Samstag, 9. Feber 1929.

Der Todeszug der Grippe. Die Spitäler in Wien sind seit den letzten Tagen mit Grippekranten überfüllt so daß zahlreiche Schwerkranke nicht mehr aufgenommen werden konnten. Verschiedene von ihnen verstarben auf Polize stationen. Die Seuche tritt in vielen Fällen mit Lungenentzündung auf. Infolge der bitteren Kälte droht der Stadt ein gro her Waffermangel Auch in Prag macht sich ein verhängnisvolles Steigen der Todesfälle an Grippe bemerkbar. Die Beerdigungsansaiten. fönnen die an sie gestellten Anforderungen faum erfüllen die Leichenhallen der Friedhöfe sind so überfüllt, daß die Beerdigungen in vielen Fällen mit mehrtägiger Verspätung erfolgen müssen. Auch die Einäscherun gen müssen von Tag zu Tag hinausgeschoben werden. Auf dem Olšaner Zentralfriedhof finden täglich über 30 Beerdigungen statt.

Gegen rote Hände

and unschöne Hautfarbe verwendet man am besten die fneclg weiße, fettfreic Creme Leodor, welche den Händen und dem Gesicht jene maile Weiße verleiht, die der vornehmen Dame erwünscht ist. Ein besonderer Borteil liegt auch darin, daß diese unsichtbare Matt creme wundervoll kühlend bei Juckrei der Haut wirkt und gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Buber ift. Der nachhaltige Dult dieser Creme gleicht ei em taufrifd), gepflückten Frühlings strouß von Bellchen, Maiglöckchen und lieber, ohne enen berüchtigten Mofdhusgerud), den die vornehme Welt verabscheut. Preis der Tube 8. allen Chlorobont- Verkaufsstellen zu haben Bei direkter Einsendung diefes Inferates ois Druckfache mit genauer und deutlich geschriebener Absenber abreffe auf dem Umschlag erhalten Sie eine kleine Brobefendung kostenlos überfandt burch Laboratorium Leo Jng. Efisch& Co. Turn- Tepfit.

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O nein", sagt Frau Annie Jung, geb. Klug ,,, das braucht man heute nicht mehr. Ein gut gepflegtes Baby, wie mein Hannerle, bekommt dauernd frische Wäsche und das besorgt mühelos

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die Verhandlung stattgefunden, wobei Johann Gründl und seine Frau je zwei Monate bedingt er­hielten, Rudolf Gründl drei Monate So endete die Karriere des kommunistischen Kandidaten.

Großfeuer bei Opel . Die neuerbaute Lager­halle der Opel Werke in Rüsselsheim ist am Don nerstag mit verschiedenen Waggons und Lagervor räten durch ein Riesenfeuer eingeäschert worden. Die Feuerwehr hatte sich troy sofortigen Eingreifens dar­auf beschränken müssen, die Nachbargebände abzurie--- geln und zu retten. Menschenleben sind nicht zu be flagen. Der Schaden wird auf 50 bis 100.000 Mark geschätzt und soll durch Versicherung gedeckt sein.

Wasser als Theatervorhang. In einem neuer Verwickelte Familienverhältnisse. In der hol­bauten Thea.er in der nordamerikanischen Stadt ländischen Stadt Zwolle heiratete fürzlich ein 60jäh Philadelphia ist eine ganz neue Art von riger Bankier van Nissen ein achtzehnjähriges Mäd­Bühnenvorhang eingeführt worden. Wenn, nach den, deffen Mutter 42 Jahre alt ist. Nissens Sohn dent bisherigen Sprachgebrauch, der Vorhang falaus eriter Ehe, ein 40jähriger Mann, verliebte sich len soll, wird die Wasserleitung aufgedreht und in die Mutter feiner Stiefmutter und trat mit ihr in die Mutter seiner Stiefmutter und trat mit ihr von einer Röhre hoch oben an der Vorderseite der an den Altar. Er ist dadurch der Gatte der Schwie. Bühne ergießt sich ein dichter Wasserschleier ähn germutter seines Vaters, und, noch fürzer gesagt, jein eigener Großvater geworden. lich wie ein Wasserfall in die Tiefe, wo er aufge­fangen und abgeleitet wird. Der Wasserspiegel Zeppelin Fing nach Jerusalem . Das Luft­wird durch wechselnde Farben beleuchtet und bie- fchiff Graf Zeppelin" wird am 25. Feber den gro. tet den Theaterbesuchern während der Paufe ein Ben Afrika- Asien Flug antreten. angenehmes Schauspiel. Soll die Bühne wieder Tage berechnete Flug foll von Friedrichshafen über frei werden, so wird die Wafferleitung abgestellt Marseille , Stairo, Jerusalem und zurüd über Wien und der Vorhang" ist verschwunden.

gehen.

Die Strafanträge gegen ,, Immertreu".

