Befte 2.

Streit von 150.000 Spinnern in Bombay

London, 26. April. ( Eigenbericht.) Der Streit in den Baumwollspinnereien in Bombay hat sich zu einem Generalstreik der gesamten Textilarbeiter Bombays entwidelt. Bon über achtzig Fabriken arbeiten nur noch vier und auch diese werden wahrscheinlich heute oder morgen stilliegen. Ueber 150.000 Arbeiter befinden sich im Streif. Wiederholte Zusammenstöße zwischen ihnen und der Polizei haben die Lage außer ordentlich verschärft und vor allen Din­gen die Streitenden sehr erbittert.

Eines der Argumente, das der Konzentration der Krankenversicherungsanstalten entgegengehalten wird, besteht darin, daß sich die Annahme, als ob dadurch eine Verbilligung der Verwaltungs. foften herbeigeführt werden würde, nicht bewahr hette. Wie es um die Verwaltungskosten beftefft it, lebrt uns auch die Statiſtit. Es wird ist, aber auch damit argumentiert, daß die Bezirks. frankenversicherungsanstalten einen Ueberfluß an Beamten hätten. Es entfallen auf einen Beamten bei den Bezirks R. V. A. 663 Mitglieder, bei den landwirtschaftlichen St. 2. A. 607, bei den Genossenschafts- K.- V.- A. 548, bei den Vereins- dürfen. K.-V.-A. 736 und bei den Silfs- K.- V.- A. 643 Mit

glieder. Was die Bezüge der Angestellten anlangt, so ist aus der Statistik für das Jahr 1924 zu entnehmen, daß die Bezüge der Beamten der Bezirks K. V. A. durchschnittlich K 18.922.-, bei den landwirtschaftlichen K.-V.-A. K 14.538.-, bei den Genossenschafts- N.- V.- A. K 18.803.-, bei den Ver­cins- R.- V.- A. K 22.208.- und bei den Silfs-.- V.- A. K 18.330. betragen. Das kleinere durchschnittliche Einkommen bei den landwirtschaftlichen Svanten versicherungsanstalten ist nur dem Umftande zuzu schreiben, daß diese Anstalten erst feit furzem be stehen und demnach Bezüge habent, die in einer niedrigeren Gehaltsklasse eingereiht sind.

Die Sozialversicherung den Bürokraten ausgeliefert.

Weitere Einschränkungen der Autonomie.

grettag, 27. April 1928.

[ vermögen? Die deutschen Attivisten haben ihre ganze Politik auf die gegenwärtigen Machtverhält nisse eingestellt und sie sind dafür bereit, alle ihre Grundsäße preiszugeben. Es ist dies, auch von ihrem Standpunkt aus betrachtet, ein gefähr

Mit einem Schlußwort des Referenten wurde die Debatte über die Paragraphen 10 bis 12 sp Freitag vormittag anberaumt. dann abgeschlossen und die nächste Sitzung für

die Schwierigkeiten mit der Sozial­versicherung.

Eingeständnis auch von bürgerlicher Seite. Unter dem Titel Die Koalition in Nöten" Dr. Wilhelm Butschek, der sich durch seine ge veröffentlicht der Brünner Industriellenvertreter legentlich objektive Haltung zu den Fragen der einen Artikel, in dem er unter anderem schreibt: Sozialversicherung auszeichnet, in der Bohemia"

Die Lage der Stoalition ist zweifellos äußerst schwierig, Svehla wäre vielleicht der einzige ge­wesen, dem es dank seines diplomatischen Talentes und kraft seiner allseits anerkannten Autorität gelungen wäre, die aufgeregten Gemüter zu be schwichtigen und eine Kompromißlösung zu fin­den. Sein Stellvertreter wird dieser Aufgabe faum gewachsen sein; was dann? Es wird feine leichte Aufgabe sein, den Arbeitern Nechte zu ent ziehen, die man sich ihnen zuzugestehen einmal ensschlossen hat, zumal da die ganze Novellifie rungsangelegenheit durch das Für und Wider auf beiden Seiten einer sachlichen Behandlung voll. fommen entrüdt und zu einem Politikum ersten Ranges gemacht worden ist.

