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8. Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei der Tschechoslowakischen Republit.

Das Jubiläum einer Illusion.

Zehn Jahre seit der Washingtoner Deklaration.

in

Samstag, 20. Oktober 1928.

Es hieß da auch nicht, daß Masaryk und Beneš als Privatpersonen oder Parteimänner Pressefreiheit und die Trennung von Kirche und Staat wünschten, sondern schlicht aber deutlich:

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Nr. 250.

Reparationsbesprechungen in Paris .

* Berlin

, 19. Oktober. Die New York Times " weiß zu berichten, daß zwischen Parker Gilbert," Premierminister Baldwin und Schaßfanzler Churchill eine Verständigung über die Bildung einer neuen Dawes Gleichzeitig veröffentlicht das Blatt eine Meldung om mission zustandegekommen sein soll. aus Paris , in der es als wahrscheinlich bezeichnet wird, daß die deutschen Jahreszahlungen auf zwei Milliarden Mark herabgefeßt werden könnten.

Arbeiterschaft und Staatsjubiläum.

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Gen. Hadenberg: Nein Anlaß zu einer Feier. Gen. Dr. Meißner lehnt Sramets Angebot, in die Regierung einzutreten, ab.- Dr. Franke fordert Rüdtritt der Regierung.

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diejes

Ueber die Zusammensetzung der Kommission der Finanzerperten. In fortwährendem Streben nach Fortschritt Paris , 19. Oktober. Der englische Schat London , 19. Oktober. Dem überraschenden wird er( der Staat) vollständige Fret Tangler Winston Churchill ist heute früh fünf Besuch des englischen Schaßkanzlers in Paris heit des Gewissens, der Religion und der Wissen Uhr unerwartet in Paris eingetroffen. Er wird in London größte Beachtung ge­Der 18. Oftober ist unter den Jubiläums­schaft, Literatur und Kunst, Sprache, Preffe und hatte gemeinsam mit dem Generalagenten für die schenkt. Obwohl die geringe verfügbare Zeit nur das Recht auf Versammlungen und Be Reparationszahlungen Parter Gilbert heute zu einer kurzen Erörterung der Reparations tagen, von denen in dieser Saison sieben auf titionen gewährleisten. Die Kirche wird vormittag von 10 bis 11 Uhr 20 Minuten eine fragen mit Poincaré ausreichte, nimmt man an, die Woche fallen, nicht der letzte. Die Washing­vom Staate getrennt werden." toner Deklaration, die an diesem Tage als un­Unterredung über die Zusammensetzung der zu daß in den Pariser Verhandlungen die gegen­mittelbare Antwort der Pariser provisorischen Sollen Agrarier und Klerikale, National- bildenden Finanzjachverständigenkom- wärtig schwebenden Fragen eine weitere Stlä­Regierung auf das Manifest des Kaisers Karl demokraten und Gewerbeparteiler kommentieffion. Churchill reiste nachmittag vier Uhr rung erfahren werden. Die Abreise Churchilla und auf die Friedensangebote Oesterreichs und ren, was sie damals versprachen und nie wirk- wieder nach London zurüd. Wie die nach Paris war in London streng geheim Agentur Havas mitteilt, wird der Meinungsaus- gehalten worden. Deutschlands veröffentlicht wurde und die Un- lich wollten?! tausch in dieser Frage zwischen den interessierten terschriften Masaryks, Beness und Stefaniks" Nationale Minderheiten "-Regierungen forigeführt werden. trug, war nicht nur die formelle Unabhängig sagte die Deklaration sollen gleiche feitserklärung der Tschechoslowakei und bei dem Rechte genießen. Die Regierung soll eine Berlin , 19. Oktober. Wie das Wolffbüro damaligen Stand der Dinge die Ablehnung je parlamentarische Form haben und die Grund zu der Meldung über die Unterredung des eng­der Amnestie für das längst zum Tode verur- fäße der Initiative und das Referenlischen Schaßkanzlers Winston Churchill mit dem teilte Oesterreich , heute noch, nach zehn Jahren dum anerkennen. Das stehende Heer soll Generalagenten für die Reparationszahlungen gibt der Minister Beneš zu, daß sie ein poli- durch eine Miliz ersetzt werden". Benes Boincaré aus beſtunterrichteter Quelle erfährt, ift Barker Gilbert und mit Ministerpräsidenten risches Programm und die Schlußfolge hat in seiner Gedenkrede versucht, die Sache mit der Besuch der deutschen Regierung offiziell mit rung aus einem Jahrtausend tschechischer Ge- der Miliz zu erklären. Das sei jetzt mehr eine geteilt worden. Er wird in Berliner Regierungs­fchichte fein wollte. Trotzdem ist der Tag der Angelegenheit des Völkerbundes. Bei den na freisen als ein