M. U.
Mittwoch, S. Immer 198&
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Der Bort. Bou®. Rikli». Ein gewisses Handelsunternehmen des Sowjetstaates— nennen wir«r„Pylessoß"(Staubsauger)— gedachte sein vierjährige- Bestehen festlich zu begehen. Dar von den maßgebenden Persönlichkeiten entworfene Festprogramm enthielt unter anderen Darbietungen di« Ueber- reichung eines begeisterten Glückwunsches im Namen des dem Unternehmen zugeordneten Dorfes Petuchowka. Zu diesem Zwecke wurde ein Vertreter des„Pylessoß" nach Petuchowka beordert, sorgfältig unterrichtet über die Eigenschaften, di« der Ueberbringer des Glückwünsche? oufzutveisen habe. Im Dorfe angelangt, wandte sich der Abgesandte, den erhaltenen Instruktionen gemäß, an den Vorsitzenden des Dorfrates mit dem Anliegen, ihm bei der Erledigung der schwierigen und verantwortlichen Aufgabe behilflich zu sein. Der Vorsitzende de- Dorfrates sagte nach kurzem Besinnen: ,Hanatij Kusnezoff wäre schon der Mann dazu. Doch ich glaube kaum, daß er sich dazu hergeben wird. Er ist mit Arbeit. überhäuft. Und doch wäre er in jeder Hinsicht dafür geeignet: Ehemaliger Rotarmist,-eS Lesens und Schreibens kundig, alles in allem ei» fortschrittlicher Bauer. UeberdieS der beste Redner im Dorfes „Sehr schön", sagte der auS Moskau.„Aber hat er einen Bart?" „Einen Bart? Wie meinen Sie das?" „Sie begreifen Wohl, Genosse, daß wir für eine so feierlich« Gelegenheit wie eine BlerjahreS» feier einen Mann mit einem würdigen Bart« vorführen müssen. Mit einem Worte, was man so«inen„bärtigen Bauern" zu nennen pflegt." Der Vorsitzende der Dorfrates begriff. Und er begann die bärtigen Männer des Dorfes aufzuzählen.„Der Jewlampi Sidoroff besitzt schon «inen passenden Bart. Aber«r kommt nicht in Betracht. Der Jewlampi ist nämlich Kirchenältester. Der Klim Oserkin besitzt zwar einen mächtigen Bart— breit wie ein Spatenblech— aber dieser Hundesohn drückt sich von der Steuer. ObS etwa-er Peter Oglobla schafft? Aber nein, der hat einen Bart wi««ist Ziegenbock. Im übrigen ist er die brave Mittelmäßigkeit.— Ja, nun hab' ichr! Archip Sementischkofs. Mit dem Barte werden Sie zufrieden sein. Der Archip ist Kutscher gewesen. Er ist zwar nicht sonderlich aufgeklärt... Nichts für ungut, wir warten 'efcen mit dem, wa» wir haben." Sie gingen zu Archip. Setzten ihm auseinander, um was es sich handelt«. Der war gern einverstanden. Archip kommt in die Stadt. Es hat noch gute Weile bis zur Festsitzung. Archip tut sich mr„Pylessoß" um.' Plötzlich fallt ihm ein:„Ich will mir mal di« Stadt ansehen." Archip wandert durchs die Straßen, studiert die Schilder. An der Wendung einer breiten Straße stößt er auf ein Schild: LaÄier Serge". „SW)", denkt Archip,„mir ist doch«ine groß« Ehre widerfahren. Da kommt man eigens ins Dorf gefahren, um mich zu einer Sitzung in die Stadt zu holen. Heul' abend werd ich der elektrischer Beleuchtung im Präsidium sitzen. Der Vorsitzende wir- sein Glöckchen schwingen und sagen: „Da- Wort hat der redliche parteilose Bauer Archip Sementschikoff." Ich aber werde auf da- Podium steigen... nur ist eS nicht schön, daß ich mtt dem Swppelbort erscheinen werde." Archip besinnt sich noch einmal. Dann verschwindet er in-er Tür deS FriseurladenS. Archip tritt wieder aus dem Friseurladen heran-. Sein Kinn ist glatt und glänzend wie eine Polierte Billardkugel. Die Festsitzung-et„Phlesioß" am Abend aber ist verdowen. Di« feierlich« Sitzung muß vor sich gehen ohne die Anwesenheit eine- ein
zigen Bartes. Der Direktor des Unternehmens Stelle geschafft werden, und selbst den haben sie stampft mit dem Fuße auf und schreit:„Mit sich nicht zu sichern verstanden." solchem Personal soll man nun etwa- Gescheites(ÄuS dem Russischen übertragen zuwege bringen! Ein einziger Bart sollte zur von Wanda Waldenburg.)
