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SamStag, 27. Oktober 1934

Karel tapek

der bekannte tschechische Schriftsteller, erhielt Heuer zum dritten Male den Staats- preis für schöne Literatur, und zwar für das BuchPovötroü".

Auch Italien auf der Jagd nach Ersatzstoffen

Rom.(AP.) Italien hat mit Deutschland nicht nur die Exportschwierigleiten gemeinsam, es bemüht sich jetzt auch um E r s a tz st o f f e. Das führt zu einem mehr unfreiwilligen nicht wie in Deutschland theoretisch fundierten Stre­ben nach Autarkie, das den bekannten Industriel­len Pirelli zu der Warnung veranlaßte, ge- wiffe Grenzen dürfe man bei diesen Bestrebun­gen nicht überschreiten. Landwirtschastsminister A c e r b o hat nun kürzlich grundlegende Aus­führungen über die Frage der Ersatzstoffe gemacht. Danach kommen für die K u n st s e i d e-Erzeu­gung einige in Italien wachsende Laubhölzer in Betracht, wie z. B. die Pappel, die auch als Grundlage der Sprengstoffabrikation geeignet sei. Für die Rapier-Erzeugung komme die Ver­wendung der Zellulose(diese ist auch für Filme, Lacke, Zelluloid, Linoleum, Vulkanfiber notwendig und wird jetzt zu 95 Prozent importiert, was einen Betrag von 150 Millionen Lire jährlich er­fordert) aus Weizen-, Reis- und Maisstroh in Frage. Im 18. Jahrhundert hätten, so führte Acerbo aus, in Italien drei Unternehmungen zur Erzeugung von Papier aus Maisstengeln

bestanden. Ferner könne man aus den Stieleri der Hanfpflanze Zellulose gewinnen. Schließlich könne für diese Zwecke auch der schnell­wachsende Bambus mit Nutzen auf Gelände, das sonst keinen Ertrag liefere, ängebäut werden. Die Entwicklung einer eigenen Zellulose- Jndustrie sei natürlich nicht ohne einen verteuern­den Jndustrieschutz möglich. Es wurde eine zen­trale Versuchsstation angekündigt, die die Arbeüen der verschiedenen Laboratorien zusammenfassen soll. Andere Bestrebungen gehen dahin, die schwer darniederliegende Seidenraupen- und Kokons­zucht zu beleben. Ein Beimischungszwang, wo­nach den Wollgeweben 25 Prozent reine Seide zu­gefügt werden müssen, würde eine jährliche Er­zeugung von 120 statt bisher 30 Millionen Kilo­gramm Kokons rechtfertigen, und durch diese Er­möglichung der Einführung einer zweiten Ernte im Jahr würde die Zucht rentabler gestaltet wer­den. Die die Seidenindustrie bedrängende Kunst­seidenindustrie will man dadurch entschädigen, daß in Baumwollgeweben zehn Prozent Kunstseide mitverwandt werden müssen.

llm 50 und um 10 Kronen.. Raubüberfälle in der Aussiger Gegend. Aus Aussig wird uns berichtet: Die Be­sitzerin des Gasthauses an der Straße zwischen Priesten und Sobochleben wurde, als sie um Mitternacht das Gasthaus schließen und sich zur Ruhe begeben wollte, das Opfer eines Raub­überfalles. Ein unbekannter Täter, von kleinerer Statur, in schwarzem Anzug und mit einer lich­ten Kappe bekleidet, der sich in das Lokal einschlich, schlug die Besitzerin des Gasthauses v o n rück­wärts mit einem kräftigen Fau st schlag auf den Kopf nieder und raubte 50, die auf dem Tische lagen. Es ist interessant, daß ein ähnlicher Vorfall vor etwa einem Jahr sich schon einmal in dem Gasthaus abspieltc. Die damalige Besitzerin bezahlte den Anschlag mit dem Leben. . Kurz nach dem Ueberfall in dem Gasthaus wuyde ein lljähriger Radfahrer von einem unbekannten Räuber überfallen, der ihm seine Brieftasche mit 10 raubte. Es scheint, daß es sich in beiden Fällen um ein und denselben Täter handelt.

