Nr. 43

Donnerstag, 20. Feber 1936

Sudetendeutscher Zeitspiegel

Verhaftung wegen Menschenraubs

In Spittelgrund bei Deutsch- Ga-| zu Tage, besonders Korrespondenz mit der Ge­bel wurde dieser Tage ein gewisser Weiß ver- stapo. Weiß wurde bereits dem Kreisgerichte in haftet, der im Verdachte steht, einen Kom mit= Reichenberg eingeliefert. Er gehörte früher der nisten an die Gestapo ausgelie- kommunistischen Partei an, war aber jetzt ein fert zu haben. Eine sofort bei Weiß vorgenom- eifriger Henleiner. mene Haussuchung förderte belastendes Material

Große Leistungen

Iung auf. Unter großem Gelächter der anwe­senden Sozialdemokraten und Kommunisten ver­ließen die Henleiner das Lokal.

Vertreter unserer Kultur­organisationen beim Präsidenten

einer Gewerkschaft Union der Bergarbeiter zahlte i. J. 1935 über 2.5 Millionen Unterstützung aus. Der Glüdauf" bringt eine Uebersicht über die Unterstügungsausgaben der Union der Berg- Der Präsident der Republik empfing am arbeiter, der wir entnehmen, daß im Jahre 1935 Montag u. a. eine Deputation des Verbandes insgesamt 2,657.343.10 ausgezahlt wurden. der Arbeiterturnvereine in Prag unter Führung Gegen 1934 hat sich die Gesamtsumme der aus- des Obmannes Hummelhans und eine De­gezahlten Arbeitslosenunterstüßungen um putation der deutschen sozialistischen Kulturorga­627.392.80 erhöht. Mit der im Jahre 1935 aus- nisationen, geführt vom Senator Müller, in gezahlten Arbeitslosenunterstützung hat die Union der Bergarbeiter die bisher höchste Jahressumme erreicht.

Mit Recht weist der Glüdauf" in dem er­wähnten Artikel darauf hin, was die Bergarbeiter der Union zu verdanken haben. Vor allem hat die Prager Vereinbarung den uneingeschränkten Entlassungen und der Willfür der Grubenherren,

die in den ersten Krisenjahren eingesetzt hatte, ein

welcher sich Vertreter folgender Korporationen befanden: Arbeiterturn- und Sportverband aus Aussig , Sozialistischer Jugendverband aus Tep: lib- Schönau, Arbeiterrad- und Kraftfahrerbund in der CSR aus Turn, Arbeiterverein Kinder­freunde" aus Bodenbach und Touristenverein Naturfreunde" aus Aussig .

Grube beschäftigt. Am Montag, den 17. Feber, arbeitete Steidl auf einem sechs Meter hohen Ab­bau. Plötzlich löste sich von der Firste ein Stück Kohle, wobei ein sechs Meter langer Stempel weg­gescheudert wurde, der Steidl so unglücklich am Kopf traf, daß sofort der Tod eintrat. Steidl war 42 Jahre alt und hatte Frau und zivei Kinder zu versorgen. Wen die Schuld an dem entseßlichen Unglücksfall trifft, wird erst durch die bereits ein­geleiteten fommissionellen Erhebungen am Tatort: festgestellt werden. Albert Steidl war ein lang= jähriger, tüchtiger und aufrechter Mitarbeiter der Union der Bergarbeiter.

Papen will ein tschechoslowakisches Gut fau fen. Die Deutsche Presse" meldet aus Wien : Der reichsdeutsche Staatsbürger Graf Dr. Spee trägt sich( aus finanziellen Gründen) schon seit langem mit dem Gedanken, sein Gut Joslo­wi( Bezirk 3naim, Südmähren ) zu verkaufen. Zur Joslowißer Herrschaft gehört ein Schloß, das von Fischer von Erlach erbaut worden ist. Graf Dr. Spee hatte ursprünglich mit den Patres Oblaten verhandelt. Die Verhandlungen wurden von diesem Orden abgebrochen. In der letzten Zeit interessiert sich der reichsdeutsche Gesandte in Wien , von Papen, für diesen Besitz.

