Mr. 169.

Das ,, Palio" von Siena .

Dienstag, 19. Jul 1982.

Ein beschämender und unerträglicher Zustand.

Die Dienstverhältnisse der Angestellten der allgemeinen Öffentlichen Krankenhäuser.

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Eine hervorragende Stellung im öffentlichen Leben nimmt auch der Barbier ein. In der Türkei scheint die Kunst des Selbstrasierens sehr wenig verbreitet zu sein, anders läßt sich die un­geheure Zahl der Barbierstuben nicht erklären. In den belebten Straßen findet man nahezu in jedem Haus eine; sie werden früh geöffnet und um eff Uhr nachts kann man sich auch noch verschönern las sen. Eine polizeiliche Sperrstunde gibt es nämlich als er glaubt, noch etwas verkaufen zu können. nicht und jeder Geschäftsmann hält so lange offen,

nachdem, welcher Contrada" sie angehören, wel- Laujejunge, jedes größere kind, furz: jebermann cher der Sieg winkt. Eifernde Rufe, efstatische stellt bei jeder nur möglichen Gelegenheit seinen Fuß Von J. Fr. auf das Kästchen des Schuhpuyers, zahlt seine fünf Schreie, dumpfe Flüche, ein wild zitterndes Biaster und geht nach einer langwierigen, aber Das ist ein Spiel der großen Tradition.| Meer von geredten Armen. Das ist der Sturm. Zweimal im Jahre findet es statt, nein, wird immer wieder die Vielheit der Farben und Töne Leben oder, um ein Siegerband? Es geht ums Das archaische Thema der Fanfaren hält Der Atem steht einem still. Geht es hier um höchst erfolgreichen Prozedar wieder weiter. Denn dieses Reinigen der Schuhe wird förmlich zelebriert. gefeiert, aus vollem Herzen, unter Teilnahme majestätisch zusammen. Nun tommt der zweite Leben. Ein Reiter stürzt. Ein weinender Auf- gibt es allerlei Salben, Basten und Lacke, die in In einer ganzen Batterie von Fläschchen und Dosen der ganzen Bevölkerung, als ein Ereignis, wie tiefe Einschnitt, der dem frenetisch entfesselten schrei kommt von den Leuten der Contrada nur ein Volk der Leidenschaften seine schönste Finale vorangeht: Der Zug ist zu Ende, die" Cupa". Ihr Reiter stürzte. Aber das Pferd schmiert werden. Mit einer Singebung sonderglei­einer bestimmten Reihenfalge auf die Schuhe ge Leidenschaft feiern kann. Zweimal im Jahre nur, malerischen Trachtengruppen haben sich auf der macht das Rennen führerlos weiter mit. Weiter den übt so ein Schuhpußer seinen Beruf aus, Anfang Juli und Mitte August, aber der Wett Mitteltribüne vor dem Rathaus aufgestellt. die Jagd, der frenetische Taumel. Der Reiter des bußendemal fährt er liebkosend mit Bürsten und streit unter den Contraden", den einzelnen Stille ist, eine Pause, in der die fantini", die Stadtteils Onda" ist voran. mittelalterlichen Stadtteilen, flammt auf, als das Reunen machen sollen, ihre Ritterrüftung halten? Alle vom Stadtteil Onda" beten zur man sich darin spiegeln fönnte. Wird er durch Lappen über den Schuh, bis dieser so glänzt, daß gelte es wieder, die Freiheit Sienas zu vertei schnell mit dem leichten Jockeigewand in den Madonna und allen Heiligen, halblaut und Sigen. Und zu Tausenden kommen dann die Farben der einzelnen Stadtteile vertauschen. schreiend. Den Teufel dazwischen wünschen Wehe dem, der es wagt, mit ein bißchen ver­Fremden. Aber diese Stille iſt ungeheuer dramatisch, un- ihnen die andern. Aber der erste kommt jetzt staubten Schuhen durch die Straßen zu gehen. So­Das Palio Spiel ist nach dem Ausspruch geheuer bewegt. Eine angstvolle Spannung, wie durchs Ziel. Ungeheuerster Ausbruch der Leiden- fort beginnen sämtliche Schuhputzer, die des Her der Fachkenner vielleicht die farbigste und stärkste aus jener Zeit, in der es beim Palio- Spiel auf schaften. Es ist