-
322
brachte sie zur Verzweiflung. Das war für sie so schlimm wie der Tod. Beim Gedanken an den Tod aber geriet ihr Blut in Heftige Wallung. Sterben! Wie konnte sie nur so feig fein, diese Möglichkeit zuzugeben? Unterwirft man sich dem Tode, wenn man liebt und geliebt wird? Nein, man wehrt sich und man siegt! Und sie war entschlossen, sich zu wehren. Das sollte ein Duell werden zwischen ihrem Mann und ihr. Wehe dem Besiegten! Der Kampf ums Dasein ist ein Gesez der Menschheit, warum sollte der Kampf ums Glück nicht ebenso gerecht sein?.
Wie dieser Kampf sich entspinnen und wie sie ihn führen würde, darüber konnte sie sich in ihrer jezigen Verwirrung noch nicht klar werden. Allein für den Augenblick lag ihr wenig daran. Später würde sie die Mittel und Wege suchen. Wer entschlossen ist, vor nichts zurückzuweichen, der kommt immer ans Ziel, sagte sie sich; die Hauptsache war, das Spiel nicht verloren zu geben.
Sie hatte mit La Vaupalière ihr nächstes Stelldichein für Montagabend verabredet und erwog nun, auf welche Weise fie ihm mitteilen könnte, daß dasselbe verhindert sei.
Während des ganzen Sonnabends irrte sie im Garten umher und ging beständig am Bureau vorüber, fand aber niemals einen Anlaß, einzutreten und einige Worte mit La Baupalière zu wechseln. Das Wetter war schön und heiter, ihr Spazierengehen im Garten mußte man daher ganz natürlich finden, nur durfte es nicht allzu lange fortgesetzt werden, weil es sonst auffallen würde. Sie holte daher, trok ihres Widerwillens gegen Gartenarbeiten, einen Rechen und ebnete ein Blumenbeet, das den Weg nach dem Gitter einsäumte, in der Hoffnung, La Vaupalière werde vorbeikommen und sie könne ihm die notwendige Mitteilung mit einigen flüchtigen Worten machen.
( Fortsetzung folgt.)
( Nachdruck verboten.)
Samoa und die Samoaner. Wenn einmal ein zweiter Malart märchenhafteste Naturschönheit und Farbenglut mit seinem Pinsel verewigen wollte, er müßte sich Samoa zum Vorwurf des Gemäldes nehmen, die„ Perle der Südsee". Ein Paradies ist es, so zauberhaft schön, daß bloße Worte es nicht schildern können. Man stelle sich ein Eiland vor, rings vom weißen Kranze der sich schäumend an den Korallenriffen brechenden Wogen umschlossen, unter ewig blauendem Himmel, von Bergketten durchzogen, die im üppigsten Grün von Palmen und Bananen prangen, und ganz oben die Kuppen von durchsichtigem Wolkenschleier umhüllt: so bietet sich Samoa in blendendster Farbenpracht dem Blicke des von Australien kommenden. Und doch wie unglücklich ist das Land! Nie enden wollende Kriege verwüsten es, und drei elvig hadernde Großmächte zerreißen es, indem sie wie Raubvögel um seinen Befiz lämpfen.
Die Samoa - Gruppe, östlich von Australien liegend, wurde im Jahre 1722 von dem Holländer Roggeveen, nach andern erst 1768 von Bougainville , entdeckt. Der Archipel besteht aus 4 größeren ( Savaii , Upolu mit Apia , Tutuila und Manua) und 12 fleineren Infeln, die ein Gesamt- Areal etwa von der Größe MedienburgStrelig'( 54,6 Q.-M.) haben. Alle diese Inseln sind ursprünglich vulkanisch; aber die Krater sind längst erloschen; doch gehören Erdbeben von wenigen Sekunden nicht zu den Seltenheiten. Das Klima ist ein äußerst angenehmes, die Temperatur beträgt im Jahresmittel etwa 21 Grad R., und 196 jährliche Regentage verleihen der Luft stets den nötigen Feuchtigkeitsgehalt.