Fortschritt angesehen. zehnjährigen Wiederkehr dieser Unabhängig- tionalen Minderheiten wird er gerade das Ge­feitserklärung, die den Männern des 28. Of genteil behaupten und, daß wir weder Initia tober die Arbeit erleichterte, indem sie das tive noch Beferendum, das heißt Volksbegeh­Ergebnis vorwegnahm, in der tschechischen ren und Volfsentscheid fennen, vird er faum Presse sang und flanglos vorübergegangen. dem sonst für allerhand Unfug verantwortlichen Die sozialistischen Blätter gedenken freilich des Völferbund zur Last legen können. Dokuments vom 18. Oftober 1918 und flagen Das tschechoslowakische Volf wird weit die Bourgeoisie der Teilnahmslosigkeit an, aber gehende soziale und ökonomische Re­diese läßt sich weder durch solche Vorhaltun- for men durchführen"- unmittelbar nach gen noch durch die Rede, die Herr Beneš vom der Novellierung der Sozialversichererin Prag , 19. Oftober. Die zehnstündige Bud| Er hat von dem ,, harten Steuerbrud" gesprochen und Stapel ließ, zu irgendeiner Rundgebung des nert man begreiflicherweise nicht gern an derlei ehrenden Gedenkens bewegen. Und vielleicht ist Verbindlichkeiten. Und was endlich die Striegegedebatte des heutigen Tages wurde von nicht erklärt, daß die Steuerreform noch nicht das ge­als elf Redner bestritten; davon gehör bracht habe, was man von ihr erwartete. das der anständigere Weg: schwiegen fie erklärung an die Geheimdiplomatic und die ten bloß zwei, ein Tschechischklerikaler und ein wir aber draußen in Versammlungen nicht, so müßten fie lügen. Das Be- Oeffentlichkeit aller Verträge anbelangt, so hat Slowate, der Stoalition an; aber auch sie bemüh- Thema zur Sprache bringen, versuchen die Herren Kenntnis zu den Leitfäßen von Washington mit sich selbst Beneš in feine Erörterungen einge ten sich, angesichts der bevorstehenden Wahlen immer wieder zu begründen, daß die Steuerreform wenigstens an einigen Budgetkapiteln ihre Un viele Verbesserungen beinhalte und eine Ent­dem Ergebnis zehnjähriger Arbeit gegen dieſe lajjen. lastung der minderbemittelten Bevölkerungsschichten Leitfäße in Einklang zu bringen, gelingt ja Der Rest war schon vor zehn Jahren V a- zufriedenheit darzutun. doch nur einem jubilierenden Diplomaten! thos: Die Mächte der Finsternis haben dem Genoffe Hadenberg beschäftigte sich mit sich bringe! Wir haben immer darauf vermie Was soll denn das tschechische Bürgertum Siege des Lichtes gedient das ersehnte Zeit- gründlich mit ähnlichen oppositionellen" Reden, jen, daß die Quelle, wo gespart werden kann und die gestern der Gewerbeparteiler Eckert und vor- soll, der Militarismits ist. Es war Föſtlich, eiva schon mit dem damals feierlich fundge- alter der Menschlichfeit beginnt zu tagen"-- her im Budgetausschuß andere Attivisten gehalten auch den Kollegen Edert flagen zu hören über die machten Glauben anfangen, daß fein schade, daß es just in diesem Augenblide in hatten, und zerpflückte in scharfer Rede das ver hohe Belastung durch den Militarismus; nicht anders Volk gezwungen werden sollte, Wilfons Kopf zu dunkeln begann und daß der logene Doppelspiel der Aktivisten, die jetzt vor den haben im Budgerausschuß die Kollegen Ochlin unter einer Herrschaft zu leben, die Mann, der fünf Jahre später in geistiger Um- Wahlen die Verhältnisse im Staat auch fritisieren ger und Windirsch gesprochen. Sie haben aber c3 nicht anerkennt"? Es fönnte ho nachtung starb, wahrscheinlich gar nicht mehr möchten, aber vorher alles dazu beigetragen haben, das Recht zu dieser Kritik längst ver­feststellen, daß es sich damals geirrt und daß begriff, wie sehr er sich über die Segnungen der um gerade diese gerügten Zustände zu schaffen. Die oren, feitdem sie der Dienstzeitverlängerung und die Tatsachen es eines Besseren belehrt haben. neuen Zeit getäuscht hatte. Andere leben, die Feststellung, daß die Arbeiterschaft teine Ur- dem Rüstungsfonds zugestimmt haben. Von Kollegen Eine Staats- und Geschichtsphilosophie, die sich es begreifen müssen und nach zehn Jahren ohne sa che hat, das Staatsjubiläum zu feiern, ergibt dert fonnten wir vernehmen, daß es eine schwere vornahm, die Ideale der modernen Demofra- 3weifel cine Vorstellung von der Größe ihrer sich unzweidentig aus einer Analyse der Lage der Gefährdung der Bevölkerung sei, wenn man in der Arbeiterschaft unter der Herrschaft des Bürger­Sochschuppolitik fortfahre. Dieſe ſchwere tie" beizubehalten