Die faubere" und staatstrene" Volfs­gemeinschaft. In dem Städtchen Bilin , wo die SdP- Führer immer besondere Triumphe feiern, weil ja auch einige Prominente" dort ihren Si haben, ist ein großer Skandal aufgeflogen. Die

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Gendarmerie hat einige Leute auf Grund des § 139 des Strafgesezes( Verbrechen der Un­zucht) verhaftet. Bis jetzt sind es acht Personen. Zufällig sind auch zwei SdP- Mitalieder dabei.. und in Eichwald? Dort haben endlich einmal die Organe der Bezirksbehörde hineingeleuchtet. Seit

Streik bei Haas& Čzjžek in Chodau Ende bereitet. Würden die Grubenbesizer sowie bis 1932 freie Hand bei Entlassungen haben, dann Die Firma Haas& Cžižek in Chodau nützte wäre die Zahl der arbeitslosen Bergarbeiter noch die vorübergehende Betriebsstillegung in der Zeit viel höher. So hat die Union der Bergarbeiter im bom 29. Dezember 1935 bis 20. Jänner 1936 Kampf um die Erhaltung des Arbeitsplakes für dazu aus, die ohnedies niedrigen Verdienste der die aktiven Bergarbeiter ihre Pflicht erfüllt und Maler und Malerinnen durch Einführung des ist in solidarischer Weise auch jenen treu zur trieb wurde mit 20. Jänner teilweise und am Goldkaufes noch mehr zu drücken. Der Be­Seite gestanden, denen die kapitalistische Wirt­schaftsordnung nicht mehr Arbeit und Brot zu 27. Jänner vollständig( mit mehr als 500 Be Frauentag!

geben vermochte.

Wir möchten diesen Ausführungen unseres Bergarbeiter- Organs noch hinzufügen, daß die Union der Bergarbeiter in der legten Zeit auch ganz außerordentliche Erfolge in der Sicherung der Rechte der Bergarbeiter- Pensionisten er­zielt hat.

Teplitzer

Hakenkreuzler verurteilt

Fünf und zehn Monate strengen Arrest. Teilweiser Freispruch wegen Mangels an Beweisen.

Nach zweitägiger geheimer Verhandlung wurde Mittwoch das Urteil gegen die Teplizer Nationalsozialisten gefällt. Sämtliche Angeklags ten wurden schuldig erkannt. Morgenstern, Lichmann und Hüttl wurden zu je zehn Monaten strengen Arrests und 500 Geld­strafe, umgewandelt in fünf Tage Arrest, verur­teilt, Novotny zu fünf Monaten strengen Arrests und 200 Strafe, die in zwei Tage Arrest umgewandelt wurde. Die Strafe ist in allen Fällen durch die Untersuchungshaft ver­

büßt.

Das Verfahren gegen Gruber und Snö dhe I, die zur Verhandlung nicht erschienen waren, wurde ausgeschieden und gegen die bei den, die nach Deutschland geflohen sein dürften, wurde ein Steckbrief erlassen.

Die Verurteilung der vier Angeklagten er­folgte nach§ 17 des Schutzgesetzes uni wird das mit begründet, daß sie mit dem ehemaligen NSDAP - Sekretär Richter in Verbindung stan den und nach seiner Anleitung eine gegen die Republik gerichtete Tätigkeit entfalteten. Von den übrigen Punkten der Anklage wurden sie freige­sprochen, da ihnen die dort angeführten straf baren Handlungen nicht nachgewiesen werden

fonnten.

Eine verunglückte

SdP- Versammlung

Kampftag!

Festtag!

vielen Monaten wird gemunkelt und getuschelt, daß reichsdeutsche Autos vorfahren und gewisse Verbindungen bestehen. Die Gendarmerie besaß Anzeigen, aber es geschah nichts. Gestern nun wurden unter Zeitung eines politischen Beamten einige Hausdurchsuchungen vorgenommen, die vor allem

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Scite 3

Wie der Nazi sich das englisch - russische Verhältnis dachte:

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,, Pack den roten Bären! Bully!" und wie das Manöver ausfiel:

,, Nicht rühren, Nazi, sonst beißen wir beide!"

Anschlag auf den Negus

Addis Abeba.( Neuter.) Die amtliche Tas Flugplatzverwaltung hat einen gegen den Negus gerichteten Sabotage att aufgedeckt. Zingzeug ist beschädigt worden. Ueber die Sache von Haile Selassie gewöhnlich benutzte wird absolutes Schweigen bewahrt, doch verlau­tet, daß in das Del Sand gemischt und mit den Zylindern eine böswillige Manipulation vor­genommen wurde. Der Fall wird sorgfältig dem Auslande bezahlten Spionagebande gehören. untersucht. Die Saboteure sollen zu einer aus Vom Kriegsschauplatz

