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Sozialdemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik

Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh/ Einzelpreis 75 Heller

Redaktion n. Berwaltung: Brag XII., Fochova 62- Telephon 53077- Herausgeber: Siegfried Taub- Berantw. Redakteur i. V.: Zdenko Neuwirth, Prag

18. Jahrgang

Dienstag, 13. Geptember 1938

Die ganze Welt

abwehrbereit

Nr. 215

Wüste Drohungen Hitlers

Beschimpfungen an die Adresse Englands und Frankreichs Aufpeitschung der radikalen SdP- Elemente

offen.

Hilfe von Deutschland

Nie noch hat ein verantwortlicher Staats­

Brag. Die lange erwartete Rede Hitlers , Auch nach Nürnberg bleiben alle Möglichkeiten welcher der maklos aufgevutschte, unter geriffe­ner Regie stehende Schlußappell des Nürnberger Wenn das den würdigen Vertretern unserer, führer so hemmungslos und so aggressiv gespro Die Rede Hitlers brachte in ihrem Anfang Demokratien völlig gleichgültig, ja fogar vielleicht chen wie Adolf Hitler in der Schlußrede des Nürn­Barteitages den Rahmen gab, hat über die kon- einen Ueberblick über die bisherigen Leistungen sympathisch ist, weil es fich ia doch nur um dreiein- berger Parteitages. Allüberall in der Welt haben treten Absichten des Nationalsozialismus teine des Nationalsozialismus und polemisierte in der halb Millionen Deutsche handelt, so fann ich den die Menschen in größter Spannung diese Rede er­Klarheit geschaffen, die Situation aber infofern gewohnten Weise mit den Gegnern des National- Bertretern diefer Demokratien nur sagen, daß uns wartet, die einfachen Menschen, die Millionen weiter verschärft, als die Rede gespickt war mit sozialismus, die in Deutschland besiegt wurden, dies nicht gleichgültig ist und daß, wenn diese ge- Namenlosen, die ihr Leben und ihr bißchen Gut Drohungen gegen die Prager Regierung und Er- worauf sie zu der Feststellung überging, daß ähn- quälten Streaturen fein Recht und feine Hilfe felbft opfern müßten, wenn es zu jenen Sonsequenzen" munterungen an die radikalen Elemente der lich wie innerhalb Deutschlands heute auch außer finden können, sie beides von uns bekommen werden. fäme, von denen Hitler sprach, und ebenso die SP. Noch nie hat ein Staatsoberhaupt den halb Deutschlands alle Kräfte gegen den Natio-( Bei dieser Stelle ſekten ſtürmische Sieg- Heil- Rufe Staatsmänner und die Polititer. Sie haben mit Repräsentanten und die Regierung eines anderen nalsozialismus verbündet sind. Der größte Teil ein.) Die Rechtlosmachung dieser Menschen uns ein viel Sorge und mit ein flein wenig Hoffnung Staates so beschimpft, wie Hitler in seiner Rede. der Rede galt dem sudetendeutschen Problem. Ende nehmen. Die radikalen Elemente in der Sdp haben Hitler sagte darüber unter anderem: brompt mit schwersten Ausschreitungen geant­ortet, meinend, daß die Prager Regierung zu schwach oder nicht willens sei, für die Aufrecht­erhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen.

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Ausschreitungen der SdP ausplündern fann, als von jemandem ausgeplündert

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Entscheidung so oder so

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diese Rede erwartet. Mit einem Rest von Hoff­

