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Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik Erscheint mit Ausnahme bes Montag täglich früh Ginzelpreis 75 Heller

Redaktion u. Berwaltung: Prag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantwortlicher Redakteur: Rarl Rern, Prag

18. Jahrgang

Günstiges Echo in den Weststaaten und in Wien

Paris . Die Pariser Abendblätter veröffent lichen ausführliche Auszüge aus der Rede Dr. Hodžas. Sie heben namentlich die Absätze über die territoriale Integrität der Tschechoslowakei und das Verhältnis des tschechoslowakischen Staates au Deutschland und Frankreich , die Friedensergeben heit, aber auch die feste Entschlossenheit hervor, jedem allfälligen Angriff Widerstand zu leisten. Die Rundfunkstationen verbreiteten die Kundgebung Dr. Hodzas in den Abendrelationen. Die Rede hat an französischen politischen Stellen durchwegs den besten Eindrud gemacht und von der Linken bis zur Rechten weitestgehende Bustim mung gefunden.

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Samstag, 5. März 1938

Hodža antwortet Hitler :

Aus dem Inhalt:

Arbeitslosenzahl gesunken

Der Moskauer Prozeß Die ,, Rote Fahne " ruft nach dem Zensor

Die Gewinne

der Grubenunternehmen

Nr. 54

Wir dulden keine Einmischung"

Bekenntnis zur Souveränität Größte Abwehrbereitschaft

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In beiden Kammern der Nationalverfammlung gab Ministerpräsident Dr. Hodža Freitag mittags die mit außerordentlicher Spannung erwartete Regierungserklärung zur außenpoliti­schen Lage ab. Die für das Publikum und die Journalisten bestimmten Galerien waren dicht besetzt. Im Abgeordnetenhaus fand namentlich die Anwesenheit des britischen Gesandten New­ton in der Diplomatenloge starke Beachtung. Die Kanzlei des Präsidenten war durch Kanzler á m al und Sektionschef Schief 31 vertreten. Die Regierung war vollzählig erſchienen, bis auf Minister Dr. Franke, der sich dem eben in Prag angekommenen früheren Präsidenten der Bereinigten Staaten Hoover widmete.

London . Die Rede Dr. Hodžas wurde bereits Der Ministerpräsident wurde im Abgeordnetenhaus schon beim Betreten der Nednertribüne auszugsweise von den englischen Abendblättern mit Beifall begrüßt. Das voll besetzte Haus verfolgte mit größter Aufmerksamkeit seine Ausfüh­wiedergegeben. Evening News" überschreibt die rungen, namentlich als er ganz offen auf Sitlers lehte Reichstagsrede einging. Demonstrative ganze Titelseite: Die Erwiderung der Tschecho Beifallsstürme festen ein, als Dr. Hodža sich jede Einmischung von außen nachdrücklichst verbat slowakei an Hitler " und hebt hervor, daß Dr. und wiederholt die feste Entschloffenheit der Tschechoslowakei unterstrich, sich im Ernstfall aufs Hodža an Hitler und Göring , welche beide in den schärfste zur Wehr zu setzen. Seit den Tagen der Revolutionären Nationalversammlung ereig legten Tagen über die zehn Millionen Auslands- nete es sich zum erstenmal, daß das Haus nach der Kundgebung des Ministerpräsidenten, der deutschen gesprochen haben, eine scharfe Antwort er- allfeits beglückwünscht wurde, wie ein Mann aufstand und die Nationalhymne an teilt habe. Die Ueberschrift des Star" lautet: stimmte. Selbst die Henlein - Leute konnten sich dem tiefen Eindruck diefer Manifestation nicht Die Tschechoslowakei sagt Hitler : Sände weg". entziehen. Wien . Die Rede Dr. Hodžas war in Wien mit großer Spannung erwartet worden. Ein besonders großes Interesse herrschte naturgemäß in den politis schen Kanzleien sowie in diplomatischen Kreisen. Der erste Eindruck der Kundgebung Dr. Hodžas war ein mächtiger. Mit Dank wird die große Of fenheit zur Kenntnis genommen, mit welcher der Vorsitzende der tschechoslowakischen Regierung gefpro­then hat, sowie der mannhafte unben schiedene Ton, in welchem er auf die letzten Kundgebungen der Führer des Dritten Reiches ge­antivortet hat, ohne die Friedensfäden zu lockern, die die Tschechoslowakei mit Deutschland verbinden. Ge­rade von diesem Gesichtspunkt sieht man die Nede Hodžas als ein Instrument der Friedenspolitik an. Aggressiver Ton

Aehnlich verlief die Situng im Senat. Auch hier gab es an den entscheidenden Stellen wahre Beifallsstürme, und zum Schluß brachte der Vorsitzende Dr. Soukup ein begeistertes Hoch auf die Tschechoslowakische Republik aus. Als Dr. Hodža hier den Saal verließ, mußte er ein dichtes Spalier von Gratulanten passieren.

