vife 2 DonnrrStag, 27. Jänner 1938 (lerne aus, es stürmt wenig In Stifters Erzählun« gen, auch die Menschenschicksale, selbst die tragischen, fliesten in fast ruhigem Ablauf dahin, seine Helden erkämpfen sich nicht ihr Glück,. sie resignieren eher, Ruch der Dichter, der besser zu leiden als zu kämpfen verstand, hatte ja früh resignieren gelernt, er hatte auf die nie vergessene Jugendgeliebte verzichten miissen, und er hatte dieses Verzichten, das Riederringen der Triebe zu einer sittlichen These erhoben:„Leidenschaft ist Immer unsittlich",— aber hat er auch damit die „niederen" sinnlichen Triebe gemeint, so ist diese These doch leineslvegS haltbar. Er selber war ja ein v n Leidenschaften belvegter Mensch, er wäre nicht M imitier geworden, wäre er frei von Leidenschaften gewesen. Die Art, wie er sie zu bändigen und zu fesseln vermochte, bestimmte feine künstlerische Art. Friedrich Hebbel , der leidenschaftdurchglühte Dramatiker, der Norddeutsche, den ein sehr erlebnisreicher Weg sckliestlich nach Wien geführt hatte, vermochte Stifters Kunst nicht zu verstehen, er hat Stifter heftig kritisiert, und damit nicht nur dem Dichter weh getan, sondern auch Unrecht behalten. Denn neben der Kunst, die den grosten Zeitereignissen und den GefellschaftSprobleme» zugewandt ist, und neben der Dichtung, die wie eine weithin leuchtende Fackel brennt» hat auch die I stille Kunst, die der Natur zugewandte, die kleinen Dinge des Alltags würdigende, die ruhigen und abseits des Stromes der Welt lebenden Menschen liebevoll beschreibende Kunst eines Stifters nicht nur Platz, sondern sie ist nicht minder Notwendig als die eines Hebbel. Wenn es heute eine Stifter-Renaissance gibt, so keineswegs blost des« lvegen, weil man des Dichters zu seinen» siebzigsten Todestage sich erinnert, und auch nicht blost, weil man so gerne, in einer Zeit der Fesselung und deshalb Entartung der Sprache besonders gerne, an den vielen Feinheiten und zarten Schönheilen seiner Sprache sich erfreut. Auch aus anderen Gründen. ES ist ja nicht wahr, dast die Führer und Führerlein alle Menschen„dynamisch" gemacht, in allen den glühenden Wunsch nach einem„heroischen" Leben erweckt haben. Unzählige, angewidert von dem lauten Treiben der „Erneuerer", viele, die in ihrer Sehnsucht das Idealbild einer ruhigeren, menschlicheren und harmonischeren Welt tragen, halten gerne Einlehr bei Stifter, weil sie bei ihm diese andere Welt sinken, und wie ein erquickendes Waldbad empfinden sie die Versenkung in seiner Dichtung. Und doch war Stifter nicht nur der Jdylli« lerl Auch ihm, in besten Seele wie in der jedes grosten Künstlers, verzehrende Flammen loderten, lvuchsen manche Gestalten ins ganz Graste, Dämonische. Vielleicht darf man AbdiaS, den aus orientalischer Wüste in die Stille eines Alpentales verschlagenen Juden, der ein Held des Kampfes und der Liebe ist, als Stifters gröstten tragischen Helden bewundern. Aber so sehr wir Stifter auch lieben als de» Sänger der Heimat, wie gern wir zu ihm kommen, uin Beruhigung, stillen Genust der Schönheit zu suchen,— wir ehren in ihm auch den Dichter, der, so sehr er sein Voll liebte, so sehr er ihm zugetan loar, doch auch vom anderen Volke seines Heimatlandes Böhmen wustle und es schätzte und der auch wuhie, dast die Geschichte seines Heimatlandes eine