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Vorsitzende vergeblich einen Vergleich zwischen ben beiden Parteien durchzuführen. Dr. Stransky ver­antwortete sich dahin, daß er die für den Aufsatz. tigen Belege nicht zur Hand gehabt hätte, als dann Stribrum die Behausung Stranskys bestritt, habe er sich die Belege aus Prag mitteilen lassen. Die Un­genauigkeiten feien noch vor dem Parteitag der na tionalsozialistischen Partei, auf dem über den Ver­bleib Střbrnys in der Partei verhandelt werden sollte, richtiggestellt worden. Nachdem sich auch der Redakteur Váša für unschuldig erklärt hatte, begann die Verlesung der Prozeßalten, die den ganzen Vormittag dauerte. Da die Parteien keine weiteren Anträge stellten, wurde das Verfahren geschlossen. Es sprachen dann Stribrny und fein Rechtsanwalt, hierauf ausführlich Dr. Stransky. Redakteur Vaša und Verteidiger Dr. Havlik.

Brünn , 8. Feber.( Eigenbericht.) Der bekannte Prozeß zwischen den beiden tschechischen Politikern Střiórny und Strauſty kam heute zum fünften Mal aur Berhandlung. Stribrny flagte bereits vor mehr als zwei Jahren Professor Dr. Stransky und den Lidové Novina", verantwortlichen Redakteur der Nach eineinhalbstündiger Beratung verkündete Professor Basa, wegen Ehrenbeleidigung, weil sie das Gericht um halb 8 Uhr abends das Urteil: im September 1926 einen Artikel veröffentlicht hat- Stransky und Vaša werden von per ten, der bejagte, daß Stribrny und der ehemalige lage freigesprochen, da ihnen der nationalsozialistische Abgeordnete Vojna in der Pra- Wahrscheinlichkeitsbeweis gelungen ger Statthalterei eine régierungsfreundliche Halfei und die Angeklagten im öffent tung des Ceffé Slovo" versprochen hätten, wenn lichen Interesse handelten. Das Gericht fie nicht einrüden müßten. Dem Minister Stürgth sprach aber gleichzeitig aus, daß der Wahrheitsbe In dem Prozeß gegen Immertreu" beantragte! Zwischendurch wurde auch ein Haftentlassungs sei es nicht dafür gestanden, den beiden ihre Bitte weis nidh: gelungen sei und daß der Inhalt des der Staatsanwalt nach kaum halbstündigem Plä antrag gestellt zugunsten des Handieners Höhne zu erfüllen. Die erste Verhandlung hatte man zwei inkriminierten Artikels nicht auf Wahrheit beruhe. doyer: gegen Leib wegen schweren Landfriedens jenes schmächtigen jungen Mannes, der so furchtbar mal vertagen müssen. Im März 1928 wurde Redakteur Vaša muß als Herausgeber dem Privat­bruchs, verbunden mit Gewalttätigkeit( wobei er die schluchzte, als man ihn vernahm, und der jo gar nicht schließlich das Urteil gefällt und beide Angeklagten läger die Kosten erseeyn und das ganze Urteil Rolle des Rädelsführers offen läßt), in Anbetrach: in die Reihen der ausgekochten Gannoven passen freigesprochen. weil ihnen der Wahrscheinlichkeits- famt der Begründung in den Lidové Noviny" ab­der von Leib bereits erlittenen Vorstrafen 1 Jahr will. Er ist damals, als er erst aus der Haft ent- beweis gelang. Dagegen legte Stribrny die Nich drucken. 6 Monate Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust; gegen lassen und dann plötzlich wieder eingesperrt wurde, tigkeitsbeschwerde ein, der auch stattgegeben wurde. Bitsch af und Laß wegen einfachen Landfriedens. aus seine Stelle gejagt worden. Das ist das beste In der heutigen neuerlichen Verhandlung suchte der bruchs 6 Monate Gefängnis; gegen Frante wegen Mittel", meinte jein Anwalt, einen Menschen, der einfachen Landfriedensbruchs 5 Monate Gefängnis; unbestraft ist, auf die Verbrecherlaufbahn zu trei gegen Schulz wegen einfachen Landfriedensbruchs ben." Bemängelt, wird ferner von der Verteidigung, 4 Monate Gefängnis; gegen Höhne der unbestraft daß man in der Voruntersuchung Zeugen und An und jung ist und unter dem Einfluß des Allohois getlagte, nicht einander gegenübergestellt, sondern gehandelt hat, der auch kein Immertreumann ist, 4 den Zeugen die Immertreu" Leute durch ein Gud. Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft loch aus dem Nebenzimmer im Polizeipräsidium ge für verbüßt erachtet werden sollen. zeigt hat.

