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7. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowatischen Republit.

Die geistigen Waffen der Bourgeoisie.

Was für armselige Wichte sind es doch, die in den bürgerlichen Zeitungsredaktionen das Geschäft der Sozialistentöterei betreiben! Wie bie Spinne im Netz lauern sie auf einen Bor­fall, irgendwo in der weiten Welt, der sich um­deuten, umlügen, gegen die Sozialdemokratie

ausschroten ließe, haſchen ſie nach einer Lügen­

nachricht, die ein anderer ausgeheckt hat oder

fie müſſen ſelbſt welche aus ihren unsauberen

Fingern jaugen. Noch kein Wahlkampf ging vorüber, ohne daß sich nicht eine brausende Schlammslut niedrigster Verleumdungen und Verdächtigungen über die Sozialdemokratie, als der Vorfämpferin der Arbeiterklasse, ergossen hätte. Das Tollste ist noch gut genug, um ge­druckt zu werden. In dem Meer der lumpigsten Lügen, die den Ausfluß der Geistigkeit der Bourgeoispresse bilden, ist nicht ein sachliches ernstes Wort zu finden. Ihre geistige Ausein­andersetzung beschränkt sich darauf, die Sozial demokratie zu verunglimpfen, ihr Tendenzen, Handlungen und Absichten zu unterschieben, die ausschließlich in der schmutzigen Phantasie ihrer Erfinder ihren Bestand haben. Mit den Schreiberlingen zu rechten, welche diese schofle, schäbige Arbeit leisten müssen, wäre ein­seitig, sie werden dafür bezahlt, und öfters gut bezahlt. In der kapitalistischen Welt ist die geistige Arbeit Ware, so gut wie jede andere. Much die Verleumdung im Dienste der Bour­geoisie findet ihren Sold. Hier die Ware, hier das Geld!

Freitag. 23. September 1927.

16. Oftober Gemeindewahlen!

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In einzelnen Gemeinden sind die Wahlen bereits für diesen Zermin ausgeschrieben. Die Regierung spielt immer noch Verstecken! Arbeiter, laßt Euch nicht zum Narren halten! Treffet rasch die legten Vorbereitungen, um mit einem System abzurech­nen, das in allem und jedem die Maßen verhöhnt, einer verstedten Dittatur der Bourgeoisie frönt!

Aus mehreren Städten, so aus Bodenbach , Tepliß und Sa a 3, wird uns gemeldet, daß dort die Gemeindewahlen für den 16. Oktober bereits ausgeschrieben sind. Man darf also jetzt mit Sicherheit annehmen, daß noch im Laufe dieser Woche in allen Gemeinden, deren Vertretung jeßt neu gewählt werden soll, diese Wahlen, und zwar für den 16. Oktober werden ausgeschrieben werden.

Rüstet also zum Kampfe, fanget an, schlaget Euch, wie Ihr cs in hundert Wahlschlachten gelernt und erprobt habet!

Rechnet in diesen politischen Kommunalwahlen gründlich ab mit dieser Regierung, die hundertmal mehr Sünden und Verbrechen auf sich gehäuft hat, als sie Monate zählt, mit dieser Regierung, die Euch jeßt, da Ihr, freie Bürger einer demokratischen Republik, über das fünftige Schicksal der Gemeinden entscheiden sollt, wie Heloten behandelt, wie Unmündige; die Euch verhöhnt und zum Narren hält.

Seit Wochen läßt diese Regierung die große Masse der Bevölkerung und alle oppositio­nellen Parteien bewußt darüber im Unlaren, wann denn eigentlich diese Gemeinde­wahlen stattfinden werden, die seit dem Sommer das politische Hauptthema bilden. Wie wir oben berichten, sind in einigen Städten die Wahlen bereits ausgeschrieben. Die überwiegende Mehrzahl der Gemeinden aber wird über den Termin noch immer in Unkenntnis gehalten. Es besteht kein Zweifel darüber, daß es die Regierung darauf abgesehen hat, die Bevölkerung zum Narren zu halten, sie zu verwirren, die politischen Par­teien und ihre Vertrauensmänner nervös zu machen. Noch vorgestern wagte es der Herr Innenminister Černy, einer Abordnung führender tschechischer Genossen auf ihre Anfrage zu erklären, daß der Termin noch nicht bestimmt sei, und daß er ihn also felber nicht kenne. Ja felbst am gestrigen Tage beantwortete das Innenministe= rium einen telephonischen Anruf dahin, daß es den Zeitpunkt der Wahlen noch nicht tenne. Der Mitteilung, daß die deutschen Sozialdemokraten bereits Nachricht aus einigen deutschböhmischen Städten darüber haben, daß dort die Wahlen für den 16. Oftober schon ausgeschrieben sind dieser Mitteilung begegnete das Innenministerium mit der albernen Ausrede, daß diese Ausschreibungen auf einem Versehen" beruhen müßten!

