.

Einzelpreis 70 Heller.

Redaktion und Verwaltung: Prag , II., Nefazanta 18.

Telephone: Tagesredattion: 26795, 31469.

Rachtredaktion: 26797.

Boftfchedamt: 57544.

Juferate werden laut Tarif billigft berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.

6. Jahrgang.

Der Feiertag

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

der Bourgeoisie.

Donnerstag, 28. Oftober 1926.

Bezugs- Bedingungen:

Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post:

monatlich

16.­

vierteljährlich halbjährig

48.­

98

96.­

99

ganzjährig

192.­

.

SP

Rüdstellung von Manu­stripten erfolgt nur bei Ein­sendung der Retourmarfen.

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich( rüh

Nr. 253.

Reichskonferenz der Bergarbeiter. Das Endergebnis der Landstings­

Entschiedene Forderung nach Teuerungszulagen. bis 7. November.

Zu den verschiedenen Sinnbildern, in Denen sich der Glaube des tschechischen Volkes an den Burgfrieden, an die Ueberbrückung der Am 27. Oktober 1926 fand in Prag im Selaffengegensätze, an die unverbrüchliche Ein- Lidoby dum" die von den foalierten Bergarbei­heit der Nation fundg: b, gehörte sieben Jahre terverbänden einberufene Bergarbeiter- Reichskon­lang auch der 28. Oftober. Wie der Name Ma- ferenz statt. Sie war von 69 Vertretern der Or­jaryf, wie die rot- weiß- blauen Farben, wie ganisationen und Revierräte aus allen Revieren das Kde domov muj", so war auch war auch der der Republit beschickt. Den Vorsitz führten die Staatsfeiertag ein Symbol der Geschlossenheit Genossen Brožit, Jarolim und Fiser; des Volkes, das in dem Staat, der am 28. Of die Referate erstatteten die Kollegen Pohl und

Brožit.

Die Konferenz war zu dem Zwecke einberu­fen, um zu der Frage von Teuerungszulagen Stellung zu nehmen. Nach einer sehr sachlichen Debatte, an der sich 23 Redner beteiligten und in der allgemein die Notwendigkeit und das Bedürf­nis nach Teuerungsbeiträgen zum Ausdruck kam, wurde folgender Beschluß gefaßt:

Die am 27. Oktober 1926 tagende Reichskon­ferenz erklärt, daß mit Rücksicht auf die durch die Lohn- und Teuerungsverhältnisse hervorgerufene verschlechterte Lebenshaltung der Bergarbeiter die Forderung nach einer entsprechenden Teue­rungszulage zu den bestehenden Löhnen und Gedingen für die Zeit der Teuerung vollauf begründet ist.

Da mit der Ueberreichung dieser begründeten Forderungen für den Fall der Ablehnung durch die Grubenbesißer weittragende Konsequen sen verbunden sind, beschließt die Reichskonferenz, daß bis längstens 7. November 1926 die Stellung nahme der Reviere eingeholt wird. Sie beschließt

Revierabstimmung

weiter, daß die koalierten Bergarbeiterverbände zur Durchführung dieser Aktion nach Einlangen der Stellungnahme der Reviere ausdrückli; ermächtigt werden. Sollte die Stellungnahme der Reviere nicht einheitlich sein, ist zur Entscheidung eine aeuerliche Reichskonferenz einzuberufen.

Bei Eingang in die Tagesordnung wurde auch eine Sympathiekundgebung zu Gunsten der englischen Bergarbeiter beschlossen:

Die am 27. Oktober 1926 in Prag tagende Reichskonferenz der Bergarbeiter spricht den engli. schen Bergarbeitern, die sich mit niegesehener Zä­higkeit bereits sechs Monate gegen die Verschlech­terung der Arbeitsverhältnisse und des Lebens­niveaus wehren, ihre wärmsten Sympathien aus.

wahlen in Schweden

von Abg. Gustav Möller , Parteisekretär der schwedischen Sozialdemokratie.

Die schwedische Sozialdemokratie hat einen neuen Wahlsieg zu ihren früheren gefügt. Am 19. September fanden die Wahlen zu den soge­nannten, Landstingen, den Provinzvertretungen statt. Diese Provinzvertretungen haben unter an deren Aufgaben auch diese, Rifsdagens första kammara, den schwedischen Senat zu wählen. Da

die Berechnung des Gesamtwahlergebnisses auf Grund veralteter Methoden erfolgt, ist das Er­gebnis erst am 14. Oktober bekanntgegeben wor den. Das Resultat übertrifft unsere fühnsten Er­wartungen. Wir haben 174.000 Stimmen und 76 Landstingsmandate neu erobert und damit neun neue Mandate in der För sta tammara. Auf diese Weise wird unsere Partei nach und nach über 61 Mandate von ins­gesamt 150 im Oberhaus des Reichstages verfü gen.

