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4. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit.

Das tarpathorussische Rätsel.

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Mittwoch, 19. März 1924.

Lumpazivagabundus Ludendorff.

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Der große General Ineist aus. Auch Hitler verzichtet auf die Märtyrer trone. Die sonntägigen Parlamentswahlen in Der Butsch war ja nicht so ernit gemeint... Karpathorußland haben für die Koalitionspar München , 18. März.( Eigenbericht.) Im Gericht handle es sich dabei um die Sklärung der teien trübe geendet: von neun Abgeordneten- Hitlerproze rat heute eine überraschende Wen- für die Schuldfrage außerordentlich wichtigen mandaten vermochten sie nur zwei zu erringen. dung ein. Während die Verteidigung Ludendorffs Tatsache, ob Bubendorff in voller Kenntnis und Hitlers bisher darauf eingestellt war, den und Noch schmerzlicher ist das Wahlresultat für den Tatbestand des Hochverrates zuzugeben und Staatsstretches im Bürgerbräufeller sich Billigung des Hitlersch en Senat; hier gingen vorläufig die Staatserhal sich lediglich darauf zu beschränken, die Haupt zur Verfügung stellte und ob die von Ludendorff tenden" vollkommen leer aus und es fielen vier schuld tahr, Lossow und Seißer augu- ongestrebte Patent"-Lösung identisch sei Mandate den oppositionellen Parteien zu, über schieben und nachzuweisen, daß sie durch ihre mit dem Hitlerputsch. das fünfte steht die Entscheidung noch aus. Vorbereitungen fich gleichfalls des Hochberrates Das Wahlergebnis wird die Herren in Prag fchuldig gemacht haben und daß Hitler und Ge­wie ein Schlag auf den Kopf getroffen haben, noffen sozusagen nur voreilig den Befehlen Kahrs denn es ist klar, daß sich mit der Niederlage gefolgt wären, erklärte Lubendorff heitie der Parteien der Mehrheit eine vernich überraschend, daß er an einen Staatsstreich fei tende Niederlage der Regierung unvorbereitet in das Bürgerbräu gekommen sei. neswegs gedacht habe, sondern völlig verbindet. Auf einen solchen Ausfall waren fie Er habe bort die Erklärungen Hitlers von ber nicht gefaßt, lag doch der ganze Wahlapparat Abfezung des Reichspräsidenten und der Reichs­in den Händen ihrer Organe und zudem hatten regierung sowie von der Aufstellung der neuen die im September durchgeführten Gemeinde- Regierung mit diktatorischer Vollmacht nicht wahlen in Karpathorußland für sie, besonders berstanden", vielmehr angenommen, daß für die Partei der tschechischen Agrarier, mit Sifler gemäß den Absichten Kahrs und Bossows einem Sieg" abgeschlossen. Die tschechische ein Stumpflabinett eingesetzt habe, bas Agrarpartei war nach den Gemeindewahlen in den sollte. Den Einwand des Vorsitzenden, daß bon Berlin aus freien Stüden ergänzt wer froher Baune und es erschien ihren Erponen er früher anders ausgesagt habe, sucht Budendorff fen in der Regierung der Zeitpunkt für die dadurch zu entkräften, daß bas, was er heute Ausschreibung der farpathorussischen Wahlen, sage, richtig sei und feiner inneren Ueberzeugung die seit mehr wie drei Jahren immer verheißen, aber nicht durchgeführt wurden, so günstig, daß sie sich endlich entschlossen, dort verfassunge mäßige Zustände eintreten zur laffen. Die Re gierung hai, bevor sie die Wahlen ausschrieb, jorgfältig die Stimmung der Bevölkerung auß­

entspreche.

Bei Beantwortung der gestellten Fragen nahm nun Ludendorff eine gerabegu fen­fationelle Saltung ein, indem er erklärte, baß er am Abend des 8. November an einen militärischen Marsch nach Berlin nicht gedacht habe, daß er nichts wuhte von der Abseßung Ser Reichsregierung, und daß er die Worte Hitlers nicht in dieser Richtung aufgefaßt habe. Im Bürgerbräufeller sei er( Ludendorf) der Auffassung gewesen, daß es sich nur um einen politischen Drud hauble. Die Bildung der provisorischen Reichsregierung sei nur eine Rumpffache gewesen; ob Ebert abgefeßt würde, müßte der Zukunft überlassen

bleiben.

zufundschaften gesucht ereinstimmend dahin: Ludendorff will er plöglich nichts mehr wissen. Rede von der bevorstehenden Umwäl- 18

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Bel 3aftellung ins Hans ober bel Bezng durch die Bos

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Nr. 67.

