Bette 2.

Erschütternde Totenfeier in Wien .

Menschenleiber bergen.

Wennerstag, 21. Juli 1927.

Augenblid geben konnte und damit war the feden, 1. Sammelausweis für die Opfer der Wiener Ereignisse.

,, Volkswille", Karlsbad

Kreisvertretung, Karlsbad Bezirksorganisation Karlsbad Volksbuchhandlung, Karlsbad

Graphia", Starlsbad

Karlsbad

Gau der Kinderfreunde, Karlsbad D. Löw, Karlsbad

Angestellte des Parteisekretariats und des Sozialdemokrat", Prag Angestellte des Klubs der Abgeordneten

und Senatoren, Frag

Dr. Ludwig Czech , Brünn Senator Wilhelm Nichner, Prag Siegfried Taub , Prag Bersonal der Gec aus dem Dispositions. Zentralverband der Angestellten, Orts­gruppe Prag Emil Podiebrad, Prag

fond, Brag

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der gelernt hat, im Sinne unserer Lehrmeister zu denten, keine Möglichkeit, diese wirklich großen Kräfte in irgend eine revolutionäre Bewegung Parteivorstand der dtsch. soz. dem. Ar. beiterpartei 57 Opfer der Wiener Schreckenstage auf dem Zentralfriedhof beerdigt. umfeßen zu können und aus diesem tragischen zichen, daß wir noch mehr und in höherem Maße 57 Särge waren gestern vor dem Wiener] als erster im Namen der Gemeinde Wien in Ver- Konflikt haben wir für die Zukunft die Lehre zu Slub der Abgeordneten und Senatoren" Zentralfriedhof aufgebahrt, fast ebensoviel tretung des heute früh erkrankten Bürgermeister ben Weg zu gehen haben, den wir bisher als öfter­Lote ruhen noch in den Leichenkammern der Seiß, Stadtrat Paul Speiser. Er sagte: Oft reichische Sozialdemokraten gegangen sind, daß wir jo- ſtehen Wiener Spitäler. Die Trauer des gesamten jo- stehen wir an der Bahre der dahingeschiedenen die Kräfte des Proletariats zusammenfassen zialistischen Wien, das zur Bestattung der teu- Freunde. Aber wenn der Körper des Menschen, müssen, daß wir nicht gegeneinander treiben dürfen zum Nutzen der Weltreaktion, sondern zusammen­eren Toten nur wenige Vertreter entjenden nen wir es begreifen und Trost finden. Wo aber fassen zu einer großen Kraft, zur Einheit der inter- reisorganisation der sozialiſt. Jugend, Ponnte, fand in einer symbolischen Handlung, finden diese Bäter und Mütter, diese Kinder, diese nationalen sozialistischen Arbeiterschaft!" einer viertelstündigen Arbeitsruhe, ihren Freunde, wo finden sie alle Trost? Den Hinter- Nun wurde das Lied der Arbeit" ge= druck. Eine Viertelrunde lang ſtockte der bliebenen spricht die Stadt Wien ihr tiefftes und fungen, die Särge wurden aufgehoben und zum Pulsschlag aller Betriebe, die lähmende Stille, chrfurchtsvollstes Mitleid aus. Der Hinterbliebe- Teil ins Krematorium zur Einäfcherung, zum Teil die überall eintrat, konzentrierte die Gedan- nen der Opfer wird sich die Stadt Wien nach zum Erdbegräbnis getragen. Alle Toten werden in ken all der Arbeitsmenschen an den Maschinen Kräften annehmen. Wer aber kann ihnen, wer einem gemeinsamen, von der Ge­aber fann uns ersehen, was an Leben und Treuc, meinde Wien gewidmeten Grab beis auf jene 57 Särge, die sinnlos niedergemeßelte was an Güte und Begeisterung in den Herzen ge- gefeßt. Erst als die einzelnen Särge gehoben und wohnt hat? Wir wollen hier das Gelöbnis arg hinter Sarg getragen wurde, und die ein Sie sind nicht im gleichen Stampf, Mann ablegen, daß wir alle Kräfte einjeten zelnen Angehörigen den Särgen folgten, da konnte gegen Mann, gefallen. Niedergemegelt wurden zum weiteren Aufbau unserer Stadt, ermessen, das