Die Reichskonferenz nimmt zur Kenntnis, daß seitens der toalierten Bergarbeiterverbände alles geschehen ist, was unter den gegebenen Ver­hältnissen möglich war, um die Beschlüsse der Ere­futive des Internationalen Bergarbeiterverbandes Es wird unsere Genossen im Ausland inter­zur Unterstüßung der streifenden Bergarbeiter in essieren, die genaue Parteienkonstellation bei die­England durchzuführen. Sie appelliert an die fen Wahlen in Schweden kennen zu lernen. Hier Bergarbeiter, bis zur Beendigung des Streikes die folgen die Zahlen über Stimmen und Mandate Sammlungen fortzusehen und sowohl die Ueber- im Vergleich mit den Wahlen vor vier Jahren: stunden- als auch die Sonntagsarbeit abzulehnen, Stimmen: 1922 1926 287.119 461.028+ 173,909 39.006 37.094 1.912 168.195 206.817+38.622 129.293 171.635+42.312 270.209

Für die Stellungnahme in den Revierkon­ferenzen wurden noch weitere interne Beschlüsse gefaßt. Die oben angeführten Anträge und Be­schlüsse wurden einstimmig gefaßt.

Vermittlungsversuch der Trade Unions.

Besprechungen mit der Regierung und mit den Bergarbeitern.

Sozialdemokraten Kommunisten Bürgerliche Linke Bayernberband Konservative

324.346+54.137

tober 1918 ins Leben trat, etwas ganz anderes jehen wollte, als Staaten gemeinhin bedeuten. Hier sollte fein Werkzeug der Unterdrückung entstehen, hier sollte nicht der Kampf der Ge­sellschaftsklassen wüten. Der neue Staat sollte eine soziale Republik sein, in der Bürger und Arbeiter im Verein ein Paradies errichten sollten. Aber es fam anders, als das tschechi­sche Volf im November 1918 glaubte und hoffte. Die Programmerklärungen von da­mals wirken heute nicht nur veraltet, sondern beinahe etwas komisch. Man betrachtet sie nach der kurzen Distanz von wenigen Jahren schon so mitleidig, wie man die Reden der Frank­ furter Paulskirche erst Jahrzehnte nach 1848 zu lesen pflegte und wie man erst nach einem halben Jahrhundert bürgerlicher Geschichte über die Gleichheitsträume von 1789 fächelte. Wie die Staatsflagge aufgehört hat, Symbol des geeinigten tschechischen Volkes zu sein, son­dern heute den Mast eines Staatsschiffes ziert, auf dem neben Svehla und Srmaet, auch Spina und Mahr- Harting jegeln, so daß die Zeit nicht mehr fern ist, in der auch der tschechische Ar­beiter das anklagende Rot dem flassenversöh­nenden Dreifarb vorziehen wird, so wie Ma­London, 27. Oktober .( AR.) Die Depu saryk nich mehr das Programm der Nation, tation des Generalrates des Kongrejjes der Trade sondern das Angriffsziel ihrer Bourgeoisie Unions, welche gestern abends mit dem Pre­ift, so ist im Zeichen des neuen Kurses auch mierminister und einigen seiner Kollegen über die der 28. Oftober nicht mehr das, was Lage in der Kohlenindustrie verhandelte, erstat­er bisher bedeutete. tete heute vormittag dem Plenum des General­Es Der tschechische Arbeiter mochte sich wohl rates Bericht über diese Zusammenkunft. wurde mitgeteilt, daß die gesamte Lage einer auch in den vergangenen Jahren manchmal Durchberatung unterzogen wurde. Die Delegier­nach dem Sinn eines Feiertages gefragt ha- ten wurden jedoch daran erinnert, daß, so lange ben, den die einen bei Champagner und nichts erreicht werden könne, als die Delegation, Austern, die anderen bei trockenem Brot fei- die Regierung nicht wird versichern können, daß der Führer der ern dürfen; er mag der Verheißungen von sie mit voller Zustimmung 1918 gedacht haben, in denen ihm soviel brü- Bergarbeiterföderation spreche. derliche, tätige Liebe versprochen wird. Aber oXXX0000000000000XXXXXX Die allgemeinen Tendenzen der Wahlen kön noch immer war das Trugbild der einigen Na- einer kapitalistischen Steuerreform, bei dem deutsche Bürgertum hat seinen Frie- nen folgendermaßen zusammengefaßt werden. Die tion lebendig. Die Bourgeoisie tat nichts al Plan einer Verschlechterung der spär den mit dem Staat gemacht, ohne daß Konservativen müssen für absehbare Zeit die lein, sondern pattierte mit den Parteien der lichen Sozialversicherung und beim dem deutschen Volke Befreiung aus nationaler Soffnung, die sie tatsächlich gehegt hatten, mit tschechischen Arbeiter. Immer fleiner wurden Abbau des Mieterschutes angelangt. Knechtschaft wurde. Die deutschen Aktivisten dem Bauernverbande zusammen die absolute Ma­Der Rückgang die Zugeständnisse, die sie den Vertretern je- mit den demokratischen Grundrechten sieht es haben sich gerade rechtzeitig an den gedeckten jorität zu gewinnen, begraben. Der ner Volksschichten gewährte, denen sie 1918 windig genug aus und die Trennung von Tisch gesetzt, um den Feiertag ihres Staates der bürgerlichen Linken geht kontinuierlich wei­goldene Berge verheißen hatte. Aber es war eirche und Staat sieht das tschechische begehen zu können. Jenes Staates, der zwar ter, ihr pro entueller Anteil an der Wählermasse für den tschechischen Proletarier doch eine Re- Bürgertum als eine Jugendschwärmerei an, viertausend deutsche Schulklassen gesperrt und sinkt seit 1919 von Wahl zu Wahl. Die Kommu­gierung des Burgfriedens, in der seine Forde die der gütige Pater Sramek den fromm ge- Zehntausende deutsche Arbeiter aufs Pflaster nisten sind auf dem Wege zu vollständiger Ber­nichtung. Der Vormarsch der Sozialdemokratie rungen gegen die der anderen abgewogen wur- wordenen Schäflein lächelnd verzeiht. Kein geworfen hat, der aber doch der Staat der ist nicht zu hemmen.