Die Internationale der Agrarier.

Das Haupiargument der deutschen Bourgeoisie in Kampfe gegen die deutschen Sozialdemokraten besteht in dem Vorwurf internationaler Gefin­nung und internationalen Birkens. Alle Par­grazier, die einen großen Teil ihres politischen teien des deutschen Bürgertums, auch die deutschen Stampfes mit dem fortgesetzten Appell an das Ge­füht für deutsche Scholle. deutschen Boden". ,, deutsche Heimaterde" betreiben, lieben es, die J ternationalität der deutschen Sozialdemokraten als Beweis für deren Mangel an nationalem Gefühl auszugeben. Tag für Tag, zumal in Wahlzeiten, verbreiten sie die Lüge von der nationalen Un zuverlässigkeit" der deutschen Sozialdemokraten und als einziges Argument für diese Behauptung wet­sen sie immer wieder auf die internationale Ge finmung, die internationalen Bestrebungen und das internationale Programm der Sozialdemokra ten hin. Dieweil aber die Agrarier den internatio malen Gedanten des Sozialismus und der klassen bewußten Arbeiterschaft schmähen, als falsch und verderblich hinzustellen versuchen, bemühen sie sich ſelber, die internationalen Beziehungen und Bin versteht sich, für ihre dungen der Wirtschaft 3wvede und in ihrem Sinne auszunüßen und zu Zwecke fördern. Die internationale Verbindung und Wechselwirkung aller wirtschaftlichen Erscheinun

industrie, so auch von den Vertretern des Groß­

Auf diese überaschenden Aussagen hin fah sich Autoenborii damit in einen gewissen i bergen wird so wie von den Bertwtern der Gro der Vorsitzende gezwungen festzustellen, daß Auch Hitler zog sich heute auf diese Linie foruch zu feinen früheren Angaben feße. grundbasizes sehr wohl wahrgenommen und die zurüd nud versuchir in einer groß angelegten Der Staatsanwalt versuchte hierauf, Rede nachzuweisen, deß er durchaus m fra Bitierung von Leitartikeln aus dem Böl. Arbeiterschaft, die längst zur Erfenntnis der inter mat Bölsationalen Schiefel genuchschaft der proletarischer fonformi gegangen fei und daß er weiter nichts nicher Beschächter" vor dem 8. November nach Klaſſe gekommen ist, ist sich dessen voll bewußt. im Auge gehabt habe, als den Plan stars auf zuweisen, daß tatsächlich doch eine Dittatur Hitler daß ihr als Gegner das international verbundene Errichtung eines Direktoriums mit unbeschränkter Ludendorff mit Bissen Ludendorffs ge Bollmacht zu fördern. Von einer Diftatur Dinlet war. In diesen Artikeln ist mehrfach die in Juduſtrie und Landwirtſchaft Da aber die Agrazier den Beſtand. sung, einer völlischen Revolution usw. die Bedeutung und die Ziele ihrer internationalen Ludendorff ertviderte hierauf lediglich, Doganisationen und ihrer internationalen Be­daß er solche Ausführungen niemals gebil- mühungen bewußt höchst selten erwähnen ligt(?) habe. Auch die ihm als Führer der wie könnten sie auch sonst das internationale nationalen Armee übertragenen diftatorischen Be Denken und Wirken der Arbeiterklasse ber­fugnisse habe er zunächst nur ganz idee II" urteilen?!- verdient es, besonders festgehalten zu aufgefaßt. werden, wenn sie einmal aus sich herausgehen, ganz offen die Epistenz internationaler Bestrebun gen der Landwirtschaft" feststellen, besprechen und Bestrebungen zu erferien geben, wie dies der damit auch die Richtung dieser internationalen Bestrebungen zu erkennen geben, wie dies der Schweizer Agvarier Professor Baur in der Sonntagsnummer der Deutschen Landpost", des Zentralorgans des Bundes der Landwirie, ge­ban hat.

Diese Schwenkung Ludendorffs, die all­gemeines Aufchen erregte, wurde teitweise auch von Hitler gest üßt, denn auch Sitler sprach jest plöblich von einem ideellen Marsch nach Berlin ".

