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Donnerstag, 13. Feber 1936

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Graslitz fordert Verlängerung der Winterhilfsaktion

Eine grobe sozialdemokratische Arbeitslosenversammluns

Der Henlein -Abgeordnete Böhm rief im Abgeordnetenhaus einmal dem Genossen Katz zu, daß er nur noch vor Krankenlassenangestellten sprechen könne, aber nicht mehr vor Arbeitern und Arbeitslosen. Die am 10. Feber" von der sozial­demokratischen Partei und den freien Gewerk­schaften in G r a s l itz veranstaltete A r b e i t s- lose«Versammlung war eine der Ge­legenheiten, Herrn Böhm Lügen zu strafen. Min­destens 600 Arbeitslose waren dem Rufe der Veranstalter gefolgt; der Saal des Hotel ..Schwan" war überfüllt, die Leute standen noch in den angrenzenden Räumen. Als erster Redner sprach Abg. Genosse Katz, der u. a. folgendes ausführte:

Die vergangenen sechs Jahre haben gezeigt, daß wir di« Partei der praktischen Arbeit sind, sehr zum Unterschied von den anderen, die vorgaben, daß fie's nun schaffen und daß ste handeln werden. Die Krise wird bei uns leider durch besondere Umstände noch verschärft. So hat z. B. die sudetendeutsche Industrie in Deutsch­ land eingefrorene" Forderungen im Betrage von mehreren hundert Millionen. Wir könnten viel mehr nach Deutschland ausführen, wenn Deutschland nicht infolge seiner Aufrüstung diese verderb­liche Finanz- und Devisenpolitik betriebe.(Hier hätte die Henleinpartei Arbeit bei ihren Gestnnungs- freunden über der Grenze! D. R. ) Im Innern unseres Staates hat sich die Situation seit dem Mai 1985 verschärft. Die deutschen Sozial­demokraten haben stch seit Jahren sehr und mit Er­folg bemüht, im tschechischen Lager Freunde für eine Verständigung von Volk zu Volk zu gewinnen. Diese Politik der Verständigung wurde durch die Wahn­sinnswahlen vom 19. Mai gewaltsam gestört. Aus dieser verschlechterten Situation erklärt sich auch der bekannte Erlaß deS Ministers Machnik, gegen den wir unS mit aller Schärfe wenden. Seit dem 19. Mai ist es also schlechter geworden, statt besser; es wird erst wieder bester wer­den, wenn die Menschen wieder zur Besinnung kom­men und wieder in größerem Maße ihr Vertrauen der zielbewußten Arbeit der Sozialdemokratie zu­wenden. Das Wesen derVolksgemeinschaft" Hen­leins erhellt eine Illustration durch die.Kameraden Arbeitgeber", die anläßlich einer Henleintagung in Karlsbad ein Gesetz über Minimallöhne forderten, ohne zu sagen, wie minimal sie sich diese Löhne vorstellen. Wer hindert die Herren, bestere Löhne zu zahlen? Brauchen sie dazu ein Gesetz? Die Unternehmer fordern eine staatliche Arbeitslosen­unterstützung öfter kein Wort davon, daß sie dazu etwa? beitragen und daß sie sich unserer Forderung auf Schaffung deS Notfonds anschließen wollen. Die Rede des Genossen Katz wurde oft von Zu­stimmung unterbrochen und am Schlüsse mit starkem Beifall quittiert. Dann sprach Genosse R o s ch, welcher die Prak­tiken der Unternehmer deutlich auszeigte. Lohn­abbau ist an der Tagesordnung. Am furchtbar­sten wirkt er sich in der H e i m i n d u st r i« aus, wo direkt Schandlöhne gezahlt werden. Auch daS Ueberstundenunwesen nimmt zu, ob­wohl tausende Arbeitslose draußenstehen. Die freien Gewerkschaften haben in den Krisenjahren im Be­zirke Graslitz etwa 45 Millionen K ö als Arbeitslosenunterstützung zur Auszahlung gebracht, daneben liefen die vielen anderen staatlichen Aktio­nen mit ebenfalls einem Millionenaufwand was bedeutet demgegenüber diealte-Hosen- Aktion" und die paar Suppen derVolk S- Hilfe"? Zum Schlüsse sprach noch Genosse Werner über den Unternehmerflügel der Volksgemeinschaft". Genosse Wunderlich verlas dann eine Entschließung, die verlangt: 1. Verlängerung der staatlichen Winterhilfe für den Notstandsbezirk GraSlitz . 2. Schaffung deS RotfondeS durch Leistung eines UnternehmerbritrageS. 3. Förderung aller Projekte von Notstands­arbeiten(Steinbach, Silberbacherstraße, Kranken­haus) durch die in Betracht kommenden Stellen.