In Beantwortung der Anfragen der Dele- Sozialdemokraten gierten erklärte der Premierminister, daß er zu Kommunisten neuerlichen Verhandlungen mit ihnen jederzeit Bürgerliche Linke absolut bereit jei. Ob eine weitere Beratung Bauernverband stattfinden wird, hängt von dem Ergebnisse der Beratungen zwischen den Mitgliedern des Gene- Konservative ralrates der Trade Unionen und den Vertretern der Bergarbeiter ab.

Pen Tille, der Führer der Docarbeiter, erklärte Pressevertretern gegenüber, daß es den Mitgliedern des Generalrates gemeinsam mit den einsichtigen Führern der Wirtschaft möglich sein müsse, binnen einer Woche die Basis für die Auf­nahme neuer Verhandlungen auszuarbeiten.

Mandate:

1922

1926

368

444

+76

32

14

18

193

181

12

162 367

163 324

+1

43

++-+-

Alle Parteien mit Ausnahme der Kommu­nisten haben ihre Stimmenanzahl vergrößert, ber Vormarsch der Sozialdemokraten war aber so gewaltig, daß die anderen Parteien überflügelt wurden und die Sozialdemokraten allein Man­date erobert haben. Das eine neue Mandat des Bauernverbandes wiegt neben den 76 Mandaien der Sozialdemokratie sehr leicht.

