Zitrone�gel» Rnd Braun kommen hinzu. Masse und Farben haben einen warmen Ton. Die Farben werden nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Zerstäuber aufgetragen. Der für den Farbenauftrag nur weich verglühte Porzellanscherben(der Künstler benutzt auch das un- gebrannte, lufttrockene, rohe Stück zuweilen) ist porös und saugt daher die Farbe stark auf. Indem Schmuz-Bauditz die Vor- läge in die weiche Masse einritzt oder sie aus der aufgespritzten Farbenschicht herausarbeitet, schafft er in natürlicher Weise eine Kontur. Es ist die Möglichkeit gegeben, das Farbenspiel voller, reicher, abwechselnder zu gestalten. Kopenhagen war im Gegensatz hierzu noch auf die durch den Pinsel markierte Kontur angewiesen; es konnte nur grosse Flächen anstäuben; ausserdem ist es in der Farbenwahl beschränkt. Die Ausbildung dieser Technik ist speziell das Verdienst von Schmuz-Baudiss. Der Aufstäuber verteilt die Farbe gleichmäßig; Pinselauftrag würde fleckig wirken. Es kommt nun darauf an, durch richtiges lieber- oder Unter- einanderlcgen der einzelnen Farbtöne in verschiedenen Starken Mischwerte zu erzeugen, die von vornherein berechnet werden müssen, da sie sich erst im Ofen bilden. Denn die vorher deckend wirkenden Farben werden beim Schmelzen im Ofen zu Lasurfarben, die sich miteinander verbinden. Es kommt hierbei auf die lang- fahrige Uebung an; Rezepte lassen sich dafür nicht geben. Aus diesem Umstand— daß der Künstler nur den Effekt vorbereitet, den der Brand, das Feuer nachher auslöst, oder auch nicht auslöst— resultiert die Schwierigkeit dieser Kunst. Un- berechenbare Faktoren wirken in feinstem bestimmend. Das Feuer gleicht alle Gegensätze aus, dämpft die Harmonien und stellt letzter- Hand erst die künstlerische Einheit her. Während die Form der Farbflccken unverändert bleibt, entstehen in den Werten neue Töne. Und während andere Arten der Unterglasurmalerei schliesslich doch nur Uebertragung bleiben, Uebertragung der Aufglasurmalcrei mit dem Pinsel auf dieses andere Gebiet, charakterisiert sich diese Methode wesensgcmäh als materialgerecht. Daher kommt es auch, daß die Farben so flüssig und weich sich ineinander schmiegen. Am höchsten stehen in dieser Beziehung die Wandteller, die dekorative Landschaften zeigen. Die Form ist die denkbar einfachste. Die Farben kommen dabei zu um so vollerer Wirkung. Effekte, deren Sicherheit, Reichtuw und Schönheit überraschen. Getreidefelder, Baumwipfel, Himmelausschnitte; das alles nicht in krassen direkten Farben; mit Luftstimmung in zartester Weichheit. Die Forin und das. Ornament bieten dem Künstler, der das Technische so sicher beherrscht und ihm neue Wege eröffnet hat, noch Möglichkeiten zu reicherer Entfaltung, zu erneuter Durch- bildung. Die Form ist oft nicht originell genug; das Ornament zu schwer. Trotzdem lassen die Arbeiten dieses Künstlers die an- deren Erzeugnisse der königlichen Porzcllan-Manufaktur in Berlin weit hinter sich, die nur äußerliche Stilnachahmungen darstellen, übertrieben, grotesk in den Formen, banal und protzig in den Farben, während sich in der Arbeit von Schmuz-Baudiss ein be- wüßtes Ringen um künstlerische Neugestaltung zeigt. Datiert doch der Ruf der Manufaktur, der schon lange zu wünschen übrig ließ, erst wieder von der Berufung dieses Künstlers her, dessen Aufgabe es, war, die Berliner Manufaktur künstlerisch wieder auf eine Höhe zu bringen, so daß sie neben den anderen Fabriken überhaupt ge- nannt wird. Man braucht sich nicht auf die Unterglasurmalerei zu beschränken. Auch die Malerei über der Glasur gestattet künst- lerische Behandlung; dem Gebrauchs gcschirr werden damit neue Möglichkeiten eröffnet. Da die Unterglasurmalerei so schwierig, so