der Fantino" des Stadtteils tommenden ansichtig werden, mit den Bürsten auf Sinfonie im Freien, die ein Volk aufführen diesem Plaz um große politische Kämpfe ging. Onda". Leute aus diesem Stadtteil umarmen ihre Raften zu klappern; bleibt diese Mahnung fann. Sie wird auf jener Piazza del Campo " Unterdrückte Schreie der Erwartung, Rufen in fich schreiend. Manche haben wirklich und uns ohne Erfolg, dann wird durch einen mit reichlichen gespielt, deren Anblick noch nach fernen Jahren allen Tonlagen, Stimmgewirr, Sin- und Ser- faßlich Tränen in den Augen. Tausende springen Gesten unterſtützten Redeſchwall ein zweiter Versuch Dante und Boccaccio sie besingen, sondern ein- wogen der Maffe von etwa 30.000 Menschen. über die Barriere. Alles ist entfeifelt. Alles unternommen, und nüßt auch das nichts, dann folgt Sochgefühl von Glück und Beseligung darüber, Nun recken sich alle Köpfe: die Renner sprengen schreit, singt, flucht, wogt wild durcheinander. ein Blid unsäglicher Verachtung dem Schmugian. daß es einem vergönnt war, sie zu erschauen. zum Start an, das Palio, ein farbiges Ehren­Langsam, ganz langsam verklingt das brau So ein Schuhputer ist aber auch imftande nachzu­Nicht, weil so viel Geschichte daran hängt, weil band, wird am Ziel aufgepflanzt. Ein wildes sende Thema dieser unvergleichlichen Sinfonie: geben, seinen Kasten über die Schulter gehängt, oder Dante und Baccaccio fie befingen, sondern ein- und leidenschaftliches Thema hebt in der Masse In abziehenden Gesängen, in jern hallendem sich in einem Kaffeehaus vor dich hinzusetzen: fach deshalb, weil sie so boll edler Schönheit ist. an. Das gewaltige Thema der Masse herrscht Jubel, in Feiern, die sich durch Gassen und tumm, ohne ein Wort zu reden, und abwechselnd In der Mitte dieses stolze Stadthaus mit seinem jetzt allein, bis zum Ende, vor. hohen seitlichen Turme( der berühmte ,, Torre del Gäßchen hinziehen. In das Verklingen gibt noch in deine Augen und auf deine Schuhe zu bliden. Die Renner flißen los, dreimal um die ge- einmal der gewaltige Glodenklang vom Stadt. Bis du schließlich nachgibſt. Mangia"): leicht schwebend, elegant in aller fährlich steile Rundbahn. Zehntausende von hausturme den erhabenen Kontrapunkt hinhal­wuchtigen Kraft, für die Dauer von Jahrhun- Stimmen delirieren chaotisch, unheimlich sich stei- lend über den langsam sich leerenden Platz der derten versprochen und von blutiger Geschichte gernd. Freudige und wütende Stimmen, je reinchen mittelalterlichen Schönheit.. der Jahrhunderte umwittert; von Bürgerfämp fen und Tyrannenherrschaft und Freiheitskämp fen ein stummberedter Zeuge. Und ringsherum, ein wahres Amphitheater bildend, die anderen Paläste. Denn wie eine offene Muschel wölbt fich der Platz nach den Palästen hinan. Er ist von herrlicher Geschlossenheit, so daß nicht ein mal die meterbreiten Zugänge als Gassen sicht­Es ist hoch an der Zeit, daß in den Dienst- Die Nachahmung des preußischen Beispiels bar sind, sondern wie kaum fühlbare Atempau- verhältnissen der schwer bedrückten Krankenhaus bei uns wäre um so dringlicher, als in der sen des Monumentale wirken. Das ist eine angestellten endlich eine Wandlung einträte. Tschechoslowakei die In kleineren Orten sind Schenke und Barbier­Zaubermuschel, die an sich schon von Musik er Insbesondere die Lage der Bediensteten in den Krankenhäuser nicht nur in Gehalt und Arbeits- einzigen Raumes ein fleines Tischchen, darüber an Angestellten der a. ö. stube eines. Dort steht dann in einer Ede des füllt ist und jede Vielfalt der Töne vollendet a. ö. Krankenhäusern spottet jeder Beschreibung. zeit nicht den leisesten