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Anlage des Nationaldjazatters entsprechend) vorherrscht. Es läßt naturgetreue Modelle von geradezu belvunderswerter technischer sich auch hier eine kommende Entividelung denken, die die Intimität Bollendung. hinüberrettet in die moderne Technik.
Neben Schaffftein sind dann noch Verleger wie Fischer und Franke in Berlin und Scholz in Mainz zu nennen.
Man soll nicht vergessen, daß diesem Streben, das Bilderbuch wieder fünstlerisch zu erneuen, eine ernsthafte Abficht zugrunde liegt. Hier nimmt das Kind instruttiv seine ersten Anschauungen auf. Und es ist, gerade wenn man die modernen Errungenschaften in dem bildlichen Schmud ansieht, der so viel farbenfreudiger, de forativer, refoluter ist, als die früheren Illuftrationen, nicht zu berkennen, daß die heranwachsende Generation ein ganz anderes Gefühl für Farbe, das uns verloren gegangen war, mitbringt, und also auch der Kunft der Gegenwart finnenfreudiger, unbefangener gegenüberstehen wird. Das ist das Allgemeine, das Erzieherische in diesen Bestrebungen.
Und auch die Ertvachsenen sollten von dieser Schönheit lernen, deren Kraft fo fiart ist, daß sie das reale Leben umwandelt in ein phantastisches Spiel von Erscheinungen, die wahr sind und doch nicht wirklich.
Und speziell den modernen Dichter, den der nahen Dinge Gewalt mit schwerer Wucht drückt, muß es wie eine Offenbarung Berühren, wenn er fieht, wie frei und feffellos sich hier gestaltendes Empfinden auflöft in Kunst.
Aber gerade diese Naturtreue ist vom Uebel, denn an reicher Wirklichkeit verarmt und wellt die Phantasie". Eine Torte aus Papiermaché für den Konditorladen, und wenn sie zum Anbeißen naturgetreu geformt und bemalt ist, ist und bleibt eine Torte. Was ist diese aber gegen eine solche, die sich das Dorfmädel selbst aus Lehm gebaden hat? Und was fann alles aus dieser Lehmtorte gemacht werden! Ein paar Handgriffe, und sie ist berwandelt in einen Kuchen, einen Stollen, eine Brezel, ein Ringel, einen Pfannkuchen, einen Kloß, eine Wurst.
Spielsachen, die nicht allzu naturgetreu sind, geben der Ge. schicklichkeit, dem Formen- und Farbensinn, der Phantasie, der findlichen Schaffenskraft und Schaffensfreude mehr Bewegungs freiheit, naturgetreue engen die Phantafie ein.
Das Spielzeug ist dem Krinde nur ein Sinnbild, hinter dem es die Wirklichkeit, die es im Auge hat, nicht die wir ihm aufzwingen, in den lebhaftesten Farben sieht. Mittels der Phantasie wird das Sinnbild erst zur Wirklichkeit ergänzt. Je täuschender das Spielzeug der Wirklichkeit nachgeahmt ist, desto weniger hat die Phantasie Gelegenheit zu dieser ergänzenden Tätigkeit, desto weniger hat sie Spielraum, je weiter das Spielzeug abweichtvorausgesetzt, daß die wesentlichen gemeinsamen Züge vorhanden find dejto kräftiger tann fie fich entfalten, fann das Sinnbild umschaffen( Torte aus Lehmkuchen, Wurst usw.), umdeuten, beleben und beefelen.
Mechanisches und ,, naturgetreues Schluß ziehen, als solle bas jogenannte mechanische Spielzeug an
Spielzeug.
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DBK, Mechanische Spielsachen sind solche, die ein Uhrwert oder eine andere Kraftquelle im Innern bergen und fich von felbft" bewegen, sobald die Maschinerie in Gang gefekt wird, oder mit Carmen Sylva draftisch, aber treffend auf mechanische Puppen angewandt: Die größlich Papa und Mama blöken und einen Phonographen im Magen tragen."
