Ein Weihnachtsabend am Verg Perin.

Von Jvan Vazov.

Schön, wunderschön ist unser Berg Perin. Heiligenbilde, vor welchem eine Lampe brannte Was für hohe Gipfel, die das ganze Jahr und vor dem sie sich neuerlich bekreuzigte.

mit Schnce bedeckt sind, was für grüne Täler, Und der kleine Kessel mit dem Weihnachts­was für Ehrfurcht einflößende Kiefernwälder, essen surrte fröhlich dazwischen, aber sie vergaßen: was für entzückende Schönheiten besitzt er doch! ans Essen. Im Sommer tummeln Herden brauner weiden, glatthaarige Rosse wiebern hier, und des

Schafe auf den breiten Watten, prachtvolle Rühe Schafhirten Flöte kann auf der Höhe und im

Tale vernommen werden, den ganzen Berg mit Freude und Jubel erfüllend.

IV

Wieder tobte und heulte der Wind, und

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feine Gedanken wurden noch mehr verwirrt. Der wandernde Bergmann . Plötzlich gewahrte er durch die Dunkelheit eine Anzahl schwarzer Schatten, die sich ganz leifa zenden Drahtseilen flogen knivschend die Gruben Ueber das tiefe, laubbededte Tal auf glä: über den Schnee hin und herbewegten., Was hatte das zu bedeuten? Waren es hunde. Die Wege der Berge wurden in Kreuz Wölfe? Es war ein Rudel Wölfe , die von der und Quer durch funkelnde Drahtseile überbrüd rechten Seite auf ihn zustürmten. Sie heulten... welche zwifchen Säulen aufgespannt waren und Er nahm sich zusammen, um so schnell wie mög die gekrümmten Eisenbetten rasch und geschmeidig lich in Lauf zu kommen. Das hungrige Pack hin und her beförderten. Die Mitternacht fam näher, aber niemand folgte ihm, schauerlich durch die Nacht heulend. Man brauchte eine harte Seele und einen wie lange er ihnen davonrann, konnte er sich zähen Körper dazu, um dort oben im Gruben­nicht befinnen. Vor ihm lag immer und immer hund zu fißen und über Berg und Tal zu fliegen. wieder das nackte Gefild, immer wieder nur Man erzählt sich, daß man junge Bergleute mit Wüste, immer wieder nur die weiße Schneewüste Gewalt in den Grubenhund hineinschleppen Plöblich gewahrte Klime, daß sich irgendetwas mußte. Es waren auch solche oh, sehr viele, vor ihm bewegte zwei leuchtende Punkte schie- welche die bodenlose Tiefe frant machte, sich in nen durch die Dunkelheit und starrten auf ihn. ihre Seele festsaugte, wie zwei tiefe, fehlende Das Wolfsrudel hatte einen Wolf vorausgefchickt, Augen und so lange lockte und rief, bis sie glaub um seinen Weg zu freuzen und aufzuhalten. ten, daß dort unten ihrer ein weiches Bett des Slime ahnte feinen furchtbaren, unvermeidlichen Vergessens, der Sorglosigkeit barre. Solche junge Tob. Wieder begann er zu rennen wie ein Leute stürzten freiwillig hinab und zerbrachen, Wahnsinniger, nach links in einer neuen zerschellten an den harten Steinen des Abgrundes. Direftion gegen die Felsen unter ihm und hinter ihm herdie heulenden Wölfe!

schloß ein Auge. Das Feuer begann allmählich zu erlöschen und der Kessel brodelte nicht mehr. Dagegen wütete der Sturm draußen, als ob Wölfe heulen würden, und ein falter Frostschauer packte die wartende Familie.

