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Spinnstube gänzlich; denn ihr letztes Tagesglück, so vergällt und er frei; bei anderen zu wohnen, wäre ihm als Sflaberei erschienen reich an Bitternissen es immer gewesen sein mochte, hatte sich von Dann fand er auch nirgends den Lohn, den ihm Meister Perdrizet ihr gekehrt. Aber sie gedachte seiner oft; meinte oft, fein heiser bezahlte, und der ihn doch nicht reich machte. Und was sollte er und traurig Wort an ihr Ohr schlagen zu hören. Aus immer auch mit dem Kinde anfangen? Nach solchen Betrachtungen lehrte weiterer Ferne, bis es bollends schwieg und verstummte. Der freundliche Blid seines fleinen Jungen erwärmte ihn wie ein er still nach Hause zurück, und Noël's Anblick beruhigte sein Herz. Da glaubte sie, die von Ahnungen und Vorgeschichten ge- Sonnenstrahl; seine findliche Stimme flüsterte ihm unvergeßliche peinigt wurde, er sei todt. Aber immer verlangender spähte Worte ins Ohr; seine Küsse scheuchten den Kummer von seiner Stirn fte nach dem tollen Treiben unter den Nußbäumen aus; und zauberten die Röthe des Vergnügens wieder auf seine Niemand beachtete das schmälere Gesicht, daß in Sommer Wangen. Er ließ ihn in seinen Armen hüpfen, und nächten hinter laubigem Versteck dem Jubiliren und Singen, an schönen Abenden führte er ihn aufs Feld hinaus. dem kurzen Hader, von rascher Versöhnung gefolgt, dem Er freute sich über die naiven Fragen, über das unermüdliche Ge Rosen ländlicher Liebesleute zusah und sich ein eigenartig schwät des Kleinen und legte sich mit ihm auf den westlichen AbBild der Welt danach formte. War sie dessen müde, dann bang einer Anhöhe, auf den Weideplägen, unter den duftigen Dolden des Thymians und des Lavendels nieder. Die untergehende Sonne durchschritt sie, so lange sie konnte, den Hintergarten und seine warf ihren Goldstaub auf den Ginster und das Haidekraut und Dedniß, die ihr lebte und sie ängstete. Und ein neues flimmerte durch die blühenden Birken, deren weiße und glatte Wünschen war in ihr und übermächtig in ihr Leben getreten. Stämme in metallischen Reflegen glizerten. Der ruhige Odem der Was dumpf in ihr geschlafen, das hatte darin Form und Be- Landschaft erfrischte nach der harten, schweren Arbeit die brennende stimmtheit gewonnen. Wie es aber verwirklicht werden Stirn des Landmannes und beruhigte das Fieber feines Hirnes. fonnte? Das wußte sie nicht, und das Sehnen danach ver- Er spielte weich und müde in den Locken Noël's und drang in dieses störte sie ganz, der mit Ephraim's Scheiden das Lekte ge- von der Liebe gequälte Mannesherz, das sich an der Waterschaft wieder aufrichtete. nommen worden war, was Licht in die Dämmerungen ihrer Bukunft gebracht...
( Fortsetzung folgt.)
Der Aelkeve. Von Georges de Lys.
( Schluß.)
( Nachdrud verboten.)
Indessen wurde Noël größer, und Bravais nahm ihn zu sich. Er vertraute ihn der Obhut eines armen Mädchens aus dem Süden an, das sich früher auf den Landstraßen herumgetrieben, das in Bravais Stalle ein todtes Kind zur Welt gebracht, und das er aus Mitleid behalten hatte. Man namte sie wegen ihres Kostüms die Arlesierin", und seit Petrus Ruin machte sie sich durch allerlei Heine Arbeiten nüßlich, um ihm nicht zur Laft zu fallen. Sie be=
geisterte fich sehr schnell für das Kind, und fand in ihm das eigene wieder, das kennen zu lernen fie feine Zeit gehabt.
