222 Manchmal thut mir Joma fehr leid. Was wird aus ihm werden?"

berkommen."

Das stimmt, mein Herr!" fagte Fonia, indent er die Thür öffnete und auf der Schwelle erschien. Bleich mit ge­runzelten Brauen und verzogenem Mund blickte er Taraß starr an und sagte tonlos:

( Nachdrud verboten.)

In der Schenke von Howli. Bon Rudyard Kipling . Deutsch von Erich Petersson.

Niemals

,, Das geht mich nichts an. Ich glaube, es wird nichts Besonderes aus ihm werden, weder etwas Gutes, noch etwas Schlechtes. Er ist ein liederlicher Kerl. Er wird sein Geld Als Bote, wenn das Herz des Gebieters zu so großer Gnade verschleudern, wird sich zu Grunde richten, sonst nichts! Ach, bereit sein will. Und um sechs Rupien. Ja, Sahib, denn ich habe lassen wir das! Solche Exemplare wie er sind jetzt schon drei kleine, kleine Kinder, deren Magen inmer hungrig find, und mehr selten... Jekt versteht der Kaufmann die Macht der Bil- will einen so tüchtigen Boten abgeben, daß Ihr alle Tage mit mir als vierzig Pfund Korn bekommt man jetzt nicht für eine Rupie. Ich dung. Und er, dieser Bursche da, Dein Milchbruder, wird zufrieden sein sollt und mir am Ende des Jahres noch einen Turban dazu schenkt. Ich kenne alle Wege der Station und viele andre Dinge. Oho, Sahib! Ich bin ein Schlauer. Nehmt mich in Dienst. Ich war früher bei der Polizei. Ein schlechter Charakter? Sicher hat Dir ein Feind so etwas erzählt. war ich ein Tangenichts. Ich bin ein Mann mit reinem Herzen, und alle meine Worte find wahr. Man wußte das, als ich bei der Polizei war. Sie sagten:" Afzal Khan ist ein Mann von Wort, dem man glauben kann." Ich bin ein Pathan von Delhi, Sahib 1 alle Bathans von Delhi find gute Menschen. Ihr seid in Delhi gewesen? Ja, es ist wahr, daß es dort viele Tangenichtse unter den Pathans giebt. Wie weise ist der Sahib! Nichts ist seinen Augen verborgen, und er wird mich zu seinem Boten machen, und ich werde alle seine Briefe geheint und verschwiegen besorgen. Nein, Sahib, Gott ist mein Zeuge, daß ich nichts Böses im Sinn hatte. Ich habe lange gewünscht, einem einem tüchtigen Sahib. Viele junge Sahibs find wie losgelassene Teufel. Bei diesen Sahibs möchte ich richtigen Sahib zu dienen nicht Dienst nehmen wenn auch alle die Magen meiner kleinen Kinder nach Brot schreien.

" Das stimmt! Ich werde zu Grunde gehen, Amen!

Wenn's nur bald wäre.".

Ljuba sprang mit erschrockenem Gesicht vom Sessel auf und lief zu Zaraß hin, der die Hände in die Taschen steckte und ruhig in der Mitte des Zimmers stehen blieb. " Foma! O! Schäme Dich! Du hast gehorcht. Ach, Foma!" sagte sie verwirrt.

,, Schweig! Schäfchen Du," erwiderte ihr Foma. " Ja- a, es ist nicht schön, an den Thüren zu horchen!" prach Zaraß langsam, ohne seinen geringfchäßigen Blick von Foma zu wenden.

"

"

Und wenn es nicht schön ist!" sagte Foma mit einer Geste der Resignation. Ist es denn meine Schuld, daß man die Wahrheit nur auf diesem Wege zu hören bekommt?" Geh, Foma! Bitte!" sagte Ljuba, indem sie sich an ihren Bruder schmiegte.

"

Haben Sie mir vielleicht etwas zu sagen?" fragte Tarak Zaraß ruhig. " Ich?" rief Foma aus. Was kann ich sagen? Nichts!

Sie, Sie können ja alles."-

" 1

Wir haben uns also nichts mitzuteilen?" fragte Taraß ,, Nein!"

wieder.

"

Das freut mich."

Er wandte sich von Foma. ab und fragte Ljuba: Glaubst Du, daß der Vater bald zurückkehrt?" Foma blickte ihn an und fühlte, daß er diesem Menschen gegenüber etwas wie Achtung empfand. Dann verließ er bedächtig das Zimmer. Er hatte keine Lust, in sein großes, leeres Haus zu gehen, wo jeder Schritt ein lautes Echo weckte, und er ging durch die Straßen, die in die traurige, graue Dämmerung des Spätherbstes gehüllt waren. Er dachte an Taraz Majakin.

" Wie hart er ist! Ganz wie der Vater, nur iſt er ruhiger. Er ist wohl ein ebenso geriebener Kerl. Und Ljuba hat ihn fast für einen Heiligen angesehen, die Närrin! Wie er mich abgefanzelt hat! Als wäre er mein Richter. Und sie war gut zu mir."

-

Aber alle diese Gedanken erweckten in ihm keinerlei Ge­fühle weder das der Sympathie für Ljuba, noch das des Getränktseins Taraß gegenüber. Er trug in sich etwas Schweres, Bedrückendes, das ihm unverständlich war. Es war in seiner Brust gewachsen, und ihn schien, sein Herz sei ge­schwollen und schmerze wie ein Geschwür. Er lauschte diesem unentrinnbaren, unbezähmbaren Schmerz, bemerkte, daß dieser mit jeder Stunde wuchs und heftiger wurde, und da er nicht wußte, wie er dagegen aufkommen könne, wartete er stumpf,

womit das enden würde.