Der Glimpf fctHägt Dwfen. Von Heinrich Kokle.
Ja, sie war jung. Und sie war schön, Noch bargen ihre schwermütig-dunklen Augen jene träumerische Andacht, die man gemeinhin Anmut nennt. Noch strafften ihre jungen, schlanken Glieder sich beim Tanze, noch... Noch? Noch! Ja, sie war jung. Und sie war schon. Sie hieß Lieselotte. Man nannte sie Lilo. Ihr Vater war ein Ungetüm. Er war nicht eben rin Verbrecher im landläufigen Sinne. Er war kein Verbrecher, den man für seine Taten verantwortlich machen kann, er war ein Säufer und soff, um sich zu betäuben..- Ihre Mutter war«in ängstliches, vermickerteS Weibchen, das in ständiger Sorg« lebt« uni ihren Mann, in ständiger Angst vor der Polizei. Run war da eine Nacht. Eine unbeschreiblich kleinmütige, trostlose, elende, von Gott verlassene Nacht, da Lilo aus dem Hause schlich, Der Vater war im Begriff, ein Ding zu drehen. Er bockte da oben mit Doublö-Egon und dessen Fräulein Braut, jener Prostituiertgeweseuen, die man allgemein unter dem hübschen Decknamen Ehemisettenjule kannte, über einem Plan, der die Lag« deS Zigarrenladens von Karl Schmitzke an der Ecke zweier Straßen, die hier in der Nähe sich kreuzten, veranschaulichte. Lilo ging hinaus in die Nacht. Sie spürt« nicht die Schmerzen, di« von den Schlägen mit -er Hundepeitsche herruhrten» sie fühlte nur eines. Und dieser Gedame, daß man ihr ihren Teddy nehmen würde, ihren Menschen» ihren Geliebten, den Einzigen, der in ihr Menschentum lebendig bleiben ließ, machte fi« fast rasend vor Angst. Teddy war Arbeiter. Er arbeitete in emer enormen Fabrik irgendwo an der Peripherie der gewaltigen Stadt. Nun aber hatte ihr Vater ihn überredet, gemeinsame Sache mit ihm zu machen, sich an dem von langer Hand vorbereiteten Einbruch zu beteiligen. AI- Lilo dies gehört hatte, hatte sie gebeten und gesteht, doch wenigstens ihn zu schonen, ihn bei seiner Arbeit zu lassen, ihn nicht auch zu„so einem" zu stempeln. Als sie nicht abließ, di« drei verwahrlosten Menschen, di« da oben hockten, zu bitten, ihr ihren Menschen zu lassen, war der eine von ihnen aufgesprungen, hatte geschrien:„Nu aba Schluß!" Und hatte sie mit der Peitsche bearbeitet. Dann hatte er sie am Genick gefaßt, hatte mit dem Kni« in ihr Gesäß gestoßen und sie die Treppe hinuntergeworfen.. MS war-er Daker gewesen. Dex Vater,-er-rei Tage vorher ihren Speich«! geleckt hätte, weil er Home, sie an. den Schweine- mäster, den er am Bahnhof Alexan-erplatz aufgefischt hatte, verkuppeln zu können. Sie aber hatte sich gewehrt. Denn sie liebt«. Sie liebte so innig, so hingeben-, wie eS eben nur solchen Jungweibeln beschicden ist, zu lieben, die ihr letztes Restchen Menschsein, ihr win- zigwenig Sonn« und Warme von dem erhoffen, den sie mit ihrer ganzen Natur lieben. Sie ging. Die Nacht war dunkel, spärlich nur erhellt von trübe funzelnden Stocklaternen. Da sah sie Teddy. Er eilte an den Fronten der gespenstisch sich in den Himmel reckerwen Häuser entlang. Sie trat ihn in den Wog. Sie sagte nicht-. Si« sah ihn an. Und in ihrem Blick lag etwas, was ihr armer Mund nicht hätte sagen können. Er aber wandte sich ab. Ging Wetter und weiter, bis er ihren Blicken entschwunden war. Ja, sie war jung. Und sie war schön. Und so hoffte sie also, daß ein gütiges Geschick ihn ihr wiedergeben möge.
