Sette 2 SamStag, 20. Feber 1932. M. 44. leicht geneigt sind, den verlogenen Verheißun­gen der Nationalsozialisten Glauben zu schen­ken, dem Einfluß der Fascisten entreißen und unter Führung der Arbeiterschaft zum Kampfe gegen sie mobilisieren. Die Wirtschaftskrise läßt die.Mächte der Vergangenheit Morgen­luft wittern und welcher Art Leute das sind, hat man in Harzburg gesehen. Es sind die früheren kaiserlichen Generäle, die Prinzen, Fürsten , denen die Revolution gegenüber so duldsam war, ihnen kein Haar zu krümmen und ihnen stzgar ihre Titel und Güter zu be­lassen, es sind die Führer der Großindustriel­len und Großgrundbesitzer, Volksfeinde und Scharfmacher aller Art, denen allen zusam­men die Landsknechthorden des Stahlhelm und der Nazis die Staffage machen. Beseht sie bei Licht diese Gesellschaft, die frech andere des Niederganges Deutschlands anklagt, es ist die­selbe,.die Deutschland in Krieg, Niederlage, Schmach und Unglück geführt hat. Hundert Milliarden Mark an Volksvermögen haben die alten Machthaber verpulvert und nun wagen es ihre Satrapen die Demokratie zu beschimpfen, ihr die Schuld an allem Unheil, von dem das deutsche Volk heimgesucht wird, beizumessen. Das alles tun sie und der von der Schwerindustrie bezahlte Propagandaappa­rat steht ihnen dabei zur Seite, um den Wert der Demokratie bei der Bevölkerung herabzu­setzen, wobei sie es verstehen, die Maske des Volkswohlwollens aufzusetzen. Dieser selbst vor den schmutzigsten Mit­teln nicht zurückscheuenden Hetze der alsAr­beiterpartei" maskierten Reaktion nicht mit aller Schärfe und Leidenschaft entgegenzutre- ten, hätte bedeutet, Recht und Freiheit preis­zugeben. DieEiserne Front" kam daher zur rechten Zeit. Die Parole zu ihrer Gründung hat auf die Massen mit elementarer Macht gewirkt und heute nach lvenigen Wochen schon darf man von ihr sagen, daß sie eine Zusam­menfassung der gewaltigsten Kaders ist, die es jemals in der Arbeiterbewegung gegeben hat. Vorläufige Aufgabe dieser Riesenarmee ist Erziehung und Aufklärung und dieser Auf­gabe wird dieEiserne Front" ip unzähligen und großen Versammlungen, die täglich im ganzen Lande abgehalten werden, gerecht. So­lange die reaktionären Parteienlegal" blei­ben und gegen die Demokratie mit demokrati­schen Mitteln anrennen, wird dieEiserne Front" den Kampf für die Erhaltung der Demokratie mit geistigen Waffen führen. Sie denkt nicht daran, dem Gegner, mag es auch ein so bösartiger wie der Fascismus sein, die Möglichkeit einer Auseinandersetzung und die Vertretung seiner Forderungen unmöglich zu machen und den Vertretern des republikani­schen und demokratischen Gedankens braucht um den schließlichen Ausgang einer solchen legalen" Auseinandersetzung nicht bange zu sein. Sucht die Reaktion die Demokratie ver­ächtlich zu machen, so muß es gelingen, die breitesten Massen davon zu überzeugen, daß nur das Mitbestimmungsrecht an der Gestal­tung der Geschicke des Staates und an sei­ner Verwaltung sie zu wirklichen Staatsbür­gern macht und daß der Fascismus das ge­samte Volk in ein Volk von eines jeden Wil­lens beraubten Heloten erniedrigen würde. 