als da waren: die Prinzi- Illusion haben; daß sie schweigen, hat seine be- blods, die Genosse Sadenberg mit aller Gründ Schädigung der Bevölkerung haben ja jene Parteien, lichkeit und Sachkenntnis vornimmt. die der Einführung der festen Getreidezölle zuge­pien der befreiten Menschheit, der tatsächlichen sonderen Gründe. stimmt haben, begangen, dieselben Regie. Gleichheit der Nationen und der Re- Die Masse des tschechischen Vol. Als Wortführer der beiden tschechischen so­rungsparteiler, deren Vertreter gestern ge= gierungen, die alle ihre gerechte Macht von der es aber glaubte ebenfalls an die Verwirtzialistischen Parteien traten Genoffe Dr. Meigen diese Boffpolitif zu sprechen sich getrauten! Austimmung der Regierten herleiten", eine zur lichung deffen, was die Deklaration von Wai- ner und Dr. Franke auf. Von großer inner- Stollege Edert hat auseinandergesetzt, daß auch das Wai- ner en diefe Zollpolitik zu sprechen ſich getrauten! Zerstörung der alten Autoritäten eben noch hington versprach, ihr war es ernst mit dem politischer Bedeutung an Meißners gehaltvoller deutsche Schulwesen arg benachteiligt sei and taugliche Ideologie, war schon für die bald dar- Willen, den Grundsäßen treu zu bleiben, wie Rede war die unzweideutige Absage an den daß man selbst den gerechtesten Forderungen der auf getroffene Einteilung der Völker in Sieger es selbst Benes fordert, aber sie wird nicht mit stellvertretenden Premier auf dessen Einladung Deutschen nicht entgegenfomnie. Wenn wir aber und Besiegte kaum brauchbar, sie ist vollends diefem der Ansicht sein, daß sie bis auf zwei in die Regierung zu gehen: nicht Eintritt in diese Anträge einbringen, etwa die Subvention für die für die Gegner des allgemeinen und leichen oder drei untergeordnete Punkte" bereits ver- Regierung, sondern der Stampf gegen sie, ist die Musikschule in Petschau zu erhöhen, dann stimmi offizielle Losung der tschechischen Bruderpartei in Wahlrechts, für die Schöpfer der Verwaltunas wirklicht seien. Warum war das Volk nicht im dem bevorstehenden Wahlkampf. Auch Dr. Frante chen Antrag, der Abhilfe schaffen sollte. derselbe Herr Edert gegen einen jol­reform ein Zurus geworden, den sie sich sechs stande, das durchzusetzen, was es proklamierte namens der tschechischen Nationalsozialisten er­Wochen vor einer Wahl nicht leisten inn. und wollte? Es jah feinen Weg, es lief einer klärte, daß seine Partei mit offener Unzu­Die Deklaration der provisorischen Regie- Illusion nach, es glaubte eben wirklich, daß man friedenheit gegen die Regierung in rung gab ganz bündige Versprechungen, sie eine Gesetzgebung nach Klassen" in die Jubiläumsfeierlichkeiten gehe und an eine ge­äußerte nicht die Wünsche eines Teiles der Na- der Verfassung untersagen" fönne, daß meinsame Feier mit den tschechischen Bürgerpar­jon oder ein Programm der Auslandsregie die Bourgeoisie aus nationalem Opfermut und teien nicht denke; als Schlußeffekt verlangte er so rung, sie sagte eindeutig und bestimmt: um der hüssitischen Ideale willen auf den Klas gar den Rücktritt der Regierung, damit Wir werden nur die Hauptprinzi- fenkampf gegen die Arbeiter verzichten würde. ihr Schatten nicht diesen Feiertag verderbe. pien der Verfassung der Tschechoslowakischen Die ganze Geschichtsbetrachtung der Deklara­Republik kennzeichnen" und sie schränkte tion ist bürgerlich revolutionär, die Tragif dies nur durch die Bestimmung ein Die end der tschechischen Arbeiterklasse war, daß sie es gültige Entscheidung über die Verfas- nicht wagte, ihr eine andere, marristische Ge­jung jeløft fällt den rechtsmäßig geschichtsbetrachtung gegenüberzustellen, daß sie zu Wort, der, oft von treffenden Zwischenrufen ſelbſt wählten Vertretern des befreiten und ihre eigenen Stämpfe nicht als Selassenfämpfe, unserer Genossen unterbrochen, u. a. ausführt: Das dritte Mal kommt die gegenwärtige Regie­vereinten Volkes zu". Gerade das geschah sondern im Lichte hussitischer und Wilsonscher. aber nicht. Die Verfassung wurde nicht von ge- demokratischer und humanistischer Ideologien rung mit dem Staatsvoranschlag ins Haus. wählten, sondern von ernannten Vertretern be- als Kämpfe der Nation für die Verwirklichung haben zu überprüfen, inwieweit die Parteien, die schlossen, zwar von den Repräsentanten des be- nationaler Ideale sah. Durch diese Brille sah freiten und nun herrschenden Boltes, nicht aber fe feinen Weg.

