Rittwoch, 20. Juli 1927.

Menn man bei unſeren rumänischen Bundesgenoffen Arbeit sucht.

von Läusen zerfressen.

In Alaufenburg gestatte der Chef der Si guranza den beiden deutschen Arbeitern, sich mit dem deutschen Konsulat in Verbindung zu setzen. Dieses stellte ihnen neue Pässe aus und versorgte sie mit Fahrkarten bis Budapest . Vom dortigen deutschen Konsulat erhielten sie Kleider an Stelle der Lumpen, die ihnen vom Leibe herabhingen, und Geld zur Weiterreife.

Kleine Chronit.

Sette 7.

wohltätigen Stiftungen und hinterließ seiner Tochter I vereinigt, gehen nicht daran, in Prag , Mähr.­nur 50 Dollar ,,,, weil sie sich vor sechs Jahren gewei- strau, Olmü usw. ebenfalls die Gehilfen­gert hatte, auf seine Bitte das Fenster zu schließen". ausschüsse einzuführen, nein, siekommen nach Dr. William Schroeder vermachte seiner Frau nur Reichenberg, um die von den bösen einen Schilling, weil sie ihn, wie er annahm, betro Reformisten geschaffene Einrich­gen habe, und seinem Sohn und Namensträger ver- tung zu stören. machte er gar nur einen Cent. Er bestimmte aus Die Kommunisten wollen auch hier zerstören, drücklich, daß sich Frau und Sohn nicht um sein Be- vernichten. Zu Nuß und Frommen der Unter gräbnis fümmern dürften, und hinterließ den größ- nehmer. Diesen Spaltpilzen, diesen Arbeiterschäd ten Teil seines Erbes seiner Haushälterin. Frau lingen haben die Bauarbeiter am 31. Juli ent Nellie Wood bestimmte, daß ihre persönlichen Ge- sprechende Antwort zu geben. Diese lautet: Ich brauchsgegenstände unter ihren drei Söhnen verstei wähle die Liste I der vereinigten Bauarbeiterorga gert und dem Höchstbietenden zugeschlagen werden nisationen! sollten. Frau Louisa Goode nahm folgende Klausel in ihren letzten Willen auf: ,, Begrabt mich nett, in einem netten Sarg, mit viel Automobilen, und gebt

In Retten geschloffen, geprügelt, eingesperrt und In der wei junge Arbeiter aus Dillenburg in Breußen, der Installateur Paul Schmidt und er Wagner Ernst Maurer, erschienen, um ihre Erlebnisse im rumänischen Kulturstaat zu erzäh len. Die beiden sind zu Anfang des Jahres auf Wem Gott ein Amt gibt...! Arbeitsuche ins Ausland gegangen, weil sie in der Seintat feine Arbeit finden fonnten. Sie ,, Auf der Rückseite der Mutter." tamen an die rumänische Grenze, hatten aber lein rumänisches Visum in ihren Bäſſen. In der die noch nicht mündige Tochter auf die Rückseite Für die Reise nach Tirol mußte der Vater für Grenzstation Bihov nahm ihnen der Hauptmann des Ausweises feine Erlaubnis vermerken. Der er Grenzwache ihre Papiere ab und fuhr sie an: Beamte verwechselt beim Ausstellen die Scheine der Großmütter" gebildet, die gemeinsame Aktionen alworteten, daß ſie Arbeit fuchten, fagte er: freibt den Namen der Mutter auf den unternehmen. Vorläufig beſteht dieſe Aftion in Som Ihr deutschen Hunde, was wollt ihr?" Als sie Spione seid ihr!" und ließ fie festnehmen. Ihre Schein, der die väterliche Geschmigung enthält. merausflügen. Wollen wir hoffen, daß die Alten Bapiere bekamen sie nicht mehr zurück und man beim Ausschreiben des Scheins für die Tochter auch bald als Jazzband- und Tangotänzerinnen die brachte fic, mit Retten aneinandergemerkt er das Versehen. Kurz entſchloſſen, zur Aufmerkſamtit der Deffentlichkeit und namentlich der bloffen, auf die Siguranza in Großwardein . Bermeidung einer Verzögerung, erklärt er: Wir jungen Männerwelt auf sich lenken werden, um dem hier wurden sie mit einer Leberpeitsche schreiben halt drauf: Die Erlaubnis für die Toch Beitgeist nichts schuldig zu bleiben! ter befindet sich auf der Rückseite der Mutter!" Und so geschah es.