35 Jan Has/Der letzte Tag Ein äesdinntlidier Roman v Oshar Wöhrle (Setlaa»Der BLcherkre!«-, a. m. b. H., Berlin KW 61.) HierWo d,e Bratwurst den Schinken pre­digt", herrscht Munterkeit. Da schwirren die Witzworte auf, wie Völker blauflügliger Stare. Hier.Wo die Bratwurst den Schinken predigt", herrscht Gleichheit. Da entscheidet, um angesehen zu sein, nicht Name noch Stand, nicht Gepäck noch Gewand. Nicht einmal der Geldbeutel ent­scheidet. Da entscheidet lediglich die Gesäßbreite,, mit der jeder seinen Sitz auf der Bank r.rtei- digt. Vor allem jedoch entscheidet die Flinkheit uird Schärse des Mundwerks, der Schall und Prall, mit der Hinz und Kunz Binz und Bunz seine Meinung au den widersprechenden Schädel pfeffert.- Heut abend ubt die gesamte Gastschar ihre Kunst im Bolzemchießen an einem alten, ange­heiterten Bettelmönch, der, seinen prallgefüllten Schnappsack neben sich, allein am Katzentisch neben der Henkersäule sitzt, und, mit beiden Hän­den den Humpen umfassend, unter dicken Augs- deckeln hervor verschmitzt seine Widersacher an­lächelt, ihnen spornig Bescheid tut, und sie wl- chermaßeil zu immer neuen und immer tolleren Zurufen anstachelt. Schon sein Eintritt in den Keller war lär­mender gewesen als am Palmsonntag der ge- fchreiig begrüßte Einzug des Palmesels, wenn alle Christen sich ihr« Frommheit mit Blech­geschirren und Klopfhölzern von der Seele ras­seln und sonst noch allerlei Krach machen und Unfug stiften. Der, Schncizenhöfer hatte als Erster den frommen Pater die Treppe herunterkommen sehen.Ruhig im Geist!" hatte er da losge­schrien und vor lauter Freude seinen Becher ge­packt und ihn hochgeschwungen, so daß weitaus Die Demokratie ist nicht alles, sie ist nicht das einzige und letzte Ziel der sozialistischen Arbeiterschaft, aber sie allein verbürgt ihr in ihrem Emanzipationskampfe die notivendigen Aufstiegsmöglichkeiten. Darum wird sie die Demokratie auch mit anderen Methoden zu verteidigen wissen, wenn es der Reaktion ein­fallen sollte, zu putschen. In diesem Falle soll sie sich nicht einbilden, daß die Vernichtung der Demokratie ihr leicht gemacht werden wird, sie. muß vielmehr damit rechnen, daß die Intrigen, die sie gegen Republik und Ver­fassung spinnt, wie ein Spinngewebe zerrissen werden und die Gefahr einer Verknechtung durch den Fascismus mit allen tauglichen Mitteln abgelvehrt werden wird. Traurig, sagen zu müssen, daß auch die Rüstungen zur Entscheidungsschlacht mit den Todfeinedn der Freiheit, die Kommuni- st e n abseits st e h e n d finden. Und nicht nur, daß sie abseits stehen, wenden sie ihreRote Front " nicht gegen die Fascisten, sondern gegen die Verteidiger der Republik und gegen die Sozialdemokratie. Anstatt sich der großen Schuld bewußt zu werden, die darin liegt, daß der Fascismus ohne die vom Kommunismus hervorgerufene Spaltung nie­mals eine ernste Gefahr für die Arbeiterklasse hatte werden können, betätigen sie sich wei­terhin als Schrittmacher der finstersten Reak­tion. Aber auch ohne und gegen sie wird sich die Republik ihrer Feinde zu erwehren ver­stehen. Der von derEisemen Front" eingelei­tete Kampf zur Bewahrung der Demokratie ist ein Kampf nicht nur. für Freiheit und Recht, er ist