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Samstag, 2. Feber 1935

Nr. 28

ihn wegen kommmtistischer Umtriebe er wollte die kommunistische Partei reorganisieren - zu acht Jahren Gefängnis. Er verbüßte die Strafe. Man hielt ihn ungesetzlich ein weiteres Jahr im Kerker. Die Anklagebehörden hatten also reichlich Zeit, den Prozeß vorzuberei­ten. Und doch wird das Schnellgericht eingesetzt. Die Verteidigung hat dadurch nur einige Tn g e Zeit zum Studium der Tausende Seiten umfaffenden Prozeßakten. Angeklagter und Zeugen erinnern sich na­türlich nur sehr mangelhaft an manche wichtigen Einzelheiten der bewegten Tage. Nur zeitgenös­sische Historiker könnten vielleicht auf Grund von Dokumenten alles klären, was in diesem von den Terroristen und Marseiller Edelmenschen ange­strengten Prozeß zur Sprache kam. Bezeichnend für die Prozeßführung in die­ser Beziehung ist folgende Episode: Sie haben in der Sitzung des Regierungs­rates" fragt der Präsident den Angeklagten, nm ihn für die Einkerkerung der Kriegsverbre­cher und Konterrevolutionäre verantwortlich zu machenden Zwischenruf gemacht: meine Zelle ist schon gut für Szterenyi". Da hätten Sie mich, im Jahre 1925 fra­gen müssen" erwidert Rakosi damals hätte ich mich vielleicht an diesen so wichtigen" Zwischenruf noch erinnert. Aber nach 16 Jahren kann man Zwischenrufe nicht in Evi­denz halten." Tatsächlich hat man nicht nur Zwischenrufe, sondern auch wichtigere Einzelheiten vergessen. Die Verteidigung ist auch nur man­gelhaft unterrichtet. Sie konnte die Akten nicht durchlesen, noch weniger mit den Zeugen sprechen, die in der Verbannung leben und über manche Dinge besser unterrichtet sind. Rakosi wird z. B. wegen des S t a nre ch t e s angeklagt. Das Standrecht wurde am 21. März 1919, spätabends, in der konsti­tuierenden Sitzung der Regierung beschlossen, und am 22. März in den Morgenstunden schon verkündet. An dieser Sitzung nahmen n u r die Parteivorstandsmitglieder der b e i d e n Par­teien teil. Rakosi war aber weder bei den Kom­munisten, noch bei den Sozialdemokraten Mit­glied des Parteivorstandes. Er, wie auch andere Personen, die an diesem Abend ernannt wurden, wurden der Sitzung nicht beigezogen. U. a. Ju­lius H e v e s i. Anton D o v c z a k, August Stefan, Arthur Illis, Stefan L a- d a i, Rakosi usw. Wie kann man jemand wegen des Beschlus­ses einer Sitzung anklagen, zu welcher der Be­treffende nicht eingeladen, bei der er nicht an­wesend war? Ja, er wußte in der Stunde der Beschlußfassung noch gar nicht,-daß man'ihn zum Stellvertreter eines Volkskommissärs ernannt hat. In derselben Sitzung also in A b we­se n h e i t Rakosis wurde noch ein wichti­ger Beschluß gefaßt. Die Regierung wurde be­kanntlich aus Sozialdemokraten und Kommuni­sten zusammengesetzt. Die Bolkskommiffäre wa­ren in der Mehrzahl Sozialdemokraten. Darauf beantragte Bela Kun , daß die Stellvertreter der Volkskommissäre fo wie in Rußland den Sit­zungen des Regierungsrates beigezogen werden. Wilhelm Bohm stellte den Gegenantrag(um zu verhindern, daß die Kommunisten die Sozial­demokraten majorisierten), daß die Stellvertre­ter an den Verhandlungen zwar teilnehmen sol­len, aber bei der Beschlußfassung nicht mit­

stimmen dürfen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen und blieb bis zum Sturz der Regierung in Geltung. Der Be­schluß wurde auch protokolliert. Nie­mals haben die Stellvertreter der Volkskommis­säre in der Regierung bei Abstimmungen mitge­stimmt. Rakosi war aber nur Stell­vertreter des Volkskommiffärs. Er hatte in der Regierung kein Stimmrecht. Er kann also weder politisch noch juristisch für die Gesetze über die Revolutionstribunale oder für den Beschluß über die Betrauung Szamuellys verantwortlich sein. Ebensowenig kann man ihm die Beschlüsse über die Sozialisierung in die Schuhe schieben. Die Gesetze hat die Regierung ohne seine Stimme beschlossen. Durchgeführt hat er diese Gesetze mich nicht. Er war ja bis April Funktionär im Volkskommissariat für Handel und Gewerbe und n i ch t im Kommissariat für Sozialisierungswesen wie es die Anklage fälschlich behauptet. Das könnte der Herr Staats- anwalt sogar in den zeitgenössischen Zeitungen nachlesen. , Nichts bleibt übrig von der Infamie dieser Anklage als der politische Zweck der P r ozeßführung. Er dient teil­weise revisionistischen, teilweise antikommunisti­schen und antisozialdemokratischen Zwecken und soll dabei die zahlreichen Feinde der Gömbös- regierung einschüchtern. Herr Gömbös kämpft mit großen Schwie­rigkeiten. SeinReformprogramm" wird von