Die Entschließung fand einstimmige An­nahme und wird an die Bezirksbehörde weiter­geleitet lverden. Die Versammlung hat jedenfalls bewiesen, daß die Arbeitslosen zur Partei und Gewerkschaft stehen und diese Schicksalsgemeinschaft jener sagenhaften.Volksgemeinschaft" vorziehen l

Eine prachtvolle Eezlrkskonferenz Vor kukßem fand die ordentliche Partei- Bezirkskouferenz des Bezirkes Graslitz statt. Sie war außerordentlich stark beschickt(von 134 Genossen und Genossinnen) und in ihrem ganzen einmütigen Verlauf ein prachtvolles Zeugnis für di« Ungebrochenheit unserer Bewegung auch in diesem ärgsten Notstandsgebiet. Dem von Genos­sen Wunderlich erstatteten Tätigkeits­bericht war zu entnehmen, daß trotz sechs Jahren Krise, trotz der faschistischen Orgien, der Mit- g l i e ü e r st a n d uni 95 Männer und 45

Frauen erhöht, der Markenumsatz um 600 Stück gesteigert werden konnte; das erste Tausend Mit­glieder überschritten und es beträgt der Abneh­merstand der sozialdemokratischen Presse(ohne Gewerkschaftszeitungen) fast 2000. Auch die Berichte der Funktionäre aus den verschiedenen Zweigen der Parteibewegung lau­teten durchaus günstig. Nach dem mit großem Beifall aufgenomme­nen politischen Referat des Kreisvertrauensman­nes Abg. de Witte wurde einstimmig eine Entschließung folgenden Inhaltes an­genommen: Die BertranenSminner billigen anf- richtig die Haltung der parlamentarischen Bertre- tunq der Partei anläßlich der Wahl deS Staats­präsidenten, sowie die allgemeine politisch« und parlamentarische Taktik der Partei. Sie verzeichnen mit Anerkennung die Tat-

Arbeitsmöglichkeit für Chodau und Elbosen Durchführung der Chodaubach- Regulierung Aufwand 1.5 Millionen Die von der Stadtgemeinde Chodau seit dem Jahre 1932 angestrebte Vertvirklichung der Chodaubachregulierüng ist nunmehr ins entschei­dende Stadium dadurch getreten, daß die Ver­handlungen mit den zuständigen PragerBe- h ö r d e n zu einem positiven Ergeb­nis geführt haben. Mit Zustimmung des Fi­nanzministeriums bewilligte das Landwirt­schaftsministerium einen Baubeitrag bis ! 8 6 4.0 0 0 KL, wozu der Landesausschuß bis 14 7 1.0 0 0 Kc beisteuert, während die Gemeinde i Chodau den Restbetrag von 2 3 6.0 0 0 KL auf­zubringen hätte. Da aber die Gemeinde bei ihrer gegenwärtigen unerfreulichen wirtschaftlichen ! Lage nicht imstande ist, diesen Betrag aufzutrei­ben, wendete sie sich an das Sozialministerium um Zubilligung eines weiteren Beitrages, der schließlich auch im Höchstbetrage von 2 0 0.0 0 0 KL bewilligt worden ist. Die Durchführung der . Regulierungsarbeiten für die eine Strecke von 1700 Meter umfassende Chodauregulierung wird im April begonnen werden. Die Inangriffnahme der Arbeiten zur Durchführung dieser Regulie­rung, die bis Ende November 1936 fertiggestellt sein müssen, bietet für eine beträchtliche Anzahl von Arbeitslosen der Gemeinde Chodau und El- bogen auf Monate hinaus ArbeitS- und Ver- dienstmöglichkeit.

