Sozialdemokrat Aentralorgan der Deutsche« sozialdemokratischeu Arbeiterpartei in der Tschechoslowakische« RqnriW «rschei«t»it de««outck« t»,lich sr«h/»i«,elpr-i« 7» ch-H-r Redaktion«.Verwaltung: PragXll.,Fochova62-Telephon K3077- Herausgeber: Siegfried Taub-VerantwortlicherReiuSteur: Karl Ker«, Prag

k!rriektun§ von Arbeitslagern

18. Jahrgang

Mittwoch, 12. Oktober 1938

Nr. 240

Die Hilfe für die Flüchtlinge Konkrete Maßnahmen und Pläne Prag , 11. Oktober. Der Lordmahor von London , Sir Harry Twhford, hat am heutigen Nachmittag die Prager und ausländischen Presse-Vertre­ter empfange«, um sie über die von ihm int Lebe« gerufene und organi ­sierte Hilfsaktion für die Flüchtlinge aut den abgetretenen Gebieten zu in ­formieren. Er teilte mit, daß sich unter der Patronanz det britischen Ge ­sandten in Prag , Newton, ein Nomitt konstituiert hat, dem folgende Per ­sönlichkeiten angehören: Dr. Pllc, Abg. 3 a k s ch, Fra« Dr. Schmolka und Fra« Pelantovä. Dieses Komitt soll nicht nur die Geldspenden unttr die Bedürftigen verteilen, et soll vielmehr auch die Aufgabe haben, bei etwai ­ger Auswanderung den Flüchllingen mit Rat und Lat beizustehen. Al» erste Spende für diese Zwecke überbrachte Sir Harry Twhford den Betrag von 40.000 Pfand. Schließlich beantwortete der Lordmahor eine Reihe von Detallfragen, die von de» Anwesenden an ihn gestellt wurden. London

, 11. Oktober. (Reut«.) Der Fond-, der über Anregung des Londoner Bürger» meister- zugunsten der tschechoslowakischen Flücht­linge gegründet wurde» erreichte bis zum heu­tigen Tage rinen Betrag von beinahe 50.000 Pfund Sterling(7 Millionen llü). Der han­tige Tag ist der fünste seit Eröfftnmg der Sammlung. Paris, 11. Oktob«. Amtlich wird te kanntgegetm, daß der Präsident der Französt- schen Republik Al. Lrbrmr de« FNmzöflsche« Sloten Kreuz 50.000 Franks für tschechoslowa­kische Flüchtlinge aus dem sudetendeutschen Ge­biet übermittelt hat. Das linksstehmde Abend­blattEe Soir" gibt bekannt» daß di« von ihm Ungeregte Sammlung haute den Betrag von einer Biertelmillion Franes erreicht hat.Le Temps" veröffentlicht heute sei­nen dritte« SpendenauSwei« mit einer End­summe von 164.000 Franks. Nach Oberseel London , 11. Oktober. Angesicht- des neuen durch das Münchener Diktat geschaffenen Flücht­lingselends verlangtNews Ehronicle* nach­drücklich den Reden über Flüchtlingshilfe«in Ende zu machen und an ihrer Stelle die Aufstel­lung eines praktisch durchführbaren HilfSplaneS für die Flüchtlinge durch die westlichen Demo­kratien mit aktiver Beihilfe Amerikas . Wen« keine Heimat für die Flüchtlinge in Europa ge­funden werden könne, dann müsse sofort alles Notwendige unternommen werden, um die Nie-