München , 18. März. Zu Beginn der heutigen Sigung befaßte sich Ludendorff mit der fürzlich bekanntgegebenen Erklärung des Stardi nals Faulhaber, wobei er gegen einzelne Ausbrücke des Kardinals polemisiert und zum Schluffe feststellt, daß ber eigentliche Bed feiner ersten Rede als Angeklagter der war, feit Hierauf schloß der Borsisende offiziell zustellen, wie die ultramontane Politit die Beweisaufnahme. gleichzeitig in Deutschland und Amerika tätig sei. In geheimer Sitzung wird nun darüber ver­Der Borsigende beschäftigt sich hierauf handelt, ob die Plädoyers in öffentlicher oder noch einmal eingehend mit Ludendorff . Für das nichtöffentlicher Sigung gehalten werden.

tei hielten und nach den Wahlreden halten fonnten. Die Karpathorussen haben bei den kommunisten gesucht, was sie bei den anderen, den sogenannten staatserhaltenden Parteien, nicht fanden, das ist die Möglichkeit des Pro­testes gegen Prag , das ihnen einen landes­fremden Gouverneur zugewiesen hat, der die Seele des Volkes nicht versteht, der nur ver­steht, die an den Prager grünen Tischen ge­faßten Beschlüsse auszuführen, eines Protestes gegen die das Land überschwemmenden Be­amten aus Prag und gegen die ganze Wirt schaft, wie sie hier etabliert wurde.

Professor Laur zählt in diesem Artikel zu­nächst die wichtigsten internationalen Duganisatio

