Eingange führt eine Treppe. Kein Schnitzwerk schmiickt das schöne, oftfreie Holz; der einzige Zierat ist ein starker Beschlag mit Gold- blech an den Hölzern des DachfirstS, der im Sonnenglanz einen starken Gegensatz zu dem übrigen Material bildet. An den Giebeln des mit Schilf gedeckten(nicht geschweiften) Daches ragen nämlich Latten über, ähnlich den Pferdeköpfen der niedersächsischen Bauernhäuser, und auf dem First liegen Quer- Hölzer, annähernd in der Form von Cigarren. Diese Anlage ist, wie der Verfasser betont, derartig, daß sie auf einem freien Platze kaum wie ein Heiligtum wirken würde, während sie in dem Walde weihevoll erscheint. Das ist bezeichnend für das altjapanische Heilig- tum. das erst durch sein Verhältnis zur Natur ein Kunstwerk wird; in dem Einwirken auf die Stimmung durch Einfügen in die Natur liegt die Größe der japanischen Tempelbaumeister. Das auffallendste Beispiel für die Ausnutzung der Landschaftsstimmung zur Schaffung eines Heiligtums befindet sich gleichfalls in der Provinz Jse, nicht weit vom Naiku-Tempel und dem ihm sehr ähnlichen zu Geku. Mcht weit vom Badeort Futami sieht man im brandenden Meer zwei Felsen, Meoto-Jwa oder„Mann und Frau" genannt. Der größere trägt auf dem Gipfel ein Tom, und beide sind durch ein starkes Strohseil mit herabhängenden Büscheln verbunden. Ab- gesehen davon, daß das Seil hier vielleicht symbolisch und poetisch als Band zwischen Mann und Frau aufzufassen ist, sieht man es überall an heiligen und andren Stellen zum Schutz gegen böse Geister, selbst an heiligen Bäumen. Vom Ufer, an dem ganz kleine Tom, wie Kinderspielzeug, und winzige, einfache Schreine auf die Heiligkeit jenes Ortes hinweisen, und wo man dauernd Andächtige beten sieht, kann man zu bestimmter Jahreszeit die Sonne gerade zwischen jenen Felsen aufgehen sehen. Poesie und Malerei bis zu den einfachsten für die Pilger bestimmten Holzschnitten haben sich dieses Motives bemächtigt und das Ansehen jenes Ortes gesteigert. Hier genügt also die glückliche Auswahl eines romantischen Stückes Natur, dem die Kunst nur einige Pfähle mit Querhölzern und ein Strohseil angefügt hat, zur Schaffung eines der volkstümlichsten und gefeiertsten Heiligtümer. Mit dem Eindringen des Buddhismus nahmen dann auch die meisten Shinto-Tcmpel mehr oder weniger die jener Religion eignen Bauformen an.— Medizinisches. SS. Neue Forschungen über eine Ursache Plötz- lichen Todes. Es kommt immer noch gar nicht so selten vor, daß ein Mensch Plötzlich stirbt, ohne daß eine bestimmte Todesursache erkennbar wäre. In den Fällen, wo zwar gewisse krankhafte Ver- änderungen festgestellt werden können, ist eS doch nicht immer möglich,' sie in den richtigen Zusammenhang mit dem tödlichen Ausgange zu setzen. Keine Form des plötzlichen Todes hat in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Aerzte derart in Anspruch genommen, wie diejenige, die mit einer Schwellung der sogenannten Thymusdrüse verbunden ist. Die Thymusdrüse ist eine lang- gestreckte Drüse, die hinter dem Brustbein liegt und sich etwa von der unteren Spitze des Herzens bis gegen den Hals hinzieht. Eine besondere Eigentümlichkeit dieses Organs ist seine allmählich fort- schreitende Verkümmerung mit zunehmendem Alter des Menschen. Wenn diese Drüse nicht ihren normalen Rückgang erleidet, sondern im Gegenteil eine Vergrößerung erfährt, so sprechen die Aerzte von einem thymischen Zustand(status thymicus) und erblicken darin nach den neuen Erfahrungen eine gewisse Gefahr für den betreffenden Menschen. Dr. Blumcr hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Aufklärung dieser Verhältnisse auch noch eine besondere Be- deutung mit Rücksicht darauf erhält, daß plötzliche Todes- fälle den Verdacht eines Verbrechens hervorrufen können. Diese krankhaste Anlage besteht häufig gemeinsam mit andern lörperlichen Fehlern, beispielsweise mit englischer Krankheit, Epilepsie und Basedowscher Krankheit, aber diese Verbindung wird als eine zufällige betrachtet. Dr. Blumer hat selbst eine Reihe von Todes- fällen aus der angegebenen Ursache und außerdem alle sonst in der ärztlichen Litteratur aufgeführten gleichartigen Fälle studiert. Er hält es danach für wahrscheinlich, daß auch dies Leiden einen bakteriologischen Ursprung habe, der aber noch nicht aufgeklärt sei. Professor Paltauf in Wien hat erkannt, daß die Vergrößerung der Thymusdrüse im wesentlichen nur ein Teil einer allgemeineren Erscheinung ist, die in einer Wucherung des Lymphsystems auftritt. Bei Erwachsenen ist damit oft noch eine Erweiterung des Herzens und der Aorta ver- knüpft, wie sie Virchow bei bleichsüchtigen Personen beschrieben hat. Die am thymischen Zustand Leidenden sind äußerlich zu erkennen an- der blassen durchscheinenden Hautfarbe, teigigen Gesichtszügen und ziemlich auffallenden Fettkissen unter der Haut. Ost sind außerdem Anzeichen von englischer Krankheit oder Skropheln vorhanden und Ver- orößerungen der Lymphdrüsen am Halse und in den Achselhöhlen, ferner eine Schwellung der Mandeln und ihrer Umgebung sowie Wucherungen in den Drüsen der Nase und des Schlunds. Die Milz ist häufig fühlbar geschwollen. Trotz dieser Merkmale scheinen sich die meisten Kranken dieser Art einer vollkommenen Gesundheit zu erfreuen, bis sie ganz plötzlich sterben. Dr. Blumer hält es für sicher, daß viele Kinder, die augeblich als Opfer der Erstickung ini Bett durch unvorsichtige Mütter gestorben sind, thatsächlich durch jenes Leiden zu Grunde gegangen sind. Bakterien sind bisher in der vergrößerten Thymusdrüse nicht gefunden worden. Man kann vorläufig nur annehmen, daß der Ausgang der Krankheit auf einer noch geheimnisvollen Blutvergiftung beruht.— Bcrantwortl. Redakteur: Paul Büttner . Berkin.— Druck und Verlag: Technisches. — Hohl mauern. Vielfach— in großen Stäb:. übrigens selten— legt man die Umfassungsmauern des Hause. Z Hohlmauern, d. h. als zwei schwache durch eine Luftschich-trennte Mauern cm. Die Ansichten über den Wert dieser Bauwei. find sehr verschieden. Während auf der einen Seite behauptet lvird, daß Neubauten mit hohlen Außenmauern rascher austrockneten und daher früher bezogen werden könnten, als Neubauten mit massiven Mauern, daß Hohlmauern die Räume des Hauses im Winter warm, im Sommer kühl hielten und die so gefürchteten Ausblühungen des Mauerwerkes nicht aufwiesen, weil sie die Ausblühungen nach dem Hohlraum zu austreten ließen, also den Blicken entzögen,— haben andre von diesen Vorteilen nichts wahrgenommen. Dr. H. Schmidt in Herlefeld schiebt die schlechte Bewährung lediglich auf die zu ge- ringe Dicke des Luftraumes, die mindestens 10 Centimeter betragen soll. Ist sie geringer, so häufen sich auf den zur Verbindung der zwei Mauern dienenden Steinen, den„Bindern". Sattel von Mörtel auf, die von Mauer zu Mauer gehen und ebenso viele Brücken für die Feuchtigkeit bilden. Die Verbindung der beiden mindestens 10 Centimeter von einander entfernten Mauern ist vielmehr durch verzinkte Eisenanker zu bewirken. Ist die Grundfeuchtigkeit sorg- fältig am Aufsteigen verhindert, so werden sich selbst bei sehr mittel- mäßigen Ziegeln keine feuchten Stellen und keine Ausblühungen am Mauerwerk zeigen.