freien Gewerkschaften verlangen deshalb vom Staat und von den öffentlichen Körperschaften dir Beschaffung.von Arbeitsmöglichkeiten. Es wird anerkannt, daß in den letzten Monaten sich die verantwortlichen Stellen in der StaatsverwaltuM bemühen, durch Einleitung öffentlicher ArbenMi und auf dem Wege staatlicher Lieferungen der Ar­beitslosigkeit entgegenzuwirken. Obwohl es sich zumeist um Arbeiten handelt, die nur Männern Beschäftigung in geringem Umfange bieten kön­nen, wird trotzdem mit Genugtuung anerkannt, daß man sich von staatlicher Seite aufmerksamer als früher den Notstandsgebieten an den Grenzen der Republik zuwendet. Genau so dringend und unerläßlich ist es, den Opfern der Wirtschaftskrise durch die Verbesserung und Sicherung der Unter- stüiiungseinrichtungen zu helfen.- Dazu ist notwendig, daß den Selbst« verwaltungSkörpern durch entsprechende Maßnah­men wieder die Möglichkeit verschafft wird, im eigenen Wirkungskreise Unterstützungsaktionen für die am schlimmsten betroffenen Opfer der Krise durchzuführen. Was sonst an Einrichtungen der Arbeitslosenfürsorge besteht, muß ausgebaut und vervollkommnet und darf nicht durch bürokratische Kleinlichkeit in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden. Auch da ist manches in den letzten Wochen besser geworden. Ausreichende UnterstützungSaktionen für die Notstandsgebiete, erhöhte Aushilfe an Nahrungs­mitteln, Zuwendung von Kohle und Beistellung von Kleidern und Wäsche in den schlimmsten Fäl-

allen Seiten abgelehnt. Der hohe Klerus, Ari- stolraten, Bauern, Arbeiter, das Oberhaus, der mächtige Bethlenflügel in seiner Partei, jeder natürlich aus anderen Gründen, nehmen Stel­lung gegen die getarnt fascistischen Schwindel­reformen der Herrn Gömbös . Gömbös ruft jetzt die Jugend zum Kampf gegen die Alten auf und manövriert auch mit dem Rakosiprozeß. Den besitzenden Klassen will man mit dem Film des Pro­zesses die bolschewistische Gefahr in Erinnerung bringen. Man soll denBefreier Gömbös" in sei­ner Arbeit nicht stören. Das Ausland wird wieder betört durch die tausendfache Lüge, daß Ungarn Europa vom Bolschewismus gerettet habe. Und die Sozialdemokraten möchte man mit der Verleumdung einschüchtern, daß sie für die Aufteilung Ungarns verantwortlich sind. Nicht die magyarisierende Großgrundbesitzerpolitik Vor» kriegsungarns, nicht der Krieg, sondern ausge­rechnet die Sozialdemokratie soll die Verantwor­tung für die Sünden der herrschenden Klassen tragen. In Ungarn selbst wird Herr Gömbös mit seinem Prozeß nicht viel Glück haben. Trotz aller Aufmachung bleiben der Prozeß und die ost wie­derholten Lügen unbeachtet. Aber ein werwolles und unschuldiges Men­schenleben kann das Opfer dieser barbarischen Propaganda.werden. Rakosis Lehen ist in Höch st er Gefahr. Man will ihn dem Henker ausliefern. Die zivilisierte Welt müßte durch einen P-roteststurm verhindern, daß die ungarische Schandjustiz wieder einmal einen Justizmord begeht.

