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8. Jahrgang.
kade
19
50 aldemokrat
Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.
Dienstag, 7. August 1928.
Gewaltiger Auftatt des Internationalen Kongreffes.
Die Eröffnung des Weltparlaments der Arbeiter.- Henderson und Bandervelde sprechen. Clue beispielloje Kundgebung des belgischen Proletariats.
Die Eröffnungsfißung.
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Nr. 186.
Erster Redner zu diesem Punkt ist Naphtali Deutschland, der u. a. ausführte: Der Stapitalismus ist noch sehr lebendig, aber es ist nicht mehr der gleiche Kapitalismus wie früher. Die freie Beweglichkeit der kapitalistischen Wirtschaft ist aber nicht nur durch ihre eigene Monopolorganisation eingeengt worden, sondern auf diesem Gebiet hat auch die gewerkschaftliche und politische Macht der Arbeiterklasse zu Umbilworden. Von diesem Plaß aus hatte man eine jonders lebhaft auf dem ganzen Weg und von den dungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems entgroßartige Aussicht auf die kilometerweite An- Rongreßteilnehmern mit Beifall und Tücher- scheidend beigetragen. Die follettiven ArBrüssel, am 5. August .( Eigenbericht.) marschstraße des Festzuges. Man sah eine endlose schwenken begrüßt. Die roten Fahnen machten beitsverträge, wie sie die Gewerkschaften Die feierliche Gröffnung des internationalen So- Schlange von Menschen, die sich auf der ansteigen- einen überwältigenden Eindruck. Aber fast noch in weitem Umfang durchgesetzt haben, sind heute Die feierliche Eröffnung des internationalen Soden Straße dem Plaße näherten, hunderte größer war die Begeisterung, als die Arbei bereits eine entscheidende Einschränkung der Frei zialistenkongresses fand Sonntag vormittags in von Musikttapellen, die bei der Ankunft ier miliz, die sozialistische Wehr der belgischen heit des Arbeitsmarktes. In dem großen Ausbau Anwesenheit von mehr als sechshundert De- die" Internationale" spielten, tausende Arbeiterschaft, in undertschaften eine der Arbeitslosenversicherung liegt eine wesentliche legierten aus 24 Ländern statt, doch was bon roten, tost bar beftidien Fahnen, ganze Stunde lang defilierten. ren außerdem doppelt so viel belgische die vor den Kongreßdelegierten geschwenkt wurMöglichkeit für den Umbau der Weltwirtschaft. und ausländische Zuhörer sowie zahl- ben. Auch fleine ausländische Delegationen, dar- nossen , die schon manchen erhebenden Umzug er- zelnen Ländern liegt, ſo iſt es doch notwendig, Selbst die deutschen und österreichischen Ge- Wenn auch das Hauptziel der Kämpfe in den einreiche Vertreter der sozialdemokratischen, der birgerlichen und der kommunistischen Presse im Saale unter deutsche, tschechoslowatiſche, französische und lebt haben, gaben einmütig zum Ausdruck, daß diese in internationalem Rahmen zu fübund auf der Galerie untergebracht. Saal und Gas österreichische Arbeiterturner, Wandervögel und dieser Aufmarsch eines ihrer größten Erlebnisse ren, denn die internationalen Zusamlerie waren bis auf den letzten Plaß besetzt. Studenten marschierten im Zuge und wurden be- tvar. Bandervelde erteilte sofort dem Präsidenten der Internationale,
Henderson- England,
Beginn der meritorischen Verhandlungen. anglicht der Bölkerbundorgane, fondern