Prag , 26. April. Die heutige Sigung des schränkung der Autonomie dort für gerechtfertigt, ich es Spiel. Die deutschen Attivisten haben Subkomitees befaßte sich mit den SS 10 bis 12 wo Swedmäßigkeitsgründe dafür sprechen; der die Verwaltungsreform vornehmlich mit dem der Sozialversicherungsnovelle, zu denen die Koa- Staatsgewalt müsse das Recht eingeräumt mer- Argument verteidigt, daß das Doppelgeleife" lition Abänderungsnträge gestellt hatte. Nach den, einen Eingriff in die Autonomie dort vor- dadurch angeblich aufgehoben wurde; aber das diesen Anträgen soll(§ 10) die Dienstord- zunehmen, wo es die Staatsgewalt für notwendig felbe Doppelgeleise harrt nun hier in der Sozial­ve: sicherung seiner Auferstehung! Wenn sich die nung für die Krankenversicherungsanstalten der hält. Genehmigung durch das Ministerium für soziale Zu§ 11 der Novelle lag ein Ergänzungs Soalition ernstlich die Erfahrungen während der Fürsorge und das Finanzministerium unterliegen. antrag der Koalition vor, daß die Ernennung Geltungsdauer der Sozialversicherung zunuze der leitenden Beamten der Genehmigung machen wollte, dann müßte fie im Gegenteil Genosse Taub bei den Bezirksfrankenversicherungs­des Fürsorge ministerium& unterliegt. jeden Einfluß der politischen Behörden auf die anstalten die schlechtesten Risten ver- bemerkte hiezu in der Debatte, es sei bezeichnend Der Regierungsvertreter verwies darauf, daß Sozialversicherungsinstitute aus merzen. Die einigt find. Nach der Statistik für das Jahr 1924 für die Koalition, daß sie in allen Belangen den dies den alteit gefeßlichen Bestimmungen ent- politischen Behörden haben die Aufsicht über die betragen die Beiträge durchschnittlich im Jahre bei Einfluß der Zentralfozialversi che spreche. Auch die Vorlegung des Tätigkeits- Krankenkassen durch 37 Jahre ausgeübt; man den Bezirks K.-V.-A. K 327.-, bei den Betriebsrung einzudammen versucht. In dem Ent- berichtes der Kasse an die politische Behörde drit- fann aber getrost behaupten, daß die Zentral R. V. A. K 344.-, bei den Genossenschafts K.-V. A. wurf wird das Verlangen gestellt, daß die in ter Instanz, wie es eine Ergänzung zu§ 12 ver- sozialversicherungsanstalt innerhalb von eindrei K 375.-, boi den Vereins- K. V. A. K 483.- und Rede stehenden Dienstverträge auch auf jene Be- langt, fei erforderlich, da auch dem Landespräsi- viertel Jahren auf diesem Gebiet weit mehr bei den Hilfskassen K 539.-. amten Bezug haben sollen, die schon im Dienste denten das Recht zustehen müsse, die erforder- geleistet hat als die politischen Behörden in den der Rassen stehen. Die jebigen Rollektivverträge lichen Informationen einzuholen. Auch der 37 Jahren! sind ein Produkt der Vereinbarung zwischen Ver- Referent Malik erklärte diese Aenderungen für band und Berufsorganisation und sie haben die unbedingt erforderlich. Zustimmung des Ministeriums für soziale Für­Genoffe Taub forge erlangt. Es handelt sich hier also um er tabelte dann die außerordentliche Dürftigkeit worbene Rechte, die nicht geschmälert wer der Begründung zu der Regierungsvorlage, die den fönnen. Dieſe Beſtimmung entspricht nur namentlich bei den Paragraphen 10 bis 18' und dem unbegründeten Haß gegen die Kas­en angestellten und sie mißachtet auch die 16 bis 18 zum Ausdruck fommt. Es heißt dort durch Parlamentsresolutionen gemachten Busa- lediglich, die bisherigen Erkenntnisse aus der gen, daß erworbene Rechte nicht tangiert werden Durchführung des Gesetzes hätten die Not­wendigkeit einer zweckmäßigen Re­gelung der staatlichen Aufsicht über Der Regierungsvertreter Dr. Hoffmann die Träger der Versicherung ergeben. Das ist erklärte die Befürchtungen wegen Zersplitterung die ganze Begründung! der Sozialversicherung für übertrieben.