gemeinsame Geschichte beider Völler ist und der, als er mit seiner Schöpferhand in die Tiefen dieser Geschichte griff, im„Witiko" eine Episode des ihm nibelungenartig grost erscheinenden Stoffes als böhmischen Roman gestaltete. Und wir lieben Stifter um seiner Menschlichkeit willen. Er, der dem Kleinen zugetan war, der die Stille des Tages belauschte, wustte Wohl von den menschlichen Entzweiungen. Aber er wollte die Zusammensührung zu einer Gemeinschaft, in der der Mensch den Menschen achtet. Auch er war einApostelderHumanität. In seiner Vorrede zu den„Bunten Steinen", die Offenbarung seines künstlerisch-erzieherischen Wollens ist, sagt Adalbert Stifter — und diese Worte sind ernste Mahnung an die Heutigen: „Wenn jemand jedes Ding unbedingt an sich reistt, was sein Wesen braucht, wenn er die Bedingungen des Daseins eines andern zerstört, so ergrimmt etlvaö Höheres in uns, wir helfen dem Schwachen und Unterdrückten, wir stellen den Stand wieder her, dast er, ein Mensch neben dem andern, bestehe und seine menschliche Bahn gehe, und wenn wir das getan haben, so fühlen wir uns befriedigt, mir fühlen uns noch viel höher und inniger, als wir uns als einzelne fühlen, wir fühlen uns als ganze Menschheit." lieste oder nicht. Der Standpunkt der Labour- Party ist jedenfalls der, dast eine absolute Klarheit geschaffen werden müsse, welche Nationen überhaupt sich noch zu einer entschiedenen Stellungnahme entschließen können. Wie man sieht, ea ist eine gefährliche Klippe für diese sonderbare „JubiläumStagung", da sich gegen diesen Standpunkt selbst von einer sehr vorstchtigen Völkerbunds-Ideologie kaum mehr etwas einwenden läht. Dast es natürlich zu keinem Sanktionsbeschlust gegen Japan kommt, verhehlt sich niemand. Einen Plah der Genfer Beratungen wird auch den Minoritäten-Fragen eingeräumt werden. Bekanntlich haben jüdische Institutionen die Aufwerfung dieser Frage im Zusammenhang mit den Ereignissen in Rumänien gefordert. beginn der Verhandlungen Der britische Austenminister Eden ist über Paris nach Genf gereist. In Paris hatte er eine Konferenz mit dem französischen Ministerpräsidenten C h a u t e in p S, dem französischen Austenminister D e l b o a und dem britischen Botschafter in Paris SirErieePhippS. Ein über diese Besprechung ausgegebeneS Kommunique sagt, dast sich die Minister völlig einig sind über die Fragen, die auf der Genfer Tagung verhandelt werden sollen. Die Sitzung deS Völkerbundrates wurde am Mittwoch mit einer kurzen vertraulichen Sitzung eröffnet. Präsident war der amtierende Ratövor« sitzende, der iranische Delegierte Mustafa Adle. Anwesend waren alle Ratsmitglieder mit Ausnahme des noch nicht in Genf eingetroffenen Lit winow . Der Rat nahm die neuen OrganisationS- mastnahmen zur Kenntnis und vertagte sich hierauf auf Donnerstag. Zersplitterung des Völkerbundes? Zu den Diskussionen über eine geplante Reform des Völkerbundes berichtet der Austenpolitiker deS„Daily Herald" N. W. Ewer, dast eine Reihe von Völkerbundsmltgliedern.mit Polen an der Spitze in Genf di« Forderung stellen wollen, eine besondere internationale WirtschastS- und Finanzorganisation zu schaffen, die völlig vom Völkerbünde separiert und noch selbständiger sein solle als das Internationale Arbeitsamt. Auch andere international: Organisationen, wie