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Und flare, falte Ströme stürzen lachend von den Felsgesteinen herunter, winden sich durch ein Gott, o Gott! Was für ein Weihnachtsabend! wohlduftendes Tal, murmeln in der süßesten Klime hatte den Weg verloren der Schne Melodie, als ob sie irgendein Lied fingen wollten. Sturm hatte alles verweht- Täler, Berge, Wege Wenn ihr aber auf den Gipfel hinaufsteigen und Felder. Es war gestern gutes Wetter ge­wollt, dort, wo er mit dem Himmel verschmilzt. wesen, da er sich auf den Weg machte, aber jest? da würdet ihr auch die anderen, weitergelegenen Vier Stunden lang mußte er über den Weg Berge gewahren, auch die Struma, den mazedoni gehen und er hatte kein Zeichen, wo er sich be­schen Fluß, und Vardar , mit einem prachtvollen fand, oder wohin er seine Schritte lenken sollte. Anblick Mazedoniens , während ihr im Süden die Er wußte mur, daß er sehr weit von seinem Dorfe Inseln von Sveta Gora bewundern könnet. Und entfernt war, daß er sich auf einem ihm unbe­hinter ihnen wieder das Aegäische Meer . Wollet fannten, verlassenen Teile des Berges befand- ihr aber euren Blick über euch richten, dann inmitten des Königreichs wilder Bestien und in höchster Gefahr, umzukommen. Die Nacht war Schön, wunderschön ist unser Berg Jrin- wohl einigermaßen hell, infolge des Schnees, aber Perin! Aber wir ziehen uns von ihm im Winter ringsherum konnte er nicht eine Spur von zurück, wenn er feine fürchterlichen Unwetter mit Menschenhand, nichts erbliden, das ihn an Schneeſtürmen und eisigen Wettern losläßt. Die Lebendes erinnerte, weder eine Hütte, noch ein blasen wie wütend und begraben Wege und Taler Dorf, noch ein glimmendes Feuer, bei dem er in tiefen Schneemassen. Dann aber scheint er das eine Zuflucht finden konnte. Königreich der Gräber zu sein. Hungrige Wölfe jagen über den weißen Schnee und ihre Auger funkeln durch die Dunkelheit der Nacht. Wehe, wehe dem Reifenden, der bei Nacht auf diesem Berge und in seinen Sturmwettern geht, er ist

würdet ihr sogar Gott sehen!

verloren!

Nun, während folch einer Nacht, es war der Weihnachtsabend im Bergdörflein R., erwartete die Familie des Großvaters Lazko in höchster Ungeduld die Ankunft limes.

Klime, Laztos Sohn, war gestern nach Miel­nik gegangen, um einige Einkäufe zu besorgen, Kleider für seine Mutter, sein junges Weib und fein zweijähriges Kindchen einzukaufen, und er mußte diesen Abend zurück sein- es war bereits dunkel die Nacht brach herein und er war noch immer nicht da.

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Und wie der Sturm draußen drohend tobte und wütete! Er schlug an die Türe, er hämmerte aufs Fenster, riß das Stroh vom Dache herunter, als ob Räuber einen Angriff auf die Hütte unter­nähmen und mit Gewalt ins Innere dringen wollten.

Und die Herzen der Familie waren bedrüdt von Angst und Schreden. Die junge Frau horchte bei jedem Strach ans Fenster auf und wun­derte sich, daß es noch nicht Klime war.

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Aber er war es nicht. Klime war noch immer nicht gekommen und der Sturm pfiff und freischte draußen. Und wie dunkel war es, du guter Gott!

Das Kind wurde nach diesen Worten ruhig, dann richtete es seine kleinen Augen, unter Tränen und Glückseligkeit auf seine Mutter und sprach: Der Papa? Schuhe?"

Ja, Schuhe, Gracie, kleine rote Schuhe," wiederholte die Mutter. Der Papa ist bereits damit unterwegs, Gracie!".

