauen ren! Was nicht hindert, daß die Deutschgelben fiehlt, als den Eintritt der Deutschen Kampf", dann Mahnung zur Vorsicht, bald sich unsere Gesinnungsgenossen, die Staatsange- die Sprengung des Deutschen parlamentarischen in die Regierungskoalition! Dr. gelb, bald rot wie sollte da Dr. Schilling stellte find, gar nicht mehr in unsere Versamm- Verbandes jcht zumindest als verfrüht" be- Schilling stand nach dem Geständnis des Tag" zweifeln, daß in dem Programm einer sol­lungen, und noch weniger will jemand mehr zeichnen. Der einzige Kampf", den die fagen- früher auf vorgeschobenem Posten" in der schen Partei auch das" Paktieren mit den als Einberufer und Leiter einer Versammlung hafte revolutionäre" Kampfgemeinschaft bis- Partei, er war also sozusagen einer der deutsch Tschechen " nicht Plaz finden sollte! Dr. Schil­fungieren! her führte, war die Maßbalgerei, welche die selben Führer. Vor einem Jahre, am 14. Juli lings Irrwege", sie sind der normale Zustand

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Und so ging es, bald mit Hütt", bald Deutschgelben mit der Partei Lodgmans be- 1922, fchrieb er noch in demselben Tag", der einer Partei, die jelber nicht weiß, was sie will!