menschlüsse gewinnen dauernd an Macht. Demgegenüber müffen wir nach Orga nen der internationalen Einwirkung und Kontrolle suchen. Wir begnügen uns nicht mit der Unzulänglichkeit das Wort zur Begrüßungsansprache: wir fordern, daß die Sozialistische ArbeiterinterBrüffel, 6. Auguft. Eigenbericht. Der v fanfchen Banken an das Ausland, die faum nationale am Neuentstehen der internationalen Der Redner gedachte zunächst des Umstandes, Internationale sozialistische Kongreß wurde heute vollständig zurückgezahlt werden können, Wirtschaftsorganisation beteiligt sei und ein eni daß bereits vor 40 Jahren in Brüssel ein interna- um 10 Uhr von Paul Fare- Frankreich er eine große Gefahr liegt, scheidendes Wort bei der internationalen Wirt tionaler Sozialistenkongreß stattgefunden hat und öffnet. Faure teilte mit, daß Crispiener feierte dann unter dem lebhaften Beifall des Deutschland und er selbst von der Erefutive mit die schließlich zu internationalen Streitigfsten fchaftskontrolle mitzusprechen habe. Alle EinzelKongresses die belgische Sozialdemo- dem Vorfiß in der Montagssigung betraut wor- ühren fann. Redner erinnert an die erst fürzlich lämpfe auf wirtschaftspolitischem Gebiet sind eintratie. Die Sozialistische Arbeiterinternationale, den seien. Damit solle dokumentert werden, bai verzeichnende, inzwischen aber behobene Gefahr zuordnen in das große Bild der sozialistischen Zuwerden, daß eines Erdölfrieges zwischen Amerika und unft, die man noch fern, aber doch schon. Stalin fuhr er fort, tönne nun auf das erste Jahrfünft innerhalb der Arbeiterinternatio ihrer Tätigkeit zurückblicken. Die großen Sch wie nale die Versöhnung zwischen den Merifo. Der Kongreß muß zu dieser welmist bar sich in der Wirtschaft abzeichnen sieht. Natio rigleiten, vor denen wir auf dem Grün- Böltern eine vollzogene Tatsache ichaftlichen Situation unbedingt Stellung nehmen. nen an Stelle der Truſts, Gemeinschaft der Nadungskongres in amburg ftanden, find sei. Mertens- Belgien überbringt die Grüße Er muß fordern, daß die Zollschrankentionen an Stelle der internationalen Konzerne! niedergeriffen werden und die ameri-|( Lebhafter Beifall.) überwunden, ja zum großen Teile schon ver- des Internationalen Gewerkschaftsbundes . An- fanische Arbeiterschaft jenen Schuß erhalte, wie er Dann sprach noch Cramp England im glei gessen. Die drei Jahre seit dem Kongreß von schließend daran teilt Cris bien mit, daß eine in Europa toive je bereits zu verze thnen ist, chen Sinne. Marseille waren eine Periode siger große Reihe von Begrüßungstelegraag die Trusts unter internationale und erfolgreicher Kräftigung unmen aus den verschiedensten Ländern eingegantontrolle gestellt werden und die in serer Organisation. Henderson vermerkte, gen seien.
daß selbst die Vertreter tapitalistischer Regierun Der Rongreß beginnt darauf seine eigent gen sich gezwungen sehen, sich unseren Gedanken lichen Beratungen. Zum 4. Punkt, anzuschließen und das Wort von der Acchi ung
des Krieges zur allgemeinen Anerkennung zu Die weltwirtschaftliche Lage des Prole bringen. Wir können einen fleinen Fortschritt darin sehen, daß die Verachtung des Krieges, de
tariats nach dem Krieg,
Hilquith- Amerika:
ren Träger früher die Arbeiterklasse allein war, erhält das Wort nun ein Gedanken geworden ist, den auch die ka pitalistischen Regierungen annehmen. Henderson schloß ungefähr so: Niemals zuvor waren die Die weltpolitische Lage sei eine der wichtig Völker so bereit zum Fortschritt, den die Regie- ften Fragen der Gegenwart. Die Welt von 1928 rungen versagen, niemals zuvor sind die Regie ist nicht mehr die Welt der Vorkriegszeit. Es ist rungen fo feige zurüdgewichen, während die Böl- cine neue Situation entstanden, aus der fer fie vorwärtsgehen hießen. Auf unseren Schulich neue Problemte ergeben. Es sind vor allem tern liegt die Pflicht, die Arbeiterklasse in das Reich des Friedens und der Freiheit zu führen und den Weg zu bereiten für die sozialistische Gesellschaft."( Stürmischer Beifall.)