Wir können der dreimalweisen Bürgerregierung versichern, daß dieses jämmerliche Ver­stedenspielen ihr nicht im geringsten helfen wird, die Abrechnung, die ihr bevor­steht, auch nur um ein Jota unklarer und weniger eindeutig zu gestal= ten. Im Gegenteil! Die Arbeiterschaft insbesondere, deren Organisationen llar zum Gefecht stehen, wird die Methoden, mit denen die Regierung diese Wahlen einbegleitet, erst recht zu einem weiteren Aniaß nehmen, um mit ganzer Kraft gegen ein System anzu­rennen, das seine Arbeiterfeindlichkeit, seine diktatorischen Allüren in einem Maße enthüllt, wie es in ähnlicher Weise kein demokratischer Bürgerstaat ausweist. Dic Balkanmethoden, die sich hier unter der fühlbaren Einwirkung von Hostivar breita machen, sind das untauglichste Mittel, um ein so längst mündiges, seiner Kultur­kraft und seiner Arbeit bewußtes Profetariat, wie es die sudetendeutsche Arbeiterschaft ist, in ihrem Kampfe zu beirren und zu verwirren!

Mit den Methoden von Hostivař, mit den diftatorischen Allüren einer Handvoll Leute, die namens der machtgierigen und machttrunkenen internationalen Bourgeoisie die Arbeiterschaft aus­beuten, unterdrücken und verhöhnen, mit den sozialreaktionären und nationsverräterischen deut­ schen Regierungsklerikalen und Agrariern, mit Švehla, Kramař, Sramel und mit ihren Hand­langern und Trabanten, Spina und Mahr- Harting rechnet in den kurzen drei Wochen ab, die uns zum Wahlkampf zur Verfügung stehen.

Bezugs Bedingungen:

Bei Zustellung ins Haus oder

bei Bezug durch die Post:

monatlich.... 16.­vierteljährlich

halbjährig

ganzjährig

48­

96.

192.­

7

Rüdstellung von Manu­ftripfen erfolgt nur bei Ein­fendung der Retourmarten.

Ericheint mit Ausnahme des Montag täglich frülb

Nr. 223.

Genossen, beachtet die Fristen!

Alle Vertrauensmänner, alle Genossen, seien durch folgende Anmerkungen und Richtlinien auf­merksam gemacht auf die verschiedenen Fristen, die im Zuge des Wahlkampfes unbedingt einge­halten werden müssen:

Innerhalb a dht Tagen nach der wahy­fundmachung muß in jenen Gemeinden, die weniger als 700 Einwohner zählen, das Verlan­gen gestellt werden, daß die Wahlen nach dem Grundsatz des Verhältniswahlrechtes durchgeführt werden.

Längstens 14 Tage vor dem Wahl­tag bis 12 Uhr mittags hat der Bevollmäch= tigte unserer Partei beim betreffenden Ge­meindeamt die Kandidatenliste zu über­reichen!

Spätestens am 14. Tage vor der Wahl müssen die Bevollmächtigten der Partei der politischen Bezirksbehörde namhaft gemacht werden.

Spätestens am zehnten Tage vor der Wahl können Aenderungen in der Kan­didatenliste durchgeführt werden, und zwar dann, wenn ein Kandidat verzichtet, stirbt, das Wahlrecht verliert oder aus der Wählerliste gestrichen wird. Die Namhaftmachung des Ersatzkandidaten erfolgt durch den Bevollmächtigten der Partei.

Am achten Tage vor dem Wahltag können die Bevollmächtigten der Wählergruppen beim Gemeindeamt eine gemeinschaftliche Erklärung vorlegen, daß sie ihre Liſten untereinander koppeln.