Eine versöhnliche Stimme aus Berlin 1 Berlin , 10. Oktober. Unter der Überschrift: Einige erste Folgen* beschäftigt sich dieDeutsche Allgemeine Zeitung* mit der gegenwärtigen inter­nationalen Lage. Der Chefredakteur des Blattes, Dr. Silek, schreibt u. a.: Wenden wir uns nun dem eigentlichen Thema von München zu, so sind auch hier erste erfreuliche Erfolge festzustellen. ES ist der Berliner internatio­nalen Kommission gelungen, in harter und schneller Arbeit die Grenzen für den Münchener Besetzung»« plan zu vereinbaren. Erfreulich ist auch, daß Prag -en Umbau seine- Staate- mit, innerer Disziplin und auch mit einer Folgerichtigkeit eingeleitet hat, die unsere Anerkenn u n g verdient. Gerade weil die schlechte Zeit für die Su« detendeutschen vorüber ist, da sie nun innerhalb der deutschen Schicksalsgemeinschaft eine Besserung, ihre» Lose» erwartet, dürfen wir die tschechischen Anstren­gungen, sich selbst eine bessere Zukunft zu schaffen, mit der Achtung verfolgen, die jede solche in schwerer Zeit gemachte Anstrengung verdient. In verschiedener Form hat sich Prag mit den Polen, den Ungarn , den Slowaken und den Karpatho-Ukrainern au-einandergeseht, einige endgültige Formen sind schon gefunden, andere werden noch angestrebt. DaH alle- hat einen Tatsachensinn de- tschechischen Bal­ke» an den Tag gebracht, der im Zeltaller der Per­führung verdunkelt worden war.-keiner von un» wird die Schwierigkeiten unterschätzen, die Prag zu überwinden hat und wenn sich au» dieser Krise ein neue» Bild de» tschechischen Volke» herau»ft«llt, wird da» Deutschland begrüßen, denn auch da» ist ein Baustein für de« Frieden von München .

derkaffungSmöglichkeiten in den Dominien und Kolonien zu untersuchen und zu sichern. x 25 Millionen Francs beantragt Paris, 11. Oktober. Der kommunistische Abgeordnete für den Pariser Bezirk, George» Cogniot, dec Mitglied des Finanzausschusses des Abgeordnetenhauses ist, hat dem Ministerpräsi­denten Daladier «in Schreiben übermittelt, Jerusalem

.(Reuter.) In den letzten zwei Tagen werden aus Palästina weitere Zwi­schenfälle, Sabotageakt«, Morde und Plünderun­gen gemeldet. Fünf Personen wurden hie­bei getötet und 6 Personen verletzt. Unter diesen Opfern find 1b Aufständische, die am Mon­tag getötet wurden, nicht eingerechnet. Gegen daS britische Hauptquartier in RabluS wurde eine Bomb« geworfen, welche jedoch keinen Schaden verursachte. In der Nähe von Haifa wurden b0 Araber wegen Teilnahme an Aufstand verhaftet. Jerusalem .(Reuter.) DienStag nach­mittags wurde ein Attentatüversuch auf den Di» striktSkommissär in Jerusalem Eduard Keitholo- ach verübt. Auf eine Grupve von Automobilen, die auf der Straße nach Jericho fuhren, wurden vier Bomben geworfen. Im vierten Wagen, der nicht getroffen wurde, fuhr der Distriktskommissär. Ein Zusammenstoß bei«in« Siedlung in der Nähe von B e i s a n forderte insgesamt 11 To­desopfer. Haifa.(HavaS.) Die Militärabteilung, die die Strafaktton gegen das Dorf Bureika südlich von Haifa unternommen hat, wurde in der Nacht aufDien-tag in eine Schießerei mit einerstattlichen Anzahl von Aufständischen vuwickelt. Hiebei wurde auf feiten der brittschen Truppen niemand­verwundet, die Anzahl der Opfer aus den Reihen der Aufständischen ist nicht bekannt. In Haifa wurde heute ein Regiment schotttscher Kavallerie gelandet. In der Altstadt von Jerusalem kam es heute zu einer Schießerei zwischen Juden und Ara« bern. Zusammenbruch der englischen Autorität London , 11. Oktober. DerDaily Tele­ graph" berichtet auS Jerusalem in großer Auf­machung, daß in Palästina, abgesehen von den großen Städten dieenglische Autorität völlig zusammenbreche. Der Ver­kehr zwischen Jerusalem und L»dda sei völlig un­terbrochen, ebfnso sei die Verbindung nach Aegyp­ ten"über Kantara unterbrochen, so daß nur noch drei Mal wöchentlich rin Zug in Begleitung einer Eskorte verkehre. News Chronicle" berichtet, daß führende palästinensische Araber nach Abschluß des gegen­wärtigen arabischen Kongresses in Kairo nach London kommen sollen. Reuter zufolge sollen sie angeblich die arabischen Aufständischen in Palä­stina bei etwaigen Verhandlungen zu einer Waf­fenruhe veranlassen. Der Kongreß von Kairo hat di« Instruktionen angenommen, die vom arabi­schen interparlamentarischen Komitee für die Ver­teidigung Palästina» gebilligt wurden. Es sind dies u. a. Suspendierung der zionistischen Ein­wanderung, Herstellung einer konstitutionellen