Demigemäß ist die Vegetation auch eine sehr üppige. Kolospalmen, Brotfruchtbäume, Bananen, Mangroven, Jams, die Südsee- Kartoffel"- Taro, Zuderrohr, Orangen u. f. f. gedeihen in Hülle und Fülle. Von den Europäern wurden ferner in den Blantagen Kaffee, Kakao und Baumwolle angepflanzt, die Erzeugnisse allerersten Ranges liefern.
-
auf der Erde, gehört zur großen polynesischen Raffe, die in den Malaien die nächste Verwandtschaft besitzt. Bon Samoa aus ist, wie man neudings annimmt, die Besiedelung aller anderen polyne fischen Inseln erfolgt. Groß, muskulös und sehr ebenmäßig gebaut, ist der Samoaner in der That einer der würdigsten Vertreter der Gattung Mensch. Er ist von lichtbrauner Farbe, hat etwas mandelförmige Augen mit langen Wimpern, kaum merklich aufgeworfene Lippen und nur unbedeutend hervorstehende Backenknochen.
"
Besonders die Frauen könnten im jugendlichen Alter jedem Die Schönheit Bildhauer als Modell zu einer Venus stehen. der Samoaner wird von ihrer Liebenswürdigkeit fast noch übertroffen. Ehlers sagt einmal: Es ist merkwürdig, mun find diese Leutchen schon seit 70 Jahren mit Europäern in Berührung und haben sich ihre Liebenswürdigkeit noch bewahrt, und, möchte man hinzufügen, dabei gehen ihnen die ansässigen Europäer doch mit dem besten Beispiel zur Aenderung voran! Die Samoaner sind aber auch ein intelligentes Volt; sie haben jetzt in den Missionsschulen fast durchweg schreiben und rechnen gelernt. Mit ihrem Christentum ist es freilich recht schwach bestellt. Es besteht in reinen Aeußerlichfeiten, wie einem entsetzlich geschmacklosen leinenen Kittel und ramponierten Strohhut. Innerlich sind sie überzeugte Heiden geblieben, und bei keinem Trunk werden sie vergessen, gleich den alten Griechen und Römern eine Spende den Göttern auf den Boden zu gießen. Eines großen Erfolges freilich dürfen fich die Missionare rühmen: sie haben den Eingeborenen, die Augen geöffnet, wie es mit dem einigen Christentum" beschaffen ist, indem sich die verschiedenen Setten( Protestanten, Wesleyaner und die katholischen Maristen) fortwährend befehden und Proselyten zu machen suchen.
die Missionare vermocht, die Sitte( oder wie sie es nennen, Unfitte) Ebensowenig wie sie das Heidentum beseitigen konnten, haben es. des Tätowierens auszurotten: auf Samoa gilt es als weibisch, nicht tätowiert zu sein. Die Tätowierung nimmt diejenigen Körperteile ein, die wir gewöhnlich mit der Badehose verbergen. Sie besteht in Ornamenten verschiedenen Ursprungs von mystischer Bedeutung und wird mit Hilfe eines tammähnlichen Instruments in die Haut eingerigt. Die Operation ist sehr schmerzhaft, und damit das Opfer während des Tätowierens seine Qualen nicht gar zu sehr empfinde, wird während der Ceremonie von den Zuschauern ein Hymnus, eine Art Trostlied angestimmt.
Auch im übrigen legt man mehr auf Schmud als auf eigentliche Kleidung Wert. Das Haar schmücken die Frauen mit Blumen, schön geschnitzten Kämmen und Muscheldiademen. Um Hals und Arm trägt man Muschelschnüre, am Finger Ringe aus Schildpatt mit eingelegtem Silber. Das einzige Kleid bildet ein Schurz aus Tapa( geklopfte und bedruckte Maulbeerbaumrinde) oder gar nur aus Bast. Männer begnügen fich nur mit dem Schurz oder der bloßen Tätowierung. Bei feierlichen Anlässen tragen sie dazu auf dem Kopfe noch einen eigenartigen Helmaufpuzz" mit einem Spiegel und glitzernden Muscheln.