die Hygiene-Sektion des Völkerbundes, sollen vom Völkerbünde getrennt werden. Die Befürworter einer solchen Zersplitterung des Völkerbundes behaupten, dast Deutschland und Italien in jene vom Völkerbund separierten internationalen Organisationen eintreten werden. N. W. Ewer weist darauf hin, dast nach Deutschland und Italien nun auch Japan das Internationale Arbeitsamt verlassen habe, so dast keine Aussicht bestehe, durch eine Zersplitterung des Völkerbundes die Mächte, die den Bund verlassen haben, für eine interna« Die 100. Tagung des Völkerbundsrates Vermutlich wäre in einer anderen politischen Situation die diesmalige Tagung des VLlker- bundSrateS würdig gefeiert worden. Denn es ist die 100. Session seit dem Bestehen der Genfer Institution, also ein Jubiläum I Aber die Stim mung in Gens ist keineswegs die eines Jubi läums... Auf der Tagesordnung der 100. Sitzung stehen 26 Punkte, von denen die meisten technische Angelegenheiten des Völkerbundes betrefsen, so zum Beispiel ein Bericht über die Bekämpfung des Opiumhandels und ähnliches. Darunter be findet sich aber auch die Frage der Völker« bundreform. Das Plenum des Völkerbun des hat in dieser Frage eine Comitä von 28 Mit gliedern beauftragt, das sie iviederum an den Rat verwies. Dieser müstte sich jetzt dazu äustern, und der Antrag, der vorliegt, stammt von Chile. Er sah vor, dast mit den Nichtmitgliederstaaten Verhandlungen ausgenommen werden sollten. Dieser Antrag wurde vor dem Austritt Italiens gestellt, er erscheint heute allen so aussichtslos, I dast darüber überhaupt nicht niehr gesprochen wer den wird. Viel ernster ist die Frage, ob bei der Bespre chung dieses Punkte- der Tagesordnung von irgend einer Seite die entscheidende Debatte über den Artikel 16 angeschnitten werden wird. Eine Zeitlang wurde behauptet, daß England diese Ab sicht habe; da- ist dementiert worden. Von rein politischen Fragen stehen lediglich zwei auf der Tagesordnung. Die eine ist von kei ner grundsätzlichen Bedeutung: e- handelt sich wieder um das Statut des Sandschak von Ale- xandrette. Dagegen ist die andere Frage nicht nur von allergrösster Aktualität, sondern auch von folgenschwerster Bedeutung: eS handelt sich noch immer um die Klage der chinesi schen Regierung über die japanische In vasion. Bekanntlich hat der Völkerbund sich seiner zeit einer Entscheidung in dieser Frage dadurch entzogen, dast er ihre Besprechung auf der Brüsse ler Vsserenz veranlaßte. Das Ergebnis der Konferenz war niederschmetternd, aber danach hat der Völkerbund auch nicht die geringste Initiative ergriffen. ES wäre Pflicht deS Generalsekretärs des Völkerbundes Avenol gewesen, unmittelbar nach der Brüsseler Konferenz wieder mit den Großmächten Fühlung zu nehmen. Aber dies wurde für„inopportun" gehalten. WaS jetzt geschehen soll, weist niemand. Es ist sehr leicht möglich, dast Wellington Koo auf eine Entscheidung drängen wird, der man nur mi: GeschästSordnungS-TrickS ausweichen könnte. Auch steht England in dieser Frage stark unter dem Druck seiner öffentlichen Meinung. Eben erst hat der Bollzugsauöschust der Labour-Party von Eden gefordert, dast England in Genf die Ini tiative für die Verhängung von Sanktionen gegen Japan ergreifen solle, und zwar unabhängig da von, ob.eine Einstimmigkeit sich hierfür erreichen I tionale Zusammenarbeit zurückzugelvinnen. Nachdruck verboten. 