der furchtbare Freitag über die sie, einer zielloſen Treibjagd find an die hun- auf daß die Zeit fomme, wo die tiefsten Wurzeln man erst das entseßliche Leid der Menschen dert Menschenleben zum Opfer gefallen. Und solcher Katastrophen, das täglich gefühlte , erlittene Wiener Arbeiter gebracht hat. Stein Auge zusammen- blicbtränenleer, doch darf ihr Blut nicht umsonst vergossen sein. Unrecht verdorrt ift. Wir wollen alle zusammen blieb tränenleer, als der schier un­arbeiten, daß sich niemand mehr in dieser Stadt übersehbare Zug vorüberzog. Unwillkürlich und mit elementarer Gewalt rechtlos und schußlos fühle und daß unser Wien drängt sich jedem von uns das alte Bibelwort nie mehr ein so entfeßliches Unglüd erlebe." auf: Aug'um Auge, Zahnum Zahn! Im Namen der Partei und der Gewerkschaf­Alles ruft nach furchtbarer Sühne. Ihr Tod ten sprach Wilhelm Ellenbogen. Er sagte: muß gerächt werden. Nicht dadurch, daß man Was auch Furchtbares in den beiden Tagen gesche jetzt ein paar von der Gegenseite niederfnallt, hen sein mag, die Volksmasse als Ganzes war doch Zur Stunde , da man in Wien die Opfer der sondenr viel durchgreifender: dieses ganze Sy- von der edelsten Regung hingetrieben, von dem ſtem der gottgewollten" kapitalistischen Gesell- gleichen Gedanken des Rechtes, von dem glühenden Bluttage beisetzte , ruhte in Prag in allen Verlangen, das nur in der Seele einer großen Fabriken und Betrieben durch zehn Minuten jede schaftsordnung, die solches zuläßt, muß fallen, Bollemajse jo katastrophale Leidenschaften auslösen Arbeit, die Maschinen standen still. Fabriksirenen unsere Anstrengungen, den Endsieg des So- kann, von dem Verlangen: Recht muß Recht zeigten Beginn und Ende der einfachen und doch zialismus herbeizuführen, müssen vervielfacht bleiben! Heute sprechen die Toten mit tausend so ergreifenden Totenfeier an; einzelne Sirenen werden; enger muß sich das ausgebeutete Pro- Zungen zu uns Ueberlebenden: Hütet das heulten ununterbrochen ihr Klagelied um das letariat aller Nationen zusammenschließen, um echt, für dessen Achtung wir gestor- nußlos vergossene Blut in den Aether. In Brünn ruhte die Arbeit auf fünf mit vereinten Kräften das große Werf zu voll- ben sind! Erschüttert neigt sich vor den Toten bringen, noch inniger muß jeder einzelne von ganz Wien, die ganze internationale Arbeiterschaft. Minuten. Alle Fabriken standen still und die uns mit jeder Faser seines Herzens mit der und all den Angehörigen mag es als Trost dienen, Sirenen brachten der Bevölkerung eindringlich in daß das Andenken allen fünftigen Generationen Erinnerung, daß zur Stunde 57 Leiber nuplos Partei verwachsen, die den Sieg des Sozialis heilig sein wird. Partei und die Gewerkschaften geopferter Proletarier zur letzten Ruhe bestattet mus auf ihre Fahnen geschrieben hat. geloben den Toten in dieser Stunde: Wir werden Enere Mahnung nicht vergessen, wir wollen un - Auch in Presburg verlief die angefün seren Dank an Euch in die leidenschaftliche und nie digte Arbeitsunterbrechung vollkommen unge rastende Bereitschaft wandeln, jeden Sauch unseres stört. Alle Fabriken bis auf die staatliche Tabat­Lebens in den Dienst eines Rampfes gegen eine fabrit standen still. Die Vertrauensmänner der Ordnung stellen, die ein Bolf darum mit Todes- Preßburger Arbeiterschaft faßten den Beschluß, daß die Arbeiterschaft den Lohn einer Stunde für die Opfer der Wiener Demonstrationen widmen wird.