Sie führte Noël in den Wald zu den frischen Rafenplägen, über deren zartem Grün sich das zitternde Laub der Birken schaukelte. Sie schälte die filberne Rinde von den Stämmen und flocht daraus leichte Störbe, die sie im Frühling mit Veilchen, Haidekraut und Maiblumen garnirte und auf dem Markte des nächsten Fleckens verfaufte. Im Sommer sammelte sie die Walderdbeeren, allerdings plünderte dann ihr fleiner Gefährte ihren Korb, doch sie war so glüdlich, wenn er die Händchen ausstreckte, und seine Lippen fich von ben duftigen Früchten purpurn färbten, daß sie sich von der dankbaren Zärtlichkeit des Kindes reich belohnt fühlte.
Im Winter lief fie in die Meiereien, immer mit dem Kleinen, deffen findliche Anmuth die Hausfrauen erobert hatte. War denn das unschuldige Wesen daran schuld, wenn es ein Kind der Liebe war? Uebrigens haben die Frauen auf dem Lande eine Schwäche für die unehelichen Kinder, so lange fie lockige Haare und rosige Wangen haben; fie verleugnen nnd beschimpfen sie erst später.
Sturz, man liebte und beklagte Petrus . Man wußte ihm Dant für seine Aufrichtigkeit dem Vater Marth gegenüber und schätzte ihn als den tüchtigsten Knecht der Gegend. Dann spann die Arlesierin, die in dem Kreise vor dem Herde saß, den Flachs und fang dazu die fanften Lieder ihrer Heimat, während der Kleine mit den Kindern des Hauses spielte und die Bächterin und ihre Töchter durch seine naiven Bemerkungen ergözte; er verstand es, lustige Worte und schmeichlerische Bewegungen zu finden, die ihm alle Herzen gegewannen.
Die Lage von Allan's Pachtung in der Nähe der Furt führte häufige Begegnungen zwischen Rose und Betrus herbei, der darunter schwer litt. Die junge Frau fühlte sich von dem Verrath des Knechtes verlegt, der, während er ihr von Liebe sprach, einem andern Mädchen den Hof machte, das ihm Noël geschenkt hatte. Es muß wohl nicht viel mit ihr los sein," sagte sie bitter, daß er sie nicht geheirathet hat 1"
Wenn die Nebel ihren feuchten Dampf über die Haide verbreiteten, fnisterte ein lustiges, helles Feuer im Herde, und Petrus folgte, während er seine kurze Pfeife rauchte, durch den Rauch dem Spiele Noël's und des alten Hundes Phanor, der sich zu den luftigen Streichen des Jungen mit wohlwollender Güte hergab. Das alte Thier wurde für seinen leinen Freund wieder jung, und es war ein Vergnügen zu sehen, wie er sich schwerfällig, mit hocherhobener Pfote, gegen die lebhaften Angriffe des Kindes vertheidigte. Manchmal verschwand die kleine Hand vollständig in dem zahnlosen Rachen des Hundes, doch sie kam unversehrt wieder heraus, kaum von dem Zahnfleisch des Thieres gedrückt, das sie ihm freundlich leckte, während es fein kleines, glänzendes, unter struppigen Wimpern fast verschwindendes Auge auf seinen kleinen Freund heftete. Das waren gute Stunden für Betrus. Sie brachten ihm die Belohnung für das Opfer und Kraft für die Zukunft.
Doch diese bäterlichen Freuden wurden von Prüfungen getrübt. schleppte, warf seine blaffe Farbe auf die Wangen Noël's: sein Der Herbst, der seine feuchten Nebel über den Erdboden träftiger Körper magerte ab, Ringe legten sich um seine Augen, und Fieberschauer schüttelten seine Lenden. Das Sumpffieber, dem in dieser Gegend so wenige entgehen, hatte das Kind befallen. Petrus , dem die Arlefierin zur Seite stand, lernte die Angst der Nachtwachen, die Schrecken des Fieberdeliriums kennen. Endlich triumphirten ste über das Leiden, und Noël gewann seine Frische und Fröhlichkeit wieder.