geschlagen, der Chef der Siguranza schlug ie mit der Faust ins Gesicht. Sie muß ten im Jänner! auf dem falten Ziegelbo den schlafen, zu essen befamen sie fünf Tage lang überhaupt nichts.

Das vielseitige Pferd.

In der Sammlung der Gesetze und Verord­

nachher ein gutes Diner."

Was es alles gibt. In London hat sich ein ,, Klub

Boltswirtschaft.

Gerichtssaal.

Ein Ausflug" ins Ariminal. Prag , 18. Juli. Dem wiederholt vorbestraften

Starel Rémečet aus počno, wohnhaft in Prag , macht es nicht viel Sorgen, wenn er wieder einmal schon so eingerichtet, daß er draußen von Einbrü chen lebt und wenn er wieder einmal erwiſcht wird,

ein paar Monate ausfaßt. Er hat sich seine Existenz

Dann wurden sie in Ketten zu Fuß nachnungen der Tschechoslowakischen Republit( Nr. 44 Bauarbeiter des Reichenberger Handels- scheibe zu zertrümmern und dann fünf Bauloje im

Klausenburg gebracht, um vor das Striegs­gestellt zu werden. In der ersten Nacht In der ersten Nacht muzten sie auf dem nadten Zementboden des Gefängnisses schlafen, so daß sie vor Kälte schier erstarrten. Dann steckte man sie mit vierund­zwanzig anderen in eine fleine, ganz verlaufte Zelle. Nach fünfunddreißigtägiger Untersu chungshaft wurden fie zur Verhandlung geführt. Da nur rumänisch gesprochen wurde verstan­den sie kein Wort, auch wurde keine Frage ait fie Das Kriegsgericht verurteilte sie zu vier Monaten Kerkers. Weshalb, können fie nicht sagen: vielleicht wegen des mangelnden Baßvisums, vielleicht wegen Spionageverdachtes? Auch ein Bayer, Karl Knittel aus Kelheim , wurde verurteilt.

geftellt.

tammerbezirkes!

bom 13. Mai 1922) findet sich folgender Sap: ,, Unter dem Pferd versteht man auch das Maul­fier, den Maulefel und den Efel". Vierzehn 12 Uhr, finden die Gehilfenwahlen statt. Die Am 31. Juli 1. J., vormittags von 9 bis minister haben diese neue zoologische Defini- Wahllokale wurden bekanntgegeben und find wohl den tion unterschrieben. alle Bauarbeiter informiert, in welchen Lokalen die Wahl vorgenommen wird und die Stimmzet tel abzugeben sind.

Oh, kehrt zurück...!

begibt er sich, wie er sagt, auf einen furzen Aus­flug" wieder in sein eigentliches Heim, das Krimi­nal. Diesmal hatte er sich am hellichten Tage vor etwa einem Monate das Meisterstück geleistet, bei der Bankfirma O. Zadek in Prag 2 die Auslage­Werte von 3000 K daraus zu stehlen. Nicht genug an dem, er wiederholte sein Kunststück bei der Firma Griff machte: 7 tschechische Dukaten, 5 österreichische Ed. Moravec in Weinberge, wo er einen guten und 10 Viertelbaulose, alles im Werte von 5234 K. Er wohnte in verschiedenen Hotels in Prag , überall hatte er sich unter falschem Namen gemeldet. Heute bekam er vor dem Senate des OLGR. Ed. Soniet achtzehn Monate schweren Rerfers. Sei so gut und nimm dich des Mädels an, bis ich von dem Ausflug zurüd komme," sagte er zu einem Freunde am Gange, als er abgeführt wurde. Auch sie, die Freundin, war natürlich zugegen.