schäftigten) aufgenommen. Mit Aufnahme der dieser Abteilung beschäftigten Arbeitern und Ar­teilweisen Arbeit in der Malerei wurde den in beiterinnen erklärt, von nun an müßten sie das Gold kaufen. Die Durchrechnung der Akkordsätze werde der Kalkulant im nachhinein vornehmen. Cbwohl die Firma bei der Einführung des Gold­faufes die Bestimmungen des Kollektivvertrages der Porzellanindustrie über Beistellung der Ar­beitsbehelfe nicht eingehalten hat und verpflichtet gewesen wäre, einvernehmlich mit der Preiskommission die Affordsätze derart zu erhö­hen, damit durch die Einführung des Goldkaufes sicherlich wieder nur ein Zufall die vorher bestandenen Effektivverdienste nicht uns einige wackere Henleins betrafen. Wir werden die terschritten werden, nahmen die Arbeiter die Ar- Ehrenliste zur Zeit noch nachtragen. Es wurde beit auf, im Vertrauen auf das Versprechen, daß eine Menge Material gefunden und einige beson­durch den Goldfauf keine Lohnfüraunders ,, Treue" sollen auch mitgenommen worden gen eintreten werden. Die Einführung des sein! Ja, es gelingt eben nicht immer, dieses Goldkaufes ohne Beachtung der vertragsmäßigen zweite Geficht zu verbergen! Eines aber sei mit Rechte der Arbeiter ist eine eklatante Ver leßung des Kollektivvertra ges. Die Maler und Malerinnen hätten schon am 20. Jänner das Recht gehabt, ohne Kündi­gung die Arbeit zu verlassen, und die Firma wäre verpflichtet gewesen, dafür die Kündigungsent­Aus Lebensüberdruß in die Elbe . Ein auf schädigung zu bezahlen. Als Dank für das loyale regender Vorgang trug sich am Dienstag abends Verhalten der Maler und Malerinnen wurden auf der Elbebrücke in Aussig zu. Ein Mann, erklären offizielle Kreise, daß die italienischen Addis Abeba . Zu der Schlacht bei Makalle diesen durch vier Wochen, immer nur 2ohn der vorher seinen Ueberzieher ausgezogen hatte, Kriegsberichte ma s I o sübertrieben seien. vorschüsse gewährt, welche ebenfalls nicht der war ins Wasser gesprungen. Der Lebensmüde Von der Armee des Ras Mulughet waren nur ungefähren Höhe des vor Einführung des Gold- hielt sich längere Zeit auf der Wasserfläche, rief einige tausend Mann an dem Gefecht beteiligt. taufes erzielten Wochenverdienstes entsprachen. um Hilfe und ging schließlich unter, noch bevor Die abessinische Artillerie sei an den Gefechten Endlich, am Freitag, den 14. Feber, kamen die hilfsbereite Retter, die ein Boot von einem Kahne überhaupt nicht beteiligt gewesen, da die geringe Löhne auf Grund der errechneten neuen Afford losmachten, die Stelle erreichten. In dem zurück- Arzahl verwendungsfähiger Kanonen ausschließ­fäße zur endgültigen Verrechnung und es zeigte gelassenen Rock wurde ein Mitgliedsbuch des Ver- lich in Festungsbauten Verwendung gefunden sich, daß viele Maler und Malerinnen noch eins jüdischer Kriegsinvaliden hätten. Geld von zuhause hätten mit Böhmens, auf den Namen Adolf Stern , Te p- feien die Kämpfe östlich und südöstlich von Ma­bringen müssen. Ii B, Eichwalderstraße, ein Anmerkbüchel mit dem talle erneut wieder aufgeflammt. gleichen Namen und ein Abschiedsschreiben an eine " Steffi" gefunden.

berufen.

aller Deutlichkeit ausgesprochen: In Eichwald hätte man früher einschreiten müssen! Warum es nicht geschehen ist, soll einer späteren Betrachtung reserviert bleiben!