auch ein Kampf um die politische Existenz Deutschlands . Am Ende der Bestre­bungen des Fascismus steht das Chaos, das Ziel derEisemen Front" ist die Zusammen­fassung der Kräfte für den Aufstieg des deut­schen Bolkxs'und für die Erhaltung des Frie­dens der Welt. Damm begleiten ihre Kämpfe die sozialistischen Arbeiter und alle ehrlichen Demokraten mit wärmster Sympathie. der Augenblick kommen, der das Ende dcS künst­lichen Lirakurses bedeutet. Die Zahlungsbilanz Italiens , die zum Unterschied von der Handelsbilanz die Ge­genüberstellung aller eim> und auSströmenden Zahlungen ist, weist für das vergangene Jahr em Defizit auf. Der unsichtbare Exponent, also jene Einkünfte, die im Zusammenhang mit dem Fremdenverkehr stehen, zeigen«inen Rückgang um 60 Prozent. Während es durchschnittlich 100 Millionen Dollar waren, di« ausländische Tou- risten in früheren Jahren nach Italien brachten, betrug der Gewinn, den die Wirtschaft 1931 aus der Fremdenindustrie ziehen konnte, nur noch 30 Millionen Dollar. Die italienischen Emi­granten, die früher ihre Ersparnisse in die Hei­mat sandten und in den italienischen Banken und Sparkassen anlegen ließen, haben das facsci- stische Italien im Stich gelassen, der Rückgang dieser von den Auswanderern stammenden Be­träge gegenüber der vorfascistischen Zeit wird mit 120, Millionen Dollar berechnet. Früher wurde die Aktivität der Handelsbilanz durch die .Erträgnisse der italienischen Handelsschiffahrt aufrecht erhalten. Auch das fällt bei den beu- tigen Zuständen wetz, die Schiffahrt Italiens befindet sich im Stadium des Zerfalls, di«Na­vigation« italiana" hat mit den größten Schwie- riAerten zu kämpfen und nur durch die Fusion der drei wichtigsten Schiffahrtsgesellschaften des Landes wurde der Zusammenbruch vermieden. Kem Wunder, daß dort, wo die natürlichen Quellen der nationalen Wirtschaft versiegen, die Hilfe des Auslandes in Anspruch genommen werden muß: Italien , das vor der staatlichen Machtergreifung des Fascismus fast keine aus­ländischen Schulden hatte, hat nn Verlauf von drei Jahren Anleihen im Betrage von 20 Milliarden tschechischen Kronen aus­genommen. Ein Budgetdefizit von 1700 Millionen Lire , ein jährliches De­fizit der Provinzen und Gemeinden von zwei Milliarden, vermehren auch die innere Schuld des Staate-, di« den Betrag von 92 Milliarden Lire -bereits überschritten hat. Die Krise der Privatbank» Ein interessanter und' für die Lag« der italienischen Banken äußerst charakteristischer Spezialfall ist dieBanca Commerciale Jtali- ana". Sie steht im Mittelpunkt des gesamten wirtschaftlichen Lebens Italiens und verfügt über 113 über das ganze Lapd verbreitete Filialen, viel« Banken des Auslandes, nament­lich Kreditinstitute der Balkanländer, aber auch dieBanca Commerciale Trust Company" in den Bereinigten Staaten, werden ganz oder vor­wiegend von ihr beherrscht. Kurzum ein Untere nchmen, das für Italien ähnlich« Bedeutung hat, wiä dieDeutsche Bank und Diskontgesellschaft" fstk das Deutsche Reich. Die Banca Commer- riale war von Anfang an dazu auserschen, als Werkzeug des Fascismus alle Unternehmungen des Regimes zu unterstützen, das heißt, dazu