Das samoanische Haus ist in seiner Art ein Meisterwerk. Es besteht aus einem Pfahlgerüst mit Schildkrötenschalen ähnlichem Dach aus Palmblättern, die bisweilen wie Dachziegel auf Rohrstäbe gereiht find, damit der Regen beffer abfließen kann. Bei ungünstiger Witterung werden die offenen Seitenwände durch eine Art Rolljalousien aus Rohr verschlossen. Der Boden ist mit flachgeschliffenen Seekieseln belegt. In der Mitte des Hauses befindet sich ein Herd zu Beleuchtungszwecken. Kunstvolle Matten, ein paar Becher aus Sofosnußschale, ein hölzernes, höchst unbequemes Kopfkissen" und neuerdings in den besseren" Familien eine Nähmaschine und ents fegliches europäisches Parfüm: das ist so das ganze Mobiliar. Gekocht wurde früher( und in gewissen Gegenden wird es auch heute noch) en papillote, d. h. das Fleisch wurde in Bananenblätter ges hüllt, in eine Erdgrube gelegt und dann mittels glühender Steine geröstet. Die Nahrung ist übrigens vorwiegend vegetabilisch.
Betrachten wir nun einmal das häusliche Leben der Samioaner etwas näher. Das Leben beginnt sehr früh, nämlich mit Sonnenaufgang, dann geht es fogleich ins Bad. Denn ein fast frankhafter Reinlichkeitsfinn zeichnet diese Wilden vor so vielen civilisierten Völkern" ans; Wöchnerinnen sogar und Totkranke gehen noch ins Bad. Natürlich sind die Samoaner brillante Schwimmer und Taucher. fonders beliebtes Badevergnügen besteht darin, auf den zahlreichen Wasserfällen eine Art Rutschpartie" zu veranstalten, die übrigens gänzlich gefahrlos ist.
-
wvo
"
Ein bes
Die Tierwelt ist minder reich vertreten. Schwein und Hund, welch letterer auch gemästet und verspeist wird, sind die einzigen Dann geht's an die Arbeit. Viel zu arbeiten hat der Samioaner einheimischen Bierfüßler. Zur Plantagenwirtschaft wurden Pferde, ja nicht nötig. Mutter Natur hat ihn in ein wahres SchlaraffenEsel und Kühe importiert, lettere zu dem Hauptzived, eine von einem land gefeßt. Und braucht er doch etwa mal Geld und hat keins, botanisierenden Missionar eingeschwärzte" Grasart, das noli me fo stiehlt er es. Er kalkuliert so: Samoa gehört den Samoanern, tangere, das jetzt den ganzen Boden überwuchert, abzuweiden und die Weißen sind Eindringlinge, wenn ich ihnen also etwas fortauszurotten. Die Vogelwelt ist durch Huhn, Ente und Taube nehme, nehme ich nur mir wieder zurüd, was sie mir genommen. repräsentiert. Nehmen wir noch dazu Fische, Schildkröten und ein Er stiehlt Kokosnüsse und versilbert sie bei derselben PlantagenWird er sie gestohlen hat. er abgefaßt, paar Reptilien und Würmer, so ist die Aufzählung der Fauna damit gesellschaft, Recht geht ja über alles. erschöpft. Unter den Würmern erfreut sich der merkwürdige Balolo- fo muß er ins Gefängniß wandern Wurm", ein etwa 5 Centimeter langes, gelatinöses Tierchen, bei den Allein auf Samoa hat die Sache einen Haken. Die Gesellschaft muß Samoanern des Rufes eines föstlichen Leckerbissens. Er wird im nämlich den Unterhalt des Verhafteten bestreiten, und der sonst Rovember unter großen Festlichkeiten von den Eingeborenen ge- eigentlich recht genügsame Samoaner entwidelt im Gefängnis einen fangen. entseßlichen Appetit. So ist denn die Gesellschaft hocherfreut, wenn er möglichst bald wieder entwischt, und das weiß der Samoaner recht gut, and thut ihr, liebenswürdig wie er nun einmal ist, sehr gern diesen Gefallen.
"
Die Samoaner*), das schönste und liebenswürdigste Völlchen *) Das Wort Eamoa wirb mit einem scharfen G(= B) gebrochen und auf der vorlegten Silbe betont.
-
Die Arbeit im Hause fällt der Frau zu. Sie hat oft auch für