10 | DIE KOLONNE AM KREUZWEG I ERZÄHLUNG VON MARIE MAJEROVA „Ich dachte, ich könnte irgendwoanderShin arbeiten gehen. Vielleicht nach Deutschland. In Essen sind die grosten Krupp-Werte. Oder auch nach Amerika. Nach Cleveland fahren alle Jahre welche aus der Hütte. Und gerade wird wieder eine neue Expedition vorbereitet." Nun war es heraus. Nun wagte er es, seine Frau anzusehen. Sie saß da mit halbgeöffneten: und verwundertem Mund, und nut ihrem unschuldigen Gesicht glich sie dem Kind, das auf ihren Knien säst und genau so verwundert und ahnungslos dreinfchaute. „lind was, tvas würde mit uns werden?" stotterte sie und wurde rot vor Aufregung. „Ihr würdet hier auf mich warten, bis ich zurücktomme und euch viel Geld mitbrächte. Würde dich das nicht freuen?" Als er sie so sah, wurde er wieder der Josef Hudee, den alle als rechtschaffenen jungen Mann kannten,— ein wenig schüchtern, wie eS schien, fast töricht, aber gewissenhaft und ordentlich. Und weil Marie nur mit den Tränen in ihren Augen antwortete, stand er auf, stupste ihr mit dem Finger auf die zart gerötete Nase und sagte: «Nun also, dann werde ich nirgendshin fahren." Er ging auf den Hof, um das Tor zum Kaninchengehege festzudrahten. Marie, die ihr Gefühlsventil öffnen mußte, begann den Kinderkopf, der ihr nahe war, mit wilden Küssen zu bedecken. Die Elektrifizierung der Hütte lieh nicht lange auf sich warten. Bon Abteilung zu Abteilung, von Werkstatt zu Werkstatt gingen Kommissionen, die Ingenieure masten, schrieben auf, kletterten auf die Konstruktionen und alles das testen sie, als Ivären die Hüttenarbeiter überhaupt nicht vorhanden. Nur der Meister hängte sich ihnen an die Rockschöste, war sehr geduckt und höflich und haschte nach Gesprächsbrocken. Zuweilen kam mit der Gruppe ein Herr, der auch diese Intelligenz noch beaufsichtigte. Er liest sich dies und jenes erklären und sah zu, Ivie sie gehorsam umhersprangen, während er die Zigarre nicht aus dem Munde nahm. „Ein Aktionär", witzelte Klima. Und Kadekäbek mit halbgeöffnetem Munde: „Vielleicht nur einer aus der Direktion?" „Die kenn' ich fast alle", behauptete der„Polizist".«ES ist sicher ein Aktionär." Gleich nach der Jngenieurkominission kamen die Monteure . Deutsche. Mit den Hüttenarbeitern sprachen sie nicht. Sie arbeiteten nur unter Zelten und taten sehr geheim mit ihren Künsten. Wenn sie jemand zu irgendeiner Beratung wegen einer Maschine oder zu irgendeiner Arbeit in ihrer freien Zeit rief, so taten sie eS nicht unter fünf Kronen Trinkgeld. In ihrem Standesdünkel versuchten sie, die Kladiwer Hüttenarbeiter nach Bier zu schicken und hieraus ergaben sich manche Wortgefechte. Sie machten ihre Arbeit und verschwanden so unversehens wie sie gekommen lvaren. Der Meister begann wieder mit seinen Doggen ins Stahlwerk zu kommen, und seine Haltung war selbstbewußter. Er erklärte der Kolonne, worin sich ihre Arbeit geändert hatte, dast es nun also notwendig sei, einzelne Arbeiter zu versehen. Am SamStag meldete der Schreiber bet der Auszahlung, dast von einer Schicht fünf Leute entlassen seien. Die vier Kameraden hörten die Aufzählung der Namen. Es war weder Klima noch Kadekäbek, weder Nogol noch Josef Hudee darunter. Vorläufig. Klima spuckte aus. «Donnerwetter, ich