Diese abwechselnden innigen Freuden und Leiden erschütterten die Gesundheit des Petrus . Er begann, sich von einer düsteren Laune hinreißen zu lassen, die dem Kinde manchmal Thränen in die Augen trieb. Der boshafte Bufall ließ ihn häufiger mit Rose zusammenkommen, und die Wunde seines Herzens blutete dadurch nur immer stärker. Ruhig und stoisch hatte er dem Tode seiner Liebe beigewohnt, doch er vermochte es nicht, die Verachtung zu ertragen, die ihm Rose auf Schritt und Tritt zu theil werden ließ.
Eines Tages fandte Meister Perdrizet Petrus, zu dem er volles Vertrauen hatte, zu Claude Allan, um die Lieferung einiger Wagen heu zu übernehmen, die er mit dem Bächter der Furt abgeschlossen hatte. Allan war nicht zu Hause und auf der Schwelle sah fich Betrus Rose gegenüber, der er den Zweck feines Besuches auseinandersetzen mußte. Die junge Frau wandte sich heftig ab, rief ihren eigenen Knecht und sagte:
" Jacques, sieh doch, was dieser Knecht hier will." Sie drehte sich um, ohne Bravais aufzufordern, ihr zu folgen, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen. Er
Schweigend würgte Petrus diesen Schimpf herunter. machte die Sache kurz ab und zog sich, Verzweiflung im Herzen, zurück.
Er ging mun schneller, um nach Hause zu kommen, und aus dem Russe seines kleinen Knaben neue Kraft zu schöpfen.
Auf der Schwelle fah Petrus , wie sich eine hagere, zerlumpte Gestalt erhob, die auf ihn zu warten schien. In seinem reizbaren Bustande sah er nur einen Bagabunden und, wenig zum Mitleid geneigt, schob er ihn mit heftiger Bewegung bei Seite und sagte: Hier giebt es nichts für Landstreicher!" Betrus", flehte der Mann.
Der Bauer machte eine Bewegung, als wolle er zurückweichen, dann preßte er die Fäuste zusammen und rief mit einer Stimme, die seiner Kehle zu erstiden schien:
in
Der Knecht hatte das Gerücht verbreitet, Noël's Mutter wäre gestorben, doch in ihrem Groll wollte Rose darin nur eine Lüge fehen. Sie trug Bravais gegenüber eine hochmüthige und verächt liche Miene zur Schau, die dem armen Burschen das Herz zerriß. Denn er liebte seine Rosette noch immer, er hatte nie aufgehört, fie au lieben und hielt ihre Berachtung für gerechtfertigt. Hätte er wirklich so gehandelt, wie sie behauptet, er hätte sich selbst als einen Elenden betrachtet. Rose hielt ihn für schuldig, doch er war nur ein Opfer. Bon Rose verachtet zu werden, war sein größter Doch Alcide erhob zu seinem Bruder ein dermaßen von Schmerz Schmerz. Thren Haß hätte er ertragen, doch nicht diesen verzerrtes Geficht; in seinen hohlen Augen brannten zwei so starte eifigen Blid, dieses verächtliche Zucken der Lippen, das Fieberflammen, daß der ältere Bruder die Schroffheit seiner Worte fie ihm gegenüber zeigte und das ihrem gewöhnlich so milderte. gutmüthigem Gesicht mit den rosigen Wangen und den lachenden Lippen eine unerträgliche Härte verlieh.
Bravais dachte manchmal daran, die Heimath zu verlassen; doch Bande, deren Macht nur allein die Bauern kennen, letteten ihn an das väterliche Haus, an den mütterlichen Boden. Hier hatten die Alten gelebt, hier war er bekannt, hier war er zu Hause, hier lebte
„ Du, Du bist's? Geh' fort, geh' Deines Wegs!"
Was willst Du hier? Du willst mich also entehren? Ich habe Dein Verbrechen mit meinem Namen gedeckt; soll mein Opfer nuglos gewesen sein?... nicht genug, daß Du mein Leben ver nichtest, willst Du mich jetzt auch noch mit Schmach beschmutzen?" " Betrus, ich will unter Deinem Dache sterben, wo ich ge boren bin."