worin er ihn ersucht, die französische Regierung möge sich den privaten französischen Sammlun­gen zugunsten der Tschechoslowakei anschließen und für das tschechoslowakische Volk eine Summe von 25 Millionen Francs widmen. Es ist bisher nicht bekannt, welche Stellung die französische Regierung zu dieser Anregung des Abgeordneten Cogniot einnehmen wird. Informationsbüro für Flüchtlinge Prag, 11. Oktober. DaS Ministerium dr» Innern hat rin Informationsbüro für Flücht­linge in Prag III, Na Trjiiti errichtet. Dieses Büro ist in daS Gebäude der ehemaligen Statt­halteret in Pnrg HI, Snimovnt 1, übersiedelt und erteilt den Zuwanderern au» dem Grenz­gebiet Informationen, soweit ihm die Infor­mationsquellen zugänglich sind. Wir appellieren an die Besitzer freier Wohnräumr, welche diesel­ben tunlichst kostenlos für di« Zuwanderer a«S dem Grenzgebiete zur Verfügung stellen könnten, diese freien Räume den zuständige» Vezirksbe- börden zu melden. Arbeitgeber, meldet den Ar- beitSvermittlungSstellrn freie Arbeitsplätze!

Regierung ähnlich der von Irak und ztvar mit Unterstützung Englands, Repatriierung der- de, portierten Araber und Freilassung der politischen Gefangenen, britische Aufhebung der Balfourde« Ilaration, Aufgabe deS palästinensischen TeilungS- plancS, aber Gleichberechtigung für die bereit» in Palästina lebenden Juden. Arabische National regle rung? Berlin , 11. Oktober. DaS Deutsche Nachrich­tenbüro meldet aus Kairo: Trotz der strengen Zensur, der alle Nachrichten aus Palästina unter­worfen sind, wird hier behauptet, daß in der vori­gen Wochen in Palästina eine arabische Nationalregierung auSgerufen worden sei. Die Aufständischen sollen bereits dreiBierteldeSLandeS beherr­schen, so daß sich nur ein Viertel unter engli« scher Kontrolle befindet. Die arabische National­regierung soll über ein eigene» militärisch organi­sierte» und wohlbewaffnetes Freikorps von etwa 15.000 Mann verfügen, während alle Nichtorga­nisierten Araber in sporadischen Aufständen 1« nach der Lage freiwillige Hilfsdienste leisten. Antibritische Offensive Im Roten Meer Der Imam von Jemen, der sich seit langem der aktiven Freundschaft und Unterstützung Ita­ lien- erfreut, hat der englischen Regierung sei­nen Wunsch nach einer Grenzbereini­gung zum Ausdruck gebracht, wonach Jemen einen Landstreifen zugewiescn haben will, der ge­genwärtig zu Aden gehört. London » dem die Lage im Mittelmeer schon Sorge bereitet, sieht darin eine neue, offene antibritische Offensive im Roten Meer, die um­so unangenehmer ist, als auch der zweite SeeiSLz nach Indien um Afrika herum, durch die ständig anwachsende politische,Bewegung in den ehemals deutschen Kolonien problematisch zu werden beginnt.

Eiserne Garde bleibt verboten Bukarest , 11. Oktober(HavaS). Minister de» Innern CalineScu sprach gestern im Königlichen In­stitut für Berwqltung»wiffenschaft, wobei er die Mei­nung derer widerlegte, welche glauben, daß unter dem Druck der internationalen Lag« die rumänische Regierung die gegen die Eiserne Garde getroffenen Maßnahmen werde ändern müssen. Minister Cali­ neScu erklärte mit Besttmmthett, daß die rumänische Regierung ihre heutige politische Linie aufrecht er­halten wird, die dem Lande Ruhe verleiht. CalineScu zollte sodann der Würde und Ehrenhaftigkeit, die Rumänien bei den letzten internationalen Ereignissen an den Tag gelegt hat, seine Achtung.