Durch diese vertragswidrige Handlung der Firma stieg die Erregung der Maler und Male­rinnen derart, daß sie Samstag, den 15. Feber, Ein Kinderschänder. In der Nähe von Pet­die Arbeit niederlegten. Verhandlun- schau sprach am Sonntag abends ein junger Mann gen führten zu feiner Einigung. Demzufolge hat ein zwölfjähriges Mädchen an und versprach ihm die Bezirksbehörde Elbogen für Donnerstag, den einen Geldbetrag, wenn es ihm zu Willen sei. Als 20. Feber nach Elbogen eine Verhandlung ein- der Unhold das Kind zu vergewaltigen versuchte, kam zufällig der Vater des Kindes vorbei. Der Wieder Bergarbeitertod im Egerland entfeste Mann rief laut um Hilfe und versuchte den Verbrecher festzuhalten. Der zog einen Revol­In Freudenberg bei Böhm.- Kam- Der in The ussa u wohnhafte Bergarbeiter ver und gab mehrere Schüsse auf den Vater ab, niẞz sollte am letzten Samstag eine öffentliche Albert Steidl war bei der Fischer- Zeche in ohne ihn zu treffen. Dann verschwand er und Versammlung der SdP stattfinden, in der der 3iedit als Bohrer und Schußmann in der lentfam im Schuße der Dunkelheit. Abg. Ing. Lischt a referieren wollte. Schon lange vor Beginn waren unsere Genossen und auch Kommunisten anwesend. Ats endlich um neun Uhr abends die Herren des Präsidiums mit dem Referenten erschienen, sah die Sache für die Ver­anstalter nicht gerade einladend aus. Von den rund 250 Anivesenden gehörten nur etwa 100 der SdP an. Als die Herren die Situation erfann London . Der diplomatische Berichterstat-| Der Eindruck, daß die Widerstandskraft der Abes­ten, versuchten sie einen bekannten Trick, um die ter des Reuterschen Bureaus erfährt: Die bri- finier abnehme, werde auch durch die Anzeichen Opposition nicht zu Worte kommen zu lassen. Der tische Regierung hat den Wunsch geäußert, daß eines neuen italienischen Angriffes an der Süd­Vorsitzende erklärte nämlich, daß der Opposition der 18gliedrige Sanktionsausschuß am 2. und eine Redezeit von insgesamt einer Stunde einge- nicht am 9. März zusammentrete, und zwar des­räumt wird, einschließlich der Debattenredner. halb, weil Großbritannien die Angelegenheit der Man hatte offenbar die Absicht, die zwei Henlein- Sanktionen so bald wie möglich entschieden sehen Redner drei Stunden sprechen zu lassen; mittler will. weile wäre es zwölf Uhr geworden und man hätte Nach dem diplomatischen Mitarbeiter des die Versammlung vegen vorgerüdter Zeit ge Daily Telegraph " ist man in Regierungskreisen schlossen. Unsere Genossen verlangten aber, daß der Anschauung, daß durch die abessinische Nie wirksame Celsperre gegen Italien nicht aufer­age entstanden sei. Zudem wiffe man, daß die legt werden könne, dann würden sicherlich an Nahrungsmittel in Abessinien knapper würden. bere Maßnahmen erwogen werden.

England für Verschärfung der Sanktionen?

auch der Henlein - Redner nur eine Stunde reden solle. Dies lehnten die Herrschaften ab und lösten furzerhand die Versamm

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Frühere Einberufung des Sanktionenausschusses

derlage füdlich Makalle eine dringliche

Fliegerforps hat auch weiterhin den nach Süden Nom. Heeresbericht Nr. 130 lautet: Das fliehenden Gegner mit Bomben belegt. Truppen des dritten Armeekorps sind bis in die Gegend Tembien und Socota vorgedrungen, ohne auf von Gaela an der Verbindungslini: zwischen Widerstand zu stoßen. Sie wurden von der Be­völkerung freundlich aufgenommen.

In den Abendstunden des Dienstag

Göring in Warschau Warschau

. Ministerpräsident Göring und seine Gemahlin sind Mittwoch vormittags in Warschau eingetroffen. Göring , der sich zu einem mehrtägigen Jagdaufenthalt in den polnischen Staatsforst Bialowiesch begibt, wird vom Mini­sterpräsidenten Koscialfowski und dem Staatsprä­fidenten Moscicki empfangen werden, worauf er mit dem Außenminister Beck eine Beratung ab­

halten wird.

In Kürze

Kiel.( AP.) In Flensburg wurden 60 Per­sonen unter Beschuldigung der Spionage verhaftet. Massenrazzia unter den Bauern statt, die Lebens­Bielefeld.( AP.) In der Umgebung fand eine mittel auf staatlich nicht bewilligte Märkte bringen wollten. Dabei wurden 89 Pfund Butter und front verstärkt. Unter diesen Umständen müsse die 20.000 Gier beschlagnahmt. britische Regierung gemeinsam mit den Regie­rungen der anderen Völkerbundstaaten erwägen, zeitung" macht den Vorschlag, man solle durch eine Effen.( AP.) Die Deutsche Bergwerks­welche weiteren Schritte erforderlich und möglich| Veredelung der deutschen Eiche- eßbare Eicheln( 1) scien, um dem Opfer des Angriffes" züchten, die zur Erweiterung der deutschen Ers beizustehen. nährungsgrundlage beitragen könnten.

Sollte der Ausschuß entscheiden, daß eine

hat sich auf alle Verkehrsziveige ausgebreitet, so daß der ganze Verkehr eingestellt werden mußte und die Athener Vorstädte völlig abgeschnitten sind.

Athen . Der Streit der Verkehrsangestellten