§ 75 gebe der Regierung auch die Möglichkeit, die lebens- bisher der Zentralfozialversicherungsanstalt vor Die Ernennung der leitenden Beamten war unfähigen Gebilde aufzulösen, und das Fürsor- behalten; nunmehr soll die Genehmigung des geministerium werde bei Handhabung der be- Ministeriums für soziale Fürsorge erforderlich treffenden Bestimmungen mit aller Rigorosität sein. Wir haben seinerzeit schon in der Ernen­vorgehen. Der Grundsatz der staatlichen Auf- nung durch die Zentralfozialversicherungsanſtalt ficht als Gegengewicht gegen die Auto- als eine Einengung der Autonomie bezeichnet und nomi e fomme auch in andern Staaten zur Gel davor gewarnt: leider haben wir tauben tung, die Genehmigung der Dienstverträge durch Ohren gepredigt. Wan hat uns seinerzeit vorge die Ministerien sei also gerechtfertigt. Ministerial halten, daß auch die 3. S. V. A. cin autonomes rat Ernest betonte, daß bei der Neuerrichtung Organ sei, das sich zum Teil aus freier Wahl zu­von Stassen nicht nur die vorgeschriebene Mindest sammensetzt. Welchen Sinn soll aber heute die Für die Beurteilung der Risken in den mitgliederzahl, sondern auch die anderen Vorbe- Genehmigung der Ernennungen durch das Mini­Krankenversicherungsanstalten fann die Sterblichkeits giffer herangezogen werden. Sie beträgt bei den dingungen erfüllt sein müssen. sterium haben? Es hat doch feine Ahnung von den Bezirks- St.- V.- A. 0.68, bei den landwirtschaftlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Kassen, da R. V..A. 0.59, bei den Betriebs- K.- V.- A. 0.59, bei jetzt die unmittelbare Aufsicht über die Kaffen der 3. S. V. A. vorbehalten ist. Man will in Wirk­den Genossenschafts- K.- V.- A. 0.50, bei den Vereins K.- V- A. 084 und bei den Hilfskassen 0.64. lichkeit einfach auch noch die largen Reste der Zum Stichtag für den Bestand der Genoffen. Er berweist darauf, daß die Errichtung neuer Autonomie aufheben! Ebenso fraz tritt das bei schaftskrankenversicherungsanstalten wird der 1. Juli affen sicher nicht nach fachlichen Gesichtspunkten, der Ergänzung des alten§ 70 in Erscheinung. 1924 berangezogen, weil man der Auffassung ist, daß sondern nach politischen Bedürfnissen Nach diesem hatte der leitende Beamte das Recht, an diesem Tag der höchste Mitgliederstand vor erfolgen werde. Herr Ministerialrat Hoffmann Entscheidungen der Generalversammlung oder des handen ist. Es wird, wenn dieser Grundjab im hat darauf vergessen, daß ja eine eigene In- Vorstandes, die seines Erachtens im Widerspruch Gesetz verantert wird, feineswegs die Sicherheit be- ftitution zur Beaufsichtigung der Krankenver- mit den geltenden Vorschriften stehen, der 3. S. stehen, daß die betreffende Krankenversicherungsanstalt sicherungsanstalten geschaffen wurde; in der V. A. vorzulegen und die Durchführung der Be­auch im Durchschnitt des Jahres 1000 Mitglieder 3entralfozialversicherungsanstalt schlüsse vorläufig zu sistieren. Nunmehr soll auch Die Kommunisten müssen ihre Organisationen aufweisen wird. Nach der Statistik des Jahres 1924 hat sich ja die Regierung einen solchen Einfluß ge- noch der politischen Behörde II. Instanz eine erst demokratisieren! Der vierte Kongreß der hat der höchste Mitgliederstand 2,580.039 betragen, sichert, daß