Sie setzte sich in«in Lokal. Die widerwärtigen Flecke auf dem Tischtuch stierten sie an. Es tanzten welche. Einige grölten tierisch gemeine Lieder, die sie während des Krieges in belgischen Bordellen gelernt hatten. Draußen strichten die armieligen Dirnen ihren einsamen LebenStrott. Eine gierige Hand tätschelte ihr Kinn, eine andere betastete ihre seidenen, jungen Schenkel. Sie fühlte das nicht, sie dachte immer den einen, einen Gedanken. Da! Ein Schuß. Grell, beißend bellt er durch die Nacht. Da!«in zweiter Schuß. Rack- tack-tack, rack-tack-tack. Noch ein Schuß. Da! Noch einer. Und nun beginnt auf der Straße di« Flucht, wilde Jagd, unsagbar« Hast. Der Sumpf schlägt Blasen. Im Moment ist das kleine Lokal erfüllt von gestikulierenden, atemlosen Menschen, die auf der Flucht sind vor einer sich verirrenden Kugel. Die beiden gierigen Hände, die LckoS Gesicht und Beine betasteten, fingern in neurasthenischer Hast an einem Schlagring. Wortfetzen schwirren: ,^Beim Zijarrenfritzen Schmitzke hamse innjebrochen."„Schmitzken hamfe um de Ecke jebracht."„Der denn?" „Määnsch, det kannste dia doch deicken.. Ein Weib stürzt in di« Kneipe: Ehemiset- tenjule.„Uhje, ume", stöhnt, heult, plärrt sie mit schlaffen, blutlosen Lippen. Da sieht sie Lilo, die zusammeng«auert dahockt.„MLächen", kreischt sie auf,„Määchen, Määnch, dein Bata hamse aschoflen.". Da löst sich LiloS starr« Ruh«. Da bricht al? das jahrlang Unterdrückte, all' das mühselig Ucberwundcne mit ungeahnter Vehemenz hervor. Sie weint nicht, o nein. Sie schluchzt ein innerliches, ihren armen, unkeuschen Leib erschütterndes krampfhaftes Weinen. Sie denkt nicht an den Vater, sie derckt auch nicht an di« Mutter. Sie läuft hinaus. Hinaus in die Unheil verkündende Nacht. Sie will ja nichts für sich. Sie will nur ihn retten. Bald ist sie an der Ecke, wo die Menge sich staut. Nun erfährt si«, daß Schmiße ihren Vater erschossen hat. Notwehr! Dann fahrt das Polizeiauto vor. Die Sipos springen von den Bänken.»Meitergehen, Ruh«,. Weitergehen..... ,... Ihre Augen irren umher. Und nun geschieht daS Ensetzliche.. Dar Grauenvolle.> Tas Unbeschreibliche.'®n»ei Polizisten schleppen zwei Männer mittels Polizeigriff zum Auto. Der eine, Doublä^kgon, zeigt«ine grinsend«, gleichwohl von Schmerz verzerrte Grimasse. Der andere aber ist Teddy. Da sinkt sie vornüber auf den im Laternenlicht opalschimmernden Asphalt. Sie erwacht. Sie liegt in der Wohnung ihrer Eltern.'Draußen graut«in grausamer Morgen. Aller ist ungewohnt sauber. Alle- ist ungewohnt geordnet. Lilo steht auf. Sie reckt die schmerzenden Glieder. Dann geht sie zu ihrer Mutter, die kleiner, vergrämter, vermickerter denn je am Fenster sitzt. Sie will ihr etwas Liebevolles lagen, will ihr sagen, daß sie für die Mutter arbeiten will... Da fühlt sie zurückschreckend, daß kein Leben mehr in den starren, kalten Händen ist. Dann geht sie in ihre Kammer. Wäscht sich sehr sorgfältig. Schminkt die Augenbrauen, di« Wimpern, die Wangen, die Lippen, selbst ein