Erst durch den Sieg des Sozialismus wird das in Wien vergossene Blut gerächt sein!

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Zotenehrung.

Arbeitsruhe in Prag, Brünn und Preßburg.

werden.

Bressekonferenz in Rathaus.

Summe... K 23.685.­

Komplott wie in einem vorbereiteten Ueberfall der Realtion suchen zu wollen. Desterreich ist ein Land, wo weder der Bolschewismus noch der Fascismus bisher Fuß faffen konnte. Was sich an dem blutigen Freitag ereignet hat, war zuerst eine Entrüstungskundgebung über ein Fehlurteil, das den Mord zweier Dienschen ungefühnt ließ, war ein elementarer Aus­bruch der Massenleidenschaft, der dann durch die entfesselte Mechanik der Gewalt in ihr Gegenteil, in ein bald sinnloses Aus­nüßen der bewaffneten Uebermacht umschlug. Die Polizei, die zwar nicht nach der Verfassung, aber doch faktisch ein selbständiger Or ganismus iſt, fah sich einer Empörung gegenüber, deren Umfang jie, so wie wir anderen alle, nicht borausgesehen hatte. Sie fühlte sich offenbar schwach und gebrauchte in dieser Lage von Anfang an andere als gewöhnliche Mittel. Ich will nicht bestreiten, daß Fehler geschehen sind, die niemand beschönigen will und niemand beschönigen braucht , da es in Wien wie in jeder anderen Großstadt Elemente der Tiefe gibt, die bei solchen Gelegenheiten Dinge getan haben, die von der organisierten Arbeiterschaft dieser Stadt sogleich aufs schärfste zurüdgewiesen wurden.

Der Bürgermeister kommt dann auf die Aktion der Arbeiterschaft zu sprechen, würdigt die Disziplin, mit der sie diese Protestaktion und den Generalstreit durchgeführt und abgebrochen hat. Der Abbruch des Streites habe dann die Situation völlig geklärt; nun haben die frei gewählten Volks vertreter das Wort.