Jest jagte der Traber des Baten an ihm vorüber. Foma fah. im Wagen die kleine Gesfalt Jakow Majatins, doch auch dieser Anblick erregte in ihm nichts. Ein Laternenanzünder lief an Foma vorbei, überholte ihn, lehnte seine Leiter an die Laterne und stieg hinauf. Doch die Leiter fuhr unter seiner Last plötzlich auseinander, und er umfaßte den Laternenpfahl und schimpfte laut. Gin vorübergehendes Mädchen stieß Foma mit einem Bündel in die Seite und sagte:

"

Ach, verzeihen Sie!"

Er sah sie an und erwiderte nichts. Dann fiel Reif bom Himmel, fleine, kaum sichtbare, feuchte Tropfen ver fehleierten die Laternenflammen und die Ladenfenster mit einem grauen Nebel. Dieser Nebel benahm den Atem.

Sollte ich nicht bei Jeschon übernachten? Und mit thm trinken?" dachte Foma und ging zu Jefchow, ohne auch nur den geringsten Wunsch zu haben, den Feuilletonschreiber zu sehen oder mit ihm zu trinken.

( Fortsetzung folgt.)

-

Warum ich nicht mehr bei der Polizei bin? Ich will die Wahre heit sprechen. Ein Unglück traf die Schenke, Ram Baksh, den Sergeanten, und Maula Baksh und Juggut Nam und Bhim Singh und Suruj Bal. Ram Baksh ist jetzt für eine Weile eingesperrt, und ebenso Maula Baksh.

Es war in der Schenke von Howli, an dem Wege, der nach Gokral Seetarun führt. Dort giebt es viele Räuber. Wir waren

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alle tüchtige Männer. Deshalb schickte man uns nach jener Schenke, die acht Meilen von der nächsten Schenke entfernt war. Jeden Tag imd jede Nacht paßten, wir auf Räuber auf. Warum lacht der Sahib? Nun, ich will ein Bekenntnis machen. Die Räuber waren zu schlau, und als wir das sahen, strengten wir uns nicht weiter au, Es war in der heißen Jahres­zeit. Was kann ein Mann in den heißen Tagen thun? Ist der Sahib, der doch so start ist, ist selbst er zu solcher Zeit rüstig? willen. Das war das Wert des Sergeanten, der fett war. So, bo! Wir trafen eine Abmachung mit den Räubern um des Friedens Sahib, er wird jetzt dünn werden im Gefängnis beim Teppich fnüpfen. Der Sergeant sagte: Macht uns teine Beschwerden, und wir werden Euch keine Beschwerden machen. Wenn die Ernte vor­über ist, schickt uns einen Mann, den wir vor den Richter führen können, einen Mann, der nicht viel weg hat, und dessen Prozeß dann nachher wieder niedergeschlagen wird. So werden wir mifre Reputation wahren." Mit diesen Worten waren die Räuber

zufrieden, und wir hatten keine Mühsal in der Schenke. Wir konnten ben ganzen Tag lang auf unfren Bettstellen fißen und in Frieden unsre Melonen essen. Süß wie Zuckerrohr sind die Melonen voit Howli.

Nun war in jenem Distrikt ein Verwalter, ein Unter- Sahib, Namens Yunkum Sahib. Ach, er war streng, streng, wie der Sahib ist, der mir ohne Zweifel den Schatten seines Schutzes gewähren wird. Viele Augen hatte Yunkum Sahib, und schnell fam Seetarun, weil er ganz still herantam und sich sein Opfer holte, und er in seinem Distrikt herunt. Man nannte ihn den Tiger von Gokral dann, noch vor Sonnenuntergang, schon wieder dreißig Meilen weiter den Tehsildars Scherereien machte. Niemand wußte, wann Juntum Sahib tam oder ging. Er hatte nur ein Pferd, und wenn er müde war, ritt er auf einen Teufelswagen. Ich weiß nicht, wie das Ding bieß, aber der Sahib saß mitten zwischen zwei silbernen Rädern, die gar kein bißchen knarren, und trieb sie mit seinen Beinen und sah stolz aus wie ein Pferd, das mit Bohnen gefüttert wurde. So-1 Der Schatten eines Falten auf den Feldern hätte nicht weniger Ge räusch machen können, als der Teufelswagen von Yunkum Sahib. Er war hier, er war dort, er war wieder weg: und der Bericht wurde gemacht, und dann war der Spektakel da. Fragt den Tehsildar von Roheftri, Sahib, wie die Geschichte mit den gestohlenen Hühnern herausfam.

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Nun geschah es eines Nachts, als wir von der Schenke nach unsrer Gewohnheit auf unfren Bettstellen schliefen, nachdem wir unsre Abendmahlzeit gegessen und Tabat getrunken hatten. Als wir keine einzige mehr da. am Morgen erwachten, sieh' da, da war von unsren sechs Flinten Und auch das dicke Polizeibuch war fort, bas von dem Sergeanten geführt wurde. Als wir diese Dinge fahen, befamen wir einen großen Schreck, dein wir dachten uns, daß die Räuber ehrvergessen, in der Nacht gekommen wären und uns diese Schande angethan hätten. Da sagte Nam Baksh, der Sergeant: Haltet den Mund! Die Sache ist eine üble- Sache, aber es kaum viel­leicht noch gut werden. Laßt uns den Fall vollständig machen. Bringt eine

"

*) Wir entnehmen diese Skizze dem bei Vita, Deutsches Verlags­haus, Berlin NW. 23, erschienenen neuesten Band Heitere Geschichten" der Kipling- Bibliothet. Preis pro Band 1 M.