Aus der Naugarder Strafanstalt waren ein­undzwanzig Strafgefangene entwichen und hatten Bauarbeiter! Am 31. Juli habt Ihr eine dabei die ihnen bei der Aufnahme genommenen wichtige Entscheidung zu fällen. Es gilt, nicht Sleidungsstücke usw. zurückgelassen. Da nun nach bloß die Mandate im Gehilfenausschußz neu zu be­dem Gesetz niemand, und sei es selbst der Staat, feßen. Es gilt, an diesem Tage auch n berechtigt ist, fremdes Eigentum zu behalten, for- otumentieren, ob die Bauarbeiter derte der Direktor der Anstalt in einer öffentlichen dieses Gebietes wirklich ernstlich Anzeige die Flüchtlinge auf, sich zum Empfang gewillt sind, Schluß mit den dema der Sachen zu melden.- Da hätte man aber den gogischen tommunistischen Organi Da hätte man aber den gogischen tommunistischen Organi Eine Gerichtskündigung und was Flüchtlingen für alle Fälle freies Geleite verspre- die Abgabe des richtigen Stimmzettels mit der verspre- ations zerstörern zu machen. Durch sich dabei zutrug. chen müffen. Nummer I fönnen die Bauarbeiter diesen Wil­len und Ernst zum Ausdruck bringen.

Seltsame Todesursache.

Am 10. März wurden Schmidt und Maurer zufammen mit einigen Ungarn in das Zivil gefängnis nach 3alau transportiert. Wieder mußten sie die erste Nacht ohne Deden auf dem Ein Standesbeamter beauftragte einen Un­Boden liegen. Am nächsten Morgen wurden sie terbeamten, zur Vervollständigung der Registratur in die Gefängniszellen verteilt. Das Gefäng- von dem Standesamt in N. einen Gebrutsschein nis wimmelte von Ungeziefer. Am einzufordern. Der Unterbeamte legte ihm darauf ärgften litten die Gefangenen unter den Läu folgendes Schreiben vor: Das Standesamt in 9. sen, die zu Tausenden ihren Leib bedeckten und ersuche ich um Uebersendung eines Geburisfchci fie geradezu auffraßen. Noch heute find Noch heute sind N. die nes des am 16. August 1860 in 9. geborenen N. Spuren deutlich zu sehen. Die Ernährung war N., der hier verstorben ist, um das Standes­jämmerlich. Brot gab es nicht, nur Mamaliga, amtsregister zu vervollständigen".- Man cine Polenta aus Maisgrieß und Wasser, ferner fete dem Manne ein Denkmal! Er starb, um die abwechselnde Bohnen und Kartoffelsuppe, die Lüde; in einem Amtsregister zu füllen, er war der aber hauptsächlich aus Wasser bestand. ideale Staatsbürger.

Der Wettlauf.

Prag , 19. Juli. Der 1892 geborene Anton Smolak in Hloubětin hatte die gerichtliche Kün­Bis vor drei Jahren leitete die Geschäfte des digung erhalten. Auf welche Weise diese Kündigung Gehilfenausschusses der kommunistische Sekretär der heutigen Verhandlung nicht entnehmen. Tat­möglich und rechtskräftig wurde, konnte man aus Möller. Seine Tätigkeit ist allen noch unrühmlich bekannt. Es wurde damals für die Intereffen der ache aber war, daß Smolak sich um dieſe Kündigung Gehilfen nicht nur nichts getan, sondern sogar die von amtswegen blutwenig fümmerte und auch nicht Versuche des Gehilfenausschusses, feine Pflichten auszog. Am 19. Mai wurde ihm daher nach wieder­holter Aufforderung, die Wohnung zu räumen, eine zu erfüllen und denselben nachzukommen, sabo- Gendarmeriebedeckung, bestehend aus einem Ober­tiert. Der vor drei Jahren gewählte, jetzt abtre- wachtmeister, zwei Wachtmeistern und einem Ge­tende Gehilfenausschuß entließ den kommuni- meindewachmann, in die Wohnung gesendet, weil stischen Sekretär wegen seiner bekannten Eigen- man behauptete, daß Smolat ein gewalttätiger schaften.