Auf dem Zentralfriedhof . Wien, 20. Juli.( Eigenbericht.) Heute Nach- opfern züchtigt, weil es über die Beleidigung des mittag fand auf dem Großen Plak, vor dem zwei Rechtes empört ist." ten Tor des Zentralfriedhofes die Leichenfeier für Dann sprach nach ihm ein Kommunist. die Opfer des 15. und 16. Juli statt. Auf dem Als letter Redner sprach im Namen der sozial­riesigen Plaße war entlang der Mauer des Zen- demokratischen Arbeiterinternationale Friedrich Nachdem dann der Bürgermeister das Ver­tralfriedhofes ein ungeheurer Ratajalt errichtet, Adler, der der Wiener Arbeiterschaft im Namen halten des Schutzbundes, der Feuerwehr und der auf dem 57 Särge aufgestellt waren. Die Ange- der Internationale das Mitgefühl aussprach für Wien, 20. Juli. Heute nachmittag fand im Sanitäts- sowie der freiwilligen Rettungsgesell hörigen der Toten hatten bei den einzelnen Sär- das Schwere, was sie erlebt hat. Er fuhr dann Rathaus ein Presseempfang statt. Bürgermeister schaft hervorgehoben hatte, fuhr er fort: Bei den gen Platz genommen und schon lange vor Beginn fort: Heute haben wir nicht die Aufgabe, hier Seiß, der schon bei der Leichenfeier für die Opfer weiteren Vorfällen des traurigen Tages ist eines der Leichenfeier spielten sich wahrhaft herz- Politit zu machen, aber wir werden den Augen- infolge Verschlimmerung seines alten Nieren- unbestreitbar und es muß offen bekannt werden: zerreißende Szenen bei den Särgen ab. blid, in dem wir uns hier befinden, in unserem leidens nicht erscheinen fonnte, war auch verhin- Entgegen allen Vorschriften des Gesetzes und der Laute Schreie des Entschens und des Bewußtsein niemals auslöschen. Aus ihm muß dert, die Pressekonferenz zu leiten. An seiner Stelle Menschlichkeit haben Polizeiorgane wiederholt ge­Jammers tönten über den weiten Plaß. Wenn erstehen diese Aufgabe, klar zu werden über das, taten dies die Stadträte Breitner und Tand- schossen ohne direkt angegriffen zu sein und ohne auch nur Delegationen der einzelnen Be- was wir in diefen entfeßlichen Tagen erlebt haben. Ier, die die verschiedenen Anfragen der Journa- vorher an die Menge eine Aufforderung zur zirksorganisationen und der Gewerkschaften an der Diese Klarheit wird von keinem Streben zu flei- listen beantworteten. Räumung des Platzes gerichtet zu haben. Darüber Leichenfeier teilnahmen, so hat doch die ganze Wie- nen politischen Geschäften und Vorteilen aus- In dieser Pressekonferenz wurde eine Bot- wird eine strenge Untersuchung zu führen ner Arbeiterschaft an der Feier für die Toten teil- genützt werden. Wenn wir dieses Ereignis sehen, schaft des Bürgermeisters Seit zur Veröffent fein, damit die Schuldigen zur Verantwortung genommen, indem von 2 bis 3 Uhr in ganz so werden wir nicht verkennen, daß in den hundert lichung gebracht, worin zunächst die Tatsache be- gezogen und Maßnahmen getroffen werden können, Wien die Arbeit ruhte. In der Mitte des Toten ein tragischer Widerspruch zum Ausdruck tont wird, daß in den Straßen Wiens beinahe die für die Zukunft eine Wiederholung aus Plages waren die Kränze niedergelegt. Ein großer fommt: Der Widerspruch zwischen dem revolutio- 100 Menschenleben einem Ausbruch der Leiden- schließen. Kranz der Gemeinde Wien und Kränze der ver- nären Motiv und der revolutionären Möglichkeit. fchaften zum Opfer gefallen sind. Die Toten sind schiedenen Parteiorganisationen, der Gewerk- Das revolutionäre Motiv, das am 15. Juli cine der Politik entrückt und nur die geschändete schaftsorganisationen und ausländischer Bruder wichtige Rolle gespielt hat, war in der Geschichte Menschenwürde und die vernichtete parteien. Dort hatten sich die Mitglieder des immer wichtig und wesentlich: die Verzweiflung Majestät des Menschenlebens steht Parteivorstandes, Gewertschaftskommission an der Gerechtigkeit. Aber diesem Motiv stand mahnend vor