Wenigstens acht Tage vor dem Wahltage hängt der Gemeindevor stcher in den Räumlichkeiten, in denen die Wäh lerverzeichnisse zur Einsichtnahme aufgelegt sind, alle gültigen Kandidatenlisten aus.

Wenigstens am achten Tage vor der Wahl gibi der Gemeindevorsteher durch öffentliche Kundmachung und auf arts­übliche Weise den Tag, die Anfangs- und End­stunde der Wahl, die Wahlräumlichkeit sowie die Grundsäße, nach denen die Wahl statt­finden wird und wieviel Mitglieder ge­wählt werden sollen, bekannt. In derselben Kund­machung muß auch die Aufforderung enthalten sein, wo die Legitimationstarten und die Kan­didatenlisten abzuholen sind, die den Wählern nicht zugestellt werden konnten. Wenigstens acht Tage vor dem Wahltag hat der Bevoll mächtigte der Wahlgruppe den Vertreter sei­ner Gruppe für die Wahlkommission als auch den Ersatzmann bei der Aufsichtsbehörde befanntzugeben.

Längstens am dritten Tage vor dem Wahltage läßt der Gemeindevorsteher in allen Ge­meinden jedem Wähler in seine Wohnung die gül­tigen Kandidatenlisten aller Wahlgruppen und in Gemeinden mit mehr als 1000 Einwohnern auch die Legitimationstarten zustellen.

Eine Probe dafür, wie die Gegner der Arbeiterklasse den Gemeindewahl­tampf zu führen gedenken, liefert das Blatt des Justizministers Manr- Harting, die christ­lichsoziale Deutsche Prejse". Unjer Artifel Note Gemeindewirtschaft" hat es ihr angetan und sie läßt unter dem gleichen Titel einen Artikel los, der ebenso eine Leistung pfäffischer Skrupellosigkeit wie jesuitischer Lü­genkunst ist. Schon der Untertitel zeigt, worauf es abgesehen ist: Die Deutsch natio= nalen als Bundesgenossen der Sozialdemokraten." Das steht in dem Bfaffenblatte am selben Tage gedruckt, da das Sauptorgan der Deutschnationalen unter Be­rufung auf eine von uns bereits wiederholt als Umvahrheit gebrandmarkte Nachricht die deut­ sche Sozialdemokratie beschuldigt, daß sie durch ein Wahlkompromiß dem wütenden Chauvi­nismus der Tichechen" Vorschub zu leisten ge= benke! Nach dem einen also sind wir Bundes­genossen der Deutschnationalen, nach dem an­dern Verbündete des wütendsten tschechischen Chauvinismus! Nach dieser ersten Probe wird man sich im Wahlkampfe auf manches gefaßt machen müssen. Aber unsere Bundesgenossen­schaft" soll ja vor den Gemeindewahlen im Jahre 1923 zurückliegen! Zu dieser Zeit aber jaßen die Christlichjozialen mit den Deutsch hätten in schöner Gemeinschaft mit den Kapita- von den bürgerlichen Parteien verwüsteten Ge- sonst werden wir uns erlauben, ihm vor aller nationalen im Deutschen parlamenta ſten" die Nonnen aus den Spitälern gewor- meindekassen kein Geld zum Bauen vorfanden. Welt den unaustilgbaren Titel eines schuf­Aber das alles sind Kinkerlitzchen, die nur igen Verleumderblattes zu ver­rischen Verband, in vielen Gemeinden fen, und gut bezahlte" Pflegerin= leihen. iraten sie uns beide innerhalb des bürgerlichen nen eingestellt. Schade nur, daß dies nicht die beweisen, daß selbst dem erfindungsreichsten Sozialdemokraten, sondern die Christlichsozialen Pfaffenhirn keine Beweise für die angeblich be- Wenn man nach diesen Proben sieht, wie Einheitsfront" entgegen und beide juharatteriſiert, die sich dadurch dazu bekennen, gangenen Fehler der roten Gemeindewirtschaft die bürgerlichen Parteien auch diesmal den belten sie um die Wette, als es ihrem gemein- daß Strankenpflegerinnen nicht gut", das heißt, zu entlocken sind. Die Deutsche Presse" ver- Wahlkampf zu führen gedenken, jo fällt einem famen Lügen- Streuzzug gelungen war, der So- menschen wir dia bezahlt werden, und daß steigt sich, um den Gemeindewahlkampf würdig das Wort des alten Friß ein: Mit solche m ein Recht auf Anstellung nur Nonnen, nicht zu eröffnen, zu einer weit massiveren Leiſtung Gesindel muß ich mich herumschla= zialdemokratie eine Wahlschlavye zu bereiten. ein Recht auf Anstellung nur Nonnen, nicht Saß und Furcht vor der sozialdemokratischen aber andere Frauen haben. Sonst faselt das und die soll ihr nicht geschenkt werden: Mit gen!" Die bürgerlichen Parteien, die jetzt schon den kapitalisten aber verstanden als Vorbereitung zu den Gemeindewahlen ihre Arbeiterschaft, aber auch die Verlegenheit nach Blatt noch: Man baute 2eichenverbrennungssich die Sozialdemokraten bald Gifttränklein gegen die klassenbewußte Arbeiter­Argumenten ist bei den Christlichsozialen so öfen, die sehr viel kosteten. Der Nüglich sehr gut, denn das waren ja ihre shaft brauen, fönnen allerdings zwei Entschul­groß, daß ihnen sogar das Dümmste und der keitseifer" der Sozialdemokraten griff oft zu lächer: Geldgeber." Man könnte über die Abjur- digungsgründe vorbringen. Erstens können sie aufgelegteste Schwindel noch immer brauchbar lichen Maßnahmen. In einer Gemeinde erscheint, um damit den geistigen Stampf für Nordvöhmens ließ die role Gemeindeverwaltung dität lachen, die darin licat, daß ausgerechnet auf die Kommunisten als ihre Vorbilder das christlichkatholische Jocal zu bestreiten. die Lindenbäume auf dem Friedhof und um ein Blatt der politischen Armee der katholischen verweisen, deren geistige Waffen nicht anstän­die Kirche fällen und setzte dafür Obst- Kirche, die seit Jahrhunderten den Kapitalisten diger sind, und zweitens bleibt ihnen doch nichts Nun sollte man glauben, das christlichsoziale und Ausbeutern die Armen und Enterbten un- übrig, als die Verleumdung, denn sie können Pfaffenblatt werde die Gelegenheit wahrneh- bän me hin."

