Nr. 40.

Sonntag, 13. Feber 1881.

Sei», 3

Arbeit am laafeabeu Laad. Ter Tätigkeitsbericht der Gewerbeinspekro- rcn schildert in sehr anschaulicher Weise an drei Beispielen die weitgehende Durchsetzung neuer Arbeitsmethoden in der tschechoslowakischen Großindustrie. In der größten Automobilfabrik, nämlich bei Skoda (früher Laurin und Klement) in Jungbunzlau wurde die Arbeit am lausenden Bande eingeführt. An der nördlichen Schmal­seite der Fabrik führt ein Schienengeleise, an welches südlich das Rohmaterial-Magazin an­schließt, wo sich alle notwendigen Prüfungs- und Abstechmaschinen befinden. Hinter dem Ma- terialmügazm sind die Arbeitsmaschinen reihen­weise aufgestellt, so daß jedes zu bearbeitende Werkstück in einer Richtung von Maschine zu Maschine transportiert wird, bis der ganze Ar-! beitsprozeß erledigt ist. Zwischen den Maschinen-, reihen ist in zweckentsprechender Weis« die Werk-, zeugausgabe eingebaut,, an welche wieder die Schleiferei und die'Werkzeugstube anschließt. Hat das Werkstück die ganze Reche der Maschi-! nen Passiert, so kommt es in ein ausgedehntes Magazin, welches die ganze Fabrik in zwei Teile tellt: nördlich die mechanische Abteilung, südlich die Montageabteilung. Die Montage wird ausschließlich am laufeiwen Band durchgeführt, wobei für jtt»en wichtigeren Bestandteil selbstän­dige Förderbänder zur Verfügung stehen. Diese Hilfsbander laufen ebenso wie die vorher er­wähnten Maschinenreihen in nordsüdlicher Rich­tung, so daß ihre weiter« Bearbeitung beim Lager der fertigen Werkstücke beginnt und am südlichen Ende der fertige Bestandteil dem Hauptband zugeführt wird. Auf dieses in west-östlicher Richtung ver­laufende Hauptband kommt zuerst der Rahmen (das Chassis) des Wagens, worauf zunächst die Federn und dann die Achse« montiert werden. Mit Hilfe der erwähnten Nebenbänder werden dann nacheinander der Motor, die Lenkstange, der Getriebekasten, die Kardanwelle, der Brems- mechanismnS, die Armatur und schließlich die Räder aufmontiert. Die Räder werden im Sou­terrain schon mit Pneus montiert, dann geho­ben>md mittels einer besonderen Apparatur zu beöten Seiten des Förderbandes herabgelassen, worauf sie auf die Achsen gezogen werden. So­dann fährt der fertig« Unterbau auf den eigenen Rädern auf eine künstliche Straße, wo der Wa­gen geprüft wird, worauf er zum Lackieren in Spritzkabinen gelangt. Sodann wird er in be­sonderen Trockenkammern getrocknet und auf einem besonderen Fertigungsbaud befestigt. Die­ses verläuft Parallel mit dem Hauptband eben­falls lmrch die ganze Länge des Fabriksgebäudes, jttur in umgekehrter Richtung. Hier tverden nun .hie Schutzbleche, die Trittbretter sowie die not- wendigc Rüstung montiert, worauf aus dem er­sten Stock die schon fertige Karosserie herabgelas­sen und befestigt wird. Am wcfüichen Ende fol­gen dann nur noch wenige Griffe zur Beendi­gung der Montage, das Auto ist fertig und er­hält bei der Ausfahrt Benzin und Wasser. Um die Fabrik führt eine Prüfbahn, nach deren Absolvierung der Wagen gereinigt und in das im Souterrain gelegen« Magazin dirigiert wird. Der Gewerbeinspektor stellt bei der Arbeit am laufenden Band eiue wesentlich größere Be­triebssicherheit fest, da weitgchende Schutzmaß­nahmen getroffen werden müßten. Man kann ungelernte Arbeiter sowie Frauen in größerem Ausmaß als bisher beschäftigen; bei geringerer Anstrengung sei relativ die Leistung viel größer als btt der stückweisen Herstellung, womit auch die Verdienste steigen. Btt den Frauen sei in Einzelfällen der doppelte Verdienst erreicht worden. Das sind Erfahrungen aus der Zttt der Hochkonjunktur. Heute ist die Sache allerdings etwas anders. Denn inzwischen wurden fast alle gelernten Arbeiter aus dem Betttebe entfernt u«d damit ttne ganz bedeutende Lohnsenkung herbeigeführt, die sich frellich, was nur nebenbei bemerkt sei, in den Preisen der Wagen kaum geäußert hat. Die früher bestandene alte Fabrik wurde vollständig stillgelegt und eS wird nur in derAmcttka" genannten neuen Fabrik produ­ziert, wobei die Zahl der beschäftigten Arbeiter um mehr als ein Drittel gesunken, die Erzeu-! gung aber ganz bedeutend gestiegen ist.' Auch hier sehen wir also, daß der ganze technische! Fortfchtttt eigentlich zur Hauptsache die Verelen­dung der Arbeiterschaft gefördert und zur Ent­wicklung der schweren Krise beigetragen hat. Ein weiteres Beispiel durchranonauüerter Arbeitsmethoden bietet die große Nähmaschinen­fabrik in SobSslau btt Tabor. Hier wurde insbesondere die Gießerei auf das laufende Band umgcstellt. Längs der Formmaschinen läuft mit einer Minutengeschwinoigkeit von 3 Metern ttn endloses Band mit angehänaten Wägelchen. Die fertigen Formen werden ans die flachen Wägel­chen gestellt, unterwegs während des Transpor­tes ausgegofsen und dann in abgekühltem Zu­stand in eine Nüttelmaschine geschoben, wo sie vom Sand ufw. gereinigt werden. Dann werden sie neuerlich aufgeladen und gelange» in ein Sandstrahlgebläse, da« die endgültige Reinigung vornimmt. Die leeren Formkästen werden dann wieder mit mechanisch gereinigtem Sand auf demselben Band zu den Arbeitsstellen der Ma- schinenforincr geführt. Das notwendige Gußeisen wird abwechselnd in zwei.Kupolöfen geschmolzen. Intcresl'ani ist der Umstand, daß die Näh­maschinenfabrik nrsprünglickr auf genossenschaft­licher Grundlage von einigen Arbeitern gegrün­

