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Nur net übertreiben, lieber Mann, haft D' denn kein Er-| Eine noch andre Kunst üben die holländischen Ringschläger aus. barmen?" Sie schlagen beim Fliegen die Flügel laut zusammen.

Er war atemlos und keuchte, zu dem Kind gewendet: Willst' s jetzt sagen, willst D'?"

Die Furchtbarkeit, die aus den Blicken des aufgeregten Mannes blitzte, schüchterte sie mehr ein, als der Schmerz der Züchtigung. Meine Freundin," erwiderte sie, noch immer schluchzend. Dann gestand sie alles.

Sprachlos lauschten die Eltern der hastigen abgebrochenen Er­zählung des Kindes. Der Meister sah unschlüssig nach der Mutter. Und deshalb hat sie sich prügeln lassen?" Er nahm die Liesel zwischen die Kniee, richtete ihr den Kopf, daß sie ihm direkt in die Augen schauen mußte und sagte:" Wir wollen jetzt mitsammen hingeh'n."

Die Liesel führte die Eltern in ein schmutziges, halbverfallenes, altes Häuslein. Da sah man auf den ersten Blick, daß nur Armut und Elend darin hausen mögen. Sie traten vom Hof aus in ein niederes Zimmer, das mit Wasserdunst erfüllt war, der von dem Waschtrog aufstieg, an dem die Beherrscherin dieser armseligen Häus­lichkeit mit nackten, strammen Armen lärmend arbeitete. Sie musterte erstaunt die Gäste.

"

Ja, Lieferl, wem bringst d' uns denn da?"

Herr Grebler nahm das Wort:

"

Ich hab' das Kind g'rad' vorhin windelweich g'schlag'n, weil ich ihr net g'glaubt hab', daß s' ihrer Schulfreundin, der Sie Unterschlupf g'geb'n hab'n soll'n, all's zuschleppt, was f' 3'haus stiebigt."

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Die Wäscherin schob die Wäschestücke beiseite und sagte ärgerlich: " So, so, Lieferl, da hört man ja schöne Sachen!" Und zu dem Vater gewendet:" Die G'schicht' is richtig. I hab' zwar selber zwa solche Schreihäls' draußen spettafeln i jest grad' auf'm Sandhaufen hint' im Hof aber was will ma denn machen? Müaßt' ma ja an' Kieselstein statt' n Herzen in der Brust hab'n, wann ma sie bei so an' Unglück ausschließert. D' Muatter is g'storb'n, der Mann muaß in' n Taglohn. So hab'n mir halt der­weil d' armen Waferln unter uns Nachbarsleut' verteilt, bis si was Besser's trifft. Wo viere was 3' nagen und z' beißen finden, wird' s Fünfte a net verhungern. No und mehrere Schulfameraden stecken ihner aus Mitleid halt a dann und wann was zua. Aber wenn i a Ahnung davon g'habt hätt', gnä Herr, daß d' Lisert bin a arm's Weib, süber mi fann gottlob ka Mensch auf der Welt so viel Schlecht's nachsagen, als was schwarz unter'm Nagel is!"

Der Meister nahm ihre Hand, die vom Wasser troff, das sie eiligst abwischen wollte. " Ah, gengan S," rief er ihr gemütlich zu, machen Stane G'schichten, das is eh a reine Hand, wenn s' a grad' mit der schmutzigen Wäsch' 3' thun g'habt hat. Aber wissen S' was, das Taglöhnermadel müassen S'jekt mir leihen" er neigte sich ganz nahe zu ihrem Ohr, so daß die kleine Lieferl kein Wort davon verstehen konnte ,, damit i mein Kind net wieder durchtrischaken muaß, wann eigentli a Busserl verdienert."

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Kleines feuilleton.

