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und den Bruder zurückzuholen. Rittner und Elfe Lehmann Er drehte sich wie tanzend vor Freude herum. Dann umarmte ev als das Ehepaar waren hier von prächtiger Echtheit. Ein kleines den Alten:„ Lüdecke! Das verjey' ich Ihnen nich! Ich hab's immer Häuflein von Bauern hat sich oben um die Turner versammelt; wie jesagt: der Lüdecke, das is' n oller, ehrlicher Seemann! Da jiebts sie den Vorsteher und die Gemeinderäte kommen sehen, stiehlt sich nicht dran zu tippen! Woll'n Se ne Tasse Kaffee mittrinken? einer nach dem andern davon. Der Rofnerbauer redet Mutter, bring' die Konjadpulle!" Warning war außer sich. Er ein auf Hans, erst ohne Erregung mit brüderlichem Sinn, griff in die Tasche und holte ein Geldstück aus der gestickten Börse: überzeugt, wenn der Jüngere erst wisse, daß es um Haus und" Da, Lüdecke! Alles wat recht is, aber de Ehrlichkeit muß belohnt Hof jich handle, werde er ihm gern folgen. Als Hans sich weigert, werden!" flammt jähe Wut in ihm auf gegen den stets Bevorzugten, der mun Lüdecke sah auf die Münze, ohne einen Finger zu belegen. Er nicht einmal diese kleine Bitte ihm erfüllen will. Ein blind geführter drehte nur die Mütze verlegen in den Händen:' n Thaler, Herr Schlag streckt Hans entseelt zu Boden. In furchtbarer Gewissens- Warning?" angst flieht der Bauer zu seinem Weibe. Auf einer Wahre aus Nehmen Se man! Bloß nich zu bescheiden! Sonst kommen Zweigen und Stämmen tragen die Turner die Leiche ins Haus. Se in Jhr'n Leben zu nischt!" Die alte Rofnermutter aber, die fromme, mit irren, starren Zügen, humpelt zu dem Hausaltärchen, an dem sie Tag für Tag zur Jungfrau gebetet hatte. Still, mit zitternden Händen thut fie die Sträuße, die Kerzen und die blinkenden Leuchter hinweg und löscht das ewige Lämpchen aus. Mit ihrem Sohn ist auch der Glaube in ihrem Herzen gestorben.
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Der Alte schluckte einige Male in sich hinein. Dann fagte er mit einer plöblichen Anstrengung:„ Nischt für ungut, Herr Warning. Aber gesetzlich ha'ch doch woll mehr zu verlangen."
" Was?" Der Hauswirt trat entsetzt einen Schritt zurück; die Bornadern schtvollen; er riß die Augen weit auf und schrie:„ Sie Hungerleider! Was fällt Ihn' ein!' n Dhaler is Ihn' noch zu wenig?" Eben, weil ich' n Hungerleider bin, Herr Warning," sagte Rüdecke mit zitternder Stimme.
Die Aufführung erfreute durch eine Reihe trefflicher Leistungen. Von Rittner und Else Lehmann sprachen wir schon; aber überraschend war es auch, wie viel Kurt Stieler aus der im Stück selbst doch ziemlich farblosen Rolle des Hans herausholte. " Jarnischt kriegen Se for Ihre Frechheit!" schrie Warning Man mußte ihm gut sein, diefem langen, jugendlich- schlenkrigen und ließ den Thaler in die Tasche gleiten. Burschen mit dem blassen Mädchengesicht, das so gutmütig- liebevoll Lüdecke wandte sich zum Gehen:" Denn muß ich wo anders und dann auch wieder so fühn und frei in die Welt hinausblickte. mein Recht suchen." Das Größte, ein wahres Wunderding von feintönender „ Ach sol Anzeigen woll'n Se's?" Der Hauswirt trat mit Charakteristik, war die Rofnermutter der Amalie Schönchen, boshafter Miene dicht an den Alten heran. Js jut! Das verer sah Lüdecke drohend an„ denn die am Burgtheater die Rolle kreiert hat und bei Brahm gastierte. Suchen Se man! Aber Jeden Ton, jede Bewegung hätte man festhalten mögen.- find wir gefchiedene Leute, verstanden! Hausverwalter frieg' ich Conrad Schmidt . so viel wie'ch haben will! Jeden Tag! Um so' nen Poften reißen sich die Leute l
Kleines feuilleton.