Fortschritt zu verspüren der Wand meist ein sehr hergenommener Spiegel füllt ist und jede Vielfalt der Töne vollendet widerschallt. Die Mehrzahl dieser Bediensteten arbeiten bekommen, sondern auch noch Also beginnt die musikalische Bielstimmigkeit wölf bis vierzehn Stunden täg und davor meist ein sehr defekter Lehnstuhl, und des Palio, diese Sinfonie aus Farben und- lich gegen eine Entlohnung von 350 der Friseurladen ist fertig. Die Barbierschüssel aus nen: Das Vorspiel wächst aus fernen Stadttei- Kronen monatlich. Von dem geringen Email oder Blech, neben dem Spiegel aufgehängt, len näher und näher zum Echo sammelnden Taggeld, das ihnen auf Grund einer Regierungs­dient als besondere Zierde des Raumes. An den Muschelplatz, mit heroischen Trommelwirbeln, verordnung aus dem Jahre 1926 ausgezahlt Die sogenannten Dienstwohnungen bestehen an übrigen Tischen wird getrunken und gewürfel:. mit dumpfem Rufen und Getose, mit hellem wird, wird ihnen noch für die Verköstiden a. 5. Krankenhäusern vielfach aus finsteren Kleinasiens eine Frau sehen. Eine Ausnahme Nie wird man in einem öffentlichen Lokal Glockenschlag von Kirchen. In den Kirchen drin­gung monatlich 210 Kronen abge­nen, nicht etwa vor ihnen, werden in jeder Kellerräumen. In einer nordböhmischen An- bildet da nur der neue Teil der Hauptstadt Ankara , zogen, wobei in manchen Krankenanstalten Contrade" das Rennpferd des Stadtteils und der tatsächliche Aufwand für diese Verköstigung stete in einem solchen nassen eller loch wird. Sonst aber werden die Kaffeehäuser und stalt mußten drei männliche Bedien der absichtlich und mit allen Mitteln europäiſiert fein Reiter eingefegnet. Zehn Rennpferde der nicht einnial so viel ausmacht, so daß also die wohnen; als einer von ihnen heiratete, brachte Gasthäuser von Frauen nicht betreten. ehn Contraden, die diesmal am eigentlichen Anstalt noch an der Verpflegung des Bedien- er auch noch seine Gattin dahin mit( mit Be- würden es die Frauen tun; die Männer aber er­Vielleicht Rennen teilnehmen, werden mit allem kirchlichen steten verdient. Mit Ausnahme der Ver- willigung des Verwaltungsausschusses!), und lauben es nicht. Die Eifersucht, wohl weniger aus Bomp eingefegnet. Man hört die Marschtritte waltungsbeamten fann kein Krankenhausbedien erst als sich Familienzuwachs einstellte, durfte dem Gefühl der Liebe als aus dem des ungestörten der Anrückenden, der Straßen Stimmen, die wie steter mehr das Definitivum erreichen es gibt die nun dreiföpfige Familie die Kellerwohnung Besizes entstanden, beherrscht in hohem Maße die in firchlichen Responsorien hallen. Nun schwingt Leute mit 10 bis 15 Dienstjahren ohne An- allein inne haben. Heute noch wohnt er mit türkische Männerwelt. Auf der Ueberfahrt von das Thema in. ein heiteres Tempo über: Die stellungsbrief. Frau und zwei Kindern dort! Wenn man nun Stonstantinopel nach einem leinasiatischen Hafen­Massen, die in den einzelnen Stadtteilen ihre Es ist unerhört, daß die Verwaltungsaus noch erfährt, daß in dieser ungesunden und verstädtchen des Marmarameeres ereignete sich folgen­Pferde und Reiter begleiteten, drängen auf den schüsse der a. ö. Krankenhäuser bis heute unge- wanzten Wohnung die ganze Familie tränkelt, der Fall: Auf dem Deck saß ein türkisches Ehepaar. Play. Gezwitscher und Geschrei. Einschneidendes straft das Gesetz über den Achtstundentag miß- so wird erst recht die unhaltbarkeit eines zu Die Frau, jung und hübsch, war wohl nicht ganz Kanonensignal. Darüber hin das Aufbrausen achten dürfen. Die Krankenhausbediensteten standes sinnfällig, der die Bediensteten von An- verschleiert, aber sie hatte Stirn und Stinn