Mensch sei.

Bauarbeiter! Die Tätigkeit des jeßigen Ges Die Gefängniswärter behandelten die Ge­Als der Mann die Patrouille herannahen sah, hilfenausschusses war eine unermüdliche und fangenen mit furchtbarer Bestialität, besonders fruchtbringende. Hunderte von Anzeigen wegen verriegelte er seine Wohnung von innen und schrie, wenn sie, was häufig der Fall war, betrunken Ein Landstreicher wird von einem sehr be- ungefeßlichkeiten der Baumeister wurden in diesen wer es wage, hereinzukommen, werde es mit seinem waren. Die Gefangenen wurden mit Füßen leibten Oberlandjäger verfolgt, weil er gebettelt drei Jahren gemacht, hunderte von Interventio- Leben bezahlen. Man holte einen Schlosser. Als ge­haben soll. Der Bettler gibt Fersengeld, der nen durchgeführt. getreten, mit einer lederüberzogenen Stahl- Dide eilt hinterher. So geht die Jagd ein Stück schaftlichen Organisationen, dem Deutschen Bau- einer Art in der Rechten entgegen und wiederholte der nen durchgeführt. Gemeinsam mit den gewerk- öffnet wurde, trat Smolat der Gendarmerie mit peitsche, die am Ende einen Stahlknopf trug, Weges, bis sich der Verfolger ermüdet und sich arbeiterverband, dem Zentralverband der Bau- feine Drohung. Nach einer gütlichen Aufforderung, geschlagen usw. Als Maurer einen Flucht versuch unternommen hatte, wurde er in den Kel. den Schweiß abtrocknend, am Grabenrand nieder- arbeiter und dem Bau- und Keramarbeiterverband die erfolglos blieb, machten sich die Gendarmen ler geführt, wo ihm fünfundzwanzig het. Hundert Meter weiter sitzt der Bettler und muß dieser unermüdliche Kampf vom neuen Ge- daran, einzutreten. Smolak verwehrte Siebe mit der Stahlpeitsche auf das wiſcht ſich auch den Schweiß ab. Nach einiger hilfenausschuß weiter geführt werden. So soll und Darauf gab einer der Gendarmen einen Schuß ab, nadte Gefäß versetzt wurden; dann mußte er Zeit beginnt die Verfolgung wieder. Das gleiche muß es bleiben. Bauarbeiter, wenn Du dies der den Mann in die rechte Hand traf. Der Verwun­acht Tage im Keller auf dem Zementboden liegen. Ergebnis. Beide ſitzen in bestimmter Entfernung ebenfalls willst, dann gib die Lifte I in die dete achtete nicht der Wunde, nahm die Art in die im Straßengraben. Das Bild wiederholt sich noch Wahlurne! Linke, daraufhin gaben die Gendarmen noch zwei Als die vier Monate Rerfer abgebüßt waren, einige Male. Da, als die Raft etwas länger dau- Die Kommunisten wollen diesen gemein- weitere Schüsse in die Luft ab. Jetzt verkroch sich hatten die Leiden noch kein Ende. Die Gefan- ert, ruft der Bettler: Nu, Herr Wachtmeeschter, famen Kampf gegen Unternehmerübermut, gegen der angegriffene Mann hinter dem Tische und genen wurde zu Fuß nach Klausenburg geführt. wolle mer wieder...?" die professionsmäßigen Gescßesverleßer nicht, die wurde nun überwältigt. In der heute vor dem Vier Tage dauerte der Transport, der von einem Kommunisten wollen auch den Gehilfenausschuß GR. Hladik durchgeführten Verhandlung, in Gendarmerieposten zum andern ging. Während zum Tummelplatz ihrer zerseßenden, die Bauar- welcher Smolak wegen öffentlicher Gewalttätigkeit diefer Zeit gab es tein Essen; die Gefan. Auriositäten des leßten Willens". Höchst felt beiter schwächenden Tätigkeit machen. Deshalb angeflagt war, verteidigte sich der Angeklagte mit genen nährten sich von dem Mais, der den Süb ſame Bestimmungen, die sich in den Testamenten von tritt der J. A. V. ebenfalls mit einer Kandidaten einer sehr großen Aufregung über die Intervention nern vorgeworfen worden war. Wer nicht wei in der letzten Zeit verstorbenen New Yorkern fanden, liste auf den Plan. Die Kommunisten, die da der Gendarmerie, so daß er überhaupt nicht wisse, ter fonnte, wurde mit Kolbenstößen vor werden in einer Liste zusammengestellt. So vermachte ununterbrochen behaupten, sie hätter die Mehrheit was daamls geschehen sei. Er erhielt fünf Mo­wärts getrieben. 6. B. Isodor Carfunkel sein ganzes großes Vermögen der tschechoslowakischen Bauarbeiter im J. A. V. nate schweren verschärften Kerlers.