Aktzritrloser weint. von Robert Oehler. OSkar ist vor kurzem Pom Büro nachhause glommen. Die Gemüsesuppe dampft schon auf dem Tisch, Frau Elly hantiert aber noch eifrig in der kleinen Küche an dem Vegetarier-Mittagessen: Karotten mit Kartoffeln. „Heute sind wieder zwanzig Angestellte in der Exportabteilung gekündigt worden", ruft Oskar hinaus.„Eine Stenotypistin wurde ohnmächtig, als sie di« Nachricht erhielt. Wie verlautet geringer Auftragsbestarch... Nächsten SamStag trifft eS die Arbeiter." Frau Elly kommt mit den Schüsseln herein. Oskar greift hungrig nach dem Löffel. Da ertönt die Klingel. »Mas ist?" forscht Oskar, da seine Frau «ine ganze Weil« nicht zurückkehrt. Beunruhigt geht er nachsehen. Frau Elly steht an der Tür. Auf dem Gange draußen hebt sich aus-dem Dunkel die Gestalt eines Mannes. „Hast du keine alten Schuhe?" wendet sich Fra» Elly an ihren Gatten.„Der Herr hier bittet dringend um ein Paar Schuhe!" ,^kommen Sie doch herein, junger Mann", sagt Oskar, hinzutretend.„Sie sind arbeitslos, nicht wahr?", „Jawohl, Herr. Schon vier Monat«. Haben Sie keine alten Schuhe? Verzeihen Sie, daß ich darum bitte. Ich kann aber nicht mehr..." Er zittert am ganzen Körper. Frau Elly schiebt ihm einen Sessel zu. Der Jung« sinkt mit halbunterdrücktem Stöhnen darauf. Verstört blickte er umher. Sein Anzug
ist eigentlich schon mehr«in Gehänge von Lum- Pen. Die Stiefel sind schwer von Straßenkot überkrustet. Geruch von Ungepflegtsein uno Un- ausgeschlafenheit, der Geruch großer Armut schwimmt durch das Zimmer. Es ist plötzlich kalt im Raum. « rau Elly wirft OSkar einen raschen Blick Skar nickt. Und so meint sie: „Möchten Sie nicht einen Teller Suppe essen? In dem Schneesturm draußen wird Ihnen etwas Warmes im Magen guttun.,.." Doch der Junge lehnt ab:„Bielen Dank, — nein, danke, ich habe noch einen Bissen Brot und Speck... Aber haben Sie kerne alten Schuhe?"— OSkar überlegt: Schuh«? Er blickt auf die Bein« des Fremdlings, der vor ihm kauert, rührt an dessen Fuß, bebt diesen ein wenig, hebt auch den arwern. Und da sie er, daß der Junge nicht mehr auf Leder» sondern auf dep nackten Fuß-Sohlen marschiert. „Um GotteS willen!" ruft Fran Elly,„Sie haben gewiß erfroren« Füße?" Der Bursch lächelt in ratloser Antwort. Seine Hände fallen verzagt über die Stuhllehnen. Die Mütze liegt auf dem Fußboden. „Seit drei Wochen bin ich unterwegs", erzählt er dann.„Aus dem Budweiser Bezirk. Ich war dort Landarbeiter. So bin ich her nach Prag gewandert, denn Arbeit zuhause gibt es keine. Arbeit mbt eS vielleicht überhaupt keine mehr auf der Welt. Nach Prag , dachte ich. Dort lebe« so viel« Menschen. Dort sind viele Häuser, Bahnhöfe, Wärmstätten. Aber nur nicht frieren, draußen auf dem Feld, an der Straße, im Waldgebüsch. Aushalten. Drei Wochen Weg. Nichts gefunden. Und jetzt Prag —?" Er nickt kurz.