Ole deutschen sozialdemokratischen Lehrer beim Schulminister Gestern, Mittwoch, sprach eine Abordnung der Reichsvereinigung deutscher so­zialdemokratischer Lehrer in,der Tschechoslowaki­schen Republik, bestehend aus Fachlehrer H u d l, Dr. F i s ch e v und Direktor Fritsch unter Führung der Frau Abgeordneten K i r p a l beim Schulminister Dr. Franke vor. An der Hand einer ausführlichen Denkschrift besprachen sie mit dem Herrn Minister die einzelnen Punkte: Herausgabe einer wissenschaftlichen pädago- gischen Zeitschrift mit Unterstützung deS Schnl- ministerinmS, Revision der anS den Schülerbüche- reien auSgrschiedrnen Werke, Aendrrung deS ApprobationSverfahrenS,- Ertüchtigung der Ju­gend durch Einführung einer Sportwoche in der ersten Hälfte des Monates Feber, Verlängerung der Schulpflicht auf neun Jahre und als sofor­tig« Maßnahm« die Errichtung einjähriger Lehr­kurse an allen Bürgerschulen, Intensivierung des Tschechisch-Unterrichtes an Bürgerschulen, Auflas­sung der Direktors- und Jnspektorenprüfung, Ver­tiefung der erweiterten Lehrerbildung gegen daS Erternistenunwesrn an Lehrerbildungsanstalten, für die Parität im Lehrernachwuchs«, erhöhte Fortbildungsmöglichkeiten für Volks- und Bür- gerschullehrrr mit bezahlten Urlauben und Sub­ventionen, Verbesserung der Aspirantenverord­nung, erhöhte und sofortige Bezahlung der Prak­tikanten an Volks- und Bürgerschulen, Vorschläge zur Milderung der StellungSnot deS Lehrnach­wuchses, darunter auch die Forderung der Pen­sionierung der Mittelschullehrer mit 30 und der Volks- und Bürgerschullehrer mit 35 Tienstjah- ren, ohne Mcksicht auf daS Lebensalter. Zu den Gerüchten über den Abbau verhei­rateter Lehrerinnen und Professorinnen äußerte sich der Minister, daß er irttmer die gewährleiste­ten Rechte der Frauen im Staatsdienst verteidigt habe. Eine Reihe finanzieller Fragen wurden ebenfalls erörtert, u. a. auch die Aufhebung der Sparmaßnahmen, Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten, entsprechende Bezah­lung der Bezirksschulinspektoren und zeitgemäße Bezahlung des Unterrichtes in den Nebengegen­ständen..

fach«, daß die Vertreter der Partei und der freien Gewerkschaften jederzeit ihre ganze Kraft für die Linderung der Rot der Krisenopfer eingesetzt habe«. Sie betonen, daß rS kein Nachlassen in die­sem zähen Kampfe gegen die Krisenfolgen geben darf und verweisen in diesem Zusammenhang« darauf, daß der Bezirk GraSlitz mit seinen fast 8000 Arbeitslose« noch immer weit an der Spitze aller Not- standsgebiete diese- Staates marschiert, also ständiger und ausreichender Hilfe dringend bedarf. Die Vertrauensmänner gebe« für die von ihnen vertretenen Arbritermaffen die Versicherung, daß sie bereit find, jedem Rufe der Partei zu folgen, wenn es gilt, die demokratischen Freihei­ten deS Volkes einerseits«nd die wirtschaftlichen und soziale«-Leben-rechte der Werktätigen ander­seits-« schützen. Di« Vertrauensmänner find natürlich davon überzeugt, daß eine durchgreifende Wendung zum Besseren erst möglich ist, wen« die arbeitenden Menschen str ihrer überwiegenden Mehrzahl znr Erkenntnis ihrer Klassenlage gelan­gen, sowie zu ihrer Bereinigung in einer großen, statte« Sozialdemokratie. In dieser Richtung wer­den die BertrauenSmänner weiterhin arbeiten. Zum Bezirksvertrauensmann würbe wieder Genosse Josef Häring gewählt.

Der Minister brachte allen Wünschen und Forderungen richtiges Verständnis entgegen und versicherte, sich mit den Fragen des Memoran­dums eingehend zu beschäftigen.

