Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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Elfe.
Mittwoch, den 20. Dezember.
( Nachdrud verboten.)
Von Alexander 2. Kielland.
Aus dem Norwegischen von Leo Bloch . Und es glich ihr auch, daß sie die Geschichte von einem furchtbaren Kopfschmerz, welche die Frau Polizeimeisterin erzählte, gar nicht zu hören, schien, sondern ohne weiteres zur Sache überging.
Sie erinnern fich, gnädige Frau," begann sie, daß ich Ihrem Verein vor einiger Zeit ein junges Mädchen empfahl? Sie erinnern sich auch, was seine Aufnahme verhinderte?" Die Frau Polizeimeisterin nickte steif.
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„ Dieses Hindernis ist jetzt leider fortgefallen" Fräu lein Falbes Stimme flang etwas scharf, als sie das sagte: ,, das Mädchen ist auf Abwege gekommen, in einem bedentlichen Grade."
Die Frau Polizeimeisterin wußte nicht recht, was sie antworten sollte. Sie nahm eine geschäftsmäßige Miene an und suchte nach Einwendungen; fie fühlte einen instinktiven Drang, Fräulein Falbe zu widersprechen.
Aber mit einem Mal durchfuhr es sie: hier war ja die Herrlichste Gelegenheit sich hervorzuthun; sie war ja Vereinssekretär, und wenn auch die Stiftung noch nicht ganz organisiert war, so hatte sie doch sowohl Geld als Kleidungsstücke, um darüber zu verfügen. Sie sah das Protokoll an; die Weiber, welche feste Unterstützung vom Verein bezogen, sollten hier eingetragen werden.
Die Frau Polizeimeisterin faßte einen kühnen Entschluß und öffnete feierlich das Protokoll.--
1899
locken und sagte: Der müßt es nichts, Fräulein, das Blut feine ich!"
Madam Späckbom hatte Floh so entbehrt, daß sie in dem halben Jahr fast eine alte Frau geworden war; bereut hatte sie es vielleicht auch; aber sie war aus viel zu hartem und streitbarem Stoff, um das je zu anzuerkennen.
Inzwischen erzählte Fräulein Falbe, ohne sich von den Hängelocken schrecken zu lassen, wie es Else in der letzten Zeit gegangen war; sie hatte Obacht auf sie gegeben, so gut sie gekonnt hatte. Floh hatte vom ersten Frühling ab mit dem jungen Burschen aus der Ziegelei zusammengelebt- teils dort draußen teils in einer berüchtigten Herberge unten in der Stadt.
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Aber er war faut, und dazu trank er unaufhörlich, wenn er in der Stadt war. Darum hatte es Else sehr schlecht gehabt, und was schlimmer war, sie war in der kurzen Zeit so verändert, daß, wenn Fräulein Falbe sie besuchte und es versuchte, ihr zu helfen und sie zu bessern, Floh trozig lachte und meinte: sie würde sich schon selbst herausfinden.
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" Ja, ja- da sehen Sie, so ist sie", murmelte Madam. Aber jetzt war Else frank; und gestern Abend, als Fräu lein Falbe sie allein gefunden hatte Svend hatte sich mehrere Tage nicht sehen lassen da war es vorbei mit ihrem Troy, und sie weinte und war so geschmeidig und reueboll.
Fräulein Falbe erzählte so lange von Else, bis Madam weich wurde; und am Abend wurde Floh geholt und bekam wieder ihr altes Bett in der kleinen Kammer, in die die Morgensonne fam.
Am Anfang traute Elfe fich nicht, Madam in die Augen Szu sehen. Aber als sie sich wieder an die alte Umgebung geMit fester und zierlicher Hand füllte sie mum endlich die wöhnt hatte und besonders, nachdem es überstanden war und Teeren Rubriken auf der ersten Zeile aus: Name, Alter, von sie ein sehr elendes, totgeborenes Eleines Mädchen gehabt tvem empfohlen usw., alles mit einer Geschäftsmiene, als ob hatte, fing ihre alte Vertraulichkeit an zurückzukehren. sie es schon zum zwanzigsten Male thäte.
Als alles ausgefüllt war, fagte Fräulein Falbe: Was nun das Kind betrifft-"
" Das Kind!" fchrie die Frau Polizeimeisterin; ist ein Kind da!" all ,, Es kommt," antwortete das unerschütterliche Fräulein Falbe.