In beiden Häusern wurde die Aussprache über die Regierungserklärung auf nächsten Dienstag vertagt und die Situng sofort geschloffen.

Der Miniſterpräsident wies einleitend auf die die internationale Striſe zeigt. Ich benüße dieſe in den Beziehungen zwischen den Wölfern und Gelegenheit, um im Namen der tschechoslowati den Beziehungen zwischen den Völkern und Gelegenheit, um im Namen der tschechoslowati­Staaten bestehende Beunruhigung hin, von ichen Regierung besonders zu betonen, einen wie der er jedoch glaubt, daß es sich auch diesmal um wertvollen Beitrag die franzöſiſch- tschechoslowa ein Uebergangsstadium handelt, aus welchem bei bei tische Zusammenarbeit für die Politik des Frie­gutem Willen ein Ausweg zu einer dauernden dens durch ihre se larheit und Entschie= Sicherung des Friedens und zu einem gesicherten den heit auch in den letzten Zeiten geleistet hat. Gleichgewicht in Europa zu finden ist. Hodža er- Der Vertrag der franzöfifchen Bepublik mit flärt ausdrücklich, sich auf die aktuellsten außen Sowjetrußland und mit der Tschecho­politischen Dinge beschränken zu wollen, während flowakei hat sich als Instrument der Freiheits­er zur Darlegung des inner politischen politik gut bewährt. Arbeitsprogrammes der Regierung eine andere Gelegenheit benüßen werde.

Die Tschechoslowakei begrüße mit Freude die vom Abgeordnetenhaus genehmigte Anregung der französischen Regierung, auf den Wegen aus­harren, die zu einer Belebung der Funktion des Völkerbundes füh ren sollen. Mit Befriedigung konstatieren wir die bewährte Lebenskraft aller unserer inter­nationalen Verträge, auf denen wir bestehen und beharren. Die Stärte der kleinen Entente und ihre wirtschaftlichen Beziehungen haben die Erwartungen aller friedliebenden Ele­mente voll bestätigt.

aus der Wilhelmstraße Berlin . Die Deutsche diplomatisch- politische Korrespondenz schreibt zu den Erklärungen Dr. Godžas u. a.: Der Kernpunkt von Bedenken er schien Herrn Hodža offenbar das Interesse zu jein, das heute von den maßgebendsten Stellen des Reiches an dem Schicksal der deutschen Volks genossen und nicht zuletzt derer in der Tsche­ choslowakei genommen wird. Es wirft fast verwunderlich, daß dieses Interesse anscheinend dem Ministerpräsidenten auffällig oder gar un­berechtigt erscheint. Es muß durchaus als ein Verdienst der deutschen Staatsführung anerkann: werden, im Cinne der Wahrung und Förderung des europäischen Friedens auf etwaige Gefahren hinzuweisen, die sich aus einer Fremdherrschaft Mit dem Gefühl innerer Befriedigung und in einer Form, daß sie als solche empfunden wer- freudiger Zustimmung hat die tschechoslowakische den muß, gegenüber dem deutschen Volkstum Deffentlichkeit die letzten Kundgebungen des außerhalb der Reichsgrenze ergeben könnten. Ministerpräsidenten und des Außenministers der Dies festzustellen, hat mit Einmischung" als fol- französischen Republik vernommen, welche die be­ther ebensowenig zu tun wie die generelle Fest- reits als historisch zu bezeichnende Tatsache stellung, daß eine schlechte Minderheitenpolitik in bestätigten, daß die Zusammenarbeit des edlen bedenklicher Weise auf die zwischenstaatlichen Ver- Frankreich mit der Tschechoslowakischen Republif hältnisse einwirken muß. sich umso nachhaltiger bewährt, je deutlicher fich