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Doch einer, jener mit dem Bart, er flog wild auf den Grubenhunden hin und her von einem Bergwerk zum anderen. Sein Rüden war ge­Zweimal verwidelte er sich in feinen her beugt, er zeigte oft das Weiße seiner Augen. unterbängenden Wollschal und stürzte hin. Sißen, ruhig bleiben konnte er faum, selbst im Schließlich befand sich Klime in einem Tale Winter, wenn die übrigen nach der Schicht um unten und zu seinem unendlichen Jubel entdeckte den Tisch herumfaßen, sprang er auf und lief auf er, daß er vor einem Dorfe war. Ob es wohl die Schicht, selbst wenn er frei war. Wie kann jemand dermaßen diese Hölle dort ein christliches oder mohammedanisches ist? Er hatte teine Zeit zu langen Erwägungen, denn oben lieben, daß er ohne sie keine Ruhe hat, ohne die Wölfe waren hinter ihm her. Sie schnappten fie nicht leben fann? fragte ich, worauf er fich nach seinen Ferfen. Er stürzte durch irgendein über mich beugte und mit fliegendem Atem er Tor, das der Sturmwind aufgerissen hatte, und klärte: rannte gegen ein Fenster, von dem ein Licht ausstrahlte. Der Wolf war beständig hinter ihm. Alime schlug energisch an die Tür des Hauses, dann drang er ins Innere. Er atmete auf. Er gewahrte sich in einem bulgarischen Christen hause, mit Heiligenfiguren- inmitten davor eine Heiligenlampe. Aus dem Schatten famen irgendwelche Menschen hervor. Er blidte erstaunt drein. Wo befand er sich denn eigentlich?

Plötzlich wußte es Klime. Er befand sich -in seinem eigenen Hause, während er dachte, daß er eine ganz entgegengesezte Richtung in­geschlagen hatte.

Das Dorf befand sich im Tale drunten. Obgleich er sich in dessen Nähe befand, konnte er es nicht erblicken. Der Berg war überall ganz verlassen, eine Schneewüste, entsegen­erregend, als ob er ein Leichnam wäre, der mit einem weißen Tuche bedeckt ist. Aber wohin follte er seine Schritte lenten? Er schlug die Richtung nach rechts ein. Der Sturmwind schlug ihm auf den Rücken und riß ihn beinahe um, pfeifend und heulend, als ob Teufel auf einem glatten Tanz­boden toben würden, und Klime suchte vorwärts­zukommen immer vorwärts, bortvärts! Die Schneewüste schien aber immer endloser und end­loser zu sein, ein fertiges Grab! Er wußte, daß ihn jetzt seine Familie voller Angst erwartete.warf. Gütiger Gott, wird er am Leben bleiben und sie wiedersehen? Aber wie konnte er da, in so einer Gegend, mit dem Leben davonkommen? Er fühlte, wie seine Gliedmaßen immer mehr und mehr durch den Frost erstarrten, daß er bald zu Boden sinken und in der Lawine umkommen misse, nicht einmal die Stelle seines Grabes wird jemandem hekannt sein. Und sein Weib, und Gracie?.

Bater! Frau! Auf," rief er, indem er den Sad mit den Weihnachtskleidern auf den Boden

Alle schrien wie außer Sinnen auf und drängten sich um ihn.

Sohn, wo bist du in dem großen Shirm­wetter hingeraten?" murmelte der alte Mann und schrie auf wie ein kleines Kind.

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Der Shirm war groß, Vater, aber Gott ist größer."

Und balb furrte der Kleine Kessel mit dem Weihnachtsessen wieder fröhlich auf dem Herde.

Die alten Kalendermacher.

wütende Soldateska Kinder erwürgte und Frauen vergewaltigte, eine weite Landschaft kahlgefressen durch riesige Heuschredenheere, eine Stadt, über de­ren Häusern Flammen zusammenschlugen und aus deren Toren die Einwohnerschaft in wilder Flucht zu entkommen suchte. Man sah Schlachtfelder, die mit Toten und Verstümmelten übersät sind, Schiffe, die infolge einer Explosion in die Luft fliegen oder sie auf den Meeren lichterloh brennen.

Sie sind dort drinnen und können jeden Augenblick hervorkommen. Und ich bin vielleicht gerade dann nicht dort! Oh, sie haben sich schon vor Jahren aus Clewland auf den Weg gemacht. Wer denn?