—(„Technische Rundschau".) Humoristisches.. — Vorsichtig.„Also Willy, wenn Du schön artig bist. bring' ich Dir das nächste Mal beide Hände voll Bonbons mit." „Zeig' mal Deine Hände, Tante!"— — Anfrichtiges Zugeständnis.„Tadelnden Kritiken sprechen Sie wohl überhaupt jede Berechtigung ab." „Keineswegs— sofern sie Kollegen betreffen I"— — Wörtlich. Frau des Reisenden(die ihren Gatten auf einer Geschäftstour begleitet hat):„Hast Du lange in diesem Hause zu thun?" „Bewahre; in fünf Minuten werde ich wieder in Deine Arme fliegen!"— — Vorgebeugt.„Aber Männchen, wo willst Du denn so spät noch hin?" „Ach— ich will nur schnell einen Brief zum Kasten bringen— aber weißt Du, Emilie: Du brauchst deshalb nicht morgen mit dem F r ü h st ü ck aus mich z u warte n."(„Lustige Blätter.") Notizen. — Von August S t r i n d b e r g erscheint im April ein neues Werk„Das gothische Zimmer"; die Arbeit bildet eine Fort- setzung des„roten Zimmers".— Die Freie Volksbühne führt am Sonntag, den 3. April, zum erstenmal ein dreiaktiges Schauspiel von Bernhard Shaw auf. welches bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt war. Es heißt „Frau Warrens Geschäf t". Das Werk gelangt in der Vor- stellung der Freien Volksbühne überhaupt zum erstenmal zur Aufführung. — — Der Billetverkauf im Opern- u n d S ch a u sp i e l- h aus beginnt vom 1. April ab um 10'/� Uhr vormittags.— — Einen Theaterskandal erregte W e d e k i n d s Tragödie „Die Büchse der P a n d o r a" in einer von der Dramatischen Gesellschaft veranstalteten Aufführung im M ii» ch e n e r Schau- spielhause. Das Stück wurde ausgepfiffen und ausgezischt.— —„Do Mira�o", eine dreiaktige komische Oper von X a n r o f und Boucheron, Musik von Pessard, ist vom Theater des Westens zur Aufführung angenommen worden.— — Einen Preis von 1650 M. schreibt der Luckardtsche Musik- Verlag(Stuttgart ) in der„Reuen Zeitschrift für Musik" aus. Ge- fordert wird eine einaktige Operette(oder Singspiel) mit deutschem Libretto. Letzter EiulieferungStermin ist der 30. Juni. — Ein großer S o n n e n f l e ck ist seit einigen Tagen am Ostrande der Sonne sichtbar. Sein Durchmesser beträgt, nach der „Frankfurter Zeitung "� etlva den 70. Teil des Durchmessers der Sonnenscheibe, er ist also anderthalb mal so groß wie die ganze Erde. Während dieser Fleck schon dem geschützten Auge mit einem Opernglas sichtbar ist, zeigt ein kleines Fernrohr noch eine andre Gruppe von fünf Flecken bereits westwärts von der Mitte der Sonnenscheibe sowie einen größeren Fleck unterhalb des erstgenannten.— x. Verschleppte Eisenbahngüter. Bei der von den deutschen Eisenbahnverwaltungen in Berlin eingerichteten Güter- ansgleichsstelle werden jährlich nicht weniger denn 26 000 Fracht- stücke als herrenlos gemeldet. Hiervon können nur 12 bis 15000 Stück den rechtmäßigen Eigentümern wieder zugeführt werden, während der Rest dem zwangsweisen Verkauf verfällt. Die Zahl der Güter aber, die vor ihrer Ankunft am Bestimmungsort infolge ungenauer Signierung verschleppt werden, die also eine Transportverzögerung erleiden, ist noch viel größer; sie muß auf nicht weniger denn 700 000 bis 800000 Frachtstücke jährlich berechnet werden. Der Grund dieser unangenehmen Erscheinung ist dann zu suchen, daß viele Frachtstücke ungenau oder schlecht signiert und auch nicht selten unzureichend verpackt werden.— Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagsanstaltPaul Singer LcCo..Berlin SW,
Ausgabe
21 (31.3.1904) 65
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