Arbeitslosenzahl gesunken

Der Vergleich mit den Vorjahren ergibt, daß die Arbeitslosenzahl kleiner ist

Zum erstenmal selt 1929 bereits im Feber- Rückgang um 8350 Die Zahl der Arbeitslosen hat im Feber um| pathorußland der Stand gegenüber dem Jänner 8347 abgenommen. Der Rückgang ist nicht groß. fast gleich geblieben ist. In Böhmen wurden 6693 er beträgt in Prozenten nicht mehr als 1,6, aber Arbeitslose weniger gezählt( 2,6 Prozent), in er erhält eine Bedeutung durch den Umstand, daß Mähren - Schlesien um 1674 weniger( 1,3 zum erstenmal seit 1929 die Arbeitslosigkeit schon Prozent). im zweiten Monat des Jahres eine Verminderung aufweist. Es konnten in vielen Gegenden die In­vestitions- und Notstandsarbeiten wieder aufge. nommen werden, auch die Baubewegung ist stärker geworden und hat zur Vermehrung der Beschäfti gung beigetragen. Unverändert bleibt weiter dad Erfordernis der Förderung unferer Exportindu strien, deren Schwierigkeiten jetzt eben durch den letzten Nationalbank- Bericht erneut bestätigt wurden.

Die Gesamtzahl der gemeldeten Arbeitslosen betrug nach den definitiven Zählungen Ende Jän. ner 519.002, Ende Feber 510,655. Der Rück gang ist nur in den Ländern mit starker Industrir bemerkbar, während in der Slowakei und in Kar

gegenüber 1937 um 167.292 1936 349.584

,, Eine flare Sprache bedeutet guten Wil. Jen, Loyalität und Frieden. Eine doppelsin nige: Unsicherheit, Mißtrauen und überflüffige Konflikte." Ministerpräsident Dr. Hodža.

Seit dem 12. Feber, dem Tage, an welchem der österreichische Bundeskanzler mit dem deuts schen Reichstanzler zusammentraf, bemächtigte sich der Völker Europas , insbesondere Deutsch lands Nachbarn, starke Unruhe, die noch gestei gert wurde durch die Rede Adolf Hitlers am 20. Feber, in der er sich zum Schutzherren von zehn Millionen Deutschen aufivarf, die jenseits der Grenzen des Dritten Reiches wohnen. Noch grö­her wurde die Nervosität der europäischen Def­fentlichkeit durch den Wechsel im englischen Außenamt, die auf den Tag mit der Nede Hitlers zusammenfiel. In den letzten Tagen am 1. März hat auch Göring zur Verschärfung der Situation beigetragen, indem er zwischen den Aufgaben der deutschen Luftwaffe und dem vers fündeten Protektorat des nationalsozialistischen Deutschland über die Auslandsdeutschen einen Zusammenhang hergestellt hat.

begonnen hat, ist nicht ohne Antwort derjenigen Der Vorstoß, den Deutschland am 12. Feber mußten. Der erste Mann, der wesentlich zur Be­geblieben, die ihn gegen sich gerichtet ansehen ruhigung der aufgeregten Stimmung beigetragen hat, war der tschechoslowakische Generalstabchef stimmtheit darlegte, daß unsere Grenzen gesichert Strejči, der mit soldatischer Klarheit und Be­und daß wir gewillt sind, uns zu verteidigen- eine Rede, die auch in befreundeten Ausland Zustimmung gefunden hat. Einen Tag später hielt Schuschnigg seine Rede, in welcher er mit Bestimmtheit Oesterreichs Sendung und Unab­hängigkeit verkündete und ebenso haben die Er­flärungen von Chautemps und Delbos Franks reichs Willen unzweideutig dargetan, seinen Bündnisverpflichtungen in Mitteleuropa nachzu fommen. Schließlich mußte auch der englische Ministerpräsident Chamberlain zugeben, daß die Mitteleuropa nicht desinteressiert, zu Recht be­feinerzeitige Erklärung Edens, England sei an stehe. Allen diesen Kundgebungen, die von dem Willen erfüllt sind, den Frieden zu erhalten und Europa einen Strieg von undenkbaren Ausmaßen zu ersparen, reiht sich nunmehr die Erklärung an, welche der tschechoslowakische Ministerpräsi dent am 4. März in den beiden Häusern des Parlaments abgegeben hat und die sich zu einer. feierlichen Kundgebung für die Unabhängigkeii dieses Staates entfaltete.