uns. Was die Ursache der traurigen und aller anderen Barteitörperschaften versammelt. gegenüber eine historische Lage in Eurova, in der Ereignisse anbelangt, ist es gleich töricht, sie in Nach dem Absingen eines Trauerchorals sprach es teine revolutionäre Möglichkeit in diesem seinem vom Ausland angestifteten kommunistischen länger ausbliebe, um uns der versicherten Waffen| zwar sofort, da sein Schiff, ein italienischer Han- schnell wieder umbogen und durch ein anderes bemächtigen zu können, als das Schicksal mir un delsdampfer, der hier Alfa", das afrikanische Gäßchen, jedoch in selber Richtung, unser erstes verhofft einen anderen Weg wies, der mich Steppengras, geladen, bereits am Morgen um Ziel zu erreichen suchten. Doch diesmal ließen ebenso plötzlich wie schnell nach der Heimat brachte, 7 Uhr die Anker lichte und die Rückfahrt nach dem wir alle Vorsicht walten und während der Matrose mich allein, während meine Stameraden zurückheimatlichen Hafen antrete. Sofort fing ich diese zur Sicherung allein voraus ging, eilte ich ihm in Von Emil Hlavka- Prag. bleiben mußten. Idee auf und schon besprachen wir im Flüsterton gemessener Entfernung nach. Diesmal gelangten Um für die bevorstehende Flucht genügend die Einzelheiten, bis wir uns endlich einig erho- wir ungehindert an das Ende der Stadt und be­Selbstredend dachte auch ich an nichts an­Kenntnisse von Land und Leuten zu erwerben, ben und rasch das Lokal verließen. Eilenden traten nun das Freie. deres, als wie ich mich so schnell wie möglich wie nahm ich mir des öfteren Ueberzeit bis zwei Uhr Schrittes verließen wir die Araberstadt, über­der aus diesen Banden befreien könnte. Doch fühl morgens und streifte bei nächtlicher Stunde im querten die hell erleuchteten Straßen des euro- der bekanntlich äußerst hellen tropischen Nacht, Dort bestand eine neue Gefahr für uns. In erwägend, daß es Wahnsinn sei, so wie die Ande- und um unser Lager herum. päischen Viertels, in denen der dortigen Gewohn- die zu dieser Zeit sogar das Lesen der Zeitung ge ren auf gut Glück auszuziehen, arbeitete ich einen So befand ich mich auch eines abends vor heit gemäß, noch reges Leben herrschte und bogen stattet, konnten wir hierin freien Terrain von regelrechten strategischen Plan aus, Mitternacht in einem abgelegenen Viertel der rasch in ein vom Schatten der Häuser verfinstertes weitem gesehen werden. Wir liefen nun aus in den noch drei Stameraden, darunter auch Araberstadt, als da ein fremdländischer Matrose Gäßchen ein, das aus Sousse herausführte. Der Leibeskräften erst noch ein Stück Weges gerade­Bohralik eingeweiht waren, die mitiun wollten. auf mich zutrat und mich in gebrochenem Fran- erste Teil unseres Planes bestand im Verlassen aus, dann bogen wir in scharfem Winkel rechts Der Plan bestand darin, daß wir in einer be- zösisch nach dem Ausweg aus dem Labyrint, in der Stadt und so eilten wir nun in dem Gäßchen ab und eilten dem freien Meeresstrande zu. Dort stimmten, unserem Vorhaben günstigen Nacht den das er hier geraten, und um Weisung des Weges rasch vorwärts, verfielen schließlich sogar in Lauf- warfen wir uns sofort zu Boden und hielten sorg­Wachposten im letzten Stall unferes Bagers über zum Hafen bat. Aus seiner Aussprache erkannte schritt, als uns ein plößlich und energisch klingen- fam Ausschau, ob wir nicht erspäht und verfolgt rumpeln, dann die uns als besten Renner be- ich, daß er ein Italiener war und da ich die ita des Salt", begleitet von dem mir wohlbekannten würden. Nichts rührte sich. Ich atmete erleichtert kannten Pferde abbinden und durch einen Einlienische Sprache vollkommen spreche, erteilte ich Senacken eines Revolverhahnes zum Stehenbleiben auf. Der erste Teil unseres Planes, unbemerkt den schnitt in der das ganze Lager umgebenden Rak- ihm die Auskunft in seiner Muttersprache, wor- zwang.