Es sind ihrer elf, aber seitdem sind schon ficher tausende und tausende. Denn diejenigen, die einmal in einer Bergwerksgrube steden ge­blieben sind, die suchen den Weg. Sie gehen, sie wandern in der Tiefe der Erde.

Die einmal steden geblieben sind?

Mein Gott, ich spreche doch genug verständ lich? Ich arbeitete vor zehn Jahren in Clew­land. Dort im Bergwert. Eines Tages stürzte eine Bergwerkswand zusammen und elf Berg

arbeiter blieben unten. Mein Sohn, mein Schwager und auch mein kleiner Bruder. Die sind nicht so dumm, daß sie keinen Ausiveg fin­den. Sie gehen unter der Erde. Sie gehen, gehen, gehen...

Aber warum glauben Sie, daß sie gerade hier in Desterreich zum Vorschein kommen

werden?

Oh, sie fühlen es. Sie fühlen es, daß jemand ihnen hier einen Weg bahnt. Ich bin es! Aus dem Tropfen wird das Meer! Diese hier?

Mit einer Bewegung umfaßte er sämtliche, in dem Wirtshaus sitzenden Bergleute.

Auf diese kann man nicht rechnen! Die haben nur eine Sorge. Sie sind hungrig. Sie lachen mich aus. Mögen sie nur lachen.

Und mit einem siegesbewußten Lächeln zog er an seiner Pfeife.

Wie können Sie nur glauben, daß Sie ihnen noch begegnen werden? Vor zehn Jahren sind fie tief im Bergwerk verschüttet worden. 3chn Jahre! Bedenken Sie doch! Wenn sie auch eine zeitlang gelebt haben, aber dann.

Er schaute mich mitleidig an.

In früheren Zeiten waren die Kalender fast die Ein Kindlein faß in der Nähe des Herds, einzige Literatur, die der großen Masse der Bevöl wo ein Kessel mit dem Weihnachtsabendessen ferung zugänglich war. Hinter den Stalendern trat kochte, es wurde durch den Lärm unruhig und selbst das Gesangbuch zurüd. Dies war besonders im von Zeit zu Zeit begann es zu schreien. 17. und 18. Jahrhundert so. Die Kalender aus die Sei ruhig, Lieblingfei rubig! Der sen beiden Jahrhunderten sind bessere Dokumente der Papa wird kommen und dir ein Paar aller damaligen Bollsfitten u. geben eine genauere Ueber­liebste rote Schuhe mitbringen," sprach die Mutter ficht über den Bildungsstand der breiten Maffe als besänftigend. andere Aufzeichnungen. Nirgends kommt so deutlich zum Ausdrud, daß die große Mehrzahl der Bevöl ferung noch im 18. Jahrhundert in mittelalterlichen gebildet, die gefürchteten Weltzerstörer der damaligen ger? Sie kennen sie nicht. Wenn Sie sie ge­In anderen Kalendern sind große Kometen ab- Mein Sohn? Mein Bruder? Mein Schwa Anschauungen befangen war, und nirgends wird Zeit. So ein Stomet, der demnächst auftreten sollte, fannt hätten, dann hätten Sie einen Begrih da deutlicher, daß auch in diesem Jahrhundert Aber- verwandelte nach diesen Kalendern die ganze Erde in glauben Barbarei und Unwissenheit die Richtschnur ein einziges Flammenmeer und sollte den Weltun- bon, was für Menschen das sind. Solche Men­des Lebens waren. tergang bringen. Auch medizinische Ratschläge, die schen sterben nicht Hunger. Solche Menschen freilich alle dem Aberglauben entsprangen, Better- brechen sich Bahn, über Wasser und Feuer hin­regeln und Sterndeutungen durften in den Kalendern weg. Ich flopfe und hämmere dort unten ſtu nicht fehlen. Es war genau vorgeschrieben, an welchen denlang. Manchmal höre ich sie auch irgendivo Tagen die Menschen Abführmittel einzunehmen hat- find sie auch nicht weit. Der Aufseher vertröstet hämmern. Sie geben oft ein Zeichen. Sicher ten, wenn sie sich schröpfen lassen mußten, es war an­gegeben, welche Arbeiten bei zunehmendem oder ab- mich auch immer: Hämmern Sie nur, Karl, nehmendem Mond verrichtet werden sollten. Die graben Sie mir, arbeiten Sie nur fleißig. Sie Stonstellation, der Name führte den Stalendermacher" werden schon einmal hervorkommen. Und ich zu den entschiedensten Folgerungen. Nicht nur viele hänmere auch. Ich habe keine Ruhe. Begebnisse in Haus und Hof, Strankheiten, Geburten. Todesfälle wurden aus der Stellung der Namen er­flärt, auch Ereignisse im staatlichen Leben, Kriege und Aufstände wurden damit in Zusammenhang gebrach:. Jeder Monat hatte nach den alten Boltsanschauun. gen eine Beziehung auf die Menschen, die darin ge­boren waren.