Der edle Eifer des Rechtsanwalts Fren dürfte Im Verlauf der Donnerstag Sigung des Pro- am Donnerstag etwas gedämpft worden sein. Als sejjes waren verschiedene Zwischenfälle zu verzeicher eben daran gehen wollte, seinen Idealverein" nen. Am ersten Verhandlungstage wurde ein Zei recht warmt zu empfehlen, entbedte er plößlich, daß el hereingebracht und vom Vorsißenden verlesen: es man ihm im Nebenraum seinen fostbaren Pelzman­sei ein Fräulein draußen, das aussagen könne über tel mit einem elenden Karnidelfell vertauscht hatte Anstrengungen, die der Verein Immertreu" madhe, - mitten unter einem Dutend Polizisten. Das gab um Zeugen zu laufen. Die junge Dame wußte aber nichts auszufagen, als daß ihre Schwester gehört allenthalben ein schadenfrohes Grinfen. habent will, daß einer behauptete, die Immertreu"- Rechtsanwalt war verstimmt. Vielleicht ha: er des­Leute suchen Zeugen, die für Aussagen zu ihren wegen sein Plädoyer auf den Samstag verschoben. Gunsten 150 Mark bekämen. Darauf wurde zum Die Tagesordnung das war der merkwürdigste nächsten Tage die Schwester geladen, die einmal mit aller Zwischenfälle- wurde dadurch jählings umge­cinem der Zimmerleute verlobt gewesen ist. Sie Tommt eigens von Rheinsberg hereingefahren und stoßen. Auf das auffallend milde und vorsichtige benennt einen Hausierer, von dem sie gehört haben Plädoyer des Staatsanwalts Zimmermann waren will, daß er 5 Mark Anzahlung bekommen habe. Die recht matten der Rechtsanwälte Alsberg und Aber dieser Hausterer will von alledem nichts wis­Beschke gefolgt. Als nun Frey streikte, wollten die sen. Mit denen hat die Staatsanwaltschaft ebenso viel Pech, wie die Anwälte der Immertren" Lente nächsten zwei, Freudenstem und Feblowicz, auch nich: mit jener Frau Straßburg aus der Breslauerstraße, die die Zimmerleute mit blizenden Alerten hat an­rüden sehen. Die gute Frau, die das mitten in der Nacht von ihrem Fenster aus beobachtet haben will. ist so furzsichtig, daß sie vom Zeugentisch aus nicht cinmal den Richter erkennen kann. Vielleicht", meint einer der Advokaten, um die Situation zu tetten, sind diese blißenden Gegenstände Maurer fellen gewesen?" worauf die versammelten Maurer und Zimmerleute mit einem schaltenden Gelächter antworten, in das selbst die Zylinderleute auf der Anklagebank mit einstimmen.

mehr, und die Sigung endete wie jenes berühmte Hornberger Schießen.

Warum ein Kommunist nicht Abge:

geordneter werden tonnie.

Wir haben schon gestern über die Gerichts­affäre des kommunistischen Abgeordnetenkandidaten Johann Gründ! aus Wantau berichtet. Bei den Wahlen im Jahre 1925 wurde für die fommuni stische Partei im Bildner Gan der Tscheche Dédié gewählt. Es wurde damals vereinbart, daß nach Ablauf von drei Jahren Dedie sein Amt der Alle Versuche, die Bauhandwerker, die in ihrer zulegen und an seine Stelle eben der deutsche Stom­malerischen Seluft sehr selbstbewußt und sicher auf munist Gründi zu treten habe. Dazu kant es aber treten, einzuschüchtern, mißlingen fläglich. Ginmal, nicht, weil der eben genannte Gründ! in gerichtliche als der Vorsitzende sich einen schlechten wis erlaub: Untersuchung gefommen ist. Der Grund war fol auf Stoſten eines Zeugen und ihn fragt: Was haben gender: Auf einem Bergwerk im Choticschauer de­Sie denn gemacht, als Sie zum Lokal der Zimmer- vier wurde nicht gearbeitet. weil der Besiper in Kon­leute hinübergingen: haben Sie geraucht oder Turs geraten war. Während dieser Zeit ging auf Deutschland , Deutschland über alles gesungen?", bem Wert viel Stupferdraht verloren. Untersuchun tönt aus dem Zuhörerraum ein vernehmliches Bini. aen ergaben nun daß der Draht von Rudolf und Der respektlose Zwischenrufer, ein Zimmermann. Engelbert Gründt, den Söhnen des eben genannien der vorher Zeugenaussagen gemacht hatte, wird zur Abgeordnetenkandidaten und noch einigen anderen Rede gestellt. Ich wollte damit sagen, daß man uns gestohlen worden und daß diesen Draht Johann. hier wie dunime Jungen behandelt", ruft er mit Gründi gekauft hat. Er zahlte den Tätern 3 K für hochrotem Stopf. Die Anklagebant wird ihm ebenie as Kilogramm und verkaufte die Ware an die recht gegeben haben wie der Zuhörerraum. Der Firma Hoffman in Pihen. Insgesamt wurden 471 Mann bekam einen Verweis. Aber der Gemaß- Kilogramm Draht im Werte von 3580 K gestohlen. regelte war nicht er, sondern der Herr im Talar. Dieser Tage hat nun vor dem Kreisgericht in Pilsen

Stříbrny wird gegen das Urteil die Nichtig. keitsbeschwerde einbringen.

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