len und ein« umfangreiche Arbeitsbeschaffung sind die Aufgaben, zu deren Bewältigung im heurigen Krisenwinter die tschechoslowakische Staatsverwal­tung mit allen zweckdienlichen Mitteln schreiten muß. Gleichzeitig damit hätte endlich in der Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche ein entscheidender Schritt zu geschehen. ES ist: die Arbeiterschaft unerträglich und wirkt erbitternd auf sie, daß sich die Industriellen in der Tschecho- ftowakischen Republik, die zur Linderung der Krisennot noch keine Abgaben übernommen haben, sich gegen die Einführung der 40-Stunden-Woche spreizen, wenn damit neue Abmachungen in der Lohnstage verbunden werdest. Ausreichende UnterstützungSmaßnahmen aps staatlichen und öffentlichen Mitteln-zur. Linderung des maßlosen Elends, Arbeitsbeschaffung, obliga­torische Arbeitsvermittlung und Einführung der 40-Stunden-Woche zur Bekämpfung der Beschäf­tigungslosigkeit, Erweiterung der produktiven Är- beitslosenfürsorge, das sind augenblicklich die For­derungen, deren umfassende Berücksichtigung die freien Gewerkschaften auf das nachdrücklichste ver­langen. Unsere Gewerkschaften und deren Mit­glieder fordern wir auf, überall für diese Forde­rungen einzusteten und für deren Durchsetzung alle gewerkschaftlichen.Kräfte in Bewegung zu setzen. Dazu wurden in der Vollsitzung der Zen« stalgewerkschastskommission die notwendigen Be­schlüsse gefaßt, die den Verbänden und den Kreis- gewerkschastskommissionen zugehen.

Nachspiel zum 25. Juli Ein Wiener Hakenkreuzler vor Gericht Wien . Bor dem hiesigen Gericht wurde am Freitag der Prozeß gegen Lug. Johann Bla« s ch k e eröffnet, der mit dem geistigen Führer des nationalsozialistischen Juliputsches, Advokat Dr. W ä ch t e r in Verbindung stand und auch das Lastauw besorgte, mit dem die Aufständi­schen zu dem Gebäude des Bundeskanzlers fuh­ren. Jng. Blaschke ist ein 38jähriger Wiener und arbeitete in der nationalsozialistischen Bewegung bereits längere Zeit. Mit den nationalsozialisti« schen Führern staf er sich im Deutschen Klub in der Hofburg, wo alle Putschvorbereitungcn besprochen wurden. Am 23. Juli erhielt der Angeklagte von Dr. Wächter den Aufstag, für den nächsten Tag L a st a u t. o s zu besorgen, die sich vor dem GasthofBärmühle" einfinden sollten. Für diese Aktion erhielt Jng. Blaschke von Dr. Wächter 50.000(1) Schilling. Er besorgte tatsächlich neuen Lastautos, die jedoch von der angegebenen Stelle in die Garage mit dem Hinweis zurück­geschickt wurden, daß die vorgesehene Arbeit auf den 25. Juli verschoben wurde. Auch Lastautos fanden sich nach den abgeänderten Disposifionen am 25. Juli vor der Turnhalle im 7. Bezirk ein. Jng. Blaschke fuhr in die Umgebung des Bun­deskanzlergebäudes, wo er mit Dr. Wächter zu- sammenstaf, dem er Meldung über die Aus­führung des Befehles erstattete. Mit Dr. Wäch­ter traf er an diesem Tage noch einigemale zu­sammen. Der Angeklagst verteidigt, sich dahin, ledig­lich die Aufträge der Führer der nationalsoziali­stischen Partei durchgeführt zu haben in der Mei­nung, daß die Auws für die Umsied­lung des Parteibureau s(l) bestimmt seien. Die Anklage fordert nach§ 58 und 59 des Strafgesetzbuches lebens­länglichen« Kerker. Insgesamt werde» 29 Zeugen vorgeladen werden.

Budapest . Der Donnerstag ausgebrochene? unterirdische Streik der Fünfkirchener Bergarbeiter wurde Freitag nachmittags beendet. Die streiken«' den Arbeiter find ausgefahren.. Vermittlungsver­handlungen sind im Gang«. Bukarest . Nach Annahme der Demission des Finanzministers Viktor Slavescu wurde zun> neuen Finanzminister der bisherig«. Lustizministet Pikior Anton es« u ernannt. Zumneuen Justis- Minister wurde der Staatssekretär Valerian Pop ernannt. Belgrad . Die Studenten der hiesigen Universi­tät haben sich Freitag in der Zähl von mehrere» Hundert im Ümversitätsgebäude eingeschlossen und sind in den Hungerstreik getreten, durch welchen fit gegen die Einkerkerung von 15 am 18. Jänner ver­hafteten Swdenten protestieren wollen. Belgrad . Bei Zusammenstößen zwischen nati<^ nalistischen und kommunistischen Swdenten würde ein Kommunist schwer verletzt. Er ist seiner Ver­letzung erlegen. Mexiko . Amtlichen Nachrichten zufolge find von insgesamt 27 Bundesstaaten in zehn Staate» Aufstandsversuche verzeichnet worden.