bei­zutragen, die wahre Wirtschaftslage des in Grund und Boden regierten Staates vor den Augen der in- und ausländischen Oeffentlich- keit zu verschleiern. Der Banca Commerciale fiel demnach die ehrenvolle Aufgabe zu, allen nur möglichen faulen Geschäften die Sanktion zu er­teilen, die Kurse der schlechten Papier« zu halten und diejenigen Papiere zu lanzieren, deren In­haber zu der bevorzugtesten Schicht der fasci - stischen Wirtschaftsführer gehören. Durch solche Manipulationen büßte die Bank ihre Finanzkraft ein, aber die fascistijchen Bonzen bereicherten sich in unerhörtem Maße, Millionen Lire flössen in ihre Taschen, Bom einstigen Glanz derCom- gen für heute und sich ihre schmalzigen Stim­men morgen fürs Ausrufen befchonen!" Warum für morgen? Sind die Läufer zum Brevierbeten zugelassen oder gibt's was Neues und Geistlichs auszufchreien?" Freilich, freilich! Der Hus wird als Ketzer verbrannt!" Mach Spaß!" Nein, voller Ernst, Pater Pirmin. Mit dem Böhmen ist es Matthäi am letzten. Der hört morgen das Halleluja in Teufels Küche singen!" Schad' um den Mann! Aus dem hätt' was werden können! Hätt' ich sein« Gabe ge- habt, ich meine die des Wohlredens, ich Ware längst schon Fürstabt, müßte nicht mehr auf Bet- telfahrt, hätte hundert Faß Wein im Keller und' brauchte mich nicht mchr mit euch futterneidi­schen Scheißkerlen herumzuquengeln. Aber er verstand die Haupffache nicht, der gute Hus!" Welche Haupffache?" Das Augenzudrücken.' Er hat geblasen, was ihn nicht brannte. Nun hat er den Salat. Merkt's euch, ihr siedigen Ketzer, nehmt es zur Warnung, beleidigt nie etwas Geistlichs!" Warum nicht?" ,,£> du von der Wurzel auf verdorbener Ttockzahn, warum nicht! Darum, well schon auf der ersten Seite der Bibel siebt: Rüh-et k«i» Mönch an. sonst knappen alle Kuttenzipfel bis nach Rom !" Prost, Pater Pirmin!" Prost! Prost!" Der alte Bettelmönch wird beinahe nicht mehr fertig mit Bescheidtun und Zutriuken. Uli Wüst bringt einen neuen Humpen. Der Pater schaut nachdenklich das Hambacher Blut an: (Fortsetzung folgt.) Streiflichter M Mussolinis Wirtschaft. Die Lebenshaltung im Fascisteustaat. Als Brüning seine letzte Notverordnung erließ, deren wichtigste Folge für Arbeiter und Angestellte die Kürzung ihrer Löhn« und Ge- hältet« bedeutet, da war er gar nicht so originell, wie cs vielleicht erscheinen konnte, sondern ein Schüler Mussolinis, dessen Regierung schon zum wiederholten Male durch Dekrete für den Gesamtstaat gültige Lohnkürzungen aller Arbeiterkategorien verfügt. Erst vor wenigen Monaten wurden die Stundenlöhne der italieni­schen Arbeiterschaft um 12 Prozent gekürzt. In keinem Lande Europas geht es den Arbeitern schlechter als in Italien,/und nur in Pilsudski - Polen ebenso schlecht. Ein gelernter Arbei­ter verdient 3.30 KS in der Stund «, im Mo­natsdurchschnitt 560 Ke. Noch schlechter geht es den Landarbeitern, sie verdienen nach der amt­lichen Statistik 2 bis 2.50 KL, die Frauen 1 bis 1.60 Ke pro Stunde. Es ist nur zu begreiflich, daß derart schlecht bezahlte Arbeiter ein äußerst dürftiges Dasein führen, daß sie nicht einmal die' lebenswichtigsten Ausgaben bestreiten kön­nen. Dazu kommt noch, daß