teuer ist, kann man nur daran denken, Zier- und Prunkstücke zu schaffen. Und wer kennt denn die Schwierigkeiten dieser Technik so genau, daß er solch ein Stück gebührend einzuschätzen imstande wäre? Es braucht nur der rechte Künstler zu kommen, der die Sache mit eigenem Willen anpackt. Gleims f cmücton* Kurpfuscher. Der internationale Kongreß für Hygiene ist beendet; aber als ein etwas dauerhafterer Bestandteil der Ver- einigung bietet sich im Reichstagshaus in BerNn noch bis zum 12. d. M. die H y g i e n e- A u s st e l l u n g zur Belehrung und Unterhaltung an. Eine ihrer interessantesten Abteilungen dürfte die gegen die Kurpfuscherei sein; sie macht es jedem klar und deutlich, daß das Spekulieren auf die Leichtgläubigkeit der Kranken und auch solcher, die es zu sein glauben, nichts Neues ist, und daß der Satz:„Die Dummen werden nie alle", auch schon vor Jahr- Hunderten zu Recht bestanden hat. Aus dem Kurpfuscherarzneischatz seien hier einige höchst eigentümliche Rezepte angeführt. Wir be- ginnen mit einem solchen gegen eine der ärgsten Würgeengel des Menschengeschlechts, gegen die Krebskrankheit. Der Quacksalber, dessen Heilmittel wir einem alten schweizerischen Arzneibuche ent- nehmen, will sie in sechs Stunden vernichten. Dazu empfiehlt er: „Nimm eine grosse Kröte und vier Lot Schwefel, tu's alles zu- fammen in einen neuen Hafen, verwachs wohl mit einer Stürzen,! setze eS zu einem hellen Kohlcnfeuer, laß zu Pulver werden, säe es darein, so tötest du ihn lden Krebs)." Und neben Kröten hatten auch die„ganzen spanischen Fliegen, Kellerasseln, Regenwürmer, Ameisen, Nattern, Skorpionen, Frösche, Krebse, Blutegel und eine I Menge kleiner Vögel" besondere Heilkräfte. Von letzteren war vor allem das Rebhuhn hoch angesehen. Glauben wir, was„ein sehr köstlich Arzneybüchlein vieler alter und neuer zurhauff-getzogener und colligierter nutzbarlich er bewerter Artzneien und Medicinen, wodurch vielen Leuten wiederumb geholfen" und sagt, so muß die Gelbsucht von einem weichen, wenn man das„Mark vrn diesem Vogel" oder das„Hirn mit drei Becherlein Wein trinkt". Ja, des Rebhuhns Galle mit Balsamsaft und Fcnchelsaft aufgestrichen, schärft das Gesicht, und wer sie warm in die Ohren träuft, der wird von Taubheit geheilt. Dah die Kahlköpfigkeit auch in früheren Jahrhunderten kein seltenes Uebel war, das zeigen die alten Mittel, die dagegen in vielen Büchern angepriesen werden.„Man nehme Eidechsenöl," heißt es in einem,„soviel bis genug ist, schmiere damit den kahlen Ort Morgens und Abends, da du willst Haar haben, so werden daselbst bald viel Haar wachsen und nicht bald ausfallen". Das Eidechsenöl aber erhält man, wenn man Eidechsen oder Frösche nimmt, ihnen die Köpfe und Schwänze ab» schneidet, sie in einem Backofen dörrt und zu Pulver stößt und darunter Eieröl mischt. Ein Lächeln können wir kaum unter» drücken, vielleicht auch nicht einen gewissen Ekel, wenn wir von diesen Arzneien hören; aber gewiss erfaßt uns ein Grausen, wenn wir von der Heilkraft hören, den der„Schädel eines kurzlich ge» hängten Verbrechers, natürlich von den Fleischteilen und dem Hirninhalt befreit, gut gewaschen und getrocknet", hat. Und kalt überläuft es uns bei der Reklame des französischen Apothekers Pierre Pomat.