Ich habe dies eindeutig in meiner Rede bom nung: vielleicht lenkt er ein, vielleicht spricht er Die Tschechoslowakei Angreiferin 22. Februar ausgesprochen. Der Versailler Vertrag versöhnlich, vielleicht verscheucht diese Nede die 22. Februar ausgesprochen. Der Versailler Vertrag drohenden Wolfen! Mit viel Sorge: wenn diese rief dieses künstliche Gebilde ins Leben. Dieser Auf- Rede die Situation verschärft, die Spannungen Insoweit es sich um die allgemeine Bekundung trag war aber nur solange durchführbar, als die der feindseligen Einstellung der demokratischen Län- Brudernation zu dulden hatte. Zu glauben, daß dann? Die Hoffnungen, die doch noch in vielen Tag steigerte, die Kriegsgefahr vergrößert- was der handelt, läßt sie uns falt. Im übrigen gestehe aber ein solches Regime weiter fündigen kann, ist, ich ganz offen: Ich finde es immer noch erträglicher, sich einer unfaßbaren Berblendung hinzugeben. Ich Borte Hitlers über die Tschechoslowakei verjagt, Herzen lebten, wurden schon durch die ersten von jemandem beschimpft zu werden, der mich nicht habe in meiner Rede vom 22. Februar erklärt, daß die Befürchtungen gesteigert. Hitlers Rede war zu werden, der mich belobt. Wir werden heute be das Reich eine weitere Unterdrückung nicht mehr eine Drohrede. Eine Rede, in der deutlich die Dros Schüsse und Plünderungen dulden wird. Der nationalsozialistische Staat hat schimpft, aber wir sind Gott sei Dant und Lob in um des europäischen Friedens willen schwere Opfer hung mit dem Kriege Yaut wurde, auch wenn er Brag. Unmittelbar nach der Rede Sitlers der Lage, jede Ausplünderung Deutschlands ver­das schreckliche Wort nicht aussprach. begannen in einer Reihe von judetendeutschen hindern zu können. Der Staat vor uns wurde fait nicht nur gepfingen, forbeer for borbannt. Im auf ich genommen. Er hat jeden Revanchegedanken Alles, was je von den deutschen Nationalisten Städten wüste Exzesse der Sdp- Leute; die fünfzehn Jahre lang erpreßt, aber er empfing dafür Laufe des 17. Jahrhunderts hat Frankreich Deutsch über das dus der Sudetendeutscher gefort wurde. Ausschreitungen verliefen überall in gleicher Weise das Lob, ein braber und demokratischer Staat ge- land Glja- Lothringen genommen, 1871 hat fehrte in Hitlers Rebe in geradezu phantastischer und enthüllten sich so tls Aktionen, die von einer wesen zu sein. bestimmten Stelle aus organisiert worden sind. Deutschland in einem ihm aufgezwungenen Krieg Uebersteigerung wieder: daß die Sudetendeutschen Unerträglich wird diese Einstellung für uns diese Gebiete zurückgefordert und erhalten. Nach gequält, daß sie wie das wehrlose Wild gejagt und Am ernstesten war die Situation in Eger , aber in dem Augenblick, in dem sie dost, wo ein gros bem großen Weltkrieg gingen sie wieder verloren. gehezt werden, daß sie, wenn sie gegen ihre Un­o eine Menge von 800 bis 1000 Personen das ßer Teil unseres Voltes scheinbar wehrlos schwersten Für uns Deutsche bedeutet der Straßburger Mün- terdrückung protestieren, mit Brachialgewalt nie­fozialdemokratische Boltshaus zu stürmen ver- Mißhandlungen ausgesetzt ist, den Schwall bemo- ster sehr viel. juchte. Nachdem die Scheiben im ersten und zwei- tratischer Phrasen als Drohung erhebt. Ich spreche ten Stock eingeworfen worden waren, drückten die von der Tschechoslowakei . Dieser Staat ist Erzedenten das Tor ein, wurden aber dann von eine Demokratie, d. H. er wurde nach demokratischen den im Voltshaus versammelten Arbeitern zu- Grundsäßen gegründet, indem man die überwie rückgeschlagen. Hier währten die Krawalle unge- gende Mehrheit der Bewohner disees Staates einst. fähr dreiviertel Stunden. Von den SdP- Leuten ohne sie zu fragen, kurzerhand zwang, die in Ver­wurden in dieser Zeit mehr als zwanzig sailles verfaßte Konstruktion hinzunehmen und sich Schüsse abgefeuert. Die Verteidiger des in sie zu fügen. Als echte Demokratie begann man Boltshauses vertrieben die Angreifer mit Stöcken daraufhin in diesem Staat die Mehrheit der Be­und Stuhlbeinen. In den Straßen Egers fuh- wohner zu unterdrücken, zu mißhandeln und um ihre ren FS- Kuriere mit Motorrädern, die mit Lebensrechte zu bringen. Der Welt versuchte man Hakenkreuzwimpeln behängt waren. Vom Volks- nunmehr die Auffassung aufzuoftroieren, daß dieser haus wandte sich der Mob anderen Objekten zu. Staat eine besondere politische und militärische Mis In der Filiale der Gec, in der Bafa- Filiale und fion zu erfüllen habe. Der französische frühere Luft­in einigen anderen Geschäften wurden die Fen- fabriminister Pierre Cot hat sie uns vor furzem sterscheiben eingeschlagen. Es wurde auch geplün- erläutert. Die Tschechei ist nach ihm dazu da und dert. Auch in der Krankenkasse wurden die Fen- bestimmt, im Falle eines Krieges die deutschen In­fter eingeschlagen. dustriestädte mit Bomben anzugreifen. Es handelt In Asch waren die Straßen von sich dabei wohl um die bekannten Sprengförper mit blodiert, die Kreuzungen wurden besetzt, im Ar- aivilisatorischer Wirkuna. beiterheim wurden die Fensterscheiben eingeschla gen. Auch die Fenster des Polizeikommissariats wurden demoliert. Ein Nationalsozialist versuchte Die Verfassung dieses Staates, die von Demo­den fraten gemacht wurde, geht nicht von den Bolts­teiſefretär Am ſtätter anzuschießen. In Roß- rechten aus, sondern von den Rechten der Bedrücker. bach bei Asch kam es zu ähnlichen Vorfällen. Sie gibt dem tschechischen Volk, dem sogenannten In Graslih versuchter die Henleinleute Staatsbolt, eine souveräne Vormachtstellung. Wer bie Bezirksbehörde zu stürmen, in& alten au gegen diese Anmaßung opponiert, ist ein Staats­wurden die Scheiben des Konsumvereins einge- feind und daher nach demokratischer Auffassung fchlagen. In rum au wurden tschechische und deut- Konstruktion dazu auserwählt, darüber zu wachen, iche Sozialdemokraten attadiert. Bei den Zusam- daß sich niemand gegen diese Ordnung in diesem menstößen wurden vier Polizeileuten und drei Staat erhebt. Sollte jemand dagegen protestieren lam es zu Zusammenstößen, bei welchen die Bos schlagen oder, wenn nötig, umgebracht. Dieser Fall Sdp- Leute verwundet. Auch in Leitmerit wollen, so wird er mit Brachialgewalt niederges lizei eingriff und einige Verhaftungen vornahm. ist, wie so viele andere, eine interessante Illustration bin auch keineswegs gewillt, hier mitten im Herzen demonstrationsluftigen Henlein - Leute die Rede jüdischen und tschechischen Geschäften demoliert, ist denn das, was uns Deutsche zur Anteilnahme an männer ein zweites Palästina entstehen zu lassen. diese scharfen, heftigen, oft geradezu wütend her­In Karlsbad wurde eine Reihe von der demokratischen Auffassung von Voifsrechten. So Deutschlands durch die Tüchtigkeit anderer Staats Sitlers deuten? Wurde nicht ihr Zatendrang durch