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,, Aber," schloß Madam Spädbom, als sie eine lange Unterredung über die Vergangenheit gehabt hatten; wenn Du hiernach noch Dummheiten machst, oder davon läufft, oder wenn Du bloß ein einziges Mal hinaufgehst zu Lenepuppe, so ist alles vorbei zwischen uns beiden vorbei für immer!" Else fühlte sich so sicher, als ob so etwas nie mehr geDie arme Frau dachte einen Augenblick, daß sie ohn- schehen könnte; dazu hatte sie es allzu schlecht gehabt. mächtig würde; aber der Zorn bekam Oberhand; feuerrot Und nun hatte sie es so wunderschön. und mit ganz anderen als frommen Augen erhob sie sich: „ Das ist schändlich von Ihnen, Fräulein Falbe! aber so ist es immer mit Ihnen. Jetzt muß ich im Brotokoll radieren, denn es ist verdorben ganz verdorben-" und sie brach vor Trauer und Merger in Weinen aus.
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„ Aber was soll denn das bedeuten?" fragte Fräulein Falbe.
Ah, das wiffen Sie wohl, schluchzte die Frau Polizeimeisterin; wenn ein Kind da ist, mußten Sie sich an den Verein für arme Wöchnerinnen wenden und nicht an uns; - das wußten Sie wohl ja, Sie wußten das! davon bin ich überzeugt."
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Fräulein Falbe lächelte: Fräulein Falbe lächelte wirklich elvas boshaft, als sie die Treppen hinunter ging. Ob sie das gewußt hatte, ist nicht zu sagen; jedenfalls ging sie nicht auma Verein für arme Wöchnerinnen.
Dagegen ging sie heim zur Arche und suchte Madam Späckbom auf. Die beiden Damen waren gut bekannt und hatten gegenseitig großen Respekt vor einander. Wenn Fräulein Falbe so recht in Not war, für einen oder den anderen Armen, den sie gefunden hatte, Hilfe zu schaffen, dann wußte sie, das Madam Spädboni immer etwas übrig hatte, wenn es galt.
Und Madam schätzte das Fräulein unendlich hoch, am meisten vielleicht, weil Fräulein Falbe der einzige gebildete Mensch war, welcher je wirkliche Achtung für ihre Heilkunst gezeigt hatte.
Was Svend betraf, so hatte Madam selbst versprochen, wenn er ordentlich werden und arbeiten wollte, so würde sie ihnen zum Heiraten verhelfen.
Und dem dachte Else nach, und als allmählich bei guter Koft und Pflege ihre Kräfte langsam zunahmen, fing fie an nach alter Art zu träumen.
Aber jetzt waren es ganz andere Träume als damals, als sie hier in ihrem Mädchenbett lag und nicht recht wußte, was das war, wovon sie träumte.
Jept ließ sie Pferde und Schwanbefab fahren und wünschte sich ein kleines Haus dicht bei der Ziegelei für Svend und sich und einen großen Rosenstrauch davor mit folchen Rosen wie die im Garten des Küsters; ach- wenn sie an die Rosen des Küfters dachte! fie fonnte sich fast so gut an den Duft erinnern, daß sie ihn zu empfinden glaubte.
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Sie war zu jung und leichtsinnig, um lange darüber zu trauern, daß das Kind totgeboren war, und als sie aufstand und herumgehen konnte, fühlte sie sich so glücklich, wie sie sich seit langem nicht gefühlt hatte. Auch ihre Schönheit fam zurück; die Augen wurden wieder blank und die Figur voll.
Eines Abends, als Madam Späckbom gerade auf Praris ausgegangen war, tam Svend.
Else erschrak sehr, denn Madam hatte es ihr ausdrücklich verboten, ihu anzunehmen; sie wollte zuerst selbst mit Svend
reden.
Außerdem pflegte sie zu behaupten, daß, abgleich das Aber sie konnte ihn ja nicht wegjagen; er ließ sich sogar Fräulein so wenig zu geben hatte, es doch keine unter den garnicht wegjagen; es war so lange her, seit sie einander wohlthätigen Damen der Stadt gab, welche so vielen Nuzen gesehen hatten. Floh beruhigte sich damit, daß sie es Madam stiftete und so viel damit zu thun hätte wie sie. erzählen wollte, wenn sie heim kam; so mochte das gehen,
Aber als Madame jetzt hörte, daß es Floh war, der ge- wie es wollte. holfen werden sollte, schüttelte sie mißbilligend ihre Hänge- Aber sie that es nicht. Als es dazu kam, hatte sie nicht