Abgesehen von ihren Flugkünsten gewähren natürlich diese Taubenrassen im übrigen dieselbe Unterhaltung wie andre Tauben. Um die Rasse rein zu halten oder zu verbessern, wird man eine strenge Auswahl unter den aufzuziehenden Jungen vornehmen. Der interessantesten Rassezucht ist also hier derselbe Spielraum gegeben wie bei den Ziertauben. Und natürlich liefern die jungen Flug­tauben, wenn sie den Ansprüchen des Züchters nicht genügen, auch. einen guten Braten. Selbstverständlich aber macht dieser die Haltung von Flugtauben nicht bezahlt. Denn diese Tiere suchen sich ja kein Futter selbst und ohnedies ist in den großen Städten, in denen der Flugtaubensport zu Hause ist, die Saltung von Geflügel wenig rentabel. Dagegen ist die Liebhaberei für den, der Zeit hat und einige geringe Kosten daran wendet, eine recht interessante Unter­haltung. Beim Flugtaubensport ist vor allem Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit geboten. Die Tiere werden jeden Tag zur fest bestimmten Zeit gefüttert und aus dem Schlage gelassen. Um fie nicht zu ermüden und ihnen die Freude an ihrem Spiel rege zu erhalten, läßt man die Tauben nur einige Stunde des Tages, gewöhnlich vor­mittags fliegen. Beim schlechten Wetter und im Winter muß natür­lich das Flugtaubenspiel ruhen sowohl aus Rücksicht auf die Vögel als auf ihren Besizer, der auf seinem Dachbodenausguck ja auf mancherlei Komfort des Lebens verzichtet, aber doch dort keinen Hagelschauer durchmachen oder die Nase erfrieren möchte.

gr. Die Entwicklung der chemischen Industrie Deutschlands im vorigen Jahrhundert, war das Thema eines Vortrages, den am Donnerstag Professor Otto N. Witt von der Technischen Hochschule vor einem größeren Zuhörerkreise im Hoffmannshause hielt. Der Vortragende erörterte zunächst die allgemeinen Bedingungen für eine günstige Entwicklung der chemischen Industrie und betonte, daß die auf einer mechanischen Verarbeitung dieser Materie beruhende Ge­werbethätigkeit der chemisch- technischen Arbeit immer vorausgehe und daß lettere abhängig von dem jeweiligen Stande der theoretisch­chemischen Erkenntnis sei. Wenn nun auch die Chemie die jüngste Wissenschaft sei, die sich hauptsächlich seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts entwickelt habe, so wiesen doch schon die frühen An­fänge der menschlichen Kulturarbeit die Zeichen chemischen Gewerbe­fleißes auf. Die eratte chemische Wissenschaft wirkte befruchtend auf die chemische Industrie und es zeigte sich, daß der Marki für die Fabrikate derselben so ungemein aufnahmefähig war, als ob er immer auf die Produkte schon gewartet hätte. Deutschland und Frankreich haben zuerst wenig für die chemische Industrie geleistet; diese entwickelte sich zunächst in England zu großer Bedeutung, und Frankreich suchte dann ebenfalls nachzukommen. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aber nahm die chemische Industrie auch in Deutschland einen bedeutenden Aufschwung. Zum Glück fanden sich auch in Deutschland die rechten Männer für die Weiterentwicklung der chemischen Wissenschaft. Männer wie Hoffmann, Liebig usw. haben als Lehrer für die Heranbildung der für die chemische Industrie erforderlichen Kräfte Großes geleistet, und Liebig fann für sich auch das Verdienst in Anspruch nehmen, zuerst staatliche Mittel für ein chemisches Unterrichtslaboratorium flüssig gemacht zu haben. Wenn auch heute die früher übliche Scheidung der Chemie in organische und anorganische längst gefallen ist, so hat diese Trennung doch noch ihren Wert wegen der besonderen Arbeitsmethoden. Welchen Wert die Entwicklung der chemischen Industrie in nationalökonomischer Hinsicht hat, das hatte man an England gesehen, daß die Industrie der Säuren und Alkalien schon frühzeitig soweit ausgebildet hatte, daß es sich die gesamte Kulturwelt tributpflichtig machen konnte, so daß jahrzehntelang aus dem Infelreiche die chemischen Produkte bezogen werden mußten.