Mit dem Gefühl der Genugtuung nimmt die Tschechoslotvalische Republik ebenso wie der größte Teil der europäischen Oeffentlichkeit die Tezte Erklärung des englischen Ministerpräsiden ten zur Kenntnis, in welcher er sich mit der Kundgebung Edens vom 24. Juni 1937 boll identifiziert. Dieser neue Ausdruck der Stabili tät in der Politik des britischen Reiches ist ohne Zweifel eines der entscheidendsten Elemente des europäischen Friedens. Der Tschechoslowakei geht es um feine formalen Verträge, noch um eine Sondervereinbarung mit dem britischen Reiche. Es handelt sich einfach darum, ob man in Lon­ don anerkennt, daß die Beruhigung und der Friede in Mitteleuropa allgemeines, also auch britisches Intereſſe ſind. Das Verharren bei den bisherigen Freundschaften schließt in feiner Weise das Bemühen nach Beseitigung der Hin­dernisse aus, die sich der Zusammenarbeit mit eini­cen unseren Nachbarn in den Weg stellen, sondern ergänzt sie. Die Verständigung im Donauraum Tschechoslowakei die Achse unserer Außenpoliti! Der Ministerpräsident konstatiert das gute bildet. Der Meinung des Ministerpräsidenten, Verhältnis zu den Ländern im Donauraum und daß die Zusammenarbeit mit Frankreich sich um die fortschreitende Normalisierung der Beziehun- so mehr bewährt, je deutlicher die politische Strije gen auch zu jenen, mit denen sie nicht befriedigend in Europa in Erscheinung tritt, fann man nach waren. Italien behalte natürlich seine führende der Pariser Stammerdebatte voll zustimmen. Stellung in dem in den Römerprotokollen nieder- Ebenso wie es in dieser Debatte die verantwort gelegten Vertrag bei, im Geiste der Erweiterung lichen Staatsmänner Frankreichs getan haben, feiner Großmachtstellung. läßt der tschechoslowakische Premierminister fei­

Pressefrieden

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Es ist bezeichnend, daß Dr. Hodža zunächst von Frankreich sprach, dessen Bündnis mit der

Die zwischenstaatliche Annäherung im Donau - nen Zweifel daran, daß wir an dem Vertrag mit beden entwidelt sich nach den Grundfäßen der der Sowjetunion festhalten, daß also alle Spe­Gleichberechtigung, Nichteinmischung und Zufam- tulationen Deutschlands , Frankreich und die menarbeit. Tschechoslowakei von der Sowjetunion zu tren nen, teine Aussicht auf Erfolg haben. Was Eng­land betrifft, legt der Ministerpräsident das bel Gegenseitigkeit Sauptgewicht darauf, daß die Verhältnisse in Sodann tam Ministerpräsident Dr. Hodža Mitteleuropa auch die Interessen des britischen auf das Verhältnis zu Deutschland zu sprechen. Weltreiches berühren. Dieser Erkenntnis kann sich Dabei vertvies er zunächst auf den zwischen den ein großer Teil der öffentlichen Meinung Eng­beiderseitigen diplomatischen Organen stattfinden- lands nicht verschließen und die britische Arbeiter den Meinungsaustausch hin, der das Ziel hat, daß partei wird so glauben wir dafür sorgen, die Organe der Oeffentlichkeit, insbesondere die daß diese Auffassung in Großbritannien immer der Journalistit, auf beiden Seiten Aggressivität tiefere Wurzeln faßt. Die Arbeitslosigkeit ist im heurigen Winter vermeiden und Objektivität als höchsten Stolz der stärker gewachsen, als es im Winter 1936/37 der Journalistit wahren. Dieser Meinungsaustausch Fall war, die frühere Wendung zur beſſeren Be- hatte und hat günstige Ergebnisse, wenn auch nicht schäftigung läßt erwarten, daß der Rückschlag, so allgemeine, wie es das gute nachbarliche Ber­soweit er saisonmäßig bedingt war, bald wett. hältnis erheischen würde. gemacht werden wird.

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( Schluß auf Seite 2.),

Den stärksten Beifall hatte der Minister­präsident verdientermaßen dort, wo er davon sprach, daß unsere Grenzen unantastbar sind und daß die Regierung entschloffen ist, keinen Ein­griff in die innerpolitischen Angelegenheiten des Landes zu dulden. Hier war der Vorsitzende der