Und sie zeigte auf die Tür, an welcher der

Wind rüttelte.

Und dann seufzte sie.

Die Kalendermacher" früherer Zeiten waren wohl immer Menschen, die auf irgendeine Weise aus einer Gelehrtenlaufbahn hinausgedrängt worden waren, cutlaufene Studenten, deklassierte Pastoren, Mediziner, Juristen usw. Trotzdem hatten sie einen Auch Großvater Lazko, gebeugt unter der Einfluß auf die Volksmassen, wie thn heute kaum Last seiner Jahre, seufzte, weil ihn Gedanken die meistgelesenen Journalisten haben. Sie begnüg belasteten. Er dachte ständig an Klime und feufzte ten sich auch nicht damit, ihre Namen auf die Titel Deshalb, weil er wußte, daß die Verzögerung fem feite des Kalenders zu sehen, sondern sie fügten noch gutes Zeichen war. Im Gegenteil, es war ein lange monströse Titel an, wie der göttlichen Wahr. sehr schlimmes. Der Berg voll wilder Bestienheit Liebhaber", sie stellten sich vor als Männer, die die Nacht war furchtbar und der Sturm wollte allen Wirkens Kraft und Samen" in sich tragen, nicht aufhören Hatten nicht den legen Winter und noch lieber gaben sie sich lateinische Titel, die Wölfe Garans Magd ganz in der Nähe des zwar kein Mensch verstand, die dem Skalendermacher" Dorfes zerfleischt und katte eine Lawine nich: aber doch ein hohes Ansehen gaben. drei Mann verschüttet? Und dann, gab es nicht Auch die Namen der Kalender waren recht eigen­allerorten gewalttätige, notleidende Leute, denen artig und entsprachen dem rohen, barbarischen Text. nicht zu trauen war verfluchte Türfen. Doch Es gab Not-, Jammer, Tod, Word, Kriegskalender Großvater verschwieg seine Angst und besaß nicht usw. Häufig hießen sie auch Türkenkalender oder sie den Mut, laut zu flagen, um feine Schwieger- trugen einen volkstümlichen Namen, wie Der lustige tockter und das sind, das jetzt weinte, nicht noch Bauer"," Der ehrbare Handwerksmann" und ähn­mehr zu ängstigen. liche Namen. Ein Salender des 17. oder 18. Jahrhun­terts wäre nicht vollständig gewesen und hätte nicht den geringsten Antlang gefunden, wenn darin nicht Berichte über die ungeheuerlichsten Mordtaten, über Striege, Bestilenzen und furchtbare Verr ustungen durch Naturereignisse, Heuschreckenplagen, gewaltige Fenorstbrünste vorgekommen wären. Ob diese Nach­richten Täuschungen waren oder nicht, darum füm­Es trat die Großmutter Lazfov.ca here n merte sich niemand, die Hauptsache blieb immer Sie kam von der Kirche zurück, wohin sie ge- etne recht blutrünstige und schreckenerregende Dar gangen war, um Wachskerzen vor dem B de der stellung die Türtenkalender enthielten die gräßlich heiligen Mua anzuzünden, dort hatte sie umsten Schilderungen über das Auftreten der Türken Hilfe und Beisand für Kl.me gebetet. in den verschiedensten Ländern und brachten Prophe­zeitungen, daß Türke bald wieder ins Land fom Serwüstungen anrichten werde Meistens waren den Scalendern auch Bildnisse bei geben, ganz rob bearbeitete Holzleitte, die sich dem Tert anscher und die bolla affertei schreck liche Ereignisse darstellten. Da sah man, wie eine