ihre Interessen voll gewahrt werden. Abschrift des der 3. S. V. A. zugegangenen der niedrigste Mitgliederstand 2,072.440. Es ist also Wir haben mit dem Einfluß der Bürokraten auf Berichtes eingesendet werden. Was soll denn der Roten Gewerkschaftsinternationale hat eine Reso eine Differenz von mehr als 25 Prozent zu ver- die Krankenversicherung im alten Desterreich Landespräsident, der von den Bedürfnissen der lution gefaßt über die Gewerkschaftsverhältnisse in zeichnen. nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Die Kassen in der Regel keine Ahnung hat, mit dem der Tschechoslowakei , die augenscheinlich mehr Genosse Taub beschäftigt sich dann mit den Abficht der Regierung geht dahin, die Zentral- Bericht eigentlich anfangen? Während der Regie- Beilen zählt, als der J. A. B. Mitglieder. Es Verhältnissen, die bei den aufgelösten Genossenschafts. sozialversicherungsanstalt, die ihr aus unbegreif- rungsvertreter nur seine Pflicht erfüllt, wenn er heißt darin unter anderem: faisen festgestellt wurden. Mit Recht wird von ge lichen Gründen ein Dorn im Auge ist, zu diese fachlich zu begründende Bestimmung ver­Es sind energische Maßnahmen zur wisser Seite gegen das Pluralwahlrecht brüstieren. Redner unterstreicht dann die teidigt, muß man bei Herrn Abg. Greif an Demokratisierung des J. A. V. von unten Nur müssen wir leider fest- Ausführungen des Genossen Taub hinsichtlich nehmen, daß es ihm ein Herzensbedürf­bis oben zu ergreifen, eine tollektive Be stellen, daß wir seinerzeit bei der Abfassung des der Wahrung der erworbenen Rechte der Kassen- nis ist, gerade bei diesem Abschnitt mit seiner ratung der Fragen und gemeinsame Gesetzes nach dieser Richtung hin feine Unterstüßung angestellten und stellt fest, daß sich seinerzeit bei Meinung, die er uns sonst beharrlich verschweigt, Tameradschaftliche Arbeit, sowie eine erfahren haben. Wir erklären neuerlich ausdrücklich, ihm und Minister Erdinko eine Abordnung der offen herauszurücken. Herr Greif steht auf dem follettive Leitung in fämtlechen Arbeitsgebieten daß wir für die Beseitigung des Plural Nassenangestellten eingefunden hat, denen die Standpunkt, daß der Staatsgewalt das Recht des des J. A. V. herbeizuführen. wahlrechtes sind und daß wir heute wie immer feste Zusicherung gegeben wurde, daß ihre Eingriffes in die Autonomie dann zugestanden Darnach ist also im Internationalen Allgewerf vorher die Ausschreibung der Wahlen Ansprüche uneingeschränkt aufrecht werden muß, wenn es die Regierung für zweck- schaftlichen Verband bisher zu wenig Demokratie als eine unerläßliche Notwendigkeit bleiben sollen. mäßig hält. Wann wird denn die Regierung diese gewesen, mit anderen Worten, die Mitglieder anschen! Der Christlichsoziale Greif hält die Ein Zweckmäßigkeit" einmal nicht zu konstruieren haben nichts dreinzureden gehabt. Wir fürchten, Seine Frechheit war schnittig wie ge- Süßweines. Der glitschte wie süßes Del durch schliffener Stahl. In solchen Fällen aber traf die Gurgel. Aber genug bekam man nicht von sie nie daneben. dem Labberzeug. Im Gegenteil, der innere Der Zug fuhr weiter. Plötzlich hielt er auf Brand wurde immer größer. Seltsam, nach glück offener Strede, irgend etwas an der Maschine lich überstandenen Gefahren merkt man erst, daß war nicht in Ordnung. Bis alles ausgebessert man auch einen Magen hat. Da will der Schuft war, gab es zwei Stunden Verspätung. Diese vollgepact sein, eher gibt er keine Ruhe. für mich zwei Stunden gehöriger Angst. Ich