Die Losung der Textilarbeiter: Der verbindliche Kollektiwertrasl Kundgebung in Reichenberg Die am nordböhmischen Kollektivvertrag beteiligten Gewerkschaften der Textilarbeiter be­riefen für Dienstag eine gemeinsame Kundgebung in dem ReichenbergerSchützenhaus"-Saal ein, auf welcher Bericht über die Verhandlungen be­treffend die Verbindlichkeitserklärung der Kollek­tivverträge erstattet würde. Als Referent gab der Gausekretär der Union der Textilarbeiter, Genosse H. M a y e r, zuerst ein Bild von der wirtschaft­lichen Lage der Textilarbeiter, deren Lebens­niveau in den letzten Jahren durch Lohn­senkung, Kurzarbeit und betriebstechnische ^Neuerungen mindestens um 30 bis 40 Prozent gesunkenist. Dieses System mutz einmal ein Ende haben. Die Unternehmer erklären-zwar» die vertraglichen-Lohne anerken- nen zu wollen, drohen aber gleichzeitig mit der Abwanderung der Aufträge nach den billigen Gebieten". Die Textilarbeiter stellen dem die Forderung nach Beseitigung der niedrigen Löhne und Unterbindung der Schmutzkonkurrenz ent­gegen. ES ist notwendig, datz die Verträge für alle Betriebe.verbindlich erklärt werden. Darum geht heute das grohe Ringen. Auf Grund des Antrages der Vertrags­gewerkschaften. die drei nordböhmischen Verträge Reichenberg, Friedland und Tannwald verbind­lich zu erklären, fanden in den letzten Wochen Verhandlungen statt. Die Unternehmer erklärten, grundsätzlich für die Verbindlichkeit zu sein. Es geht jetzt darum, gewisse Branden, die nicht im Vertrage waren Lohnveredeluna und Streich­garnspinner einzubeziehen. Wenn die Arbeiter die Löhne schützen wollen, müssen sie in den kom­menden Wochen restlos für das gemeinschaftliche Lohnsystem eintreten. In ähnlicher Weise referierte Genosse S l ä m a für die tschechischen Textilarbeiter. Für die christ­lichen Textilarbeiter sprach L e n k e r t, für die Kommunisten Wenderlich.

Berqarbeitertod. Am 10. Feber verunglückte auf dem Kpnkordia-Schacht in R e u s a t t l der im 46. Lebensjahre stehende verheiratete Berg­arbeiter Josef Kn o rr"aus Neusattl tödlich. Knorr war bei dem maschinellen Vetrieb der so­genannten Schüttelrutsch in einem Abbau mit einer Höhe von sechs bis sieben Metern beschäf­tigt. Die Ursache des tödlichen Unfalles wird durch die kommissionelle Erhebung festgestellt lverden. Die Bergarbeiter dieses Schachts haben aber schon öfter ihre Bedenken gegen die maschi- nelle Kohlengewinnung geäußert, nicht nur allein wegen der Verdrängung des Arbeiters in dieser schweren Zeit vom Arbeitsplatz, sondern insbeson­dere deswegen, weil das Gefahrenmoment für den Bergarbeiter bei maschinellem Betrieb größer ist. Bom Zug geköpft. In den Morgenstunden deS Dienstag machte ein Arbeiter auf dem Bahn­körper unterhalb des Fischerner Friedhofes bei Karlsbad einen grausigen Fund. Auf den Schie­nen lag der Leichnam eines Mannes, dem der Kopf vom Leibe getrennt war. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß es sich bei dem Toten um den 37jährigen, verheirateten Schuhmacher Josef H e i d l e r aus Neudek handelt, der aus unbekannten Gründen sich in den Nachtstunden zum Dienstag vor einen auS Eger nach Karls­ bad fahrenden Zug geworfen hatte und von den Rädern buchstäblich geköpft worden war. Bei dem Lebensmüden wurde ein Brief an seine in Neudek lebende Frau vorgefunden, mit welchem er die Gattin wegen seiner Tat um Verzeihung bittet und Abschied von Frau und Kind nimmt.">

Grabschrift für 4300 Opfer: .«Von allen Verbrechen, die auf dieser Welt verObt werden können, gehört der politische Mord zu den verabscheuunga- würdigsten**. Gauleiter Bohle der NSDAP bei der Bestattung Gustloffs