dachte schon.. Und da sie gerade Schicht hatten, gingen sie von der Auszahlung in die Werkstatt. Der bisherige Kranführer war zu einer Maschine versetzt worden, und an seine Stelle tvurde Hudec gestellt, der„Polizist", Iveil er von der ganzen Kolonne am längsten in der Hütte arbeitete. ES wußte, daß er nun die Verantwortung für den Kran und dessen Instandhaltung trug. Deshalb griff er zuerst nach der Kanne mit dem Oel, damit die riesige Maschine in Ordnung bleibe. „Ich muß ein bißchen schmieren, bevor wir anfangen. Jungens", sagte Hudec, der Polizist, und kroch in die Bude. Kadekäbek kletterte ihm mit affenartiger Geschwindigkeit nach. Turnen war sein Lieb» lingSfach in der Schule gewesen. Heute war ihm doppelt leicht zumute, denn er wußte, daß er nun wenigstens einige Zeit von der Angst der Entlastung befreit war. „Gib die Kanne Herl Bevor du dich in der Bude einrichtest, klettere ich an das Ende des ArmeS", rief er dem Polizisten zu. „Dort hast du nichts zu suchen, Mensch, kriech nicht dorthin! DaS ist meine Sache, den Kran in Ordnung zu halten", polterte gutmütig Hudec. Aber der ehemalige Lehrer war überzeugt, eS bester zu können als der Polizist. Er ließ eS sich nicht auSreden. Es war ihm, als hätte er Flügel bekommen und müsse in die Höhe empor. Er riß dem Polizisten die Kanne aus der Hand und schmierte. DaS Gefäß flog nur so: Kadekäbek kannte sich wirklich schon in dem Mechanismus des KranS aus und wußte, wo er sich länger mit dem Schmieröl aufhalten mußte und wo nur ein paar Tropfen genügten. .„Ich sage dir, geh hinunter", rief ihm der Polizist zu.„Lohnt es, daß der Meister sich darüber aufhält? Mach kl ine Dummheiten!" Indessen schimpften unten Nogol und Klima über den Meister. Nogol fühlte deS Meisters Mißgunst und ahnte, daß sein Name in der nächsten Ent- Nr. 22 Srämek: Keine Zusammen arbeit mit Henlein Der ZentralvorzugSauSschust der tschechoslo- wakischen Volkspartei hielt Mittwoch in Prag unter Vorsitz des Ministers Dc. Srämek ein« Sitzung ab. in der er sich mit wichtigen Fragen der Innen- und Außenpolitik befaßte. Dr. Srämck sprach sich in seinem Referat gegen alle Tendenzen nach einer Außenpolitik aus, die auf wie immer geartete Weise unseren Staat von Deutschland abhängig machen würde, und führte unter der Zustimmung aller Anlvesenden aus, daß ei daü Interesse unseres Staates erfordere, unter den gegebenen Verhältnissen an den Richtlinien der bisherigen Austenpoli- t i k, wie sie seit der Wiedererrichtung des Staates geführt wurde, f e st z u h al te n. In der Innenpolitik sei die Bolkspartei für eine demolra- tische Mitte und gegen eine Zusammenarbeit mit den Henlein-Leuten wie auch mit den Kommunisten. Dr. Srämek wurde in der Debatte Dank und Anerkennung für die umsichtige Führung der Partei seit dem Bestehen der Republik ausgesprochen. Ebenso einmütig wurde die Haltung der beiden Vertreter der Partei in der Rest^rung genehmigt. Kuncigebuns 6er tschechischen Sozialisten: Neujahrsknndgebniig Berans— außerhalb des Koalltlonsrahmens Der Vorstand der tschechosiowakischen Sozialisten hat den Bericht seines politischen Vertreters in der Regierung, des Ministers Dr. Franke, mit Befriedigung entgegengenommen, daß nämlich für die Regierungskoalition auch weiterhin die grundlegenden Richtlinien über das Verhältnis der