Jahrg. 1 Nr. 15

Am 6. Sept. 1924

Die proletarische Frau

Erscheint an jeder

zweiten Samstag

Ewig Arieg?

" Der Menschen Krieg währt immerdar"

Ihr Träumer: Nein, es ist nicht wahr! Des Menschen Krieg währt seine Zeit Bis sich der Mensch vom Krieg befreit Und sein Geschick frei wie er denkt Mit Selbstbewußtsein selber lenkt.

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Tief schau ich in der Dinge Strom, Von unten steigt des Friedens Dom, Jahrhundert auf Jahrhundert hebt Sich Stein auf Stein, das Bauwerk bebt, Doch fällt es nicht und wächst mit Macht Empor zu blaufristallner Pracht.

Wegen ,, versuchter Notzucht" wurde der Herr] 3iveibarth allerdings angeklagt. Sein Opfer wankte in den Leipziger Gerichtssaal. Die Richter sahen das verkrüppelte Mädchen und den gesun

Die fleine Hanne.

suchungen von Sherman und Mac Leod, wonach eine vitaminarme Diät zwar einigermaßen ge­Die kleine Hanne hat einen Großvater, der nügendes Wachstum unterhalten kann, aber das gut wie Großväter zu sein pflegen. Tier steril macht, während genügende Vitamin­Sanne selbst ist durchaus nicht schlimmer, zufuhr normale Fruchtbarkeit erzeugt. Bei Kin dern geht alles gut, solange sie genügend gute

den Fabrikanten. Und sie nahmen mildernde Auch Umstände" an. Die siebzehnjährige Arbeiterin hat, wie felten jemand Gelegenheit, die verwan- als fleine Mädchen gewöhnlich sind. delte Mythologie fennen zu lernen. Hatte sie im Bureau der herrschenden Klasse den Liebesgott mit der Hundepeitsche gesehen, im Gerichtssaal erblickte fie die Göttin der Gerechtigkeit, die ihre Wage nicht mehr halten konnte, weil sie sich ge­rade in mildernden Umständen" befand. Sie ge­nas auch eines sanften Urteils: Der Fabrikant wurde nämlich zu sechs Monaten Gefängnis und 500 M. Buße verurteilt und mit einer Be­währungsfrist von drei Jahren ausgezeichnet.

Aber sie liebt es nicht, Großvater guten Muttermilch erhalten, mit der Entwöhnung begin­Morgen zu sagen. Vielleicht langveilt es sie, daß nen die Schwierigkeiten. Kinder in den ersten das so feierlich geschehen soll. Vielleicht sind an Lebensjahren brauchen Milch, Butter, grüne Ge dere Gründe vorhanden. Hanne selber schweigt müse, Eier; Lebertran ist oft nütlich; ein Staffce­fich aus. Sie macht bloß Unsinn, und eines Ta- löffel hievon enthält mehr Vitam ne als die größ­ges streift sie ganz unverhohlen. ten Mengen Butter und Milch, die sie genießen Hannchen, fag Großvater schön guten fönnen. Bei blaffen, mageren und unterernährten Morgen!" Kindern, die zu allen möglichen Infektions- Stranf " Der arme Großvater ist so traurig, wenn heiten wie Brouch alfatarrh, Lungenentzündung Hannchen ihm nicht guten Morgen fagen will." oder Durchfall neigen, sieht man nach Eingeben So endete das Liebesabenteuer der siebzehn- Sanne kneift den Mund zusammen. Ihre von Lebertran oft ausgezeichnete Erfolge Amor mit der Hundepeitsche. baie nicht verurteilt wurde, noch einmal in den jährigen Arbeiterin. Sie darf sich damit trösten, Lippen sind kalt wie Eis. englischer Strankheit ist Lebertran ein sehr fost Mutter ist am Ende ihrer Kunst. Vater wird bares Heilmittel. Auch bei der Behandlung der Lichtschacht zu springen, um den Tod nachzuholen, gerufen und wendet die Mittel an, die ihn zu Ge- Lungenschwindsucht spielt er eine nicht zu unter­der damals humaner gewesen als der Fabrikant. bote stehen, aber ohne den geringsten Erfolg. Da schätzende Rolle. Der Zweibarth aber wird sich zweifellos ebenso fängt Großvater an, ärgerlich zu werden. Alle bewähren", wie seine Fabrifate, wie die Gesell- sind darin einer Meinung, daß es so nicht weiter schaftsordnung seines großen Kollegen, wie fein gehen könne. Die Situation ist unhaltbar und es

Karl Hendell.