Nachdruck verboten.

Der Baldamus und seine Streiche

Berlegt vom Bücherkreis in Berlin 1927. Von Oskar Wöhrle .

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Auf diese Ausführungen der Regierungsver­treter reagiert

Genosse Dr. Winter.

benußte ich die Gelegenheit, um nach dem bejag- bis nach Marseille .

Man wird daher mit Recht auf die weitere Entwicklung der Dinge gespannt sein können. Am wertvollsten ist die Feststellung eines bir­gerlich eingestellten Menschen, daß durch die Novel­lisierung der Sozialversicherung den Arbeitern Rechte entzogen werden, die man ihnen früher zugestanden hat.

eine Nacht unter freiem Himmel vorzuziehen ge­wesen.

Am Morgen hatten wir uns nicht ausge ruht, sondern wir waren wie gerädert und mach ten uns gleich auf die Fahrt, aber jeder geson­dert, um der Polizei nicht zu zwei aufzufallen. Um zwölf Uhr trafen wir uns beim Bahnhof; zwei Stunden unfreiwilligen Aufenthalts waren Marseille hat viel Leben. Alle Nationen kann der Rostocker hatte einen Slumpen Geld gemacht Auf dem Bahnhof der Linie Paris­und wollte fort. Ich war damit einverstanden, Lyon- Méditerranée fauften wir uns zwei dachte, vielleicht schnappen uns die Burschen bei man herumwandeln sehen. Schöne, breite Stra- und wir erfragten den nächsten Weg nach Ton­Bahnsteigbillette zu je 10 Centimes. Mit diesen dieser Gelegenheit doch noch, und dann gibts für Ben und Plätze mit Anlagen sind da, aber auch lon. Da tamen wir auch ungehindert hin, trok­passierten wir die Sperre und stiegen in den drei, vier Wochen Freilogis in irgend einem biel Elend, Dreck und Geſtant; besonders in der dem wir viele Militärabsperrungen passieren Schnellzug, der abends um acht Uhr nach Mar- Wanzengarten. Der Rostocker lachte nur, wenn nicht mit dem Beſen hineinholen, ist alles. In nen Wirtschaften und einem großen Kriegshafen, Hafengegend. Und Hurenhäuser! Daß sie einen seille fährt. Noch während der Zug in der er mein dummes Gesicht fah und sagte: Frisch in welchem viele Panzerschiffe, mächtige Stahl­heille fährt. Noch während der Zug in der er mein dummes Gesicht fah und sagte: Frisch mußten. Das war mal eine feine Stadt mit schö Station stand, lam ein Kontrolleur, um die Bil- deine Faffade auf, junger Knabe! Stopfhänger diesen Gegenden mit ihrer helleren Luft sieht en Wirtschaften und einem großen Kriegshafen, lette nachzusehen. Der Rostocker war nicht ver- kann man bei Schwarzfahrten nicht gebrauchen!" man alles einen Schein deutlicher und frasser als in welchem viele Panzerschiffe, mächtige Stahl tolosse, den Himmel anrauchten. Wenn solch ein Tegen, sondern fragte ihn ganz ungeniert nach dem Sein Optimismus behielt recht. Wir tamen den Dingen weggezogen sei. Als ob die Natur Schiff auf der Fahrt war, hielt sich der Rauch­bei uns; es ist gerade, als ob ein Vorhang von Abort. Während der Beamte ihm Auskunft gab, unangefochten, von keiner Kontrolle belästigt, abgehäutet wäre; die oberste Schicht mit dem ten Luft. Auch der Weg, den es genommen hatte, wimpel manchmal stundenlang in der unbeweg ten Orte zu verschwinden und mich dort einzu- Gegen 11 Uhr vormittags fuhren wir ein. zuckenden Leben liegt bloß. fonnte man tilometerheit sehen. An dieser Stelle schließen. Staum war ich drin, so klopfte auch der Da es die Endstation des Zuges war, mußten Bei Anbruch der Dunkelheit kamen wir ans zog sich eine glatte Furche durchs Wasser. Das Rostocker um Einlaß. wir aussteigen. Jetzt war Holland in Not; denn Meer. O, du schönes Wasser! Es dauerte lange, ist vom Del, das die Kästen abgeben!" erklärte Erst nach einer Stunde, nachdem der Zug wie zur