„Nichts. Wieder nichts. Und so lauf« ich in Prag umher, die Schuhsohlen sind schon seit einer Woche durch.." Er bricht ab.»Hch kann nicht mehr, verzeihen Sie mir!" Sein Kopf sinkt auf die Brust. Er atmet tief und bang.> Oskar klopft ihm auf die Schulter:»süchtiger Junge... Freuen Sie sich aber, ich habe etwas für Sie!" Und während Elly den Fremden mit«iyem Teller Supp« labt, durchkramt OSkar hastig den Kasten. Und richtig, hier sind die Schuhe, fest, braun, fast ne«, mit dicken Sohlen. OSkar hat sie erst zweimal angehabt, sie waren für Sommerwanderungen bestimmt, doch der Sommer war heuer nicht danach, und nächstes Jahr wird wohl auch ohne sie auszukommen sein... Strahlend bringt Oskar di« Schuhe .„Fein, die werden Ihnen passen wie angegossen!" ruft er fröhlich. Mit einem lleinen Freudeschrei greift der Junge nach ihnen. Betastet sie, noch bebend, aber beinahe schon lächelnd. Dann spricht er mit der unnatürlich überhöhten Stimme der kaum Glaubenden:„Und sie sollen mein sein?" jawohl", lacht Elly,„und Sie mögen si« bald wieder zur Arbeit tragen!" „Was für ein Glück!" stammelt der Bursche, „ich danke Ihnen vom Herzen, vom ganzen Herzen!" ES schmerzt entsetzlich, aber eS muß sein: mit zögernder Vorsicht und ganz behutsam löst der Junge die Rest« seiner Fußbekleidung los. Der Verwesungsgeruch der ettrigen Beulen schlägt enwor. „Furchtbar..." haucht Frau Elly und lehnt sich an ihren Mann.
Schönheitspflästerchen vergißt si« nicht. Sie zieht sich sehr bedachtsam an. Stellt sich vor den Siegel. Und der Spiegel, brüllt ihr etwas ungeheuer Unflätiges ins Gesicht, etwas ungeheuer "Unflätiges, was sie später'-in viel gemeinerer Auflage aus den befriedigten Mündern dieser Männer hören wird. Sie geht hinunter. Auf der Treppe stehen die raunzend«»,, schnalzenden Klatschweiber mit ihren rachitischen Kindern, die anormal große Köpfe mit alten Gesichtern unwinzige, knochige Körperchen hahen. Eines der Kinder, ein kleines Mägdelein mit kleinen rat- renschwanzartigen Zöpfchen im Racke», tritt hervor und reicht ihr schüchtern die kleine Patschhand. ,Zante Lilo", sagt das Kind,„nu jehste nun kommst nich mehr Wieda . Sei man froy, nu krichste wenichstens keene Sänge mehr von deinem Ollen..." Bald ist sie unten, Bald ist sie in einem dumpfen Zimmer mit irgendeinem Schweine- mäster oder Ritzenschieber. Bald ist sie ganz gefühllos, stumpf. Und di« bürgerlichen Existenzen werden sie„vertiert" neunen.
Volkswirtschaft und Sozialpolitik Prager Produktenbörse.(Offi z i e l l e r Berich t v o m 5. I 8 n n er.) Die Produktenbörse eröffnete heut« sehr. unentschieden und reserviert. Am Getreidemarkte hatte das Angebot merkliches Uebergewicht und das Geschäft stockte aus diese« Grund« fast völlig. Die Käufer waren besonders im weiteren Verlaufe zu Geschäftsabschlüssen nur bei Preisnachlässen geneigt/ so baß die Weizenpreise um 2 bis 3 X, die Roggenpreise um 2 K zurückgingen. Gerste lag überhaupt geschästSloS, so daß keine Preisveränderung elntreten konnte. Hafer tendierte flauer und büßte, etwa 1, X ein. Die Preisbewegung am Getreidemarkte blieb nicht ohne Einfluß auf den Mehlmarkt, wo die Rückgänge ein noch intensiverer Maß aufwiesen. Weizenmehl stellte sich um 5 X, Roggenmehl um 3 X billiger. Am MaiSmarkte lag La Plata um.1 X fester. Auch Kleie und Futtermittel waren durch den Berbllli- gungsprozeß in Mitleidenschaft gezogen, Weizen- und Roggenkleie schwächten sich um 1 X ab. War die anderen Marktgebiete, anbetrifft, erfolgte eine neue Preisfestsetzung bei der Mehrzahl der Hülfen- frucht«, Kleesamen und Grassamen. Der Besuch war sehr gut, doch bewegte sich daS Geschäft auch heute in engen Grenzen.