Amtsbesinn der slowakischen Regierung Der slowakische Ministerrat trat Montag vormittag» unter dem Vorsitz des Vorsitzenden der Regierung Dr. Josef T i s o im Sitzungssaal de» RegterungSgebäude» in Anwesenheit aller Mitglieder der slowakischen Regierung zusammen. Der Ministerrat nahm da» Dekret de» MinisterratSpräsidiumS in Prag zur Kenntnis, welches den Präsidien aller Ministerien sowie allen Ministern ohne Portefeuille übersandt wurde und in welchem mitgeteilt wird, daß bei der Sitzung de» Ministerrates am 7. Oktober d. I. das Abkommen mit den slowakischen Mini­fern darüber genehmigt wurde, daß die Kom­petenz in den slowakischen Angelegenheiten bi» zur definitiven verfassungsrechtlichen Regelung auf die slowakischen Minister übergeht und daß die Ausübung ihrer Kompetenz im Rahmen der Rechtsordnung und de» Finanzgefetzeü erfolgen wird. Das Dekret konstatiert ausdrücklich, daß die in diesen Grenzen festgesetzte Kompetenz sich sowohl auf sachliche Fragen al» auch auf Per» sonalfragen bezieht. Gemäß dem Uebereinkom- men der slowakischen Mitglieder der Negierung vom 7. Oktober roerden die Ressort» folgender­maßen aufgetrilt: Vorsitzender Dr. Tiso: Vorsitz und Innere», Minister Cernäk: Schulwesen, Minister Dr. DurLanskh: Justiz, soziale Für­sorge und öffentliche» Gesundheitswesen, Mini­ster Toplanskh: Wirtschaft(einschließlich Land­wirtschaft, öffentliche Arbeiten und Finanzen)! und Minister Lachner: Verkehr(Eisenbahn , Post, Flugwesen). Der Vorsitzende der Regierung Dr. Tiso er­stattete ein ausführliche» Referat über«den bis­herigen Stand der Verhandlungen der tschecho« slowakisch-ungarischen Verhandlungen der Deli« mitierungskommisiion in Komamo. Die Regierung beschloß, daß wenigstens eine» ihrer Mitglieder stet» an den Sitzungen de» Ministerrates in Prag teilnehmen wird. Wei­ter» wurde beschlossen, daß die begonnenen jedoch wieder unterbrochenen staatlichen Arbeiten, so­weit für sie eine budgetäre Deckung besteht, wer­den fortgesetzt werden. Wlrtschafftsmaßnahmen der Slowakei Pretzburg. Die Regierung der Slo« wakei hat eine RegirrungSkundmachung erlassen, in der Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft angeordnet und angekündigt werden. Diese Maß­nahmen beziehe« sich auf die Sicherung der Mi« litärpersonen vor Exekutionen, auf die Beschaffung von Krediten für die Landwirtschaft, wie über­haupt auf die Kreditgewährung für dringende Bedürfnisse der Wirschaft. Die Regierung der Slowakei appelliert an die Bevölkerung, ihre Maß­nahmen dadurch zu unterstützen, daß die behobe­nen Einlagen in die Geldanstalten zurückgrbracht werden. Preßburg . Dienstag wurde im Beisein de» Wirtschaftsministers Paul Teplanskh die Organi­sierung und die Verteilung der Amtsbereiche des Wirtschaftsministeriums der Slowakei durchge­führt. Minister Teplanskh legte seinen Mitarbei­tern iftr, daß die Aufgabe des Wirtschaftsmini­steriums vor allem die sein werde, einen ordnungs­mäßigen und ruhiqen Gang unserer ganzen Volks­wirtschaft zu sichern. Wir müssen auf der Wacht sein, sagte er, daß uns in den heutigen schweren Zeiten nichts zustößt, was in unserer Volkswirt­schaft Unruhe und Mißtrauen Hervorrufen würde« Wir werden uns, sagte der Minister, um neue Einkommensquellen, neue Arbeit kümmern, um im Sinne des LeitspruchesDie Slowakei den Slo­waken* in der neuen Slowakei für jeden das Brot zu sichern. Wir werden bei diesen Maßnah­men auch nicht unsere nationalen Minderheiten, die Ungarn und die Deutschen , ver­gessen. Wir wollen uns in glei­chem Maße um jeden ehrlich m m e tu.

Die Ungarn In IpolskA Sahy Komärno. Die Räumung der Stadl Jpvlski Sahy, die zwischen der tschechoslo­wakischen und der ungarischen Delegation ver­einbartwurde, wurde in vollständiger Ruhe durch­geführt. Auch beim Eintreffen der ungarische« j OlkupationSabteilungen herrschte absolute Rich«,

Palästina In Flammen