verdeckt. der Stimmen, abgehackt daneben die singenden arbeiten durchschnittlich 72 Stunden in der stalten, in denen Hygiene die erste Blöglich war sie verschwunden. Wie man später er­Rufe fröhlicher Straßenhändler. Szenen von Woche, ja noch darüber, durch die gestiegene Bflicht ist, fanitäts- und polizeiwidrig zu fuhr, hatte sie der Mann in die Kabine einge­Lachen, Singen und verwandtschaftlichen Umar- Frequenz an Stranten bei gleichbleibendem Per wohnen und ihre Kinder förperlich verkümmern sperrt, weil ein Mitreisender die Bedauernswerte mungen. Fröhliche Farbigkeit einer sommer- sonalstand. Von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends, zu lassen. bunten, fast schon fiebernden Menge. Auf den mit einer einstündigen Mittagspause, versehen ein bißchen auffällig angegudt hatte. Tribünen, die vor den Palästen aufgebaut sind, diese Bediensteten ihre schwere Arbeit, die wei- Es muß nun endlich dafür gesorgt werden, spiegelt sich heiter das lustvolle Fieber der ter durch Nacht- und Sonntagsdienst daß das Personal in den Strankenhäusern, die Einige hundert größere und kleinere Steine auf Menge. Viel Eleganz stellt sich zur Schau. noch verschärft wird. Diese Verhältnisse, an und doch auch für diese Humanitätsan freiem Feld durcheinanderliegend, das ist der tür Doch jetzt überkreuzen sich die musikalischen für sich schon beschämend, werden unerträglich stalten sein müssen, materiell und seelischtische Friedhof. Gewiß, es gibt auch Fried Themen. Das Geivirr der Stimmen, Tambours angesichts der allgemein herrschenden Arbeits- entlastet wird, um mit Lust und Kraft die höfe mit regelrechten Grabhügeln und Grabsteinen und Gloden ergibt eine dramatische Steigerung: losigkeit. Gewiß kann bei der Eigenart des schwere und aufopfernde Arbeit des Stranken- die Inschriften sind häufig mit Bleistift geschrie­die Rennbahn. rings um die ansteigende Muschel- Serankenhausdienstes dort der Achtſtundentag dienstes leisten zu können. Heute ist der Stran- ben, aber das sind die Ausnahmen, die man nur tiefe des Plates wird freigemacht. Das Bolt oder gar die Bierzigstundenwoche nicht mit fenhausbedienstete, zwischen den Verwaltungs- in größeren Orten antrifft. Oft findet man einige ( das sich keine Tribünenpläße leisten kann, aber einem Schlage erkämpft werden. Aber eine radi organen stehend, eines der geprüftesten Opfer Steine, die auf Gräber weisen, mitten auf der freien Zutritt auf den Blaß hat) wird in die fale Besserung in den Verhältnissen, in denen des Bürokratismus in der Tschechoslowakei . Straße oder auf einem Platz. Die mohammedani­Sentung des Plates abgedrängt. Aufs allerhöf- diese Menschen leben, muß sofort in Angriff ge- Beschwerden beim Verwaltungsaussche Religion erlaubt die Bestattung überall; sie ber­lichste übrigens. Dort singt nun dieser unbezahl- nommen werden. Uebrigens muß jenen, die der schuß werden an die Landesbehörde ver- bietet aber das Auflaffen der Gräber ebenso wie bar agierende Chor mit einem unsagbaren Ge- Forderung nach dem Achtſtundentag für diese wiesen, die keine Forderung bewilligt, und Beiseyungen. Das erklärt Zahl und Ausdehnung leucht von Farben und Tönen. Ein stummer arbeitenden Menschen mit allen möglichen Vor- Interventionen bei der Landesbehörde birekt der türkischen Begräbnisstätten und die Grabstellen Spannungseinschnitt: klirrend und funkelnd wänden auszuweichen suchen, entgegengehalten werden an die Verwaltungsausschüsse zurück- inmitten von Häusern. reitet eine Stompagnie Carabinieri prüfend die werden, daß an den preußischen Reli- geleitet, die alles beim alten Taffen. niten bereits für das gesamte

