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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Donnerstag. 2. Juni 1927.

Die Partei der Bannflüche made die Sand auf dem ſowjetrufſiſchen Geld­

Das ,, machtbesoffene" Politbüro.

beutel haben.

Länger zu schweigen, wäre eine Sünde an der Arbeiterklasse, so heißt es auf dem Plakat. Eine Sumpfblaje ist aufgestiegen und unter Dann wird die Geschichte des Hinausivurfes großem Gestant geplaßt.... Vor einigen des kommunistischen Bürgermeiſterſtellvertreters Lagen haben wir an dieser Stelle den kommu- von Prag, Johann Stala, erzählt, der ein nistischen Führern gejagt, sie mögen unjere Vierteljahrhundert in der Arbeiterbewegung Bartei mit ihren ständigen und im Sinne der tätig, aus der Partei ausgeschlossen wurde, ohne Banzentaftifaufdringlichen Ratschlägen darüber, daß die zuständige Organisation gefragt wor wie wir unsere Politik einzurichten hätten, in den wäre. Kein Funktionär in der Partei weiß, Ruhe lassen, woran wir die Mahnung fnüpften. wann ihn das gleiche Schicksal erreicht, als vorerst den Schmutz vor der eigenen Türe zu Dank für seine aufopferungsvolle Tätigkeit mit fehren, ehe sie sich als unsere Sitten- und Schimpf und Schande davongejagt zu werden. Splitterrichter aufiun. Auf allen Dächern Das Gewissen der kommunistischen Arbeiter pfeifen es die Spaßen, wie die Brüderlichkeit wird aufgerufen, gegen den Terror des macht­und die ideelle Einigkeit in der kommunistischen besoffenen Politbüros zu protestieren, in dem Partei beschaffen ist und wie nur der gegen es von Tag zu Tag ärger werde, denn die jede unabhängige Regung gerichtete offizielle Tätigkeit der Parteizentrale bestehe, anstatt im Terror die Parteireihen noch notdürftig zu- Kampf gegen die Bourgeoisie, im gegenseitigen fammenhält. Troßzdem maßt sich diese Partei Verleumden und persönlichen Streit. Und zum und ihre Presse tagtäglich an, über die Sozial- Schluß wird von den Unterzeichnern des Vla­demokratie zu Gericht zu sißen, allerdings wer- fats über die eigene Partei das vernichtende den ihre Urteilssprüche dadurch gemildert, daß Urteil gefällt: Vor wenigen Jahren noch jagte fich längst feine Seat' um sie schert. die kommunistische Partei dem Bürgertum

Wer hätte gedacht, daß die Berechtigung Schrecken ein, heute ist sie ihm ein Gegen. unferer Mahnung so rasch eine neue Bestäti- stand des Gelächters!

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Nr. 127.

Schwere Wahlniederlage der Konservativen.

Sie straucheln über die Nussenpolitit und das Gewerkschaftsgeseh. Baldwins Gottesurteil". London

, 1. Juni .( Eigenbericht.) Das heute nachmittag nach drei Zählungen bekannt gegebene Resultat der Nachwahlen zum Unter haus im Bezirk Bosworth ist eine schwere Niederlage für die Regierung. Gewählt wurde an Stelle eines fonservativen Abgeordneten der Liberale Sir Williams Edge, die rechte Ha nd von Lloyd George bei der Reorganisation der liberalen Partei. Er erhielt 11.981 Stimmen, der Kandidat der Arbeiterpartei 11.710, der fon servative Kandidat nur 7685 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 87 Prozent. Bei den Wahlen im Jahre 1924 hatten die Konservativ en 10.114, die Liberalen 9756 und die Arbeiter­partei 9147 Stimmen erhalten. Jede der beid en Oppositionsparteien hat also einen Stimmen zuwachs von mehr als 200 Stimmen, die Konservativen dagegen einen Verlust von 2400 Stim­men zu verzeichnen.

Das ist der dritte Nachwahljic gder Liberalen innerhalb von sechs Wochen und die erste Nachwahl, die auch der neuen" Wendung in der Russenpolitik und dem Ein­bringen des Gewerkschaftsgesetzes, im Parlament erfolgt ist. Der liberale Kandidat und der der Arbeiterpartei hatten beide erklärt, daß sie ihren Wahlfeldzug ausschließlich auf die Oppo sition gegen das Gewerkschaftsgefch und die Russenpolitik der Regierung gründen. Churchill

, Baldwin und der Innenminister hatten in langen Briefen an den konserva­tiven Kandidat erklärt, daß sie das Ergebnis von Bosworth als ein Gottes­urteil über ihre neue reaktionäre Politik ansehen würden.