Der Alte wurde kreidebleich:„ Herr Warning! doch nie alten Mann nich auf de Straße fezen!"
Se werden
Warning lächelte niederträchtig:" Jawoll! Machen wir! Wer mir anzeigt, for den is keen Play in mein Haus!" Seine Stimme nahm einen milden, überredenden Ton an:" Machen Se sich doch nich unjlücklich, Lüdecke! Um so'n Quark von Brosche! Hier nehmen Se den Dhaler und alles bleibt bei'n alten.
Lüdecke zitterte. Er nahm den Thaler und schlich hinaus.
Theater.
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tp. Die Belohnung. Der alte Lüdecke fegte das Trottoir vor dem Hause. Plötzlich bückte er sich und hob etwas Glänzendes aus dem Schmuß. Sorgfältig wischte er es am Aermel ab und betrachtete es neugierig. Er hielt es gegen die Sonnenstrahlen, welche eben über den Zaun des gegenüberliegenden Holzplakes gudten. Hei, wie das funfelte! Glänzende Steine waren's, in Gold gefaßt. Neue Freie Boltsbühne( Belle Alliance- Theater): Eine Brosche wird's sein oder so etwas Aehnliches, dachte der Alte. Schlagende Wetter." Drama in vier Aften von Marie Er sah sich ratlos um. Was fing man mit dem Ding an? Eugenie delle Grazie , Der in Wien lebenden Dichterin Lüdecke kratzte sich den Kopf, ließ die Brosche in die Tasche gleiten des grandiosen Revolutions- Epos„ Robespierre " hier auch einmal und setzte seine Arbeit fort. Dabei überlegte er: am besten wäre als Dramatitevin begegnen zu können, war uns höchst interes, er brächte den Fund zur Polizei. War's eine wertvolle Sache, effant. Die Aufführung ihres socialen Bergwerksdramas so tönnte eine schöne Belohnung dabei herausspringen. Schließlich Schlagende Wetter" mußte daher in doppelter Hinsicht die aber war das Ding feine fünfzig Pfennig wert und man lachte Wirkung eines litterarischen Ereignisses erzeugen. Hierfür sprach ihn aus. denn auch die begeisterte Aufnahme, welche dem Stücke Er wollte schon den Briefträger fragen, der eben ins Haus tratam legten Sonntag bereitet wurde. Der behandelte Stoff trägt in Aber nein. Erst überlegen! Immer wieder nahmen die Gedanken fich von Haus aus des tragischen Elements genug; Grausigeres des Alten dieselbe Richtung: wenn es gar Diamanten wären! Wenn als eine Grubenfatastrophe, Gefährlicheres als der Beruf es eine große Belohnung gäbe! Herrgott, das wäre ein unvereines Bergmanns läßt sich faum finden. Der Mensch ist hoffter Segen für sein ewig leeres Portemonnaie! Bei den paar hier mehr denn wo anders den geheimnisvollen Mächten der Groschen, welche Flickschneiderei und Hausreinigung brachten, fonte Natur mit Leib und Leben überantwortet. Wird dem noch das man fast verhungern. Und zum Nebrigen, das doch auch zum Leben sociale Moment zugefelit, so rollt sich eine wirklich moderne gehörte, war schon gar nie ein Groschen im Hause!
Lüdecke hatte unbewußt bereits zum drittenmal das Trottoir gefegt, als er zu dem Entschlußz kam, zunächst von einem Badmann den Wert der Sache feststellen zu lassen. Dann würde man weiter sehen. Er schulterte den Besen, um in seine Wohrung hirorfargehen und sich gleich zum Ausgange anzutlerden. Seiner Alten wirte er noch nichts sagen. Die sollte schöne Augen machen, wenn er ihr sie Goldstücke auf den Tisch legte!