Es folgte ein ausgezeichneter Gesangs vortrag der Brüsseler Arbeitersänger. Anschließend nimmt Vandervelde
für die belgische Partei das Wort. Er zieht zu= nächst einen Bergleich zwischen den Zuständen vor ungefähr 40 Jahren, als in Brüssel ein Kongreß der Internationale stattfand und dem heutigen Zustand. Damals feine Vertreter in den Parla menten, feine Rechte, und heute, im Jahre 1928, bilden die Vertreter der Sozia listischen Arbeiterinternationale eine Macht, mit der jede andere Macht auf Erden rechnen muh. Bander velde wandte sich am Schlusse seiner Rede mit aller Schärfe gegen die Taftit der Kommun sten und das Regiment der Diktatur. Als er geendet hatte, wurde er minutenlang stürmisch gefeiert.
zu
ternationale, Arbeiterschaft an dieser Kontrolle aßgebend mitbete ligt ist.
Nach 1 Uhr mittags wird dann die Distusjion auf Dienstag vormittags 9 Uhr verlegt. Nachmittags tagen die verschiedenen Kommij jionen.
Nur die organisierte Arbeiterschaft kann die Aufgaben lösen, die sich aus der Entwicklung der weltwirtschaftlichen Lage ergeben. Unsere Kongreßbelegation. In Europa ist die Organisation der Arbeiterschaft allgemein gut, in Amerika st sie ver In unsere fürzliche Aufzählung der Teilneh hältnismäßig schwach und in Südamerika mer des Kongresses aus den Reihen unserer Par stedt jie nod) in den Anfängen. In Afrika und tei haben sich Irrtümer eingeschlichen, die wir sien sind die Verhältnisse noch schlechter. Wenn hiemit richtigstellen; an dem Stongreß beteiligen jemals das Bedürfnis nach einer umspannenden sich folgende Genossen und Genoffinnen: Dr. Internationale vorhanden war, dann ist es heute Czech, remser, de Aufvorhanden. Heute ist mehr denn je die Parole rejci , Blatny, Rirpal, Miller angebracht: Proletarier aller Länder, vereinigt sig( Arbeiter Turn- und Sportverband) Fischer Prag( Genossenschaften). drei Fragen, die im Vordergrunde stehen, und auch!( Lebhafter Befall.) zwar die Zentralisierung, die Ratio= * alisierung und Amerifanisierung. Die Zentralisierung fommt durch eine Verstär fung der weltwirtschaftlichen Tendenzen zum Ausbrud, die teilweise schon vor demkrieg vorhanden Das Finanzfapital beherrscht heute die ganze Welt. Dazu kommt das Bestreben der Trusts nach Vereinheitlichung der Wirtschafts gebiete.
Heute ist das anders; heute ist Amerita mit 120 Millionen Einwohnern das reichste Land der Welt.
Dritte Internationale Frauenkonferenz
Brüssel, 4. August.( Eigenbericht.) Die dritte| Stampf gegen den Strieg zähle die ArbeiterinterInternationale Frauenkonferenz wurde heute im nationale ganz besonders auf die Frauen. Sonferenzjaal des Volkshauses zu Brüssel eröff- Vor Eintritt in die Tagesordnung hält e- net. Genoffinnen aus allen Ländern, aus Deutsch- nofsin Adelheid Popp als ocjipende der un Was die Amerikanisierung beden- land und England wohl am zahlreichsten, waren vergeßlichen Genoffin Nina Bang Dänemark tet, geht aus folgendem hervor: Vor dem Kriege herboigeeift, um zu den für die Frauen so ganz einen warm empfundenen Nachruf. Dann tritt bildeten die maßgebenden europäischen Länder besonders wichtigen Fragen des Schutzes von die Konferenz in die Verhandlung der Tagesord fast allein die wirtschaftlichen Kräfte der Welt. Mutter und Kind und der Mobilisierung der nung ein. Als erste spricht Genossin awrence Sie erzeugten nicht genug Nahrungsmittel und Frauen in der Kriegsgefahr Stellung zu nehmen. England zu dem Schutz von Wutter und Kind. daher waren sie auf die Ausfuhr von Industrieproduften angewiesen. Mit 200 Millionen Eins Die von warmer Herzlichkeit getragenen Be- Genoffin Bels- Belgien fügt in einer furgen, jehr wohnern stellten sie elf Prozent der Weltbevöl. grüßungsreden waren in Anbetracht der fü die präzisen Rede noch einige Ergänzungen in er ferung vor; fie leiteten den größeren Teil der Verhandlungen zur Verfügung stehenden