Von Eli- H a. Diese Begebenheit trug sich in Leipzig zu. Es besteht die Gefahr, daß fie in Vergessenheit gerät, weil sie ein sogenanntes Lofalereignis" ist, das in

HEMONGO

Vei

den Bapierförben der Redaktionen und der Zeit- Richter, wie die Wagschale der Juſtiz. Die fich muß eine Löſung gefunden werden, damit Hanne Barum muß jede Frau

Großvater tritt in seine Stube und tommt mit einem verlockenden Kuchen zurüd.

geschichte zu verschwinden pflegt. Die Hauptper zehnjährigen Arbeiterinnen mögen daraus die nicht dauernd die Oberhand behält. jonen sind: eine siebzehnjährige Arbeiterin und tröstliche Beruhigung schöpfen, daß sie nicht unbe­ein Leipziger Fabrikant. Das tnappe Personen- dingt vom Fabrikanten vergewaltigt werden verzeichnis fönnte allein schon den Ausgang der müssen, so lange es Lichtschächte gibt... Geschichte ahnen lassen. Denn in der Gesellschafts­ordnung, die ein Gott der Fabrikanten produziert hat und beharrlich auf dem fosmischen Weltmarkt erhält, muß die Begegnung eines Fabrikanten mit ciner fiebzehnjährigen Arbeiterin für diese tragisch verlaufen.

An einem Abend versäumte die junge Arbei­terin ihren Zug, mit dem fie allabendlich, nach der Arbeit, die ein Segen für ihren Brotherrn war,

nach Hauſe zu fahren pflegte. Da begegnete ihr an einer Straßenecke die herrschende Klasse in der Person des würdigen Fabrikanten W. Zweibarth. Der behauptete, in der Richtung fahren zu wollen, in die das Mädchen wollte. Er müßte nur noch seine Aftentasche holen. Das Mädchen begleitete ihn ins Bureau. Hier versuchte der Fabrikant, cs zu vergewaltigen. Die Arbeiterin wehrte sich. Der Fabrikant schlug sie mit einer Hundepeitsche. Das Mädchen sprang durchs Fenster, fiel in einen Lichtschacht, brach sich ein Bein, erlitt innere Ver­legungen und wurde ein Krüppel.

Sie wird so cine dauerhafte Erinnerung an die Liebe eines Fabrikanten behalten, an den Amor mit der Hundepeitsche. Fabrikantentöchter lernen meist den Amor mit dem Pfeil kennen. Der Gott der Liebe hat für jede Klasse andere Re­quifiten. Fabrikantentöchter stürzen nicht in die Lichtschächte. Sie kommen sehr selten in die Lage,

einen förperlichen Fall dem fittlichen Fall" vor zuziehen. Sie fallen" nur metaphorisch, vorsich tig und mit einer Brautausstattung.

Dieses Arbeitermädchen aber stürzte sich in den Lichischacht, dem Sonnenmittler des Proleta­riats. Sie war siebzehnjährig, unbesonnen, und der Tod war ihr gleichgültig und sogar sympathis scher als der Fabritant Zweibarth. Und nur dem Glück, das in dieser Welt über die Fabrikanten zu wachen pflegt, hatte sie es zu verdanken( oder vorzuwerfen), daß sie am Leben blieb. Denn eher fällt ein Mädchen ohne tödliche Folgen in einen Lichtschacht, als daß ein Fabritant wegen Tot schlages angeklagt wird.

Wenn Hanne jetzt ein liebes Mädchen seine und dem alten Großvater hübsch guten Morgen fagen will, soll sie den schönen Suchen da haben." Weil Alle halten dem Atem an in starker Span­nung. Hanne desgleichen. Sie starrt auf den Su­Unter dem Titel Eine Prinzessin als Fachen. In ihren Augen funkelts und ihr Münd­brifarbeiterin" berichten amerikanische Zeitungen: chen zittert.

Das Abenteuer".

,, Eine erlauchte Arbeiterin ist ge­genwärtig in einer Fabrik in Chicago für einen

Es ist ein wunderschöner Kuchen.. Und sie flärt die Angelegenheit wie- ein

ausgelernter Diplomat, streckt die sand hin und sagt vollkommen ruhig und freundlich:" Guten Morgen, Suchen."

Nahrungsmittel- Chemie.

Ueber die Wirkung des Lebertrans.

Sozialistin fein?

die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, die von jeher die volle Gleichberechti gung der Frau in ihrem Programm for derte.