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unter Wohnverhältnissen leiden, die man. allgemein als geradezu kulturwidrig be zeichnen muß.

Darum ist es hoch an der Zeit, daß das Gesundheitsministerium sich seiner Pflichten gegen diese so unendlich wichtige Ange­stelltenkategorie erinnert und sich mit der Novellierung der alten Regierungsverord­nung beschäftigt,

Sonst aber wird man mit Erstaunen gewahr, daß auf Friedhöfen der Begriff der Pietät in unfe rem Sinne völlig unbekannt ist. Die Friedhöfe sind nicht abgegrenzt, man vermag jie an jeder Stelle zu jeder Zeit zu betreten; ungeniert spielen die Jungen Fußball zwischen Grabsteinen und Schafe weiden auf Grabhügeln.

steile und gefährliche Bahn ab. Feierlich und Pflegepersonal die 48- Stunden­getragen seht das große sinfonische Thema ein: o che eingeführt ist. Ueberstunden sind Mit pompöfer Wucht erschallen Fanfaren. Der dort nunmehr grundsätzlich verboten und dürfen farbige Zug aller Contraden, auch der nicht am nur ausnahmsweise( etwa zur Beseitigung von Rampfe teilnehmenden, aller neunzehn Stadt- Betriebsstörungen oder zur Erledigung unvor teile Sienas also, bewegt sich auf die Rundbahn hergesehener Arbeiten) geleistet werden. Diese zu. Mit wahrhaft trompetenden Triumphfarben. Verbesserung der Arbeitsverhältnisse an den damit die Krankenhausbediensteten, insbesondere Die große Glocke vom Stadthausturme macht preußischen Krankenanstalten hatte weiter die die in den allgemeinen öffentlichen Anstalten, so erschütternden Contrapunkt dazu. wertvolle Folge, daß 380 neue Arbeits- bald wie möglich wenigstens zu einer teilweisen Ein mittelalterlicher Zug verkleideter Bür- fräfte eingestellt werden mußten. Verbesserung ihrer Verhältnisse gelangen. gersöhne aber sie sind ja alle fürs große Theater geboren. Welche Gesten, welche Schritte, welche Grazie der Bewegung! Nie sah ich Fah­nen in allen Farben zu solch elegantem Tanz­spiel gehandhabt wie bei diesen Pagen, die ihren Rittern die Fahnenschwinger machen. Das ist ein wahrer Jubel von Fahnen und Farben. Sie schwingen sie, immer zu zweien und im Tanz­schritt, um die Arme, unter die Achselhöhlen, Bergebens wird der Reisende in den Gasthöfen felnde Waſſer. Ein bißchen unbequem, aber eine scha( mohammedanischer Geistlicher), der Gläubige unter die Striefehlen her. Immer muß dabei die Kleinasiens in seinem Zimmer einen Waschtisch gute gymnastische Uebung. Fahne breit im Winde flattern. Sie werfen den mit den dazugehörigen Behelfen suchen. Den gibt es

Kleinasiatische Merkwürdigkeiten.

Zweierlel Sauberkelt. Frauen und Friedhöfe.

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Lotteriespieler. Von Karl Ausch .