Die Erkennungsmarte.

leicht halten Sie mich für einen albernen Poin-| tenfucher. Ich pfeife auf die wirksamen dramati schen Akzente. Aber die Erinnerung war mir doch deutlich und nachhaltig gewesen."

Berlin , 18. Juli 1927. Wir waren in sehr lustiger Gesellschaft. Ein Es war Mitte 1915. Am Chemin des umfangreicher Bummel, illustriert von viel All- Dames. Sie erinnern sich vielleicht. Verflucht kohol, führt zu Konsequenzen. Mit der Zeit stürmische Gegend. Seit Wochen schon hatten wir wurde man recht aufgeräumt. Ernst erzählte uns wie die Maulwürfe eingegraben, und dabei Bige, gewagte und recht gewagte, zweideutige und fündhafter Regen. Schlammgräben, in denen das eindeutige. Edmund betätigte sich nicht unwißig Bündel Mensch vegetierte, angefaulte Unter­als Chansonnier und überraschte die Gesellschaft stäude, durch die Rattenplage und Rheuma zv. mit Bonmots, die ebenso geistreichelnd wie frech gen, Verzweiflung und Leichen, Leichen... waren. Franz erzählte unaufgefordert Intim- Kurz, vorgeschobene Deckungslinie. Wir waren tes aus feiner Vergangenheit, haarsträubende zerniert. Sagel von Eisen und Blei. Stunden lang trommelten sie uns in den Erdboden hin­ein. Dazu die Flieger, bösartige Hornissen, die Tag und Nacht blutgierig aufschwärmten. Keine Ablösung. Nur immer aushalten. Zähne zu sammenbeißen, weiter, weiter, warum, ja, warum?

Indiskretionen.

Plutarch oder Hölderlin in Goldschnitt las, tausend Freuden ,,, mir tut der Tod nichts. Be­meine Herren, das gab's ja einfach nicht. Fromme stimmt nichts. Ich muß noch lange leben, Hab' Legenden, Fibelsprüche der Heimat. Heroische ja noch alles zu erfüllen. Alles, alles... Und Traktätchen für die zitternden Mütter, die ge- vorher abgehen? Das gibt's doch nicht". Und quälten Väter, die ratlosen Frauen. Gefühls- wie in plößlicher Beschwörung an das Schicksal surrogate. Der Oberlehrer an der Arbeit! Wir riß er den Rod auf, tramte fieberhaft am Unter­spielten einen Skat, einen ſinnlosen Skat, indes zeug und holte die Erkennungsmarke heraus. die Geschoßzeinschläge durch die zerriffene Land" Das da stört mich, ist die einzige Hemmung; ich Schaft heulten und die Nässe in Poren und Herz weiß nicht..." sagte er wie in erregender Selbst­drang. besinnung, und seine Stimme flang plötzlich ris­sig und gequält. Einen Augenblick nur wog er die dünne Blechmarke zweifelnd in der Hand. Dann flog fie in hohem Bogen hinaus über den Grabenrand ins Trichterfeld. Es ging blitz­schnell. Schwach sah ich das Metall für einen Augenblick aufblißen..."