begrenz- Richtung des Schutzes auch der Sausfrau- Mutter ten Zeit von lobenswerter Kürze. hinzu, die ebenso an den Schutzgesetzen teilhaben wirtschaftlichen Arbeit der Welt. Genoffin Adams bot im Namen der belgi- müsse wie die berufstätige Frau. Genoffin Blume Belgien begründet inschen Partei der Frauenkonferenz den Willtomternationale Forderungen für uneheliche Mütter mengruß. An die unglückliche Invasion erinnernd, und ihre Kinder, die manches recht Beachtenserklärte jie, die Freude der belgischen Partei, nun- werte enthielten. Vor dem Strieg war Amerifa der Schuldner der mehr die Internationale in ihrem ffeinen Lande Sehr ausführlich und lehrreich spricht dann Heute hat es fünf wil begrüßen zu können, sei umso größer. Rednerin Genoffin Hanna- Deutschland über die sozia europäischen Staaten. Milliarden Dollar im Ausland investiert; die ame- fordert zu innigfter Zusammenarbeit auf, die von listischen Forderungen zum Schuß der Arbeiterin kanischen Banken haben fünfzehn Milliarden Vertrauen, Arbeitseifer und gefestigter Ruhe ge- nen und weiblichen Angestellten, wobei sie naDollar an das Ausland verliehen. Die Michrtragen sein müsse im Interesse vor allem unserer mentlich die vielerörterten Probleme der ArbeitsDer Kongreß vertagte sich furz nach 1 Uhr zahl der europäischen Staaten ist an Amerita Stinder, denen wir Sozialisten den Boden des nachmittags, um an einer Demonstration der bel verschuldet; 40 europäische Staaten find in ge- Friedens zu frohem und füchtigem Schaffen be- zeit und der Entlohnung, der für Frauen ungegischen Arbeiterorganisationen teilzunehmen. Als wiffem Sinne von den amerikanischen Bankers reiten wollen, zu dem größeren Ziel hin: der eigneten Berufe und der Schonfristen erörtert. Die Kongreßteilnehmer in der zweiten Nachmits abhängig! Dabei befinden wir uns erst im An- sozialistischen Gesellschaft. Genoffe Brade als ältestes Mitglied der tagsstunde das Boltshaus verließen, waren auffang dieser Entwicklung. Wenn sie so wie bis den Straßen Hunderttausende von Män- her weitergeht, dann beträgt die Schuld der Exekutive ist von dieser mit der Begrüßung des nern, Frauen und Kindern auf den Beinen, die europäischen Staaten an Amerita in evva Frauentages beauftragt. Seine Rede gipfelt in der were an der Kundgebung der belgischen proletarischen zwanzig Jahren ungefähr fünfzig Milliarden Feststellung, daß innerhalb von Wirtschaft und Zweiter Verhandlungstag. Organisationen, insbesondere der Arbeiterturner Dollar. Die Verzinsung dieser Summe bean Politik der Unterschied zwischen dem proletariBrüssel, 4. August.( Eig. Drahtbericht.) und der Arbeitermiliz, teilnehmen wollten. Die ſprucht allein drei Milliarden Dollar im Jahr, fchen Mann und der proletarischen Frau mehr Der zweite Tag der Internationalen größten Straßen Brüffels waren fast drei Stun- das macht das volle Jahresgehalt von nicht und mehr schwinde. Die kapitalistische Gesellschaft versucht, Mann und Weiß als Konkurrenten im Frauenkonferenz brachte eine überaus ben abgesperrt, um den vorzüglich organisierten weniger als fünf Millionen Arbeitern aus. Es ist schließlich festzustellen, daß in der ge- wirtschaftlichen Stampf gegeneinander auszuspie- lebhafte und spannende Aussprache, in der soDemonstrationszug durchzulassen. Für die De legierten des Kongresses war ein Podium genwärtigen weltpolitischen Enavidlung durch len; dem könne nur die Geschlossenheit des pro- wohl zum ersten wie zum zweiten Punkt nicht auf einem Platz im Regierungsviertel aufgebaut| Verleihung von ungeheueren Stapitalien der ame- Tetarischen Kampfes entgegengesetzt werden. Im unwesentliche Differenzen zutage traten. Im
Demonstrationszug
der Hunderttausende.
Die zur Frage des Schußes von Mutter und Sind reichlich vorliegenden Resolutionen werden einer Kommission zur Zusammenfassung überwiesen, in die auch Genossin Blatny gewählt