Die vogelfreien Deutschen

vogelfrei. Das tschechische Staatsbolt ist nach dieser

dergeschlagen und, wenn es den Unterdrückern als notwendig erscheint, gemordet werden. Und nicht mißzuverstehen war die Drohung, daß die Sude Ich habe diese gewaltigste Anstrengungen aller tendeutschen, wenn sie daheim keine Hilfe und kein Zeiten unternommen( den Bau der Brestun Recht finden können, sie beides von uns bekom­gen), weil ich glaubte, damit dem Frieden zu dienen. men werden". Und daß es sich um deutsche Inter­Ich bin aber unter feinen Umständen gewillt, einer effen handelt, die wir fest entschlossen sind, wahr weiteren Unterdrückung der deutschen Volksgenossen zunehmen, und zwar unter allen Umständen". in der Tschechoslowakei immer weiter in endloser Zwar sagte Hitler nicht, was er für die Su­Geduld zuzusehen. Herr Beneš hält Reden, in denen detendeutschen fordert, er sagte es nicht klar und er Beruhigungspillen verabreichen will. So geht das eindeutig, aber er sprach vom freien Recht der nicht. Es handelt sich nicht um Reden, sondern um Selbstbestimmung", und man kann sich schon un­Recht, u. 3tv. um verletztes Recht. Die Sudeten - gefähr denken, was er damit meint. Und er fün­deutschen haben ein Recht auf ihre Selbstbestimmung digte teine bestimmte Form des Eingreifens und da nüßen keine Phrasen. Herr Benes ist nicht Deutschlands an, sondern sagte, es sei Sache der befugt, ihnen Geschenke zu machen, sie haben ein tschechoslowakischen Regierung, eine Verständi­Recht auf eigenes Leben wie jedes andere Volt. gung mit den berufenen Vertretern der Sudeten­Wenn aber die Demokratien glauben sollten, die deutschen herbeizuführen, so oder so". Aber an Durchsetzung dieses Rechtes mit Gewalt verhindern diese Worte, die noch eine gewisse Hoffnung auf zu können, so tann dies, das verbeble ich nicht, Verhandlungen offen lassen, schloß sich sofort die schwere Folgen haben. neue Drohung, daß die Sudetendeutschen weder allein, noch verlassen seien.