Auflehnung gegen das Bolitbüro!

Ein Plakat in den Straßen Brags: Kommunisten fordern zum Protest gegen das Politbüro auf. Der innere Streit in der kommunistischen Partei wird nach außen getragen.- ,, Berloren ist jeder, der den Worten des tommunistischen Politbüros glaubt.

gern abzählen. Und doch ist es notwendig, daß die Partei stark bleibe, fest, gefund an Haupt

schlagfäulen in den Straßen Brags auffallend rote schaft die Partei und Ihr gelangen Seit gestern morgens fleben auf den Au-| Partei begraben. Wohin bei dieser Wirt­palate, deren Inhalt nicht geringes Auffchen werdet, fönnet Ihr Euch an den Fin hervorruft. Der Juhalt lautet: Kommunistische Arbeiter! Mitglieder Der Zellen der KPC. Genojjen!

und Gliedern, fähig, Euere Griſtenz zu verteidi gen und für Euere Interessen sowie das Endize! zu fämpfen.

gung erfahren werde! In den Straßen von In dem Buche, das jüngst erschienen ist Brag wurde diese Bestätigung gestern in Form und Angelika Balabanoffs Lebens. von fnallroten Plakaten sichtbar, auf denen erinnerungen enthällt, ist ein Satz enthalten, Mitglieder der kommunistischen Parteiden der zusammengefaßt alles enthält, was diese Inhalt der Plakate drucken wir am anderer frühere Sammunistin und erste Sefretärin der Stelle abjich hilferufend an die kommuni- Kommunistischen Internationale von den Zu stischen Arbeiter gegen die Diftatur des Politständen in dieser Internationale hält: Wem büros wenden. Wie in grelles Schlaglicht be die Zukunft, die Würde der Ar leuchtet dieses Plakat die Zustände in der.beiterflasie fein leerer Schall ist, V. Č., über deren Friedhofsfrieden sonst das mer sich an seiner persönlichen geftrenge Politbüro wie ein Cerberus Wache Ehre nicht vergehen will, muß aus hält. Das von dem kommunistischen Schrift den Reihen der Kommunistischen steller Karl Vaněk, früher Redakteur des Internationale austreten, um für Nude Pravo", und dem Kommunisten M.-U. die Grundsätze des Kommunismus, für sein Vor einem Jahre befahl das Politbüro, daß Dr. Zdeněk Bouček unterfertigte Platat Endziel, die Massen gewinnen zu können.... Schon längere Zeit ist unsere Parteipreffe ich( gemeint ist Karl Vanet) mich vor Euch er ift ein fanatischer, qualvoller Aufschrei über die Durch ifrupelloses Anwenden von jeder fritischen Stimme verschlossen, fein Weg zu niedrige und daß ich über Bord geworfen werde: Diktatur, die von ein paar Beauftragten der Geld mitten des Anwenden einer Stundgebung frei." Co iſt ſalſo nicht wie wir haben geſchwiegen, denn wir haben gehofft, wird auch das Menschen­Es unsere Moskauer Zentrale über die kommunistischen material beſtimmt, deſſen man sich bedient, zum Schuld, daß ir Angehörige der KPC. zu Euch daß auch das Politburo aus den eigenen Fehlern etwas lernen wird. Aber in der Parteizentrale Arbeiter aufgerichtet und so unerträglich ist, den Willen und die Willkür des einzelnen nicht anders als durch Plafate reden können: daß daft die Unterzeichneten feinen anderen Ausweg durchzuführen. Nicht so stellt man sich die men, über die zu schweigen Sünde und Vergehen Eifersucht und die persönlichen Affären blieben In der Partei ist es zu Geschehnissen gelom- wird es von Tag zu Tag ärger: das gegenseitige Verleumden und Herumzanten, die persönliche mehr iohen. als den Weg in die Oeffentlichkeit. revolutionäre, internationale Disziplin vor.... an der Arbeiterklasse wäre. Das Politische Büro, oder Politbüro". Die Bewegung wird, wie bekannt aus Ohne Euer Wissen, aus Gründen, die weiter der hauptsächliche und reiche Inhalt der wie es genannt wird, ist eine spezifische Erichließlich aus Moskau geleitet, 3hr feiner fennt, sie wurden vor dem Aus sonst armen Tätigkeit des Politbüros. Der Gene­rungenschaft der kommunistischen Partei. Wo nicht nur, weil die Geld mittel von dori schluß nicht einmal der Mutterorganisation mittelstab, der uns in den Kampf führen soll, sorgt einzig dafür, daß seine Unteroffiziere zur richtigen in einer anderen Parici gäbe es noch eine ähn fließen, sondern auch, weil überall Vereines Stellvertreters des Primators Genosse Jo Zeit zur Menage kommen. Die Führer, welche sich geteilt wurde vom Politbüro von der Funktion liche, mit solchen Vollmachten ausgestattete trauensleute" hingeschickt werden, die hann tala abberufen, und als er zum Bei als Werwölfe gebärdeten, allein befähigt, der Körperschaft, wie diese! Sie ist gewissermaßen die Befehle Moskaus ausführen.chen des Protestes, um Euere Entscheidung zu er Bourgeoisie an die Gurgel zu springen, taten bis das Sanktuarium der Partei, in dem die bol- aber selbstverständlich nicht nur als gleichberech zwingen, nicht zurüdtrat, wurde