wenn man auch bei der zu etwa 70 Prozent Man darf gespannt sein, wie das Gericht diefe aus Analphabeten bestehenden Bevölkerung Schwenhung auffaffen, und wie das Urteil, das nicht von flarer politischer Scheidung der am 31. März gefällt werden soll, unter biefen Schichten der Bevölkerung und von bewußter Umständen ausfallen wird. politischer Ueberzeugung sprechen könne, so wäre doch voller Verlaß darauf, daß die Wäh ler sich wie ehedem unter ungarischer Herrschaft willig für die Regierungskandidaten zur Wahl­urne führen lassen werden, und daß der das Wahiglid korrigierende Wahlapparat richtig funktionieren werde. So jidher waren die Koalt tionsparteien des erwarteten Erfolges für die Rejahung des Staatsgedankens, daß sie sich fogar den Lurus eines gewissen Wettbewerbes um die Mandate untereinander gestatteten und gar nicht im Traume daran dachten, daß dieses arme rückständige Volf von Analphabeten Straft, Mut und Selbständigkeit des Dentens suchen, die Ursachen der Regierungsniederlage| die sie damals noch für eine oppositionelle Bar- selbst wenn es wahr wäre, daß Karpathorus­und Fühlens aufbringen könnte, nach eigener zu erforschen und die Fehler zu vermeiden, die land nicht wie eine eroberte überseeische Kolonie Gesinnung und Einschäßung seiner Befreier" zu ihr geführt haben. Man spendet sich Trost, verwaltet wird, so vergißt die Regierung doch zu stimmen. bas Votum der Wähler wäre nicht ernst zu an das Entscheidende, was die Bevölkerung Denn das ist der Sinn dieser Wahlen: nehmen, das Wahlergebnis sei ein reiner Zu eines Landes zur Zufriedenheit bringen kann: sie sind das Urteil über die fünf fall, in vierzehn Tagen würden diese Wähler an die Freiheit und unabhängig­Jahre Rolonisationstätigteit, schon vielleicht wieder anders wählen, die un­teit, die jedes Volk als erstes und die von Prag aus in diesem Lande aufgeklärte Bevölkerung wäre eben diesmal notwendigstes Recht in Anspruch betrieben wird! Sie sind die Antwort noch den größten Demagogen aufgesessen. So nimmt. Karpathorußland wurde durch den anf all das, was eine engstirnige Bureaukratie das Urteil der karpathorussischen Wähler ein­Friedensvertrag die Autonomie verheißen, und die turzsichtige allnationale Regierungs- zuschätzen, ist ungemein bequem, denn es ent­seither sind Jahre verflossen, doch von diesem toalition in der Verwaltung dieses Landes ver hebt der Pflicht der Gewissenserforschung. Es garantierten Rechte ist feine Spur zu finden. übt hat. Sie find als Auffährei und Protest ist ebenso unerlaubt findisch, die Abstimmung Das Land wird wie jedes andere der Gebiete zu werten und als, nichts anderes. Wenn man vom Sonntag als Zufall anzusehen, wie es der Tschechoslowakei durch den Prager Zen­in Prag Ohren zum Hören hätte, man müßte lächerlich ist, zu behaupten, die Kommunisten Man möchte sich einreden, daß hinter dem tralismus regiert, nach seiner Fasson und zu das Votum der karpathorussischen Wähler ver- hätten deshalb die Hälfte aller abgegebenen Abstimmungsergebnis ein Rätsel stede, und seinem Frommen, nicht immer zu jenem stehen und nicht, wie es jest geschicht, nach Stimmen auf ihre Kandidaten vereinigt, weil daß es purste Undankbarkeit der Karpatho - der farpathorussischen Bevölkerung. Diese hatte allerlei recht windigen Erklärungen dafür fie skrupellose Agitation betrieben hätten und ruffen gegen die Regierung sei, die fich seit jogar bis jest nach fünf Jahren! - nicht suchen. Man hat es früher Wien berechtigt ihre Kandidatenliste die Nummer Eins hatte. fünf Jahren bemühe, den kulturellen und wirt- einmal Vertreter im Zentralparlament siten, zum Vorwurf gemacht, daß es nicht über die Niemand, auch nicht die Kommunisten, wird schaftlichen Stand des früher arg vernachlässig und durfte erst vor einigen Monaten sich die Grenzen Niederösterreichs hinüberzusehen ver behaupten, daß die mehr als hunderttausend ten Landes zu heben. Publizistische Schön- Gemeindevertretungen erwählen. Was sich in mochte, daß seine staatliche Bureaufvatie, in Stimmen, die sie erhielten, von kommunisti- färber aus Beruf und Neigung bemühen sich den fünf Jahren an Groll und Bitterkeit an­der lauwarmen Luft der Wiener sogenannien schen Gesinnungsgenossen und Parteigängern seit längster Zeit, all die wunderherrlichen Für häufte, die Regierung sah es nicht, wollte Gemütlichkeit, in Schlamperei, Sorglosigkeit herrühren. Es war gewiß nicht der Bauber forge- und Erziehungsmaßnahmen ins hellste es wohl nicht sehen. Uebernatürliche Kräfte und Unverständnis, die Vorgänge, Verhältnisse des Bolschewismus, der so große Maffen für Licht zu sehen, mit denen die liebevolle Prager waren bei den Wahlen nicht im Spiel, es und Stimmungen in den Ländern nicht ver- bie fommunistischen Kandidaten stimmen ließ, Regierung die karpathorussische Bevölkerung findet schließlich alles seine Erklärung. Ehe in stehen wollte. Wie Prag alles Ueble aus Defter denn der ist verblaßt und kann nicht einmal seit Jahr und Tag beglücke. Nach diesen Dar- Bosnien die Unzufriedenheit zur Verbitterung reich treulich zu kopieren sich bemüht, so auch die politisch rückständigen Wähler Karpatho- stellungen könnte man glauben, ein unerschöpf- gestiegen war, hat es immerhin einige Jahr­dieses hartnädige Mißverstehen und die Miß- rußlands während einer vierwöchentlichen liches Füllhorn schütte seine Gnaden über das zehnte gedauert; in Karpathorußland herrscht achtung des Willens der Bevölkerung außer Wahlbewegung in Massen die Bevölkerung ins beneidenswerte Land aus, so daß es unerfind- bei der Mehrheit der Bevölkerung Verbitte halb der Prager Vanumeile. Man wird jest tommunistische Lager treiben. Nein, die far- lich sei, daß es in Karpathorußland noch so rung schon nach einem Jahrfünft. Das be unter den halb und ganzoffiziösen Stimmen pathoruffischen Wähler haben aus denselben etwas wie Unzufriedenheit geben könne. Ein sagen und bezeugen diese Wahlen! Ein Rätsel vergeblich nach einem aufrichtigen Wort, nach Grfinden kommunistisch gewählt, aus denen Blick auf die Verhältnisse im Lande lehrt aber, sind sie nicht. Sie sind ein Urteilsspruch, der einem ehrlichen, offenen Bekenntnis und nach vor vier Jahren die slowakische Bevölkerung wie es in Wahrheit hier aussieht, wie hier zum Nachdenken und zur Einkehr zwingen einem dementsprechend gerichteten Borsatz für die tschechischen Sozialdemokraten wählten, nach wie vor Hunger und Elend wüten. Aber müßtel

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