Folgenschwerer Brand beim Gemeinde- Nachtwächter. Donnerstag abends brach in dem Hause des Gcineindenachtwächters in der Ge­meinde Nevickä bei UZHorod ein Brand aus, der sich rasch ausbreitete und dem insgesamt acht Anwesen samt den Wirtschaftsgebäuden zum Opfer fielen. Der in die Zehntausend« gehende Schaden ist durch Versicherung nicht gedeckt. Der aerodynamische Zug LoS Angeles New Nork legte die 5398 Kilometer lange Strecke in 57 Stunden, das ist mit einer durchschnittlichen Stnndcngeschwindigkeit von 94.5 Kilometer zu­rück. Die höchste Geschwindigkeit betrug 193 Kilo­meter in der Stunde. Bnnditen terrorisieren eine Stadt. Banditen bemächtigten sich der mexikanischen Stadt Te- n a n g o d e l Valle, drangen in die Zentral­station der Polizei ein, bemächtigten sich einer großen Anzahl von Waffen und zerschnitten die Telephon- und Telegraphendrähte. Hierauf dran-'

gen sie in das Gefängnis ein, wo sie sämtliche Gefangenen befreiten. Sie plün­derten dann die Geschäfte der Stadt. Als Mili­tär herbeieilte, ergriffen die Bandtten die Flucht. Terrorurtcile im Dritten Reich . Von einem Berliner Schwurgericht wurden neun Kommuni­sten zu insgesamt 31 Jahren Zuchthaus und zu > 12 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie an­geblich an einer der lange zurückliegenden Racke­händel mit SA-Leuten beteiligt waren. Der Ballon ist los... Ein Ballon der Militär- >fliegerschule in Larkhill(England), der an den Divi- ! sionsmanövern auf dem Plateau von Salisbury teil­nahm, riß sich infolge eines heftigen Windstoßes von dem Seile los, an dem er festgehalten wurde und wurde mit seiner aus zwei Offizieren bestehenden Besatzung 80 Meilen weit fortgetrieben. Der Ballon wurde von einem Flugzeug, einem Autogiro und einigen Motorradfahrern verfolgt. Schließlich ver- mochte der Ballon zu landen und seine Besatzung konnte ihn heil und gesund verlassen. Amerikanische Justiz! Eine Bande, von 100 Männern drang in das Gefängnis in Boston ein und bemächttgte sich eines Negers, der gestalten hatte, vor einer Woche in Greenwood in Florida eine Weiße getötet zu haben. Die Eindringling« waren in 30 Automobilen aus Florida gekommen. Neber das Schicksal des Negers ist nichts bekannt" meldet Reuter lakonisch. Es ist nur zu gut bekannt, was in den USA mit den Opfern des Richter Lynch geschieht! Dai Wetter. Am Rande einer ttefen Luftdruck­störung über dem norwegischen Meere dringen nun­mehr über Westeuropa kühlere Luft" mit Regenschauern vor, die sich jedoch unterwegs abschwächcn. Auf unseren Bergen dürfte es sich im Zusammenhang bannt etwas abkühlen. In den Nie­derungen ist jedoch eine mäßige Erwärnmng zu er­warten, falls der auffrischende Wind die Nebel zer­streut. Wahrscheinliches Wetter von Samstag: Wechselnd bewölkt ohne wesentliche Niederschläge. Auf den Bergen ein wenig kühler, mäßiger bis frischer Südwestwind. In den Niede- rnngen untertags etwas wärmer und vereinzelt noch

WMWWMWWWWMWWW»MaMMMWI^aa»a»0 nebelig. Wetteraussichtenfür Sonn­tag: Wechselnd bewölkt, Morgennebel, untertags milde.

Ein neuentdeckter Stamm in Westafrika Der Ethnograph Dr. Elber hat auf einer For­schungsreise durch Westafrika in der südlichsten Ecke von'Französisch-Guinea, hart an der Grenze von Liberia , einen Eingeborenenstamm gefunden, der sich nicht wie die Nachbarstämme zum Fetischismus be­kennt, sondern einen bisher nirgends in den Guinea­ländern festgestellten Sonnengottglauben zur Reli­gion hat. Auffällig für diesen Kult ist di« schwere Bestrafung von Mord, Totschlag und Auflehnung gegen daS. Stammesoberhaupt. Die Rechtssprechung liegt in den Händen des Häuptlings, der im Namen der obersten GottheitDjan"( der Strahlende) urteilt. Handwerk und Kunst sind bei diesem fast völlig von der umwohnenden Bevölkerung abgeschlos­senen Stamm zu beachtlicher Höhe enttvickelt. In jedem Haushalt sieht man keramische Erzeugnisse von vollendeter Linienführung. Bei der Ausschmük- kung der Stücke spielen nicht nur wie bei anderen Negerstämmen Tiergestalten, sondern auch Motive ein« Rolle, die der Mythologie der Eingeborenen oder geschichtlichen Begebenheiten"entstammen. Die Hauttarb« dieses Stammes ist heller als sonst in Westafrika . Die Eingeborenen selbst halten sich für ein Herrenvoll und verurteilen Mischehen mit den Nachbarstämmen.. Infolge der waldigen Bergland­schaft, der sie sich anpassen mußten, stehen sie wirt­schaftlich auf derselben Stufe wie die Eingeborenen der übrigen Teile des oberen Guinea . Während jedoch diese Ackerbau, Fischfang und Jagd für völlig gleichberechtigt ansehen, bevorzugt dieser hellhäutige Stamm die Jagd. Alle andere Beschäftigung außer dem Kriegshandwerk sehen sie als entehrend an. Die Felder lassen sie durch gedungene Arbeiter bestellen. Nur die Ernte, besorgen sie selbst. Man nimmt an, daß sie gleichen Ursprungs sind wie die Gola, die zu beiden Seiten des St. Pauls-Flusses im mitt­leren Liberia leben.