den, und der gemeinsame Feind war der Deut- Buchstabe ist auf dem anderen geblieben und Spina und Mayr- Harting ist, weil er die Der Wahlerfolg unserer Partei muß, um in sche. Noch wußte der tschechische Arbeiter, daß die Herren Svehla, Stramar und Sramek haben 3ölle und die Kongrua, die Steuerre- feinem richtigen Licht zit erscheinen, gegen den zuerst sein deutscher Klassengenosse den Platz den tschechischen Arbeitern ein für allemal flar form und die Ersaßreserve geschaffen hat oder Sintergrund der allgemeinen Wahlallianz fämt­räumen mußte, daß ihm jeweils das Schlimm gemacht, daß sich aus einem Setkasten die schaffen wird. Eine Milliarde Kronenlicher bürgerlicher Parteien gesehen werden. ste erspart blieb. Heuer braucht ihn nichts mehr verschiedensten Programme fabrizieren lassen, werden die Zölle den Agrariern Profit ab- Zum ersten Mal haben sich die bürgerlichen in der Illusion bestärken, daß die tschechische auch wenn der Kasten selbst der alte bleibt. werfen. Der Goldglanz dieser Milliarde legt Parteien zu einem Versuche zusammengefunden, Bourgeoisie humaner, demokratischer, sozialer Für die tschechischen Arbeiter mag der 28. Of sich verklärend wie ein Heiligenschein über den die Sozialdemokratie niederzureiten. Wir haben sei als die irgend eines anderen Volkes. Nun tober ein Tag des Erinnerns und ein Tag des Staat, in dem die Deutschbürgerlichen ein lang diesen Versuch nicht nur zurückgeschlagen, sondern regiert man gegen ihn und er wird bald nicht Protestes sein, an dem sie geloben, das Pro- vermißtes Baterland wieder entdeckt haben. auch sowohl den Konservativen, als auch der mehr besser daran sein als der deutsche Prolet, gramm, das sie im Bunde mit ihrer Kapita- Unter dem Segen der Kongrua- Pfaffen, im bürgerlichen Linken beträchtliche Verluste zuge der die Lüge diejer Klassenversöhnung seit listenklasse nicht durchsetzen konnten, als So- Beichen der Zölle und der Teuerung, hat an fügt. Jahren durchschaut. Konnten noch im Vorzialisten zu erobern, ein Feiertag, ein diesem 28. Oktober ein guter Gott die Besit= Unmittelbare politische Folgen von größerer Tragweite werden die Landstingswahlen nicht jahre die Tschechen ernstlich an eine Erörte est zufriedener Rückschau und behaglicher zenden zu den festlichen Gelagen vereint. rung der Oktoberparolen von 1918 denken, so Ruhe ist der 28. Oftober nur noch für das Im Zeichen der Zölle und der Teuerung, haben. Nur einige Monate sind vergangen, jeit stehen sie heuer schon vor dem Allerseelentage Bürgertum. im Zeichen des Hungers und in der dem die Bürgerlichen mit dem Führer der bür gerlichen Zinken an der Spize die sozialdemokra­an einem Grabe, in dem ein halbes Dutzend Das Bürgertum fann allerdings heuer Furcht vor dem kommenden Winter feiern die tische Regierung stürzten. Der Reichstag tritt erit fehr schöner Programme bestattet liegen. zahlreicher als sonst zur Feier aufmarschieren. Arbeiter den Staatsfeiertag der Bourgeoisie. im Januar zusammen. Doch sind die Wahlen Was ist aus der Entmilitarisierung geworDas deutsche Bürgertum hat grollend Fast zweihunderttausend Arbeitslose, ein Heer eine ernste Warnung für die bürgerliche Linke. den, die zu den ersten Forderungen der tschechi- und neidisch seine tschechischen Klassengenossen von Kurzarbeitern, Hungerlöhne, wie man sie Die politische Entwicklung Schwedens in den ichen Revolution gehörte? Der neue Staat wird den Staatsfeiertag als nationales Fest bege- seit Jahrzehnten hier nicht mehr fannte, hohe nächsten Jahren wird im Wesentlichen davon ab eine Miliz haben, hieß es kategorisch und hen sehen. Es versprach in hundert Leitarti- Steuern, teuere Lebensmittel, politische Un- hängen, welchen Eindruck diese Warnung auf die fiegesgewiß. Die Miliz von 1926 besteht in feln und Biertischphrasen dem deutschen Wolfe terdrückung, das sind die Gaben, die der Staat Leute der Linken machen wird. Sind sie trop­der Verlängerung der Militärdienstzeit, in der eine ähnliches Fest. Der Tag werde kommen, seinen Arbeitern bringt. Sollen sie dafür den dem entschloffen, ihre schroffe arbeiterfeindliche hervorrufen, deren Ausgang nur furze Zeit un­Abschaffung des Soldatenwahlrechtes und in an dem die Sudetendeutschen ihre Befreiung Staat lieben und feiern? Noch ist der Tag Politik weiterzuführen, so werden sie kämpfe der vormilitärischen Erziehung. Die soziale erleben und ihr Nationalfest begehen könnten. nicht gekommen, an dem die Proletarier wirf- ficher fein fann. Jedenfalls bleibt die Sozial­Gesetzgebung, die mehr oder minder In verschiedenen Tonarten erklang von den lich feiern dürfen. Aber je lauter die Besißen- demokratie in Opposition, ohne sich zur Regie­ausführlich dem staunenden Proleten auf dem Deutschnationalen bis zu den Schwarzen das den jubeln, je üppiger ste prassen, desto eher rung zu drängen. Papier gezeigt wurde, ist gegenwärtig bei gleiche Lied. Aber auch da kam es anders. Das und sicherer wird auch dieser Tag fommen!