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10 Jahrgang.

Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republit.

Young- Plan in Kraft.

London , 5. Mai. Den Times" zufolge wird der Young- Plan heute offiziell von der britischen und der italienischen Regierung ratifi­ziert werden. Er wird demnach heute in Wirts samkeit treten.

Bor der 300 Millionen- Dollaranleihe.

Paris , 5. Mai. Heute um 11 Uhr vormit­tags haben die Beratungen der Delegierten der Schatzämter der Hauptgläubigermächte Deutsch . lands mit den Vertretern des Reichsfinanzsmi­nisteriums und der BJ3 über die Vorberei tungen zur Auflegung der ersten Tranche der Young- Anleihe in der Höhe von 300 Millionen Dollar begonnen. Die erste Sigung, die streng vertraulich war und über die keine Mitteilung ausgegeben wurde, war um 1 Uhr 15 nachmit­tags zu Ende. Am späten Nachmittag findet eine neue Sigung statt.

Neuer Wahlfieg in Frankreich .

Paris , 5. Mai. ( Eigenbericht.) Im Wahl­Ireis Lorient in der Bretagne wurde der sozialistische Kandidat L' véder mit 8784 Stimmen zum Deputierten gewählt. Die Soziali­stisch- Radikalen, die bisher den Wahlkreis in ihrem Besiß hatten, lonnten nur 2500 Stimmen aufbringen und büßten beinahe die Hälfte ihres bisherigen Besißstandes ein. Der sozialistische " Populaire" führt den Wahlausgang darauf zurüd, daß die Sozialistisch- Radikalen sich durch ihre Zusammenarbeit mit der Realtion in der Rommunalpolitik kompromittiert haben.

Der friegerische Landeshauptmann. Heimwehr und Schußbund in St. Pölten . Wien , 5. Mai. ( Eigenbericht.) Nachdem am Samstag etiva 10.000 Schutzbündler bereits nach

Dienstag, 6. Mai 1930.

Gandhi interniert.

Bombay , 5. Mai. Gandhi ist auf Anordnung der Regierung in Jalal: pur verhaftet worden. Er wurde mit dem Zuge nach Borivli an der Linie Bombay Baroda und von dort mittels Kraftwagen in das Veroda- Gefängnis nach Puna gebracht. Gandhi erklärte dort dem Vertreter des Reuterbüros, das: ihm auf der Fahrt jede Bequemlichkeit gewährt worden sei.

Das Londoner Amt für Indien gibt bekannt, daß Gandhis Haft mehr eine Internierung als eine Gefangenhaltung sein werde. Seine Verhaftung erfolgte auf Grund eines Gesetzes vom Jahre 1827, das auch dann eine Ver haftung gestattet, wenn die betreffende Person nicht vor Gericht gestellt werden foll. Im englischen Unterhaus hat der Staatssekretär für Indien auf dic Anfrage, ob Gandhi abgeurteilt werden würde, tatsächlich erklärt, dies werde nicht der Fall sein. Man werde ihn aber auf Grund der erwähnten Verord: nung in Saft behalten. loss

Die gesetzgebende Brsammlung vertagt.

Simla, 5. Mai. Der Vizekönig hat die gesetzgebende Versamm­lung mittels Sonderdekrets auf unbestimmte Zeit verta gt. In gutinformier ten Kreisen verlautet, daß die gesehgebende Versammlung erst knapp vor den all­gemeinen Wahlen zusammentreten werde, dic, wenn es die politischen Verhält niffe gestatten, Ende d. J. stattfinden sollen.

Allgemeiner rauertag in Indien !

Bombay , 5. Mai. Die Nationalisten führer der Provinz Bombah sind sofort nach Bekanntwerden der Nachricht von der Verha fiung Gandhis zu einem sogenannten Kriegs­rat" zusammengetreten und haben beschlossen, für heute und morgen einen allgemeinen in­dischen Trauertag anzusehen. Der Verband der Freiwilligen Gandhis teilte der ganzen Stadt die Berhaftung Gandhis durch schrille Gloden ignale mit und forderte die Bevölkerung auf, dem Tag das Gepräge eines Trauertages zu geben.

Die Hinduläden sowie die Mehrzahl der mohammedanischen Geschäfte find zum Zeichen des Proteftes gegen die Verhaftung Gandhis eschlossen, die Börsen haben ihre Tätig­Teit eingestellt. Die Regierungsgebäude, die st und Spinnereien werden militärisch bewacht.