ARBEITER­JAHRBUCH 1935

208 SEITEN TEXT 18 SEITEN KUNSTDRUCK Kc 1V.»

Gcridilssaal Zwei Selbstmorde im Spital Bulovka" Pflegepersonal vor Gericht Prag . Vor dem Senat Kaplan fanden Frei­tag zwei Selbstmorde von Patienten ihr gerichtliches Nachspiel. Angeklagt war in beiden Fällen das Pflegepersonal wegen des Vergehens der fahrlässigen Tötung durch Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge. Der erste Fall betraf den Selbstmord des Pa­tienten Franz V r z a l, der sich am 16. November v. I. von der Treppe zwischen dem zweiten und drit­ten Stockwerk in die Tiefe stürzte und zerschmettert liegen blieb. Angeklagt war die Oberpflegerin Marie N. sowie die Pflegerin Julie C. und der Pfle­ger Wilhelm S. von der neurologisch-psychiatrischen Abteilung des städtischen Spitals auf der Bulovka, 'n deren Pflege der Selbstmörder wax. Das Ver­schulden erblickt die Anklage darin, daß der Patient unbeaufsichtigt aus dem Ordinationszimmer entlas­sen wurde, obwohl seine Frau einen Anstaltsarzt daraus aufmerksam machte, daß ihr Mann sich mit Selbstmordabsichten trage. Der Arzt gab denn auch der angeflagten Oberschwester Auftrag, auf den Patienten achtzugeben. Es wäre also nach Auflas­sung der Anklage ihre Pflicht gewesen, anzuordnen, daß der Kranke stets beauflichtigt werde. Desglei­chen hätten ihn die beiden anderen Angeklagten nicht aus dem Auge lassen sollen. Die Beschuldigten be­riefen sich darauf, daß eine solche Beaufsichtigung infolge der Ueberlaftung des Personals unmöglich gewesen sei und begründeten diese Verteidigung in solcher Art, daß der Gerichtshof schließlich einen Freispruch fällt«. Acrger erging er der Pflegerin Hedwig Libo- t o v s k y, die vor dem gleichen Senat deS gleichen Deliktes angeklagt war.- Die Genannte tat Dienst auf der Abteilung.fürHaut- und Geschlechts­krankheiten des Bulovka-Spitals. Unter den Pattenten befand sich«in gewisser Josef S r a m« k, der aus dem Bohnitzer Irrenhaus zur Beobachtung auf die Bulovka gebracht wurde, weil er vün der fixen Idee befallen war, an einer Geschlechtskrank­heit zu leiden. Um ihn zu beruhigen, brachte man den schweren Melancholiker auf di« zuständige Ab­teilung. Am 30. August v. I. schlich sich der Pa­tient auf das flache Dach seine- Pavillons und sprang aus der Höhe des vierten Stockes in den Hof. Auch er fand den ersehnten Tod. Die Pflegerin Li- botovflh, die ihn zu betreuen hatte, wurde zur Ver­antwortung gezogen und taflächlich des fahrlässigen Verschuldens schuldig erkannt. Der Gerichtshof ver­urteilte sie zu 3 Monaten strengen Arrestes bedingt.