det wurde, die nach dem Umsturz im Jahre 1918 in Oesterreich kttne Arbeit mehr hatten und sich zu dieser Fabriksgründung zusammen taten. Heute beschäftigt der Betrieb über 400 Arbeiter und em Teil der Aktien befindet sich immer noch in den Händen der Arbeiter, zum größeren Teil ist freilich das Bankkapital be- teiligt. Schließlich stt auf die weitgehende technische Rationalisierung und Oekonomisierung im größ­ten Eisenwerk der Republik , in den W i t k o- witzer Eisenwerken hingewiesen. Es ge­lang hier, Quarz-Baustahl sowie dünnwandige Blechrohre für die Möbelerzeugung zu Walzen. Mit Hilfe von Wassergasstoff werden Stahl­rohre mit bis zu 50 Millimeter starken Wänden geschweißt ufw. Einer der Hochöfen wurde voll­ständig umgebaut und auf einen Durchmesser von 6 Metern erweitert. Aus der Schlacke wer­den Pflasterwürfel gegossen und der Gußraum wurde um 48 Meter verlängert. Im Stahlwerk wurde ein nttrer ttngelaflener(Tief-) Warme-!

Als die sogenanntenroten Gewerkschaften" den Staatsbeitrag nach dem Genier System noch nicht erhielten, hörten wir täglich das tolle Ge­schrei der Kapetschisten gegen dieses Unrecht. Uuter der Ministerschaft des Genossen Czech wurde den roten Gewerkschaften der Staatsbei­trag gewährt. Nun schrien die Herren wieder darüber, daß ihr Wunsch erfüllt und sie damit ruiniert seien. Tatsächlich find die roten Gewerk- schaften infolge ihres Dauerbankrotts und ihrer Mißwirtschaft nicht in der Lage, ihren Verpflich­tungen nachzukommen. In Prerau wurde seinerzeit«in netter Betrug der Apparatschiki auf- grdeckt, die zwar den Staatsbeitrag, aber nicht den gesetzlich geforderten Gewerkschaftsbeitrag auszablten. Nun wird uns aus Weipert ein ganz verdächtiger Fall gemeldet. Es gibt dort«ine Ortsgruppe des ,^F n d u- strieverbandeS der Bauarbeiter in der LSR.". Sie zahlt Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System aus und bezieht den Staatkbeitrag. Di« Arbeitslosen erhalten aber

in

Man mag auch aus diesem Beispiel wieder ersehen, welch frivoles Spiel dir Kommunisten mit den Arbeitslosen treibe«. Jede staatlich« Unterstützung wird als Bettel verschimpft, jede Errnngenschaft der Sozialdemokraten mit maß­loser Hetze quittiert, kein« Gemeinde und schon gar nicht ein- sozialdemokratische, könnte den Kommunisten genug hohe Unterstützungen zahle«, im Parlament verlangen fie Unterstützung in»er Höhe des letzten Sohnes aber ihren Gewerk-