er aus der her nichts anderes, als daß sie von Zeit zu Zeit schewistischen Untergötter thronen. Die sieben tigte Genossen in der ausländischen Bewegung Partei ausgeschlossen. In die Reihe der Abge- jemandem von den Parteilenten die Hofen zer­Versonen, aus denen sie besteht, sind nicht der auftreten, um diese durch ihre Erfahrung zu tragelten wurde damit ein Mensch gestoßen, der riffen . Und die Partei, welche vor wenigen Jah Barteimitgliedschaft verantwortlich, sondern nur fördern, sondern als Vertreter" der Geldgeber durch ein Vierteljahrhundert sich abgearbeitet und ren dem Bürgerium noch Schrecken einjagte, ist Moskau , jie werden auch nicht von der Partei und Machthaber...". Bei solcher ei feine besten Kräfte dem idealen Dienst der Arbei- ihm heute nur Gegenstand des Gelächters. Lei- seine gewählt, sondern von den Leitern der Komtung verlieren die Massen jeden büro seine unzweifelhaften Verdienste. Das können wir nun nicht mehr gleichgültig hinweg­tersache gewidmet hat. Nichts galten dem Polit Genossen, Arbeiter! Ueber den Fall Stala intern ernannt, mit der ausdrücklichen Bestim Glauben, jede Zuversicht zu sich Politbüro hat nicht darauf Rüdsicht genommen, geben; er ist ein zu ernstes Krankheits­mung, als unverantwortliche Oberaufsicht über selbst und der revolutionären welche Folgen ein solcher Schritt unbedingt nach symptom in der Parteiführung; wem die Partei zu fungieren. Nichts könnte über Entwicklung, jede revolutionäre Begeiste- fich ziehen muß. Genosse Johann Skala wurde es um die Bewegung geht, wer ehrlich ist, der muß das Wesen der kommunistischen Partei so treff- rung, sie werden aber auch tief demorali aus der Partei hinausgeworfen und soll von ihr sich melden! Beschlicht in den Zellen, daß Ihr lich Aufklärung verbreiten, als wenn man die fiert, weil das, was ein unter Anstrengung scheiden, bespudt, bematelt, er foll insgegen die bürokratische Art des Abfragelns des Mitglieder dieses Politbüros photographieren der besten Kräfte der Klasse und jedes einzelnen Privatleben, bepadt mit einem Ranzen Ber- Genoffen Stala protestiert, billigt nicht das Vor­und die Bilder unter der Arbeiterschaft zirku- anzustvebende Ziel sein soll, zu einem Spielratsbeschuldigungen, den ihm als Ausgedinge i gehen des Politbüros, solange Ihr nicht von beiden die Ausgenser Seiten genau informert jeid. Glaubt nicht den lieren ließe; diese würde staunend wahrnehmen, von Intrigen, zu einer Quelle des und Herr Dr. Stein in die Hand gedrückt haben. Berleumdern: entscheidet frei, aber gründlich, lef, Jonas, Melichar, Toužil, Galechová, was für Leute die Kommunistische Internatio- Sarrierismus wird.... Auch kommt nicht einmal Grafen haben jemals so aufgeblasen beugt der Gefahr vor, daß Ihr dem Drud der nale mit der Vormundschaft über die Hundert- es den Leitern dieser Bewegung auf die Maffen ihre alten Stutscher hinausgeworfen. Kein Funk- Clique Jillas und der Clique der vom Politbüro tausende kommunistischer Arbeiter mitunter be- blutwenig au. Von den Massen wird ge- tionär in der Partei kennt die Stunde, da er selber entweder direkt oder indirekt Bezahlten und Be­traut. Aber nicht nur über die Arbeiter, auch legentlich geschrieben und gesprochen, be auf der Wage des Politbüros zu leicht befunden lohnten unterliegt. Die Plenarversammlung der über alle Vertrouensmänner, Redakteure, Ab- handelt aber werden sie nur als und auf das Pflaster geworfen werden wird. Nir- Mutterzellen bai nach Anhörung von fünf Ver geordnete, kurz über alle Funktionäre der Par- Werkzeug." gends gibt es weniger soziales Empfinden als beim tretern des Politbüros und Widerlegung der An­tei! Sie setzen die Siedakteure ein und setzen Zutreffender als mit diesen Worten fonolitbüro, welches machtbesoffen über die Men- flagen durch den Genossen Stala von Angesicht zu sie wieder ab, sie bestimmen die Politik und der moralische Verfall, der sich in der neuesten schen herrscht; die Parteileitung bat völlig ver- Angesicht mit nicht einer einzigen Stimme das geffen, daß eine Arbeiterpartei ihre Funktionäre Vorgehen der Führung genehmigt und steht ein­Taktik der Partei und die Schreibweise der Affäre der Kt.P. C. abermals offenbart, nicht auf diese Weise nicht belohnen kann und darf. mütig hinter dem Genossen Skala. Blätter, ihnen müssen vorher alle Reden der mehr gekennzeichnet werden. Wie wird die Das ist gewiß nicht die Art, um die Anhänglich. Genossen! Wir appellieren noch einmal au Abgeordneten und Senatoren zur Zensur vor Affäre enden? Wie alle anderen ähnlichen Auf- feit an die Bewegung zu pflegen. Euer Rechtsgefühl und an Eueren Gerechtigkeits­