trotz der niedrigen Löhne die L e b e n s m i t t e l in Italien stfft ausnahmslos t e u e r e r si n d a l S bei u n S. Wir haben bisher immer geglaubt, daß wir dank der famosen Dumpinapvutik unseres Zucker­kartells den höchsten'Zuckerpreis in ganz Europa bezahlen. Bon Italien werden wir überflügelt. Da dort ein Kilo Zucker 10.50 Ke kostet. Die Mieten find gleichfalls außeror­dentlich hoch, ein scAecht möbliertes Zimmer kostet ohne Frühstück gegen 560 Ke. Man kann sich vorstellen, wie unter solchen Lebensbedin­gungen Ai B. die weiblichen Angestellten darben müssen, wenn sich der Monatsgehalt der Steno­typistinnen zwischen 600 und 1000 Ke, der der Verkäuferinnen zwischen 380 und 1100 KL bewegt. Noch bedauernswerter ist das Schicksal der Arbeitslosen Italiens , deren Zahl nun bald die volle Million erreicht haben wird. Zwei Drittel von ihnen bleibt jede staatliche Unterstützung versagt, das bevorzugte Drittel der Arbeitslosen, das täglich den hohen Devsiche- rungSbeitrag von 3 KS im Landesdurchschnitt,' also einen vollen Stundenlohn, gezahlt hat, erhält eine staatliche Unterstützung, deren Höh« zwischen 2.20 bis 5.50 liegt, wobei ein Brot 3.30 Ke kostet. Trotz der sprichwörtlichen Be­dürfnislosigkeit der Italiener, bleibt es ein Rätsel, wie jene Leute, die keine staatliche Unter­stützung genießest, ihren Lebensunterhalt finden. Gustav E b« r l e i n, ein nationalistischer Jour­nalist, dessen BuchDer Schmied von Rom " eine einzige Verherrlichung des Fascismus dar­stellt, also«in, Mann, der sogar demTag" zuverlässig erscheinen kann, gibt imBerliner Lokalanzeiger"(Nr. 3, 1932) auf diese Frage folgende Antwort:Hat man gar nichts, so geht man halt aufS Feld und rupft sich ein bißchen Grün aus." Der Sustand der Finanzen. Mussolini hat die Lira stabilisiert, er er­öffnete di«battaglia de la Lira", dieLira- schlacht", deren Zweck es sein sollte, den Kurs der Lira zu festigen, und erklärt« großmäulig, daß man die Lira mit den Zähnen verteidigen müsse. ES wurde auch wirllich allerhand getan, was scheinbar zur Stützung des Lirakurses, in Wirklichkeit aber zum Ruin der italienischen Finanzen geführt hat. Die Banca d'Jtalnu die, italienische Notenbank, kaufte die Ära in Paris , New-Aori und Amsterdam , auf allen Börsen der Well zusammen, um eine künstliche Lirahauss« herbeizufuhren. Diese Prestigepolitik, die nirgends so angebracht wie in der Wirtschaft ist, hat di« Banca v'Jtalla mit dem größten Teil ihrer Reserven bezahlen müssen:. Gold- Reser- Gesamt­vorrat ven bestände In Millionen Lire 1927(Jahresdurchschnitt) 4.547 7.550 12.094 1930(Jahresdurchschnitt) 5.297 4.237 9.624 30. Juni 1931.... 5.868 3.923 9291 31. Oktober. 1931... 5.625 2.436 8.061 10. Dezember 1931.. 