Der Notstand in den Grenzgebieten (Fortsetzung von Seite 1)

NIi» Kurzroman von Kurt Doberer Es ist ein Sender, sinnt er,«he ihm die Sinne wieder schwinden wollen. Aber das Wort hat ihn gepackt, der Gedankenkreis»Sender" hält ihn fest. Ein Sender, grübelt er weiter. Was will er denn? Er horcht auf gleichmäßig, rhythmisch, klopfendes Geräusch. Es ist ein O, ein S. Was will er damit. S und O und S, OS OS. Da schreit es plötzlich in einem Win ­kel seines Gehirns auf: S. O. S. und wächst S. O. S. brüllt ihn an S. O. S. und reißt ihm den Kopf hoch. Schiff in Not. Ströme von neuer Lebens­energie jagen durch seinen Körper. Schiff in Not, die Rakete in Noti Es ist die Beschleunigung, die uns wie Quaderstein zermalmen will! Ich mutz die Triebapparate stoppen! Stoppen stoppen, das ist sein einziger Gedanke, und er wächst zu übermenschlichem Wollen. Er wälzt sich au? dem federnden Gehänge. Er kriecht und schiebt sich über den Boden. Dort drüben am Schaltbrett ist der Hebel. Drei Zoll von der Hand Lord MerimeerS. Aber dessen Lider liegen bleiern über den Augäpfeln. Das S. O. S. war nicht in seine versunkene Gedankenwelt ge­drungen. Da ist Jonny an der Wand. Zweimal versucht er sich aufzurichten, zweimal drückt es ihn wieder zusammen. Da zieht er sich Zöll für Zoll an Merimeer empor, tastet sich an dessen gestütz­tem Arm hinüber zum Hebel. Er erfaßt ihn, und zusammensinkend reißt er ihn aus den Klemmen. Jonny rieb sich den Schlaf auS den Augen. Er mußte wohl einige Zeit so gelegen haben. Die gleichmäßigen Atemzüge von Lord und Lady Merimeer sagen ihm, daß ihre Ohnmacht einem stärkenden Schlaf gewichen ist.

Mit einigen leichten Bewegungen hatte er Merimeer aus dem Federgehänge gehoben und auf ein Lederpolster gelegt Nun hielt er auch die Lady in seinem Arm. Es ist ihm, als hätte er sie eben vom Kreuz abgenommen. Wie bleich sie ist. Während er sie in den Armen hält, bringt der Blutstrom ihr wieder das Hellrotbraun der Ab« Härtung durch Wüstenwind und Gletschersonne. Wie sie atmet. Sie schläft ganz leicht. Wie schön sie ist. Und er darf sie küssen, er hat sie ja gerettet! Du da ist es ihm. als hätten sich ihre Augen geöffnet. Aber sie schläft doch wie­der wie zuvor? Er hat ein Gefühl, als wäre er klein, ein Schuljunge. Er ließ sie auf das Polster gleiten und war mit einigen raschen Schritten am Taster: Hier Jonny Haben Triebkraft gestoppt Alles in Ordnung und gesund Auch die Lady. » .Auch die Lady", brummte der Empfangs­offizier auf Zentron. Dabei blickte er mit ein paar komischen Falten im Gesicht auf seinen Kollegen. »Na, über den Berg sind sie, das sahen wir schon vor einer halben Stunde an der gleichmäßigen Geschwindigkeit der Rakete. Du kannst melden, daß nach Funkspruch alles in Ordnung ist." Dann blickte er um sich und sprach leise wei­ter, so, als wenn er einen Lauscher fürchte.Ka­merad, Lord Merimeer ist, unter uns gesagt, ein Esel. Ja, hier unten er, der berühmte, reiche und mächfige Gelehrte. Aber dort oben in der Rakete sie, die lebenshungrige, geistreiche Frau und Jonny der Held Wie der Schmetterling aus einer grauen Puppe kriecht, so ist dieser Jonny in den Sonnen­schein der Welt geflattert." ch' Der Telegraph arbeitete fieberhaft. Die Zeitungen überschwemmten das Land mit Extra­ausgaben. Die Zeitungsjungen riefen die fettge­druckten Aufschriften durch die Straßen . Die Rakete ist gestartet Die Mitglieder der ersten