M

gelegt werden, wenn sie es nicht vorziehen, lehnungen gegen die Despotie der bolschewi- Es ist nicht möglich, länger zu finn und ir rufen Eneren herrlichen Sinn für diese Reden selber zu verfertigen, sie verfügen stischen Machthaber und ihre Kreaturen: mit ich weigen! Wir rufen Euer Gewissen auf, wir Arbeiterchre! Urteilt nicht früher, ehe Euch nicht auch alle Hinausschmisse, worauf sie die zustän- dem Bannfluch oegen die Unzufriedenen, was rütteln Euer Ehrgefühl auf; wir wissen und ken- der Hintergrund des Falles Stala aufgehellt wer dige Organisation nur zu bestätigen hat. Es neben der Besúdelung der sozialdemokratischen nen Euch, daß Ihr in Eurer Mehrheit mit einem den wird!

gibt kaum einen unter den kommunistischen Führer nachgerade die einzige Tätigkeit dieser solchen Vorgehen des Polithüros nicht überein- Glaubet nicht allem, was sie Euch erzählen Führern, der die selbstherrliche Diktaturgewalt Partei geworden ist. Die Partei der stimmt. Genoffe Johann Stala wird aus der werden! Glaubet insbesondere nicht, daß es lich Partei hinausgeworfen, Safar aber dessen Aus- um eine neue Bubnitiade handelt! dieser Sedmička" nicht drückend und entwür- Baunflüche ist heute nicht nur das schluß seine Mutterzelle forderte- bleibt in sei Und wenn die Leute des Politbüros mit der digend empfinden würde, aber jeder weiß, daß Hindernis des Klassenkampfes un Funktionen in der Partei! Wir haben nicht Forderung kommen werden, Ihr mögt durch er im Augenblicke fliegen würde, wenn er geworden, sondern wirklich auch die Straft, diesem Treiben länger zuzusehen: stumme Rustimmung mit der fertigen Sache zei­gegen den Stachel löden" wollte, denn dafür der Gegenstand des Gelächters moralischen Leichen wird auf finanzielle Rechnung gen, daß Ihr gute Schüler Lenins seid, dann ant­bezahlt ja Moskau seine Trabanten, daß sie der Bourgeoisie. der Partei künstliches Leben eingeflößt, die leben wortet ihnen mit dessen Worten: Verloren ist digen Kräfte dagegen auf moralische Kosten der jeder, der Worten glaubt! Genaue gedruckte Doku

willenlos nach der Pfeife jener tanzen, die ge­