Kuddelmutdels als antimarristische

und am 16. Oktober sei jeder Arbeiter- Stimmzettel Urteil über die Bürger­Regierung und die Gesamtheit der Stimmen prophezeie ihr Ende!

Der Bevollmächtigte der Partei muß vor Beginn der Wahlhandlung dem Vorſizen­den der Kommission mündlich oder schriftlich drei

Wähler als Vertrauensmänner nam­hasi machen.

men, an der Hand von bestimmten Tatsachen Wo sich dieser Fall von Obstkultur zuge- terdrücken hilft, die Kapitalisten der Liebe zu doch nicht gut den Wählern von den großen bie rote Gemeindewirtschaft" zu tragen haben soll, das wird man natürlich nie den Sozialdemokraten beschuldigt, aber so leicht Knödeln, die seit ihrer Regierungsfähigkeit enthüllen, zu zeigen, was die Sozialdemo- erfahren, und was die Leichenverbrennungsösen soll es nicht davonkommen, denn es behauptet, ihre Leibnahrung sind, erzählen. fraten in den Gemeindeverwaltungen schlecht, betrifft, so gibt es deren in der ganzen Tschecho- daß sich die Stapitalisten diese Liebe jogar

Die Wahl der geistigen Waffen des Bür­

bie bürgerlichen Parteien dagegen gut gemacht flowakei taum ein halbes Dußend, Geld koſten lassen. Das Sprachrohr des Herrn gertums spricht für die geistige Armut und für haben. Aber woher die Beweise nehmen und von denen einige schon vor dem Kriege Justizministers wird also gut daran tun, sofort die moralische Verlofterung einer Klasse, die nicht stehlen! Allso behilft sich das Blatt, um gebaut, fein einziger dagegen unter sozial- lar und unzweideutig mitzuteilen, wo und sich zum Untergang verurteilt sieht, die keinerlei die schlechte Armenfürsorge der Sozialdemokra- demokratischer Wegide errichtet wurde, schon des- wann Kapitalisten Geldgeber der Ideale mehr besißt, nur ihr nacktes, gieriges waren, denn Geldjackinteresse. ten zu charakterisieren, mit der Erzählung, sie halb nicht, weil die Sozialdemokraten in den Sozialdemokraten