Derartige Spielsachen werden immer häufiger, und fedes Jahr bringt die Mode wieder neue herbor. Als fich in irgend einem Birkus zum Beispiel der erfte Schleifenfahrer für Geld fehen ließ, erschien bald danach Zooping the Loop" als Kinder Spielzeug. Ob fich folche Sachen überhaupt dazu eignen, danach wird felten gefragt, es ist eben etwas Neues und es wird begehrt. Der Spielwarenindustrie kann man schließlich gar keinen Vor turf daraus machen, wenn sie lediglich ihre Interessen verfolgt und auf den Markt bringt, was geht"; aber der Erzieher kann und muß gegen derartige Spielfachen mancherlei Einwände er heben.
Bunächst nehmen fie viel zu wenig Rücksicht auf den findlichen Spiel und Tätigkeitstrieb, gestatten wenig Wechsel beim Spiel, geben der Hand, dem Geifte, der Phantasie nicht genug zu tun. Das Kind muß fich oft darauf beschränken, das Ding aufzuziehen und loszulaffen. Ist es da ein Wunder, wenn Lebhafte und geiftig regsame Kinder, sobald der Reiz der Neuheit erblaßt ist, zu ihren alten Spielfachen zurückkehren und die neuen entweder achtlos in die Ede stellen oder fie in ihre Einzelbestand teile auflösen?
Run mag man aus diesen Ausführungen nicht etwa den fich bekämpft werden. Im Gegenteil. Gerade im Zeitalter der Technik wollen auch wir die Kinder für Maschinen, Schiffe, Eisenbahnen und Autos intereffieren, aber dieses Spielzeug muß anders beschaffen sein, es muß dem kindlichen Spiel- und Tätigkeitstrieb mehr als bisher entgegenkommen.
Daß dies möglich ist, dafür hat die Industrie bereits den Betveis erbracht. Es gibt zum Beispiel Eisenbahnen, deren Deden auf und zugeklappt werden können. Das entspricht zwar nicht der Wirklichkeit, aber es gestattet, daß die Kinder allerlei Sachen und Personen" aus und einladen und transportieren können. Bei einer anderen mechanischen Eisenbahn ist dadurch reicher Wechsel beim Spiel ermöglicht, daß gerlegbare Schienen in der verschiedensten Weise zusammengefeßt und durch Zukauf immer weiter ergänzt werden können.
Am besten wäre es, wenn solche mechanische Spielfachen so eingerichtet wären, daß fie auseinander genommen und wieder zusammengesetzt werden könnten. Da mögen fie lieber an Naturtreue einbüßen. Dadurch würde nicht nur die Spielmöglichkeit bedeutend erweitert, sondern auch das Interesse und das Verständnis fürs Maschinelle und Technische angeregt und befruchtet. Die Kinder bekämen auf Grund eigener Arbeit und Anschauung und das ist hundertmal mehr wert als alle Belehrung schon beim Spiele bis zu einem gewissen Grade Einsicht in Bau, Tätigkeit und Bwed der Teile und in ihre Bedeutung fürs Gange. Dann wären diese Spiel fachen wirklich bildend und erzieherisch wertvoll. May Brethfeld.
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Kleines feuilleton.
Theater.
Königliches Schauspielhaus Auf Nissens. oog, Schauspiel in vier Akten von Rudolf Herzog. Rudolf Herzog, der in feiner„ Condottieri " die Schiverter gewaltig raffeln ließ, bläst in dem neuen Drama die Schalmer zum Lob des Friedens. Dem heroischen Fanatismus, der für eine große oder ihm wenigstens groß erscheinende Sache sein Leben in die Schanze schlagen will und dabei jedes Augenmaß für die gegebenen Macht verhältnisse verliert, stellt er die Vorzüge einer geruhsamen Privatexistenz nach dem Wahlspruch:„ Glüdlich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ift", empfehlend gegenüber.