Die beiden Partner waren merkwürdige Leute. Der eine, achtunddreißigjährig, selbst hier feelisch aufgequollen, war kaum sympathisch. Kunst­historiker, Renner subtilſter Einzelheiten, sprach Essays über Barock und Rotolo und stick stünd lich auf neue Apercus. Alles mit dem Sirn nichts mit dem Herzen. Der Krieg war ihm nun, Renaissance. Die Zerstörungen befriedigten irgendwelche intellektuellen Instinkte. Er war vom Zustand Europas ganz befriedigt. Wie ge­fagt Kulturmensch. Scheusal. Aber sorgfältig gebildet.

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Und," fragten wir begierig, und weiter ..?"

,, Was weiter?" sagte Dr. Ermthal mit har­ter, trockener Stimme. Drei Tage später mach ten wir einen Sturmangriff. Er fiel. Natürlich fiel er. Das ist die Pointe. Aber, bei Gott, es

Irgend jemand hieb plößlich mit einer Gar­derobemarke aus Blech auf den Tisch. Kinder, Kinder," rief er und lachte mit der unmotivier ten Fröhlichkeit eines Trunkenen. Das ist ja wie eine Erkennungsmarte. Das Dings fenn' ich doch! Grad' wie 1914..." Damit steate Unsere Artillerie funkte völlig ungenügend. er sich die Blechmarte, auf der die Zahl 319" Rurztreffer gingen in die eigenen Reihen. Der stand, in die Schlipsfalte. Feind überschüttete die Linien mit anscheinend Der andere entzückend blutjung. Von ist auch die Wahrheit. Brustquerschläger. Alles Dr. Ermthal wurde finster wie eine Gewit überflüssiger Munition. Nerven zusammenbe­tertvolle. Unterlassen Sie diese Flegeleien!" halten," sagte ich mir. Gewiß, man stumpft einem warmen Optimismus, der findhaft macht. zerriffen. Die ganze Wärme quoll heraus und lagte er scharf. Damit spielt man nicht." Seine ab, wird unempfindlich. Dies ewige Sinundher- Inmitten dieser schändlichen Hölle fast heiter. In versicherte in den steinigen Erdboden am Chemin Stimme schnitt wie ein Pfeil durch den zügello- zerren zwischen Leben und Tod geht einen schließ- feiner durchbluteten Unschuld beinahe zum När- des Dames. Ja, versicherte... Umsonst... fen Lärm. Verzeihen Sie, meine Herren," lenkte fich nichts mehr an. Der Soldat distanziert sich rifchwerden. 21 Jahre alt in die Bluttrichter des Wurde getrunken wie bei Millionen anderen.:: hemin des Dames verschneit. er dann mit gesenkter Stimme ein. Mein Aus zum eigenen Ich". Schrecklich, das Fehlen jeg hemin des Dames verschneit. Felsenfest im Stühl nüchtern... Wie eine Selbstverständlich­bruch war ungerecht. Man soll Weinlaune nicht licher Wärme und jeglichen Ichgefühls. Heiliger Teuschen Glauben an die Unzerstörbarkeit seiner feit. Renaissance. Der ist übrigens heil nach mit Bathos messen. Aber ich möchte Ihnen eine Egoismus!- Aber man könnte plöblich wahn- jungen Existenz. Talisman unsterblicher Hoff- Hause gekommen. Auch eine Pointe... Den Geschichte erzählen. nungen, wo in zahllosen Möglichkeiten barbari- Jungen haben sie als vermißt gemeldet. Die sinnig werden. Nerven! Nerven!.. Blechmarke.... Wir saßen zu drei Mann und spielten Stat. Scher Tod lauerte. Rührendes Mittelalter. Ich bitt' Sie, was sollte man machen! Der" Ja, Kamerad," sagte er eines Tages, und Aber nun verstehen Sie mich wohl...?" Kurt Kaiser- Blüth. Schützengrabenmensch, der" Faust" und den über sein Gesicht funkelten tausend Ahnungen,

Wir waren alle ungemein still geworden. E paht zwar nicht recht hierher," sagte Dr. Ermihal und wiegte matt lächelnd den Stopf, und viel