Weil die Sozialdemokratische Partei die allei nige wahre Hüterin des Friedens ist und jede Frau doch den Frieden will.

weil die Sozialdemokratische Partei aufrichtig

Weil

Weil

Lohn von 20 Dollar die Woche tätig. Sie hat, wie New Yorker Blätter berichten, als ihren Namen Elsa Bernadotte" angegeben, ist aber die Enfelin des Stönigs von Schweden . Die( Aus der Kleinen Stizzensammlung: Streif Prinzessin tam mit ihrem Vater zum Besuch lichter" des naturwissenschaftlichen Märchendich- eil nach Washington und war eine Zeitlang Gast ters Karl Ewald , Verlag Reclam .) im Hause der Rockefellers. Sie hörte hier im Gespräch, daß fürzlich Damen der besten ame­ rikanischen Gesellschaft sich studienhalber in Fabriken hätten anstellen lassen, und dieser Versuch reizte sie so, daß sie beschloß, ebenfalls ein solches Abenteuer zu bestehen. Sie ver­In cinem Aufsatz Ueber das Vitantin A folgte die Anzeigen in den Blättern, bewarb sich und den Lebertran"( La Presse med. 1924, Nr. 14) in einfachster Kleidung um verschiedene Stel- schreibt der Professor der experimentalen Phar­lungen und fand schließlich ein Unterfommen in makologie zu Christiania E. Pouilson über die heil­ciner Fabrit, in der Leder verarbeitet wird. fame Wirkung des Lebertrans. Diese Wirkung Sie bedient jest eine Maschine, durch die ge- ist auf den hohen Vitamingehalt zurückzuführen. gerbte Häute für Schuhe zugeschnitten werden." Es gibt verschiedene Arten von Vitamin, wovon Woraus wohl entnommen werden soll, daß im Lebertran die fettlöslichen oder A- Vitamine der Beruf einer Fabritarbeiterin mit 20 Dollar enthalten find. Bei Mangel an diesen Stoffen Weil in der Woche- was nach amerikanischen Ver- igen sich bald Erkrankungen. Leberivan ist be­hältnissen ein Sundelohn ist!- gar nicht so fanntlich Fischfett. Vitamin A ist vorhanden in schrecklich sein fann. Es wird nur nicht gesagt, frischer Milch und in der Butter; in abgerahmter daß die Prinzessin, die im Hause Rockefellers aus Milch und Margarine nicht. Das fettlösliche Vi und ein geht, eben nicht von ihren 20 Dollar tamin findet sich im ganzen Pflanzenreich, in den Ie ben muß! Auch ist flar, daß die erlauchte grünen Blättern, in den Keimen des Getreides, Arbeiterin" nicht ihr Leben lang, ja nicht einmal in den tierischen Fetten außer Speck, in kleinen ein Jahr und fein halbes Jahr lang an der Ma- Mengen im Flesch, in etwas größeren in drüfi schine Leder schneiden wird. Sie wird an irgend- gen Organen wie Leber und Nieren, aber nicht einem Tag, zu irgendeiner Stunde aufhören, so- in pflanzlichen Delen. Sein Hauptvorkommen bald das Abenteuer" seinen ersten Reiz verloren ist in der Milch, der Butter und dem Lebertran. haben wird. Das Abenteuer" der Arbeiterinnen Ueber die chem sche Natur der Vitamine ist fast aber dauert bis zu ihrem Tode... nichts bekannt. Sehr interessant sind die Unter­