Total isoliert Und die Marxisten sind daran schuld ,>Wählt Henlein , dann wird es mit ein,em Schlage anders werden!" so und ähnlich lau- teten die Parolen, mit denen die sudetendeutschen Nazi in den letzten Wahlkampf zogen.Schluß mit den Systemparteien, die 15 Jahre lang nur geredet haben" so hieß es damalsreiht euch in die neu gebildete Bolksgemeinschaft ein und dann werden wir es den Tschechen schon zei­gen!" Fünf Viertel Millionen Wähler haben die Phrasen geglaubt und den großen Versprechun­gen der SdP-Macher Vertrauen geschenkt.. Sie haben gehofft, daß Henlein in diesem. Staate bald ein tonangebender Faktor und seine Partei bald die treibende Kraft in der tschechoslowaki- schen Polüik sein werden. Diese Menschen sind furchtbar enttäuscht worden. Henlein ist es zwar gelungen, seine Totalftätsansprüche innerhalb der sudetendeutschen Bevölkerung zum erheb­lichen Teile zu verwirklichen, aber der tatsäch- liche Effekt seines grandiosen Sieges war gleich Null. Was die abertausenden seiner Anhänger nicht für möglich hielten, ist eingetreten: Hen­ lein , der diestärkste Partei der Republik " kom­mandiert, hat außerhalb seiner Bewegung nicht den geringsten Einfluß und faktisch heute noch weniger zu sagen als am Beginne seiner politi­schen Laufbahn. Seine Anstrengungen, im Lager der tschechischen Reaüion einen geeigneten Part­ner zu finden, um mft ihm gemeinsam den ver- haßten Marxismus ausrotten zu können, seine Bemühungen, im Bunde mft den tschechischen Faschisten hierzulande ein diktatorisches Regime ä la Drittes Reich aufzurichten, sind kläglich ge- scheftert. Nicht einmal bei den schlimmsten Fein­den der Demokratie, bei den Kahaneks und Stoupals, ist er auf genügend Verständnis ge- stoßen. Der totalitäre Führer des aufbrechenden Sudetendeutschtums ist heute total isoliert. Die Tschechen zeigen ihm die kalte Schulter und mit den deutschen akwistischen Parteien,'die er ein­mal völlig gleichschalten wtlllte, lebt er in hef­tigster Fehde. Henlein steht mft seiner Millio­nenpartei allein auf weiter Flur und weiß mit seinerMacht" absolut nichts anzufangen. DaS kann auf die Dauer nicht ohne Folgen bleiben. In der Hühnerfarm wird es ftnmer unruhiger, die Unzufriedenheft wächst von Tag zu Tag, da und dort kommen bereitsSpaltpilze" zum Vor­schein und die braunen Bonzen haben alle Hände voll zu tun, um der immer zahlreicher auftre­tenden Miesmacher und Meckerer Herr zu wer- den. Begreiflich daher, wenn die Leute, vom Kameradschastsbund jetzt in banger Sorge sind, daß ihnen die Felle langsam wieder davon schwimmen könnten. Die Isolierung, in die sie sich selber hineinmanövriert haben, macht ihnen niäft geringes Kopfzerbrechen und in den Hen- leinblättern wird das Lamento über diese so un­erfreuliche Entwicklung immer lauter. Die Rundschau" jammert fast in jeder Nummer, daß der Konrad von der Polftik im Staate nach wie vor ausgeschaltet bleibt und daß infolgedessen der Wahlerfolg vom 19. Mai eigentlich für die Katz war. Wie gewöhnlich, sind an dem Uebel natürlich wiederum die Marxisten schuld. Die Rundschau" schreibt, die bösen Sozialdemokra­ten hätten ihre Beziehungen zu einflußreichen tschechischen Politikern dazu mißbraucht, uni diese gegen Henlein aufzuputschen. Da kann, man halt nichts machen. Denn von der SdP nichts mehr übrig sein wird, so wird das sicherlich auch wieder auf unser Koifto gebucht werden, aber diesen Vorwurf werden wir ruhig ertragen. Es würde unS sogar freuen, wenn ausgerechnet jene Bewegung, die den Marxismus unibringen woltte, bei dieserTotengräberarbeit" selber zugrundeginge. Je ftüher, desto besser. vas zweite Gesicht Spina hat unlängst von den drei Gesichtern Henleins gesprochen.-Er spielte dabei auch aus, die Verbeugung Henleins vor den Juden an, die zu dem Londoner Programm des Ras Konrad gehörte. Das andere Gesicht, das Streicher und Hitler zugewandt ist, hat Herr H o d i n a Mittwoch im Schulausschuß des Abgeordneten­hauses gezeigt. Er forderte nämlich vom Schul­minister, daß keine Juden zu Direk- t o r e n an deutschen Mittelschulen befördert werden sollen. Jetzt bleibt nur noch die Frage zu klären, ob das ganz allgemein und auch für jene Juden gelten soll, die Henleins Londoner Einladung gefolgt und in die SdP. eingetreten sind.