— Es notierten in X«: Rotwelzen böhm., A—83 Kg. ISO—153, 79—80 Kg. 145—147, Weizen gelb böhm., 76—79 Kg. 141—144. Weizen jugosl., 80—81 Kg. 136—488, Manitoba I 160—161, Roggen böhm., 69—72 Kg. 146—149, AuSwahlgerste 129—131, Gerste la 120—126. mittlere 117—119, Hinterindüstriegerste 98—100 Hafer böhm. 107—109, fehlerhaft 96—100, Donau- maiS 57—58, rumäm FüttermaiS 49—50, Futter. Mais La Plata 88-E, Erbsen.'Biktorta 200—28», gelb 180^-165, grün, gro^örn. 210^-240, kleinkvrn. 175-^-195, Linsen größkörN.' mähr. 400—4L0. mittler« 290-330, kleinkörn. 250—270, Bohnen 160—200. Mohn blau 450—480, silbevgra« 480—520, Tauboer 550—600, Kümmel böhm. 420—445, Holland . 420 bi« 430, Naturrotklee 550—1100, Rotklee, seidenfrei 1300—1450, Weißklee 900—1700, Heu böhm., u«gepreßt, sauer 59—81, süß Q6—68, gepreßt, sauer 6t bis 63, süß 68—70, Roggenstroh-in Bündeln, unge- preßt.49—51, Gersten- und Haferfutterstroh, gepreßt 48—50, ungepreßt 47—49,, andere Strohsorten, gepreßt 43—45, ungepreßt 42-^-44, Weizengrieß 258 bis 263, Weizenmehl Oll» 240-245, 0 220—225, Nr. 1 190-195, Nr. 4 155-160, Nr. 8 100—103, Roggen- mehl Nr. 0/1 225—229, 65% 209—212, Nr. II 125 bis 130, Nr. IV 98—100, Graupen Nr. 10—6 200 bis 245, Bruchgraupen 200—205, Hirse 200—203, Reis Burma II 165—175, Moülmain 250—270, Bruchreis 150—160, kanadisches Mehl 305—310, Weizenkleie 79—81, Roggenkleie 81---82, amerikanisches Fett 820—830, Eier"frische' böhm, und mähr. 45—48, slawak. 42—44, Posn. 39—42, Kalkeier 34 bis 36, frische Poln.(1440 Stück) in Doll. 14—17.
„Lauf schnell, hole Wasser, er muß die Füße waschen. Bring« ihm tauch rin Paar neue Socken..." flüstert OSkar, und sie eilt... Endlich ist der Junge mit dem Fußbad fertig und soweit, daß die Socken angestreift sind. Jetzt kommen die Schuhe an die Reih«. Es ist ein geradezu feierlicher Moment. Werden sie Passen? Drei leuchtende Augenpaare flehen sehnsüchtig: Ja» um Himmels willen, ja! Doch kraftlos sinken die Hände deS Burschen. Noch einmal versucht er, noch einmal versucht OAar: vergeblich. Die Schuhe sind zu llein. Eine Weile steht der Schrecken grau an drei Gesichtern. Dann schlägt der Jung« die Arme um den Kopf und wirft sich zu Boden, wälzt sich stöhnend umher wie ein angeschossenes Tier.„Endlich Menschen,«Mich, endlich,— und dann das.. Sein wildeS Schluchzen peitscht hemmungslos durch das Zimmer. Er weint ohne Rettung, das Gesicht in leidenschaftlicher Hingabe am Fußboden, die Stirn schtägt gegen die Bretter, die Tränen benetzen das Holz, der ganze Körper zuckt geschändet im Krampf sinnlosesten Schmerzes .-: v Plötzlich erhebt' er sich. Die Arme hängen wie zwei fremde Gegenstände, die Tränen fließen noch immer.. „Dank, Ihr guten Leute", sagt er tonlos, halberstickt,„Dank!" Und während di« Beiden noch immer wie festgebannt stehen, schlägt die Gangtür zu. Ohne Schuhe,' in neuen Socken, auf erfrorenen Füßen ist der Junge die Treppen hinunter gelaufen... Sie rennen zur Tür, auf die Stiege .- Sie springen auS Fenster. Ar spat.'