5.625 2.302 7.927 Geht die Entwicklung so weiter, so ist anzu­nehmen, daß mit einer Auszehrung der Bank­reserven zu rechnen sein wird. Dann wird auch die Hälfte des Nierlingers der sandgestreuten Diele zugute kam:Ruhig im Geist, ihr Don­nersieder, und spitzt die Ohren! Ich hör's am Getrappel der Plattfüße, es kommt was Geist­lichs!" Du hörst's, Schneizenhöfer, ich leider riech's!" Dieser Ruser war Schulzheiri, der Einbeinige, der den Staffeln am nächsten saß, und der die unförmigen, schmutzverkrusteten Mönchszchen, die immer tiefer zu ihm hernieder- kasnen, mit unverholenem Widerwillen betrach­tete, sich dabei schließlich mit Daumen und Zeigefinger die Nase zuhaltend. Du mit deinem verwitterten Gottsall- machtszircken!" schrie daraufhin Stösst, ein Läu­fer Bischof Ottos,du und riechen! Jetzt braucht nur noch ein Blinder herzukommen und zu sagen, er sieh t's; dann ist der Schwindel fertig." Der Mönch, Pater Pirmin, stand schnau­fend am Fuß der Treppe und klemmte die Augen ein, um sich an das Halbdunkel im Raume zu gewöhnen. Gleich darauf öffnet« er sie wie­der, drehte sie, heilig tuend, über sich zur Decke, hob seine> großen, breiten, fleischigen Handschau­feln und plärrte singend, als zelebriere er ein feierliches Hochamt. Fangt, vielwerte allhier Versammelte, nicht Händel an der armseligen fünf Sinne wegen. Ob ihr mich nun hört,'riecht, schmeckt, fühlt oder seht! Nehmt meine sündige Haut, so wie sie hier in der Kutte vor euch stcht, als un­bestreitbare Tatsache hin. Erinnert euch an das Wort, das geschrieben steht: Ein Schweißfuß kommt selten allein. Findet euch ab damit, daß meine zu zweit kommen! Aber bevor wir wei­ter fortfahren in diesem Text, tut erst, ivas unter ehrlichen Christenmenschen üblich ist und entbietet mir als Gesalbtem des Herrn den apo­stolischen Grüß!! Oeffnet die Tore eurer Mäu­ler weit und saget verklärt..." Gelobt sei Jesus Christus!" brüllte, mit allen Bechern rasselnd, die Pfaffenkellerbarcke. _ ,Ln Ewigkeit, Amen!" antwortete der Mönch, segnete sich zuerst und darauf die andern. Dann, während aller Augen ihm folgten, humpelte er an seinen Tisch und nahm umständ­lich Platz, im Niedersatz ausächzeno die Fülle sei­nes Wanstes bändigend. Schlechte Zeiten für MönchSleute!" sagte er, ,Me Bauern machen seit neuestem ihr« Kin­der selber!" Zu bestellen brauchte er nicht; Uli Wüst, der Wirt, brachte ihm unaufgefordert einen Humpen, in welchem«S rötlich schimmerte. Pater Pirmin trank nämlich niemals gelben. Das erinnerte kh» zu sehr an Gold, und Gold widerstrebt« einem seiner vier Gelübde, nämlich dem der Ar­mut. Doch zum Ausgleich vertilgte er vom Roten um so ansehnlicher« Mengen. Sein erster Schluck war erstaunlich groß und, trotzdem der eines Kenners. Genießerisch ließ er sich das Hambacher Blut über die zahnlosen Kiefer lau­fen, schmeckte kleinschluckig mit dem Gaumen nach, zog die Augen zu vergnügten Ritzen und hob den Humpen ein zweites Mal gegen die An­wesenden: Prost, ihr Herren! Noch einen Schluck! Denn nichts schmeckt unversucht, sagte der Abt zur Jungfer!" Und was sagte die Aebtifsin?" schrie Stösst. Ich habe zu sehr gefastet! sagt« sic. Sonst wüßte ich keinen Gründ, oaß mir der Bauch schwillt!" ,^Jch wüßte einen andern!" kräht Stösst zurück. ,Hast du ihn schon bei einer Beguine pro­biert?" lächelt der Barfüßer. Das grade nicht." ,/Dann halte bitte dein vordrängend Maul! Denn mitzureden haben hier nur ausgewachsene Männer, nicht Nuggelkistder, denen noch die Nachthafenringe am Hintern hängen!" Bravo , Pater, gib's ihm!" schreit der Schulzheiri. ,/Diese Bpchossläufer sollen schwei­