Bei der Kavallerie der Fremdenlegion in Afrita!

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tushede herausführen wollten. Vorerst wollten über er so sehr erfreut war, daß er mich zu einer Eine Blendlaterne blizzte auf und aus dem freien Meeresstand zu erreichen, war gelungen.

wir jedoch an diesem Ort Sattel und Zaumzeng, Flasche Wein einlud, welcher Aufforderung ich Schatten der Häuser traten einige Gestalten vor

sowie unsere Waffen bringen, dann satteln und als Legionär nur allzu gerne nachfam. Der ersten die Patrouille des Spalierregimentes. Ich erhob sich mein Matrose und mit festem Hände­Noch eine Weile verharrten wir so, dann die Waffen umgehängt so schnell uns unsere Rosse Flasche folgte die zweite, unser Gespräch wurde mußte meine Papiere vorzeigen, dann setzte ein druck sich von mir verabschiedend, eilte er nun tragen fonnten, nach der 360 Kilometer von uns intimer, freundschaftlicher und unter der Wirkung scharfes Verhör über unser Wohin und Woher allein auf allernächstem Wege der Stadt, bzw. entfernten italienischen Kolonie Tripolis des Alkohols vergaß ich jedwede Vorsicht und ein und mißtrauische Blicke des Führers ließen dem Hafen wieder zu. jagen. Die Waffen wollten wir mitnehmen, um flagte dem Matrosen unser Leid und schließlich uns erkennen, daß ihm, das Zusammensein des

im Falle äußerster Not, wenn uns fein anderer verriet ich ihm sogar meine beabsichtigte Flucht Fremdenligionärs mit dem ausländischen Ma- Eben schlug die zweite Morgenstunde. Ich Ausweg bliebe, uns dann allerdings nach Kräften und den Plan. Der Wein erhitzte unsere Ge- trosen nicht sonderlich gefiel. Mein Matrose hatte wußte, daß in diesem Augenblick der diensthabende zur Wehr zu setzen. Wir hofften, nur bei Nacht müter, der Matrose gab mir recht, doch schlug er sich jedoch rasch gefaßt und gab seiner Freude Aus- Offizier die Baraden kontrolliert und, daß, wie es reitend, bei Tag uns deckend, in etwa drei Nächte mir vor, cher die Flucht aufeinem Schiff druck darüčer, daß wir hier auf die Patrouille ge- Regel ist, ich zehn Minuten später bereits als Tripolis zu erreichen, da unsere zwar kleinen, aber zu versuchen. Ich schilderte ihm die Unmöglich- stoßen, da wir uns beide bloß verirrt und ver- Deserteur gemeldet sein würde, da es unerhört bei sehnigen und ausdauernden Araberhengste zirfa feit für uns, in den Hafen zu gelangen, geschweige laufen hätten. Die Patrouille ging mit uns in uns war, daß jemand seine Zeit überschritt. Eine zehn Kilometer in der Stunde zurücklegten. Ein denn auf ein Schiff, da wir eine bestimmte Zone die Stadt zurück wobei wir weiter verhört wurden halbe Stunde später würden bereits die Pa Plan sicherlicher abenteuerlich Art, wie er bei vor dem Hasen überhaupt nicht überschreiten dürf- und schließlich gab mir der Kommandant den trouillen nach allen Richtungen zur Verfolgung uns nur in einem Wildwestfilm zu sehen ist, doch ten und im Hafen selbst es von Polizisten, Gen- Auftrag, mich unverzüglich in mein Lager zu be- des Deferteurs Matrikel- Nummer 61.365 jagen. drüben absolut nicht als absonderlich angesehen darmen und Arabern wimmelte. Nun geriet der geben, da es bereits ein Uhr, mein Urlaub um wird, da auch solche Fälle schon vorkamen.

alte Seebär so richtig erst ins Feuer und bei der 2 Uhr zu Ende gehe und von diesem Punkt noch

So weit hatten wir also unseren Plan bereits vierten Flasche schwur er mir, zu beweisen, daß reichlich weit bis in mein Lager sei. Auf mein ausgearbeitet und warteten nur noch auf den es doch ginge und wenn nicht anders, dann mit Versprechen hin, sofort seinem Auftrag nachzu­Augenblick, da der Zimmerkommandant des Nachts feiner Hilfe. Jawohl, er wollte mir helfen, und kommen, verließ uns die Patrouille, worauf wir

( Schluß folgt.)

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