Bahnhofssperre hinauskommen? Ueberall bis wir uns sattgesehen hatten an seinen lauten, mir der Rostocker. Wir beschauten alles gründ­schon lange in Fahrt war, gingen wir in ein Ab- an den Perronausgängen standen Beamte, die unruhigen Wogen. Aber uns umtrallte auf ein- lich und versoffen bei dieser Gelegenheit die letz­teil und ließen es uns bequem sein. Hier mach- die Fahrkarten kontrollierten. Auch hier war der mal die Kälte, die Schönheit verschlich, und wir ten Ströten. Weil wir Fremde und Ausländer ten wir die Bekanntschaft eines deutschen Ober- Rostoder schnell gefaßt und wußte Rat. Er ging wurden wieder arme, hungrige Walzbrüder, die waren, wollte man uns nirgends über Nacht be­keliners, der nach der Riviera fuhr. Der Ro- mit mir quer über das Geleise weg zur Gepäck nicht besser daran sind, als ein Stück Vich. Der halten. Wir gifteten uns und tippelten in heller stoder pumpte ihn an. Es zog, der Frackträger stelle, und fragte ganz kühl und geschäftsmäßig, Rostoder gab mir einen Stoß in meine Betrach- Wut weiter. Eine Wegstunde waren wir gegan­hatte Verständnis für unsere Nöte und schwiste ob seine Roffer schon angekommen seien. Natür tungen hinein und sagte: Du, ich will pennen!" gen, da trafen wir gleich drei Stunden auf ein­zwei Franken. Gegen Tag fuhr der Zug im lich fand der Lademeister nichts, so viel er auch Aber woo? Gabs ein Asyl? Wir hatten Glück, es mal, zwei junge und einen alten Spedjäger. Da yoner Bahnhof ein, wo er eine halbe Stunde juchte. Na", sagte der Rostoder, dann lomme gab eins. Wir gingen den Geleisen der Tram - gings nun eine Strede weit in großer Kompag­Aufenthalt hatte. ich halt später wieder!" und gab dem Manne bahn nach und trafen einen Polizisten, der uns nic. Der Alte, dem schon mancher Herbstregen fünfzig Centimes Trinkgeld. Der dankte vielmals. den richtigen Weg zeigte. Weil wir so spät waren, über das graue Haupt gerutscht sein mochte, ver­Wir zwei aber gingen zur anderen Tür hinaus wurden wir tüchtig ausgeschimpft und durften stand die Sache aus dem ff und fand nach kurzem und standen im Freien. Zwar hatten wir zwei nicht mehr in die Wolle kriechen, wie die anderen, Suchen eine Platte, wo wir alle Fünfe über­schwer Schiß gehabt; doch nachdem alles so gut sondern mußten auf der nackten Pritsche schlafen, nachten konnten, ohne uns die Knochen abfrieren abgelaufen war, blieben wir samtander auf der ohne Decken. Ueber vierhundert Leute lagen hier zu müssen. Wir brachen zeitig auf, um den offenen Straße stehen und lachten wie die Irren. bereits auf dem Holze. Bis wir einschliefen, patroullierenden Gendarmen auszuweichen und Sch klopfte dem Rostocker auf die Achsel und sagte: dauerte es lange; irgendetwas hielt uns wadh; gingen auseinander, die dahin, die dorthin. Den Du bist halt doch ein Teufelsbraten, Lands der Rostocker schlegelte unruhig hin und her und alten Kunden habe ich später in Rom wiederge­mann!" Wir bummelten uniher, kehrten hie und murrte: Paß auf, wir fassen hier Läuse! Diese troffen. da ein und tranten manchen Schoppen billigen Bruchbude sicht ganz darnach aus!" Da wäre

Die meisten Reisenden stiegen aus und iran­ten an einem Stand Kaffee und aßen Brötchen. Je länger wir zusahen, desto stärker wurde unser Appetit. Bald standen wir ebenfalls bei der Saf feeküche, griffen zu und ließen es uns recht schmat ten. Der Rostocker schanzte mir zum Beschluß noch einige Brötchen zu und sagte, ich solle ins Abteil zurück und unsere Bläße belegen, inzwi schen wolle er bezahlen. Wer aber nicht bezahlte, sondern sich auf höchst geriebene Weise drückte,

( Fortsetzung folgt.)