Der Alte hatte das Hausthor noch nicht erreicht, als ein Parterre fenster aufgerissen wurde und ein ungefämmter verstörter Kopf zum Vorschein fam.„ Lüdecke! Lüdecke! Lüdecke!" schrie der eben aus dem Schlafe gerissene Hauswirt." Suchen Se, Lüdecke, ob Se nich' ne Brosche finden! Meine Tochter war gaitern abend zum Besuch hier. Nu schreibt mir ihr Mann, daß sie' ne Brosche verfährt nicht anders, als sein verstorbener Vater, der seiner Profitgier loren hat. Das Ding is' n paar Dausend Mark wert! Suchen Se, Lüdecke! Bielleicht liegt je hier irgendwo' rum. Ich tomine ooch gleich." Das Fenster tradhte zu.
Lüdecke blieb verwirrt im Hausthor stehen.' n paar Dausend Mart!' n paar Dausend Mart!" murmelte er immer wieder vor fich hin. Heimlich, scheu zog er die Brosche hervor und ließ die Edelsteine in der höher gestiegenen Sonne blizen. Und plöglich, ganz plötzlich schoß es ihm in den Sinn: wenn er den Fund behielte! Wenn er ihn heimlich verkaufte alle Not hätte ein Ende!
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Aber im nächsten Moment flog der Besen in eine Ede des Hausflurs und Lüdecke stieg die fünf Stufen zur Wohnung des Hauswirts empor. Krampfhaft hielt er den Schatz in der Hand, als er die Glocke zog.
Tragödie auf. M. delle Grazie hat sie zu gestalten versucht. Den Arbeitern, die um fargen Lohn tagaus tagein Gesundheit und Leben wagen müssen, ist in der Person des Bergwerksbejizers Liebmann die großkapitalistische Gier gegenüber gestellt. Sie fragt nichts nach Menschenopfern sie schreitet taltlädjelnd über Blut und Durch die Kraft und Leichen, wenn sie nur Befriedigung findet. Jutelligenz der Arbeiter dringt sie tief in die Eingeweide der Erde, Sie sie, nicht achtend der drohenden Naturgewalt, raftlos nach Jedes Stück Erz und Kohle muß sich. Schätzen durchwühlen läßt. ans Licht des Tages geschafft, zu Gold verwandeln. Jeder Bergwerksschacht, aller Schweiß und alle Mühe der Grubenleute gilt dieser Kapitalistenseele lediglich als Rechenerempel, als Addittion und Multiplifation von Gewinnstzahlen, die ins Unendliche wachsen. Liebmann verzahlreiche Arbeiterleben geopfert hatte. Noch mehr: er nahm die Tochter eines feiner Grubenleute zur Frau. Vielleicht war es bloss ihre Schönheit, die ihn reizte. Vielleicht aber hoffte er auch, durch diese Verbindung erst recht die Arbeiter als willenlose Stlaven in seine Gewalt zu bekommen. In der Betonung gerade dieses Moments wäre nun der Anreiz zu einer großen Menschentragödie gegeben. Möglich, daß er der Dichterin vorschwebte. Indessen ist sie doch von diesem Wege abgewichen. Der Konflikt, den sie in die Seele der Frau gelegt, ist gewiß menschlich begreiflich und wahr. Ihre Liebe wird durch die Geldgier des Mannes erschüttert. Und da ihr Herz doch zu fest an die Tagit des Lebens der Arbeiter gefettet ist, fehrt sie zurück. Symbolisch genommen, mag das richtig sein; dennoch ist es eine Schwäche. Die Frau steht nämlich als Stompromißfigur zwischen Liebmann und den Arbeitern. Und auch das Kindermädchen Agnes hat nichts weiter als eine vermittelnde Aufgabe zu erfüllen. Das ist die zweite, allerdings fleinere Schwäche des Dramas. Die Entschluß, nicht in den gefahrdrohenden Schacht hinabzusteigen, jofort abläßt, als Liebmann erklärt, ebenfalls mitzugehen. In Wahrheit wäre es doch wohl anders gekommen! Mit dem dritten Akt
Der Hauswirt war gerade dabei, fich fluchend die Weste anzuziehen, als Lüdecke eintrat. Der Alte hielt seinen Fund hoch und stotterte:" Dada- dritte sehe ich darin, daß die Häuerbelegschaft von ihrem einmütigen is sie, Herr Warning."
Warning stand wie angenagelt, dann riß er seinem Haus verwalter die Brosche aus der Hand:" Wahrhaftig! Sie is et!"