Jüdische Seefahrt 1934 Von Erich Gottgrtre« Eine Gruppe von Reisenden, die Ende August nach Europa fuhr, hat der Jewish Agench, dem Waad Leumi und den Jüdi­ schen Nationalfonds die Schaffung einer jüdischen Flotte vorgeschlagen. Die Rei­senden haben ihre erste Spend« in Höhe von vier Pfund überwiesen..." Zeitungsnotiz. » Was das ist? Das ist ein chinesisches Schwert. Und das ist ein Sägefischzahn." Ein französischer Matrose kommt herein. Ich möchte ein junges Mädchen mit treuem Blick." Das junge Mädchen ist auf Lager, der Blick treu, zufriedengestellt zieht der Matrose mit seiner Ansichtskarte ab. Mer, Herr Gottgeireu, wenn Sie über meinen Laden einen Artikel schreiben wollen, müs­sen Sie die Sache richtig darstellen ich meine, das ist ein seriöses Geschäft." * Natürlich ist das ein seriöses Geschäft, und wie sollte das auch anders sein: der Herr hinterm Ladentisch ist Julius Seba, vordem jüdischer Rechtsanwalt in Königsberg , Lektor über Schiff­fahrtswesen an der dortigen Handelshochschule, Mitarbeiter an allen seerechtlichen Zeitschriften, Autor eines BuchesDas öffentlich« Setrecht", Mitautor des 1921/29 erschienenen Werkes »Schaps, Mittelstein. Seba: Deutsches Seerecht" und Verfasser einesKommentars zur Seewasser­straßenordnung".... und nun verkauft Herr Seba außer Sägefischzähnen, chinesischen Schwer­tern, Schiffsmodellen in Flaschen und ähnlichem Schnickschnack, nach dem eines Seemanns Herz be­gehrt, alles, was Schiffe auf Reisen gebrauchen können und was bisher in Haifa überhaupt nicht oder nur dezentralisiert zu haben war: Taue Blöcke, Anker, Schäkel, Kauschen, Marlspieker, Segeltuch, Takelage, Fender-Farbe: eS gibt

Ilnterwasserfarbe, Ueberivasserfarbe und Mittel­farbe wovon man als Landratte natürlich ebensowenig Ahnung hat, wie von der Existenz der meisten anderen Dinge, mit deren Aufzählung ich eben geprotzt habe. Riffe an Deck werden mit geteerter Jute verstopft, die ist auch zu haben. Ebensowenig fehlen Fäffer, Laternen, Rostkratzer, Flaggstöcke und Flaggen; man sieht auch jüdische: blauweih, in der Mitte den Mögen David. Herr Seba wird richtig rechnen, Haifa ist Anlaufhafen für die Ostmittelmeerschiffahrt auf der Linie KonstantinopelSmyrnaBcyruth HaifaPort Said, die ihrerseits wieder Zubrin­gerlinie der großen Route Amerika/Europa GibraltarPort SaidIndienOstasien ist. In Haifa enden die Einwandererlinicn aus Triest und Marseille . Eine regelmäßige direkte Ver­bindung führt nach Amerika , Holland und Indien . Entsprechend mit der jüdischen Einivanderung wächst der Jmportverkehr allerdings ergibt sich hier das kalkulationserschwerende Problem der Rückfracht, di« in nennenswertem Maße vorerst nur zur Zeit der Orangenernte vorhanden, außerdem schwer zu berechnen ist, denn arabische Segler, die zumeist familiär und daher fast unkostenfrei be­trieben werden, fahren in die nahen Häfen des Vorderen Orients und nach Griechenland für jeden Preis... Die fkrtiggestellt« Pipeline, durch die das Mofful-Oef zum Mittelmeer geleitet wird, zieht ferner die Kriegs- Und Tankschiffahrt nach Haifa . Die Schfffe brauchen in Zukunft zur Oel- übernahme nicht mehr Niederländisch-Jndien oder Oelhäfen des Persischen Golfs anzulaufen, was viel Zeit und Geld kostet: für jede Durchfahrt durch den Suezkanal sind etwa 30.000 bis 50.000 Mark auf, den Tisch seiner Besitzer zu legen! und ebenso wird durch die Fahrt nach Haifa die Reise nach Datum überflüssig, wo das russische Baku -Oel zu haben ist. Gibt es in Haifa Oel , ist die Mittelmeerflotte unabhängig von Holland (Niederländisch-Jndien), Rußland und Amerika ! Man Weiß, was das bedeutet. Die Kriegsschiffe sind heute fast zu hundert Prevent auf Oel-