In einer vor seiner Verhaftung diktierten Botschaft empfiehlt Gandhi dringend seinen Freunden, den Kampffortzusehen, da die Unabhängigkeit unmöglich ohne Opfer zu erreichen sei.

Der Inder Abbast abschi in Bombay , den Gandhi für den Fall seiner Berhaftung zum Führer seiner Freiwilligen bestimmte, hat die Leitung des Widerstandes übernommen.

halten.

Eine amtliche Erklärung.

In der Nacht aus dem Bett geholt!

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Nr. 106.

Bilanz eines Quartals.

Mit der parlamentarischen Verabschie­dung der Arbeitslosen- und der Altpensioni­stenvorlage erscheint das kleine Arbeitspro­gramm der Regierung, mit dem sie nach den ersten Wochen ihres Bestandes vor die Kam­mern trat, erledigt. In einem runden Vier­teljahr hat das Parlament ansehnliche Ar­beit geleistet und trotz allen Hemmungen, die sich aus dem Wesen der zu großen Koalition ergaben, mehr zustande gebracht als in den letzten Jahren jemals in einer Session ge­schaffen wurde. Wir können mit dem Gelei­steten zufrieden sein. Was geschaffen wurde, trägt zwar den Stempel des Kom­promisses, aber wir haben uns niemals der Illusion hingegeben, in einer Koalition mit bürgerlichen Parteien könne mehr er reicht werden als ein Kompromiß.

Unsere dringendste Sorge galt, als wir uns zur Beteiligung an der Regierung auf dem Boden einer sehr weitreichenden Koali tion entschlossen, den proletarischen Opfern der schweren internationalen Wirtschafts­frise. Wir sahen die Existenz Zehntausen­der Arbeiter gerade in unseren deutschen In­dustriegebieten aufs schwerste bedroht und durch eine höchst ungenügende Arbeitslosen­unterstützung feineswegs gesichert. In deat Vordergrund unserer Pläne stellten wir und stellte als unser Vertreter in der Regierung Genosse Dr. Czech die Reform der Ar beitslosenunterstüßung. Dank dem Umstande, daß wir das wesentliche Ressort der sozialen Fürsorge unserem Vertreter in der Regierung anvertrauen konnten, war es schon bald nach Regierungsantritt möglich, die außerordentliche Notstandsaktion durchzu