Koalition und Regierung zu den Oppositionsparteien bestimmend sind, welche die ganze Koalition durch ihre verantwortlichen Vertreter beschlossen hat. Die NeujahrSkundgebung des Obmanns der Republikanischen Partei Abg. Beran, heißt eS in dem parteiamtlichen Bericht, erfolgte außerhalb des Rahmens der Regierungskoalition. Der Parteivorstand der Nationalsozialisten unterstrich den Umstand, daß'die grundlegenden Richtlinien der RegieningSkoalition über das Verhältnis zu den Oppositionsparteien nur durch einen einstimmigen Beschluß der ganzen Regierungskoalition geändert werden könnten. * T-ie Kundgebung der tschechischen BolkSpar- lei ist innerpolitisch bedeutungsvoll; sie zeigt, daß diese Partei den Agrariern auf dem Wege der Kokettierens mit der SdP. nicht zu folgen entschlossen ist, wie ja schon aus dem seinerzeitigen scharfen Angriff der„Lidovö Listy" auf'M» Abg. Beran hervorging. Die Haltung dec Bolkspartei unterstreicht damit die neuerliche Isolierung der Agrarier innerhalb der Koalition. Der Präsident der Republik empfing am Mittwoch die Vertreter deS nationalen Forscher- raten und sodann des Ausschusses für die Errichtung einer Pädagogischen Bibliothek O. A. Ko- menskhS in Prag. Antrittsaudlenzen in Prag. Auf der Prager Burg wurden am Mittwoch zwei neue Mitglieder des Prager diplomatischen Korps in AntriNS- audienzen empfangen: der Gesandte deS Königreiches Schweden, Falle M a l m a r, und der neue Gesandte Irans, Mohammed Ali Mog« h a d d a m. lastnngsliste nicht fehlen werde. Deshalb hatte er es auf Kiö abgesehen und wetterte unentwegt gegen ihn. Der Widerwille der beiden Männer beruhte sicher auf Gegenseitigkeit. Auch der Meister fühlte, tute er dein Nogol zuwider war, und auch seine Hunde. Mit den Hunden stand Nogol besonders auf Kriegsfuß, wie eS Betrunkene immer tun. Beide Doggen, die seine Kameraden nur neugierig beschnüffelten, knurrten Nogol wütend an und zeigten ihm drohend die spitzet» Zähne. „Wenn ich irgendetwas erfahre, dann geht eS ihm schlecht", drohte Nogol.„Ich habe die Schlingen am Totschläger festgemacht, aber ohne Totschläger kann ich's auch." „Ich bitte dich, schrei nicht so", beruhigte Klima den Wüterich,„diese dünnen Wände haben Ohren. Willst du die Bekanntschaft mit den Gendarmen machen?" -„Du meinst, weil ich schon allerhand Gendarmen kenne?" lachte Nogol.„Du hast recht. Mir ist's egal. Für mich hat nichts auf der Welt solchen Wert, daß ich eS nicht entbehren könnte. Besonders so ein Antreiber nicht. Glaubst du, daß ich etwas verliere, wenn ich dem Herm Meister ouf den Schädel haue?" „Nun aber genug", lenkte Klima scherzend ein.„Ich weist, du bist ein.Held und Kis kann gegen dich nicht ausiommen, wie sollte er auch der Aermste, aber alles hat seine Grenzen." „Nur der Henkersknecht nicht, der nicht", kicherte Nogol und fuchtelte mit der Eisenstange, die für das Stoßen der Jngots bereit lag. „He, Mer, fangen wir an", rief Klima dem Polizisten zu, um die Reden zu beenden, die ihm nicht gefielen. Und er blickte zu dem Kranführer Hudec hinauf, der eben zu Kadekäbek geklettert war, um ihm die Kanne wegzunehmen und ihn zu zwingen, vom Kran herunterzukriechen. (Fortsetzung folgt).
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18 (27.1.1938) 22
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