feuerung eingestellt. Von der Welthandelsschiff­fahrt feuert etwa ein Drittel.Oel . 14 Prozent der Hmidelsflotte sind Tankdampfer. Haifas Zukunft schwimmt auf Oel . Und dann rechne ich mll der jüdischen Kundschaft", sagt Herr Seba. Denn seit kurzem treten die Juden im palästinensischen Schiffahrts­wesen nicht nur als Ntensilienhändlcr oder Agen­ten in Erscheinung, sondern auch als Reeder oder Seefahrer: nicht zum erstenmal in der Geschichte, die mit der nautischen Wunderleistung der stcuer- und segellosen Arche Noah begann, jedoch im Laufe der Zeit realer wurde, jüdische Seefahrer in Spa­ nien , Portugal , Holland und Venedig tätig sein ließ und im Grunde nie ganz abbrach. So ist di« Besitzerin derAttd"(Zukunft), die ihre Fracht von Budapest nach Haifa trägt, Fräu Lucy Borchardt in Hamburg , die einzige jüdische Ree­derin der Welt, wahrscheinlich der einzige weib­liche Reeder überhaupt. Die Besatzung derAtid" ist fast durchweg jüdisch. Ebenso haben fast rest­los jüdische Bemannung die FrachterDora" und Carola" der Orient Shipping Line, die der Küstenfahrt nach Jaffa , Aegypten , Cypern und Syrien dienen. Der jüdische Kapitän des einen Schiffes fuhr früher beim Norddeutschen Lloyd , der des anderen ist ein holländischer Jude, der schon seit fünfzig Jahren Seedienst tut. Endlich wird auch die Besatzung der beiden Paffagierschiffe, die der jüdische Palestine Maritime Lloyd gekauft hat und die unter den NamenMount Carmel " undMount Zion" von Konstanza nach Haifa fahren, nach Maßgabe der vorhandenen Möglich­keiten judaisiert werden. Der Beruf hat ja seine Anziehungskraft/ Bisher wollte ein palästinen­sischer Junge stets Schutzmann oder Chauffeur werden nun kommt, in den Städten am Meer wenigstens, ein Dritter hinzu: Matrose. - * Das Meer ruft. Ein Tel-Aviver Industrieller unterhält eineScefahrtschule", aus der den Schiffahrtsaspiranten so eine Art nauti­schen Trockenskikurses gegeben wird. Der. Herr..

besitzt eine große Liebe zur See und eine kleine Jacht... Ein anderer Meer- und Lehrmeister von palästinensischem Ruf istSeew Hajam", der Seewolf: Jack London auf hebräisch. Am Technikum in Haifa gibt Wendkurse für Nautik. Die Londoner Zebulun Palestine Seafaring So­ciety" schickte zur Ausbildung jüdischer Seefahrer geschenkweise zwei Segler nach Palästtna. Stän­dig lernen ferner all« mit jüdischer Mannschaft fahrenden Frachtschiffe jüdische Matrosen an. In Deutschland erhielt die Schleppreederci Borchardt, die Aber ein Tankschiff, einige Leichter und eine größere Anzahl Schlepper verfügt, die Erlaubnis, auf ihren Schiffen jüdische Volontäre ausznbil- den. Der Andrang ist groß, aber nur wer eine schlvere Prüfung besteht, kann ausgenommen wer­den. Auf derAtid" fahren heute schon die erst«n der Schüler. Einer von ihnen wurde auf der letzten Reise Haifa Budapest Haifa feierlich zum Vollmatrosen ernannt. DieAtid" ist eine klein« nautisch« Sensa­tion für Palästina. DaS Schiff sieht behäbig wie ein Leichter aus und war ursprünglich auch einer: bevor es seine norddeutsche Heimat verließ, wurde es in der Mitte auseinandergenommen und um acht Meter verlängert. Zwei Krupp-Dieselmoto­ren zu je 600 PS wurden eingebaut, sie bringen daS Schiff auf elf Knoten Stundentempo. Der jüdische Kapitän derAtid" fuhr während deS Krieges auf dem durch seine Amerikarcise be­rühmt gewordenen U-BootDeutschland ". Eben­so hat der erste Ingenieur auf Torpedobooten ge­fahren. Der bedeutendste Tag der letztenAtid"« Reise war nach Aussage der Besatzung Rosch- haschanah, des jüdischen Jahres Neubeginn. Schon südwärts gewendet lag das Schiff bei Orschäwa in der Nähe des Eisernen ToreS. Die jüdische Ge­meinde lud die Besatzung festlich ein; getanzt wurde; und als eine Woche später dieAtid" in Haifa ankam, lagen schon Flugpostbriefe glühen­der Mädchensehnsucht auS Orschawa da. DaS ist die Liebe der jüdischen Matrosen. Augenblicklich fährt dieAtid" abermals dem Effernen Tore zu.