Expedition sind gerettet An deren Stelle fliegen als zweite Bemannung Lord und Lady Merimeer und Jonny Hcllar, ein Funker der Marine der Liga. Und nun erzählten die Zeitungen in vielen engen Spalten die Ereignisse der letzten Stunden. Das wuchtige Geschehnis hatte nun die verschleier­ten Zensurmaßnahn^n der Liga hinweggeicgt. Man erlebte jetzt erst in aufregenden Worten den Kampf der Flotte gegen die Macht auf Zentron. Andere Blätter brachten die Bilder der MerimeerS und Jonny Hellars. Hin persönlichem und per­sönlichstem wurde geforscht und gebohrt. Lord Merimeer war bekannt als der eiserne Mann der Forschung. Polarexpeditionen, Flüge zur Erforschung der Crdhülle hatte Merimeer mit seinen Millionen finanziert. Immer saß der Un­ermüdliche als die Seele der Expeditionen in der Gondel der Flugschiffe. Er las die Jnstrmnente, stellte Zahlen neben Zahlen, und nie zitterte seine Hand. Man brachte Anekdoten von dieser Sicherheit im Arbeiten. Als sein Flugzeug mit gefrorenen Motoren in der Eiswüste lag, wurde es, ein Wun­der, in letzter Minute durch ein Hilfsflugschisf ge­rettet. Da trat Lord Merimeer mit tiefliegenden Augen, aber leise lächelnd zum Kavitän des ret­tenden Schiffes und sagte nur: All right, fahren wir zurück. Ich habe die Papiere, und die Berech­nungen find ferttg." Lady Merimeer war das Gegenteil ihres in der Formel aufgehenden Mannes. Exzentrisch, launisch, tollkühn war sie. Aber daS war nicht immer so. Sie war eine puritanisch und weltab­geschieden erzogene Tochter gewesen, als sie Meri­meer in sein Haus als Gattin führte. Sie dachte sich dies als«inen Schritt zur Freiheit. Sie wollte mitleben und mitkämpfen an der Seite ihres Man« nes. Sie woUte seine Gefährtin bei Forschung und Arbeit sein. Der Lord aber wies sie liebenswürdig, aber bestimmt immer wieder zurück. Wie Archi- medeS dachte er: Stört mir meine Kreise nicht! Merimeer hatte Prinzipien. Frauen und wissen­

schaftliche Arbeit, da kommt manchmal etwas In­teressantes, aber sicher nie etwas Genaues ber- aus! Eine Frau kann Märtyrer, Prophet, Tromm­ler einer Idee sein, aber nüchterner Forscher? Lord Merimeer^Prinzip war die Berechnung, nicht daS Experiment. Wxnn er dachte, daß sie seine Zahlen und Zeichen verstehen und lieben lernen sollte, daN» lächelte er. Aber als sie wieder zu ihm kam, brach!» er einen letzten Trumpf, den er für sehr gut hielt- Gewiß", sagte er,»es gibt Frauen, die zugleich Gelehrte sind."Und warum sollte ich keine solche Ausnahme werden?" lächelte sie schüchtern.£& das ist eine einfache Sache,".sagte er und streicht ihr leise über die Hände.Weißt du, solche Ge­lehrte heiraten sich nicht." Und nun suchte er sie abzulenken, so wie ma» ein Kind beruhigt.Es steht eine Segeljacht fi>k dich im Hafen. Nimm Urlaub. Meine letzte» Berechnungen muß ich nochmals am Pol selbst Da wurde Lady Merimeer über Nacht dem, was sie heute ist: exzentrisch Und tollkühn' Sie hielt Höhenrekorde im Flugzeug. Si» war die kühne Führerin der Atlantisexpedition'im Tauchboot. Nun hatte die Erowelt sie züm Be­gleiter ihres Gatten im Projekttl gewählt. Und Jonny Hellnr? Niemand hatte den Na­men in der Welt der Wissenschaft gehört. Nieman^ kannte seine Vergangenheit. Eine deutsche Zeit»»!!' die behauptete, unterrichtet zu sein, erzählte reich­lich geheimnisvoll etwas von einem Ingenieur und Journalisten. Doch wer er auch war, jetzt w»» der Name Jonny Hellar auf allen Lippen. Jeder kannte die Geschichte vonJonny, dem Funker"!»Väter und Mütter, er hat euere Söhn» vor dem Wahnsinn gerettet!" schrie der»Wörter mit fetten Buchstaben in die Massen. DerDemo­krat" bringt eS in Riesenlettern wie ein Fanal: HätteJonny der Funker" nicht bei Nacht u»d Nebel die Rakete durch die Flotte der Liga ge­schleppt, so wären die Millionen umsonst gebrach!' die Pioniere der Idee wären umsonst gefallen! (Fortsetzung folK.),