führen, die aus Mitteln des Ministeriums

In einer amtlichen Erklärung zur Verhaf- Jalalpur, 5. Mai.( Reuter.) Gandhi wurde bestritten wurde und in den meist gefährde­St. Pölten gekommen waren, waren am Sonntag ung Gandhis heißt es: Der Feldzug der Gehor- in tiefster Nacht, in seinem Lager verhaftet. Er ten Elendsgebieten doch über das Schlimmste samsverweigerung hatte eine weitverbreitete war in festen Schlaf versunken, als der von 20 hinweghalf. Die Gesetzwerdung der neuen bereits etwa 16.000 Schutzbündler zum Besuche mi a chtung von Recht und Ordnung bewaffneten Polizisten begleitete Unteroffizier im Arbeitslosenunterstützung mußte auf parla­der St. Pöltner Arbeiter, denen bekanntlich ihre und schwere Störungen des öffentlichen Friedens Scheine elektriſcher Taschenlampen an seine mentarischem Boden erkämpft, mußte gegen Versammlung verboten worden war, erschienen. in ganz Indien zur Folge. An und für sich die Schlafstätte herantrat. Gandhi ersuchte um die mentarischem Boden erkämpft, mußte gegen Es war schließlich eine Vereinbarung zustande ge- Gewaltanwendung verwerfend, führte er under- Bewilligung, religiöse Waschungen vornehmen zu den Widerstand der bürgerlichen Parteien, kommen, daß die Heimwehr am Vormittag ihre meidlich zu Gewalttätigkeiten. Je mehr diese dürfen. Seinem Wunsche wurde entsprochen. Be vor allem der Agrarier, durchgesetzt werden. Sundgebung veranstalten solle und der republi­kanische Schutzbund am Nachmittag von den St. Proteste Gandhis gegen das Verhalten seiner Freiwilligen, daß sie ihm die indische zu bringen, die vierteljährige Unterſtützungs fanische Schutzbund am Nachmittag von den St. um sich griffen, um so schwächer wurden die vor er in das Automobil cinstieg, überreichte er Daß es uns gelang, dieses Gesetz unter Dach Pöltner Arbeitern auf dem Rathausplatz Abschied unbotmäßigen Anhänger und er war offenbar Bizefönig adressierten Brief. Dann bat er seine Dauer in eine halbjährige umzuwandeln, für nehmen solle. Die Stundgebung der Heimwehr nicht mehr in der Lage, sie in der Hand zu be- Freiwillgen, daß sie ihm die indische eine besondere Krisenhilfe Vorsorge zu trei nahm einen fläglichen Verlauf, es waren im gan­In der Erflärung wird jodann auf hmne fingen, worauf er von ihnen liebe- fen, ist das erfreulichste Ergebnis des ersten zen trotz allen Zuzugs nur etwa 3600 Personen den strengen gesellschaftlichen Boykott in einigen voll Abschied nahm. Quartals unserer Koalitionspolitif. Wir ha anwesend, so daß der Landeshauptmann glaubte der Diftriften hingewiesen, der sich bis zur Entziehung Konspirationen an der Grenze. ben das Versprechen, das wir den Arbeits­Heimwehr zu Silfe kommen zu müffen. Er schichte von Nahrung und Wasser steigerte und viele zunächst on Dr. Deutsch als Obmann des Schutz Ortsvorsteher zum Rücktritt veranlaßte, ferner die Büros des Verbandes der Freiwilligen Gan- mit diesem Resultat unserer Arbeit schon Peshawar , 5. Mai. Militärpolizei durchsuchte losen gegeben haben, eingelöst und könnten bundes und an den sozialdemokratischen Bürger- auf Gandhis Aufforderung zur Nichtbezahlung bhis und anderer Organisationen, beschlagnahmte heute ruhig vor die Wähler treten. meister von St. Pölten ein Telegramm, daß er der Landrenten und seine angekündigte Absicht, eine Reihe von Schriftstücken und nahm 17 Per­gegen den Bruch der Vereinbarungen durch den Die sozialistischen Parteien haben als sonen fest. Diese Maßnahmen erfolgten wegen Schußbund protestiere. Darauf erwiderten die das Salzwerk zu stürmen. Die Regierung, so heißt es zum Schluß, hat eines Briefwechsels der hiesigen Ausschüsse des eine der nächsten Pflichten des Parlaments n Bereinbarung genau eingehalten und sie bitten bisher eine Politik äußerst er Duldsam. Verbandes der Freiwilligen Gandhis mit Saji die Gleichstellung der alten staatlichen Ruhe­von Tarangzai, einem Führer der Mohamme ständler mit den sogenannten Neupensio um Witteilung foutreter Tatsachen, um eventuelle reit befolgt; aber die Ereignisse haben bewiesen, baner jenseits der Grenze, der, wie erklärt wird, nisten angesehen. Der Bürgerblock hatte den Unzufömmlichkeiten abstellen zu fönnen. Darauf erhielten sie aber feine Antworten weiter. Dagegen daß sich die Geschichte der früheren Non- coopera- eine Armee von 100.000 Wann aufstellen sollte. Altpensionisten durch einen brutalen Will­hat der Landeshauptmann die Kundgebung, die tions- Bewegung mit Blut und Fener als Saji fam wirklich mit 400 Stammesangehörigen füraft ihre Rechte verkürzt, hatte in Jahren der Schutzbund auf dem Rathausplatz veranstalten Begleitumständen wiederholen würde, wenn man an der Grenze an, aber die Mohammedaner gin guter finanzieller Gebarung und vorhandener wollte, um vier Ubr nachmittag plöglich verboten. den Feldzug ungehindert seinen Fortgang neh gen auf seine Absichten nicht ein. Der afghanische Stassenreserven nichts getan, um für eine Gr Stamm der Afridi unterstützt die Polizei bei der höhung der Pensionen die Mittel bereitzustel Der Schutzbund, der sich während der Heimwehr- men ließe. Aufrechterhaltung der Ordnung. len. Dies mitten in der schweren Wirtschafts­fundgebung auf dem Trabrennplay aufhielt, be schloß infolgedessen, seine Rundgebung auf dem frise zu tun, da die Staatstaffe von aller: Trabrennylag abzuhalten. Der Landeshauptmann Seiten in Anspruch genommen ist, war ein

hatte überdies bereits am Vormittag aus Wien Staatssekretär von Schubert Botschafter| Eine vorbildliche Gewerkschaftsschule.

ein Regiment Wehrmacht und ebenso aus einigen anderen Garnisonen, einige Bataillone nach St. Pölten kommen lassen. Er ließ nun den Trab­rennplay von Militär förmlich einschließen und

in Rom.