ofcn in Bettteb gesetzt, beim sechsten Stahlofen wurde ein Kessel mit einer Heizfläche von 600 Quadratmetern gebaut, der mit Abfallgascn ge­heizt wird. Ein 80 Tonnenofen wurde auf eine Kapazität von 100 Tonnen umgebaut, um grö­ßere Stahlblöcke erzeugen zu können: auch die Krane wurden auf diese Tragfähigkeit umgestellt. In der Stahlgießerei wurde eine Exzenterpresse mit einem Druck von 600 Tonnen in Betrieb gesetzt, sodann eine schwere Drehbank zur Bear­beitung großer Schiffsschrauben ufw. Es ist also sowohl der technische Fortfchtttt wie die Intensivierung der Arbeit ununterbro­chen gestiegen, leider wie schon gesagt zu keinem anderen Ende als zu dem, daß sich die Lage der Arbeiter unendlich verschlechtett hat. Nichts kann die Berkehttheit der gegenwärtigen Wirt-! schaftsvrdnung besser charakterisieren als die Tat­sache, daß menschlicher Geist immer größere Prttmktionsmöglichkttten erfindet, die Welt also immer reicher wird, diewttl die Böller in un­erhörter Not versinken. I. B.

niemals den Betrag ausgezahlt, den fie quittier«« müssen. Statt 3» Ke, die der Arbeitslose quit­tiere« mutz, erhält er deispielsweis« nur 31 K« ausgezahlt. Es scheint also, daß er hier den Stoatsbeitrag 26, von den 13 Ke Gewerk- schaflszuschutz aber nur einen lleinen Bruchteil erhält. Neber die rn anderen Fällen abgezogenen Beträge von 6.60 bezw. 13.20 erhält der Arbeitslose eine Quittung, die für«in«Monipnlatious- und Admmistra- twnsgcbühr" ausgestellt wird. Wofür immer'diese Gebühr verwendet, aus welchem Titel sie abgezogen wird und ob sie die Rückzahlung des vollen oder nur eines Telles des" Gewerkschaftsbeitrages bedeutet, auf jeden Fall ist der Borgang gesetz­widrig und ein Betrug am Staate wie vor allem an de« Arbeitslosen selbst. Hier di. Dokument« der kommunistischen

schastsmitglisdern knöpfe« fie«in Drittel der Unterstützung ab, ihr««igenen Lent« Prellen sie um die Unterstützung s-- kreuzer, um damit ihre bankrotten Partei­säckel aufzusüllen! Und zum Loh« dafür, daß fie von ihre« Führern" vor dir Gewehre geschickt werde«, dürfe« sich die Arbeitslosen um ihre Rotkreuzer bestehlen lasse«;