unter Teilnahme oder Anhörung der Vertreter Das lehrreiche Jubiläum der großen Illu­der im neuen Staat vereinten Völker; fünf Mil- sion einer ganzen Klaise, der großen Wehrheit lionen Staatsbürger, fast vierzig Prozent der einer ganzen Nation läßt allerhand Betrachtun Bevölkerung waren in der verfaijunggebenden gen über Gesinnungstreue des Bürgertums zu; Versammlung überhaupt nicht vertreten, die es mahnt aber vor allem die Arbei übrigen acht Millionen durch ernannte Deputer dazu, mit allen Illusionen zu brechen und tierte. Wozu also überflüssige Reminiszenzen von vorne anzufangen! an Washington ?

In den ersten Nachmittagsstunden gelangie Genosse Hackenberg

der Regierungstoalition angehören, die Versprechun

gen einlösen, die sie ihren Wählern seinerzeit ge­macht haben. Dabei müssen wir feststellen,

daß die deutschen Aktivisten nicht imstande waren, auch nur eine einzige ihrer Forderungen durchzusetzen.

Stollege Edert hat allerdings als Proredner uur herbe Worte der Kritik des Voranschlages gefun­den. Man muß seine Worte unter die Lupe nehmen, um der Bevölkerung zu zeigen, wie die deutschen aktivistischen Parteien jie sum besten halten.

Es wird also ein Doppelspiel von den deutschen Aktivisten getrieben; hier üben sie Kritik am Staatsvoranschlag und an den Verhältnissen in diesem Staate, tragen aber nichts dazu bei, das eine Aenderung der Verhältnisse herbeigeführt

werde, mit denen sie unzufrieden sind! Wir gehen dem zehnjährigen Bestandsjubiläum entgegen und wir haben zu überprüfen, ob die Angehörigen der Arbeiterklasse irgend einen Anlaß haben, das Staatsjubiläum freudig zu feiern.

Wir müssen feststellen, daß wir eine Ursach. dazu haben. Unsere Verhältnisse sind stabilisiert, wir hatten eine Hochkonjunktur; mir haben eine fiabilisierte Währung, aber es fehlt die Kauftrait

weil die Einkommensverhältnisse zu den Preisen in feinem entsprechenden Verhältnis stehen. Die Nutnießer der guten Konjunktur waren nich: die Massen der Arbeiter, das waren nur die Ka­pitalisten. Eine Hebung des Inlandskonsums ist aber nicht möglich weil die Einkommensverhält nisse der Arbeiter nicht entsprechend sind. Statt eine Besserung in der Lebenslage der Arbeiterschaft her beizuführen, hat die Moalition nichts anderes zu tun gewußt, als durch die Einführung von Zöllen fie weiter zu verschlechtern. Heute lamentieren einzelne Vertreter der Regierungsparteien selbst