Nicht felten tritt auch der Fall ein, daß die Eltern zwar solche fünftliche Spielsachen laufen, aber wegen der Zerbrechlichkeit( uhrwert!) und wegen der Roftbarkeit( Breis!) die Kinder nur Feiertags damit spielen lassen, oder wenn fie einmal ganz ausbündig brav gewefen find, und wenn Besuch kommt. Für gewöhnlich steht dann Sas foftbare Spielzeug in der Guten Stube". Spielsachen müssen aber einen Puff vertragen können, denn beim Spiel fommt das Kind in Stimmung, und es denkt dann nicht immer daran, daß das Ding so teuer war und zart behandelt werden muß, wird das Rind aber ohne Unterlaß daran erinnert, so erblüht ihm nie rechte Spielfreude und Spielstimmung im Gemüt. Spielen fann das Kind nicht auf Kommando, sondern wenn es innerlich dazu getrieben wird; kann es mit seinen Sachen nicht nach Herzensluft spielen, dann wird es diese auch nie recht lieb gewinnen Das Drama pielt 1801 im südlichen Schleswig , bald nach dem und nie zu einem wirklichen Gerzens- und Gemüts- Friedensschluß von Malmö , in welchem die reaktionäre preußische verhältnis zu ihnen kommen. Ein Mädel, das sein Püppchen Politik, unter Protest des Frankfurter Reichsparlaments, die lieb hat, wird es nicht bloß tragen, spazierenfahren, aus- und Herzogtümer wieder an die dänische Vormacht ausgeliefert hatte. anziehen, sondern es auch waschen und kämmen, ihm zu effen Stai Nissen bereitet einen Aufstand der Landbevölkerung zum Sturz und zu trinken geben, es flitschen", tvenn es nicht gefolgt, pflegen, der Fremdherrschaft vor. Das Traumbild eines deutschen wenn es die Masern" hat und sogar mit ihm zu Bett gehen. Kann das Kind je zu der Puppe in ein solches Verhältnis kommen, die da selbständig geht, spricht, schläft, lebt, hochfein Zoftümiert! ist und ein vorzügliches Uhrwert hat? Von der die Mutter immer fagt, daß fie fo teuer gewesen ist und vorfichtig behandelt werden muß, damit ja nichts laputt geht? Können sich da die für die innere Entwidelung des Mädchens fo wertvollen findlichen, weiblichen und mütterlichen Instinkte entfalten?
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Endlich muß noch auf ein Drities hingewiesen werden. In dem löblichen Bestreben, die Fortschritte der Technik auch dem Spielzeug zugute fommen zu lassen, hat man dieses immer mehr bervollkommnet", und es in bester Absicht der Wirklichkeit ammer näher zu bringen gesucht. Es find auf diese Weise Sachen entstanden, die schon fein Spielzeug mehr sind, sondern mehr
Schleswig- Holstein , wie es das 48er Kampflied feiert, hat ihm von früh an vorgeschiebt, alle persönlichen Neigungen in ihm zurückgedrängt. Die Erhebung, die doch unmöglich glüden fann, ist feine lebte Hoffnung. Sein Schivager, ein harmloses Professorletn a. D. und ein siebzigjähriger Kriegsmann, der, als Niffens Mutter in ben Mädchenjahren seine Werbung zurüdwies, aus Gram nad Indien ging und feither in allen Schlachten und Butschen_mits gefochten hat, stehen ihm als Breunde und Genoffen zur Seite. Nur der aus Deutschland zurückgekehrte Sohn, der h der ruhig. flaren Großmutter Unterstühung findet, will nichts bon den ber stiegenen Plänen wiffen und rät vom Kampfe ab. Ein trefflicher Jüngling! Borsicht paart sich in ihm mit Löwenmut, auch über glänzt er die Lokalpatrioten durch allbeutsche Gesinnung, wiewohl er fh zum Glücke der sonst so beliebten Prophezeiungen enthält. Be einem Fortrüden der Handlung ist bis weit in den dritten