cg. Flugtanben. Mitten in Berlin oder auch in einigen andern Städten, Hamburg , Königsberg , Wien wird mancher schon eine Schar Tauben beobachtet haben, die in seltener Gewandtheit hoch in den Lüften elegante Flugschwenkungen ausführen. Das sind Flugtauben. Seit längeren Jahrzehnten besteht nämlich an einzelnen Orten die Liebhaberei, Tauben. lediglich zu dem Ziveck zu halten, um sich an Der Vortragende ging dann besonders auf die Umwälzung in deren Flugkünsten zu erfreuen. Wer Tauben nicht kennt, sich über der Sodagewinnung ein, indem er kurz den Leblanc- Prozeß erörterte, haupt noch nicht mit Tieren abgegeben hat, wird die Leidenschaft bei dem das Kochfalz durch Behandlung mit Schwefelsäure Soda nicht verstehen, mit der mancher dieser Liebhaberei huldigt, und mit als Endprodukt, Salzsäure als Neben- und Sulfat als Zwischens der er stundenlang vom Dachboden des Großstadthauses aus dem Produkt liefert. Solvay bildete dann das Ammoniak- Verfahren Fluge der Tauben zusieht. Was ist daran zu sehen? Nun, diese aus. Beide Verfahren vermochten aber nicht den immer größer Tiere sind direkt auf gewisse Flugfünfte gezüchtet. Da giebt es werdenden Anforderungen in Bezug auf Wirtschaftlichkeit zu genügen. zunächst Hochflieger. Beim Deffnen des Schlages steigen sie sofort Der Kampf in der Soda- Industrie spielte sich hauptsächlich in den hoch in die Luft empor und zwar thun dies alle Tauben zu gleicher achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ab. Endlich kam Beit. Seine bleibt auf dem Dache hocken, keine fliegt seitwärts, alle die Elektrotechnik zu Hilfe und es gelang, noch am Ende des neun­steigen in geschlossener Schar auf und bleiben immer fest zusammen. zehnten Jahrhunderts das Problem zu lösen. Bei der elektrolytischen Sie führen schöne rasche Schwenfungen aus, ohne sich zu zerstreuen, Darstellung wird die Kochsalzlösung durch den elektrischen Strom zer­mitunter steigen sie dabei unglaublich hoch empor, es ist nachgesetzt und die Umwandlung des dabei entstehenden Aetnatrons in Soda wiesen, daß so eine Schar mitunter sich in einer Höhe von über durch Einleitung von Kohlensäure herbeigeführt. 4000 Metern tummelt. Das Auf- und Abfliegen, das Hin- und Zu großartiger Bedeutung hat sich im abgelaufenen Jahrhundert Herschwenken nimmt sich zumal bei flarem Wetter, wenn die Sonnen­strahlen auf dem Gefieder der Vögel blizen, sehr anmutig aus. Nun giebt es aber außer den Hochfliegern auch sogenannte Burzler. Diese Tauben überschlagen sich in der Luft und lassen sich herab­fallen, um sich erst nach einiger Zeit wieder mit dem Gros der Schar zu vereinigen. Alsdann überschlagen sie sich aufs neue und sie thun dies selbst bei ganz kurzem Fluge von einem Dache zum andern. Eine ganze Schar solcher Burzler, die wie in tollem Uebermut sich überschlagen, fallen lassen und sich wieder erheben, gewährt eine fesselnde Unterhaltung. Zu den Flugtauben gehören auch die orientalischen Roller, die, noch wenig verbreitet, eine neue Art von Flugkunst besitzen. Sie überschlagen sich am Ende ihres Fluges un­aufhörlich, so daß es den Eindrud macht, als ob sie aus der Höhe herabrollten. Mitunter rollen sie wirklich bis auf die Erde hernieder.

auch die Teer- Industrie entwickelt. Die Blütenpracht vorgeschicht­licher Wälder versteht die heutige Farben- Industrie zu neuem Leben zu erwecken, indem sie als Ausgangsprodukt den unscheinbaren Teer nimmt und ihre Verfahren so vervollkommnet hat, daß sie vorteil­hafter als die Natur arbeitet. Auch das Problem der Gewinnung fünstlichen Indigos ist noch im vorigen Jahrhundert gelöst worden, indem man hierfür das Teerprodukt Naphtalin heranzog und so nach zwanzigjährigen Bemühungen einen wahren Triumph der chemischen Wissenschaft erzielte.

Die gegenivärtige chemische Industrie zeigt nach Professor Witts Ausführungen zur Zeit in Deutschland ein in allen seinen Teilen zusammenhängendes einheitliches Gebilde, welches auf sichere wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Grundlage steht und getrost in die Zukunft blicken kann. Die im Jahre 1900 vom Reichsamt dez