„Wir verkaufen Menschenfett, wie wir es uns auf verschiedene Weise verschaffen. Aber da Gott und jedermann weiss, daß der Scharfrichter in Paris auf jeden, der es haben will, welches verkauft, so hat das zur Folge, daß die Apotheker nur weniges von dem ihrigen loswerden können. Und doch wird sich das Fett, das wir zu liefern imstande sind, in seiner Zubereitung mit wohlriechenden Kräutern als unvergleichlich besser erweisen als das, welches man sich von einem Henker verschafft." Was ein solcher Quacksalber können mußte, wollen wir noch zum Schluß nach dem„Markschiff" des Marx Mangold aus dem Jahre 1536 mitteilen:„Hab mein Tag viel gefangen an. Bis ich es dahin gebracht han. Ein Sterzer(Quacksalber) erst gewesen bin. Aber zu klein wollt' sein der Gewinn. Ich kunnte nicht lügen genug. Die Bauern waren mir zu klug. Mein Wurmsam wollt' nicht operiren, daß er die Kinder möcht' hofieren. Wollt ich den Weibern Zähn ausbrechen, Oder ihn'n den Star stechen. Hätten sies lieber gesetzet ein. Wollten auch nicht so gestochen sein. Mir war gestohlen das Einhorn, Den Brennzcug Hab ich auch verlorn, Die Quint Essentia war nicht gut, Daraus man destillieren tut. Das Aquavit. Mein Thhriak(Theriak) War nicht bös, hat zimblichen Geschmack. Wenn ich schon ein Spinnen fraß. Nicht ein Haar mir schadet das. Pro» batum war auch meine Salben, Daß gar kein Mangel war des» halben. Aber mein staatliches Siegel und Brief, Verbrannten mir, da ichs verschlief." Mufik. „Tiefland." Im Hochlande der Pyrenäen , weit über dem Tieflande mit seiner dumpfen Luft und seinen dumpfen Leiden» schaften, waltet der Hirte Pedro, ein naives grosses Kiud. Er sehnt sich nach einem Weib, ohne jemals eines gesehen zu haben; ein irgendwohin geschleuderter Stein soll ihm den Weg zeigen, auf welchem die Ersehnte kommen wird. Gerade in dieser Richtung aber kommt Scbastiano und bringt eine junge Müllerin Marta zu Pedro. Sie war oder ist noch seine Geliebte, und er will sie verheiraten, um ohne Skandal eine reiche Ehe einzugehen, die ihn aus seiner Verschuldung herausreißen soll. Marta sträubt sich voll Empörung, aber Pedro steigt begeistert hinab ins Tiefland zur Mühle. Dort klatschen die Mägde und bringen aus einem zurück- gesetzten Müllerburschen und einem unwissenden Mädchen allmählich heraus, was sie wissen wollen. Dem Gutsbesitzer wird bald fein schändliches Verhalten zu Gemüte geführt; doch er bietet alle Brutalität auf, um die Verheiratung rasch vollziehen zu lassen. Nach der Trauung erzählt Pedro seinem Weibchen von seinem Leben — sie wird auf ihn aufmerksam, bleibt aber so starr, dah er in seiner Unschuld froh ist, nahe bei ihr auf einem Reisigbündel ein- schlafen zu können. So findet sie der Morgen und findet sie der erneute Klatsch der Mägde. Marta geht ein wenig aus sich her- aus, erzählt von ihrer armseligen Jugend, und wie sie der Herr auf' die Mühle genommen—•„Oh, nicht mehr betteln gch'n und nicht mehr tanzen auf der Strasse!" Stattdessen war sie dem Sebastiano ganz zu eigen geworden. Ihre jetzt keimende Liebe zu Pedro unterdrückt sie erst noch; und wie der Gutsherr zum Tanze aufspielt, kommt die«lte Gewöhnung an Unterwürfigkeit wieder zum Vorschein, und sie versucht zu tanzen. Allmählich aber erwachen auch ig Pedro die Einsicht und die Empörung; er ringt mit seinem Gegner und wirft ihn schließlich als Toten zur Erde. Nun hat er seine MIarta und nimmt sie mit hinauf in seine Berge. „Hinauf zu Licht und Luft und Freiheit!" Das ist der Text eines Musikdramas, den nach G. Guiin era der Wiener Schriftsteller Rudolf Lothar verfaßt ha! Man sieht aus unserer knappen Inhaltsangabe und aus der Behandlung der Verssprache, daß wir es mit einem literarisch routinierten Autor. ! zu tun haben, der es geschickt versteht, den Geist der modernen Effektoper variierend zu reproduzieren. Unter dem Titel„I m Tiefland" wurde dieser Text von Eugen d' A l b e r t komponiert; die erste Aufführung war zu Prag 1903, und zahlreiche andere ! Aufführungen gingen der Berliner voran, die wir am Mittwoch in den hiesigen„Komischen Oper" bekamen.
Ausgabe
24 (11.10.1907) 198
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