,, Warum schluchzt ihr denn eigentlich?" fragte er, indem er sich Mühe gab gleichgültig auszusehen, aber es war ihm als ob ein Stein auf seiner Brust läge und plöß! ch brach er in einen lauten Schrei aus.

Die Tür wurde aufger ssen, jeder fuhr z- ternd auf.

Ist er noch immer nicht gekommen?" fragte sie furchterfüllt in der Stube herumbl dend. Statt ener Antwort brach die junge Frau

neuerlich in Tränen aus.

Suter on wo fan der Jurge denn nur fein?" feusste die alte Frau und näherte sich deu:

die

Ich sah weg, damit er nicht in meinem Auge das Mitleid bemerken soll. Er neigte sich voller Vertrauen zu mir hin.

Ich habe mir zehn Stück Dynamit verschafft. Ich werde die Grube von allen Seiten auf ein­mal in die Luft sprengen. Sie werden sehen. Viele tausende werden zum Vorschein kommen. Start wurde in diesem Augenblick von giver Polizisten erfaßt, die ich bis dahin nicht bemerkt hatte. Der Bergmann schaute erstaunt auf, aber dann sagte er fein Wort, lächelte nur, wie einer, der unschuldig ist, und frei von aller Schuld.

Einige Bergarbeiter tamen hin. Der Grubent polizist schrie sie an:

Gebt uns Platz! Wenn wir den verrückten Sterl nicht packen, bann tommt feiner von den Nachtarbeitern iebendig aus der Grube! Er hat Dynamit gestohlen.

Je unheimlicher und graufenerregender Voraussagen für das fommende Jahr waren, desto mehr hatte der Kalendermacher" Aussicht, die Kon furrenz zu schlagen und destomehr fand sein Stalen der Abnehmer. Meistens vertrieb der talender­macher" sein Erzeugnis in eigener Person. Von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf ziehend, pries er seine Kalender an. Auf jedem Jahrmarkt, bei je­der Kirchenweihe, auf jeder größeren städtischen oder ländlichen Festlichkeit war auch mindestens ein Ra lendermacher" anwesend. Als Retlamemittel" be. diente sich dieser seiner Stimme und eines Platates mit einem schredenerregenden Holzschnitt. Stamen auf einem Jahrmartt mehrere Stalendermacher" zusam- sie ihre Stöpfe. men, so begann zwischen ihnen ein wilder Kampf um die Gunst des Publikums. Die Kalendermänner belegten sich mit den massivsten Schimpfwörtern und sich oft blieb es auch nich dabei, es begannen Prügeleien, wobei Stalendermänner und Kalender in den Schmuß flogen. Im allgemeinen scheint das Kalendermachen gar nicht so unlohnend gewesen zu sein, denn viele Kalendermacher"" übten diese Tatigkeit jahrzehnte­ang aus.

Die, Bergarbeiter, aber sie, gerührt senten

Karl schluchzte.

zurück zu ihren Tischen, sie schwiegen. Man führte ihn weg. Die Arbeiter fepten

Aber in ihrem Schweigen schrie die Anklage. Und in diesem Augenblid hörte ich auch rein und deutlich die Angehörigen des armen Wahu­finnigen, hörte die drohenden Hammerschläge der verschütteten Grubenarbeiter.

Maria Szucsich.