Laffe gefühllos und wendete sich ab. Der Arzt Arme Eva- Marie... durchsucht noch die Taschen und findet einen Geld beutel und ein Taschentuch, darin die Adresse: Die heiße Sommersonne ging schlafen, als Eva- Marie Bruhn, Hohe Straße 64–111. Zwei ich Straßenzeilen durcheilte, um mich am Wasser Sanitäter mit einer Bahre sind schon da und fah­unter alien Bäumen von des Tages Hive zu er ren die Extrunkene in die Leichenhalle. Mir drüdt holen. Mitten im alten Stadtteil war ein Strei der Arzt das nasse Büchlein in die Hand und sagt: fen Grün, schattige Anlagen an der Gera . Am Sie übernehmen wohl die Benachrichtigung andern Ufer war freilich schon wieder eine der Angehörigen?" und entfernt sich. Häuserreihe. Regellos gebaut folgte sie dem ge= Vom Buche strömt eine Kälte aus in meine wundenen Flußlauf. Braunverwitterte, manch- warme Hand, in den Arm, durch den ganzen Kör mal gar zerfallene Holzveranden machten die re- per. Ich soll die Eltern benachrichtigen? Ich genverwaschenen Säuſer gemütlich. Auf einer weiß es wohl. Menschenpflicht nennt man on es, Bant fand ich noch ein freies Plätzchen und besah nicht wahr einer muheshin, es ist ja gans schläfrig die gewohnte Umgebung. Sah das ver- gleichgültig, wer. Das Schicksal hat eben mich da­staubte Grün, den dunklen Fluß, drüben an den zu ausersehen. Ich möchte das Buch einem ande­Veranden die fleinen Vogelbauer und die bunte ren in die Hand drücken, einem der eitlen Gaffer Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt war. Feier- mich. Hohe Straße. Es ist nicht weit, nur zehn sie sind alle verschwunden. Leer ist es um abendstimmung war um mich her. Da cine plögliche Unruhe auf der Bant, alle Minuten. Ach, wäre es doch weit, recht weit! Ich wenden die Köpfe zur entfernten Brüde. Zwei fürchte mich so davor! Ich will es nicht tun, nein, junge Mädchen lausen dorthin. Wieder ein ich tue es nicht! Aber immer noch stehe ich mit Mensch, der das Leben wegwirft!" So wedt mich dem Buche in der Hand an der Unglücksstelle. ein alter Nachbar aus meinen friedlichen Träuch fühle mich schuldig. Das ist ja unsinnig! Ich men. Ich gehe jetzt auch der Brüde entgegen. habe sie nicht ins Wasser getrieben, ich nicht! Ich Wohl zwanzig Wienschen umstehen steif und weiß nur, daß sie Verläuferin bei Behrends war. schweigend ein junges Mädchen, das jie joeben aus ch taufte dort einmal Oberhemden, gewiß, da Ich dem Waffer gezogen haben. Ungeschickt beginnt hat sie mich bedient. Sie war sehr nett und ein junger Arbeiter Wiederbelebungsversuche an geduldig. Damals habe ich sie eigendich bewun­ihr. Ich gebe ihm Anweisung, tnie nieder und bert, wie sie alle meine Einwendungen beachtete halte ben Stopf, der immer wieder zur Seite sinkt. und mich zufriedenzustellen suchte. Ich brachte Ich schicke zum nächsten Arzt. Meine Worte lösen dann die Oberhemden wieder. Sie nahm sie eben­den Bann von den Umstehenden. Sie beginnen so freundlich zurück und schrieb mir die Summe zu sprechen, alle durcheinander. Aber feiner er- gut. Ich gebe mir jebt einen Ruck und gehe fennt das Mädchen. Wir kommt das Gesicht be- endlich. Nun sehe ich gleich wie ein zielbewußter, fannt vor. Renne ich sie vielleicht? Ich grüble sicherer Mann aus. Und doch weint meine Seele nach. Da kommt der Arzt. Er beugt sich zu ihr innerlich um das junge Blut und fürchtet sich vor nieder, beflopft und behorcht fie, öffnet die Augen. dem Kommenden. Der Tod ist schon eingetreten. Wir zwei Helfer stehen auf. Stennt jemand das Mädchen? Stille. Jetzt weiß ich es. Ich antworte.

Sie war Verfäuferin in dem Geschäft für Herrenwäsche von Behrends.

,, Ach, nur eine Verkäuferin," sagte ein junger

Sohe Straße 64. Draußen ist ein Schild. Schneidermeister Bruhn in Fa. Behrends, Anger 24. Also sie hat einen Vater. Mechanisch steigen meine Beine die drei steilen Treppen. Oben sind viele Türen, an einer wieder das Schild. Ich flopse. Es ist auch eine Selingel da, aber ich fann

nicht flingeln. Eine freundliche Frau öffnet. Ich gewinne Einblid in eine kleine Stüche und rieche, daß Fleischtlößchen gebraten werden. Sie sich schnell die Hände an ihre Schürze, wiſcht wollen zu meinem Mann? Er wird bald tom­men. Ich will gleich vorn aufschließen."

Nein, nein," sage ich hastig ,,, ich komme hier durch." Deur nicht allein fiven im freundlichen Zimmer, lieber mit ihr zusammen sein! Ich brauche es ihr nicht zu sagen, ich kann auf den Vater warten.

,, Wie Sie wollen," enigegnet fic. Ich trete herein und seye mich auf einen Stuhl nieder. Schmuck ficht es aus und es riecht so gut. Wie zu Hause, als ich noch ein kleiner Junge war... Ja, ja, er hält etwas auf meinen Mann. Auf un­ Herr Behrends hat Sie wohl hergeschickt? ser Mariechen aber auch."