Mr belMM die StmeWen u. Mirle? Die Verteilung des Zuteilungsfonds im Land« Böhmen . Es ist bekannt, daß das neue Gesetz über die Finanzen der Selbstverwaltungskörper an­stelle des Ausgleichsfonds einen Zutei­lungsfonds gesetzt hat, der von den Län­dern verwaltet, bezw. dessen Beträge von den Landesausschüssen verteilt werden. Rach dem Gesetze sind die Länder verpflichtet vier Fünftel gewisser staatlicher Zuweisungen den Bezirken und Gemeinden zukommen zu lassen. Die böh­mische Landesvettretung hat nun in ihrer De- zembersession beschlossen, über die dem Laude gesetzlich ouferlegte Verpflichtung hinauszugehen. Das Land Böhmen wäre verpflichtet gewesen, den Gemeinden und Bezirken im Jahre 1931 87 Millionen Kc auszuzahleit, wozu aber das Land nicht nur noch das fünfte Fünftel hinzu­gibt, sondern einen Betrag aus Landesmitteln, und zwar belaufen sich diese Beträge auf 45 Millionen, so daß das Land Böhmen im gan­zen 132. Millionen den Bezirken und Ge­meinden zuführt. Es kann gar kein Zweifel darüber sttn, daß da der ernste Wille Tat ge­worden ist, die Selbstverwaltung wieder zu be­leben. Die sozialistischen Parteien, welche ins Lande Böhmen «inen wen stärkeren Einfluß haben als in allen Ländern, habe» bewiese«, daß sie die Arbeit der Selbstverwaltungskörper im Interesse der Bevölkerung zu unterstütze» bereit sind.' Der böhmische Landesausschuß Hal Nun längere Zeit darüber beraten, wie dieser Betrag aufgeteilt Weichen soll. Nach dem alten Gesetze hat der Ausgleichsfonds vor allem dazu ge­dient, den Gemeinden jene Fehlbeträge zu er­setzen, welche aus gesetzlichen Verpflichtungen der Gemeinden oder aus irgend einem Rechts­titel entstanden sind. Der Zuteilungsfonds jedoch dient dazu, den Gemeinden die Erfüllung al- Ie-i ihrer Aufgaben, auch der fakultativen, zu erleichtern, es müßte also eine genaue Unter­suchung der Voranschläge der Gemeinden und Bezirke durch den Landesausschuß erfolgen und es müßten die Ausgaben auf ihre Zweckmäßig­keit geprüft werden. Dann müßte jeder einzel­nen Gemeinde und jedem Bezirke soviel zuge­teilt werden, als diese Selbstverwaltungskörper zur Erfüllung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben brauchen. Ein solcher Vorgang ist wegen der Kürze der Zeit zumindest im heurigen Jahre nicht möglich. Außerdem reichen sttbst die 132 Mil­lionen Lv nicht aus, um in der angefiihrten Weise vorzugehen. Der Ausgleichsfonds konnte in den vergangenen Jahren, nicht einmal jene Fehlbeträge decken, welche durch die Pont Lande in den Borauschlägen vorgenommenen Strei­chungen noch übrig geblieben sind. 1929 konn­ten nur 62.8 Prozent, 1930 gar nur 42 Pro­zent dieser Defizite durch den Ausgleichsfonds gedeckt werden. Der böhnrische Landesausschuß stand nun vor der Zwangslage, ttnen Schlüsiel zu finden, wonach die Verteilung der Beträge rasch und ohne daß schwere Ungerechtigkeiten Vorkommen, durchgeführt werden kann. Diesem Schlüssel liegt, wie Wit glauben, di« richtige Annahme zugrunde, daß von einem Zustand ausgegau- gen werden rnuß, in dem die Gemeinden und Bezirk« selbständig gewirtschaftet, wo sie also autonom ihre Vorschläge festgesetzt haben: das heißt der Zustand, wie er bis 1927 bestanden hat. Was nun die unteren Selbstverwaltungs­körper in dem Entfall der Umsatzsteuer, der Herabsetzung der Umlagengrundlage(man denke an das Schicksal der Gemeinde Rothau !) an Zinsen für seit 1928 eingegangenen Anleihen verloren haben, soll ihnen durch«inen Betrag aus dem Zahlungsfonds wieder, in einem be­stimmten Maße wenigstens, zugewiesen werden. Es ist gar kein Zweifel, daß dieser Vorgang in Böhmen trotz der Opfer, die das Land bring,, keine Sanierung der Gemeinde- und Bezirks-- finanzen bedeutet. Aber das kann Wohl gesagt werden, daß die sozialistischen Landesfunktiouäre alles getan haben, was in ihren Kräften und im Bereich der finanziellen Möglichkeiten des Landes steht, um den notleidenden Gemeinden und Bezirken zu helfen. E. St. Das Wirtschaftsprogramm des Internatio­nale« Gewerkschastsbnndes(Amsterdam ) und den Entwurf seines sozialpolitischen Program­mes im Zusammenhang mit den Referaten und Verhandlungen des Stockholmer Internationa­len Gewerkschaftskongresses enthält das eben er- lchienene Protokoll dieser Tagung. Der statt­liche Band von 421 Seiten umfaßt unter der Bezeichnung Tätigkeit und Bestrebun­gen des Internationalen Gewerk- schaftsbuNdes 1927/30 sowohl den Be- ttcht über den im Juli 1930 zu Stockholm statt­gefundenen fünften ordentlichen internationalen Gewerkschaftskongreß, Has Protokoll der Konfe­renz der Internationalen Berufssekretariate, als auch den dem Kongreß vorgelegten Tätig­keitsbericht, den Wortlaut der emzelnen erstat­teten Referate und gefaßten Beschlüsse. Dieser Bericht ist auch dadurch bedeutsam, daß er die Berhandlungspunkte: Abrüstung und Frieden - Gewerkschaftsbewegung in Ländern ohne Demokratie enthält. Das vorliegende Werk ist durch seine umfassenden Berichte und reichhal­tigen Uebersichten nicht allein unentbehrlich für jede Gewerkschafts- und Arbeiterorganisation, sondern auch von großem Interesse für Politiker und Volkswirtschaftler jedweder Richtung. Mit Bestellungen wende man sich an die Verlags- abtttluNg des I. G. B., Tesselschadestraat 31, Amsterdam (West) oder an die Parteibuchhand- lungen.

Die WMMl prellen die Arbeitslosen! Wie sidi die KommunlstisdienGewerksdialten an der Arbellslosen-UntersnMzung bereichern.

Schande:

Prümyslovy Svaz delnictva stavebniho v CSR. Industrieverband der Bauarbeiter in der ÖSR.

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