So bringt denn die Rede Hitlers zwar nicht unflar in

Ich stelle die Forderung, daß die Unterdrüdung der dreieinhalb Millionen Deutschen in der Tschecho. flowakei aufhört( stürmischer Beifall) und an deffen den Krieg, aber auch nicht den Frieden. Die Stelle das freie Recht der Selbst bestim. Situation bleibt weiterhin unflar, mung tritt. Es würde mir leid tun, wenn das dem Sinne, daß Hitlers Rede nicht zu einer Verhältnis zu anderen Staaten getrübt würde. Die fung führte. Aber zweifellos ist die Situation vers Schuld läge allerdings bei der tschechoslowakischen schärft worden, ist sie gefährlicher geworden. Regierung, die verpflichtet ist, mit den berufenen Noch ist nicht abzusehen, welche Wirkungen Bertretern des Sudetendeutschtums fich zusammen- diese Rede auf die sudetendeutschen Nationalsozia­zusehen und eine Entscheidung entweder so oder fo

herbeizuführen.

Die Konsequenzen

listen ausüben wird. Es gab in den letzten Tagen

mancherlei bedenkliche Erscheinungen. Die natio nalsozialistischen Demonstrationen, und zwar Kundgebungen, für die es keinerlei unmittelbaren Es handelt sich um deutsche Volksgenossen. Ich Anlaß gab, die einfach Kundgebungen des Natio­nalismus waren, häuften sich. Wie werden die

Die armen Araber sind wehrlos und vielleicht ber­

In der Tschechoslowakei leben 31 Millionen laffen. Die Deutschen in der Tschechoslowakei find ausgestoßenen Droh- und Schmähworte ungemein aber weder mehrlos noch sind sie ber gefteigert? Das soll heute schon gesagt werden: für alles Lassen.( Stürmischer, sich wiederholender Bei- Geschehen im sudetendeutschen Gebiet tragen nach

I up richteten sich die Exzesse gegen das Bahn- aber Gott nicht geschaffen, daß fie einer fremden Ge. fall.) Zum erstenmal sind heute hier Volksgenossen dieser Rede Adolf Hitler und seine sudetendeutschen

gequält werden.

her und patrouillierte in den Abend- und Nacht­stunen durch die Straßen, um weitere Ausschrei- Deutsche, also ungefähr ebensoviel Menschen unserer tungen zu verhindern. In Deutsch Kra- Raffe wie Dänemark Einwohner hat. Dazu hat fie hofsgebäude. walt ausgeliefert, bevormundet, vergewaltigt und aus der Ostmart, und sie wissen am besten, wie Die Zustände in diesem Staate schmerzlos es ist, vom Mutterlande abgetrennt zu Gestern abends sind unerträglich und können nicht durch sein. Sie werden am ehesten den Sinn meiner Aus­Ministerrat in Prag face bezeugen fie. Das Elend der Sudetendeutschen wir nicht verdienten, Deutsche zu ſein, wenn wir das war eine Rede, die ihnen zu verstehen gab, Phrasen aus der Welt geschaffen werden. Die Tat- führungen erkennen und mir am freudigsten zustim­suche bezeugen sie. Das Elend der Sudetendeutschen men, wenn ich von dem ganzen Volke feststelle, daß nationalistischen Leidenschaften der Henlein - Leute, Die Regierung hatte noch gestern abends ist ein namenloſes. Wegen jeber nationalen nicht bereit wären, eine solche Haltung einzunehmen baß sie im Rechte sind und unbesorgt sein kön­eine Beratung über die Situation. Ueber ihre lensäußerung werden nie wie wilde Tiere ge­Beschlüsse ist bisher nichts bekannt geworden,

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jagt und gehegt.

( Fortschung auf Seite 2)

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Beauftragten die Verantwortung! Für das Rus bigbleiben der Nationalisten wenn sie ruhig bleiben! für jede Unruhe, die entsteht. Denn diefe Rede war ein fanatisches Aufputschen der

nen, wenn sie grüßen, wie sie wollen, Lieder fins