Well

und unbeirrt für Recht und Freiheit fämpft und damit den tiefinnersten Wün­schen der Frau Ausdruck gibt.

die Sozialdemokratische Partei das hett­tige Wirtschaftssystem aufs schärfste ver­urteilt, das auf der einen Seite Ueber­fluß und Verschwendung, auf der ande­ren Seite Not und Entbehrung schafft. die Sozialdemokratische Partei jedem ein­zelnen das Recht auf Arbeit und Erwerb, aber auch das Recht auf ein Teil Lebens­freude sichern will.

die Sozialdemokratische Partei den Schuß der Schwachen und Pflegebedürftigen, der Kleinkinder, der heranwachsenden Ju gend, der Kranken, Krüppel und Waisen, der Witwen und alten Leute zu ihren vornehmsten Pflichten zählt.

die Sozialdemokratische Partei den Kin­dern eine bessere Schule geben will, die sie zu wertvollen Mitgliedern der Mensch­heit erzieht.

die Sozialdemokratische Partei in jeder Beziehung das erstrebt, was eine fort­schrittlich gesinnte Frau für sich. für ihre Familie und für ihre Kinder wünscht. Darum trete jebe Frau der Sozial. demokratischen Bartei bei und werbe Kampf- und Barteigenolsinnen!

WOOOOOH

glaube, sie bringt nur einen Brief zum Postkasten. Sie ist heute früher als sonst aus dem Geschäft feffen und hat einen langen Brief geschrieben. Sie gekommen und hat dann in der Schlafſtube ge­bat mich, ich sollte nicht stören. Die Size heute hat fie sicher angegriffen. Jetzt ist es kühler. Nun wird ihr wohl sein."

Ich halte es nicht aus. Ich leide Qualen und greife an meinen Stopf, um ihn zu halten. Mut­fer, Mutter, wenn du wüßtest, was du sagst! denke ich.

damp Kommen Sie gleich hier durch, vorn ist " Ihnen wird wohl zu heiß hier im Küchen­es fühler." Sie führt mich durch Eva- Maries Schlafzimmer.

Da liegt ja der Brief noch!" Sie geht an den Tisch und liest die Aufschrift.

,, An meine Eltern!" schreit sie heraus.., Was soll das!?" Die fleine, runde Frau ist ganz verändert. Was wissen Sie, was ist das?" Lassen Sie Ihre Tochter zu sich sprechen," Maric?" " Ja, ja," lachte sic, so nennt sie sich immer. sagte ich auf einmal ganz ruhig geworden Sie ist halt so fürs Feine. Alles Schöne, Feine und drückte die Mutter auf den Betrand nieder. liebt fie. Sehen Sie mal zum Fenster, das sind aber sie fonnte nicht lesen. Ich mußte ihr den alles ihre Blumen! Und wie gern sie in dem fei- Inhalt des Briefes mitteilen. nen Geschäft ist! Herr Behrends sagt, solche Ver­fäuferin bekommt er auch nicht wieder. So gut bedient sie die Kunden."

Zerstoben sind alle Kindheitsgedanken, ich sehe das blasse Gesicht vor mir und das naffe Sie padt mich. Buch in meiner Rodtasche drückt mich sehr. " Sie meinen wohl Ihre Tochter Eva­

Ich will zustimmen, will erzählen, wie sie mich so freundlich bedient hat. Ich fann es nicht. und jedes Wort der Mutter macht meinen Kopf schwerer.

,, Mutter heute war Kurt im Geschäft bei mir. Die vielen Sachen in meiner Kommode für unseren Juwelierladen sind gar nicht gekauft die sind gestohlen. Und Sturt hat sie gestohlen. Mutter, Vater, Sturt ist ein Dieb! Was bin ich da? Ihr wißt, ich habe nicht gestohlen, ich habe nichts davon gewußt. Sturt will fliehen, weil die Polizei hinter ihm her ist. Ich soll später mit den ,, Aber er wird sie nicht lange mehr behalten," Sachen nachkommen. Mutter, aber ich fann es plaudert sie fort, sie hat einen Verehrer. Auch nicht, ich kann Kurt nicht anzeigen. Aber Ihr könnt einen feinen Menschen. Er ist Handlungsgehilfe es, hr müßt Kurt anzeigen. Für mich ist bier und will sich jetzt selbständig machen. Ein Juwe- fein Platz mehr. Vater, Mutter, vergebt mir. liergeschäft will er gründen. Er hat schon viele Sachen zusammen. Nicht mehr lange, dann heira­ten sie. Weil er möbliert wohnt, hebt ihm Marie­chen alles auf. Wenn sie kommt, fann sie Ihnen alles zeigen. Da werden Sie sogar staunen. Ich

Eure Marie."

Eine Mutter weinte um ihr Sind. Ich stand frierend dabei und konnte nicht helfen. Vor der Türe wartete schon die Polizei. M. Schr.