Ein Bülow sein Nachfolger.

heres Stüd Arbeit; die bürgerlichen Bar­

Berlin, 5. Mai.( Eigenbericht.) Gestern wurde teien zeigten auch diesmal wenig Lust, den in Bernau bei Berlin die neue Bundesschule Altpensionisten zu helfen, sie machten dauernd des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes | Schwierigkeiten und verschuldeten die Verzö­Berlin, 5. Mai. Eigenbericht.) Die Regie ihrer Bestimmung übergeben. Das Gebäude liegt Maschinengewehre, spanische Reiter und Draht- rung hat nach längeren Verhandlungen die Ent- mitten im Wald; es verzichtet auf äußerlicherung des Gesetzes. Es iſt einzig den soziali­berhaue aufstellen, um zu verhindern, daß die scheidung über die Neubesetzung einiger wichtiger Wirkung und ist ganz auf Sachlichkeit und stischen Parteien zu danken, wenn doch eine Schutzbündler auf den Rathausplatz kommen. Die Botschafterposten gefällt. Der jetzige Botschafter Zweckmäßigkeit eingestellt. Die neue Schule soll Vorlage zustande kam, die zwar nicht ohne Versammlung auf dem Trabrennplay war aber in Rom, Dr. von Neurath , geht nach London ; der Weiterbildung von jungen Gewerkschafts- Härten, aber doch annehmbar für alle Teile ganz gewaltig. Es wurde dort gegen die Verfü- an seine Stelle tritt Staatssekretär von Schufunktionären dienen, die aus den Betrieben ist. Die Altpensionisten werden in vier Etap gung des Landeshauptmannes protestiert. Am bert als Botschafter in Rom. Bei Herrn Neu- kommen und nach einem Kursus von mehreren pen und ein Teil schon in der ersten Etappe Abend nach der Versammlung erfolgte dann die rath handelt es sich um einen Diplomaten der Wochen wieder in ihren Beruf zurückkehren; sie mit sofortiger Wirkung ab 1. Jänner 1930 Rüdfahrt der Wiener Schußbündler. Aber auch alten Schule, dessen Versetzung nur einen Ber- ist für die Aufnahme von 120 Teilnehmern be­jebt ließ der Sandeshauptmans auf dem Bahn- legenheitsakt darstellt, weil man sich in der Re- rechnet. hofsblaß Militär mit Maschinengewehren und gierung über einige andere Kandidaten, die zwei­Drahtverhauen aufstellen, offenbar um die Arbei- fellos besser geeignet gewesen wären, nicht einigen ter zu provozieren. Troßdem die Situation wieder- fonnte. holt fritisch war, fam es zu feinerlei Zwischen- Dem Berliner Tageblatt" zufolge wird die der

Der Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes Graßmann hielt die Eröffnungsrede; Vertreter des Reichsarbeits­ministeriums, der preußischen Regierung, der werkschaftsbundes beglückwünschten den Gewerk Parteivorstandes und des internationalen Ge­schaftsbund zu dieser neuen vorbildlichen Ein­richtung.

in ihren Bezügen den Neupensionisten gleich­gestellt. Die sozialistischen Parteien hazen ge­rade durch dieses Gesetz bewiesen, daß sie kei­neswegs engherzige Standespolitif" treiben, sondern auch den Forderungen der kleinbür Verständnis entgegenbringen.

ten Gendarmen den Platz vor bundes, räum förmliche Ernennung des neuen Staatssekretärs lokalen Behörden sowie des sozialdemokratischen gerlichen Mittelschichten das denkbar größte

ten Gendarmen den Blatz vor dem Bahnhof mit im Auswärtigen Amt Dr. Bernhard von Bajonetten. Die Stimmung in der Bevölkerung, iſt ſehr erregt, doch herrscht bis heute vollkommene Bülow in sehr naher Zeit erfolgen. Bülow

Ruhe.

werde alsdann sein Amt sofort antreten.

Als wir das Experiment der Koalition die den Mietern mit Ablauf des Mieter­

wagten, sahen wir auch die Gefahr vor uns,