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Photographierte

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Was machen alle die Männer mit den eigen­beren Kugeln sie durch die Finger gleiten laffen? artigen Bernstein - und Galalithketten, Es sieht so aus, als ob sie Rosenkranz beten wür­den. Aber nein, das ist nicht möglich, sie unter halten sich, sie lachen dabei und dann nehmen sie die Rette, werfen sie ein wenig hoch und fangen sie wie der auf, reiben die Kugeln aneinander, daß es nur so kracht und dann beginnt das nette Spiel von neuem: Was machen die Männer? Gar nichts; spielen. Einmal waren diese Ketten Gebetsfetten. Sie sind es zum kleinen Teil heute noch. Der Hod­in der Moschee, der die Stette mit ihren dreiund­dreißig ugeln langsam durch die Finger gleiten

furzen Schaft in die Luft, fangen ihn mit der nicht. Nämlich im Zimmer. Dafür steht in irgend In den Gasthöfen werden Schuhe nicht gepust. läßt, murmelt bei jeder der dreiunddreißig Kugeln linken, mit der rechten Schulter auf, immer einem Winkel irgendeines Ganges ein Etwas, das Das besorgen die Schuhpuper. In den Städten ein Gebet, einen Storanspruch, vor sich hin. Genau rhythmisiert und beide Fahnenschwinger im glei su Uebertreibungen neigende Gemüter einen Wasch- sigen an jeder Straßenede mindestens drei, an ver- nach den Vorschriften der Religion. Aber aus der chen Takte zum Trommelwirbel. Im Finale die- tisch nennen mögen. Ein eisernes Gestell, das eine fehrsreichen Stellen bis zu sehn dieser seltsamen frommen Uebung ist bei den meisten längst eine ses Umzugs. gar werfen sie die Fahnen treuz fleine, meist zerbeulte und recht hergenommene Gewerbetreibenden. Natürlich findet man sie auch schlechte Gewohnheit geworden. Der Kaufmann vor weis hoch in die Luft und fangen jeder die des Waschschüssel crägt. Darüber hängt ein fleiner Be- in dem kleinsten anatolischen Rest.. Da fiven sie seinem Laden, der Bankdirektor hinter seinem andern auf: Das ist ein wunderschönes Spiel, hälter, der etwa zwei Liter faßt und aus dem das vor der Schente oder vor der Moschee oder sie üben Schreibtisch, der Wali( Statthalter) in seinem Emp­in vielen abwechselnden Formen vorgeführt in Wasser langsam herniedertröpfelt. Fertig, Schluß. ihr Gewerbe im Umherziehen aus. Man fragt er fangszimmer, der Polizist an der Ede, der Offizier der flimmernden Luft. Der Himmel erzittert von und hier waschen sich alle Gäste des Hotels". Sicht staunt, wie dieses Gewerbe, wenn auch bescheiden, auf dem Korso, der Gast im Kaffeehaus- sie alle der Fülle der Farben, der Klangfülle der Trom- man diese Einrichtung zum erstenmal, dann fährt aber doch, ſeinen Mann ernährt. Wer so fragt, der lassen die glatten, runden Kugeln durch ihre Finger meln und Fanfaren. Schwalbenschwärme fliegen einem ein gelinder Schrecken durch die Glieder. weiß nicht, daß die gepuzte, auf höchsten Glans her- gleiten, ohne sich dabei etwas zu denken verwirrt um den Turm, wenn auf dem weiten Aber schließlich gewöhnt man sich daran. Da gibt gerichtete Fußbekleidung gewissermaßen ein Fetisch lerei, Ausbrud einer gewissen Nervosität. Rund alle Fahnen zum Schluß auf einmal im es dann allerlei nette Szenen. Diese zum Beispiel: für den Orientalen ist. Er geht in Lumpen ein- So wie ihr Europäer Spazierstöde tragt", Spiele flitzen, sich drehen, bunt flatternd auf Ein Mann steht vor dem Waschtisch auf einem Bein; her, aber die Schuhe müffen glänzen; fie fönnen fagte einer. Und ein anderer: Wenn ich mit der das andere hält er, hoch erhoben, unter das tröp- nebenbei zerrissen sein. Jeder Lastträger, jeder Stette spiele, erspare ich mir das Rauchen."

und nieder wirbeln.