Brust gefalteten Armen, was bedeutete, daß sie Mutter gewesen. Einem jungen Mädchen faltet man nur die Hände und steckt einen Strauß unerschloflener Blüten dazwischen. Der Schwärm erkannte sie.„Sie ist's l Seht, wie sie uns an« lächelt!" rief ein Weib.„Sie ist eine Heilige, die Heilige des Brotes!" Ein wildes Geschrei brach los, und die Horde um- ringle die Leichenträger und nahm ihnen die Tote ab. Sie wurde von den fanatischen Weibern in Prozession getragen. Der Hunger war losgelassen, der zügellose, alles übertäubende Hunger mit zehntausend offenen Mündern. Es gab rohe Flüche, schmutzige Ausrufe, wildes Gelächter. Durch Zacatin trieb der Strom mit der Leiche an der Spitze hinab gegen Vivarrambla. Die Scheiben in Zacatins Prachtläden klirrten vor den Stein- würfen zur Erde, Fensterläden wurden eingeschlagen, Waren der- wüstet. Ein junger Gendarmerieoffizier, berühmt seiner Schönheit und eleganten Haltung wegen, ritt herbei und wollte den Strom hemmen. Man schrie ihn an und bewarf ihn mit Unrat.„Hu, wie abscheulich er ist!"—„Pfui, wie er zu Pferde sitzt!"— „Prügelt ihn!" Er konnte sich nicht behaupten, er wandte sein Pferd und eilte fort, indes Kot und Topfscherben auf seine prahlende Uniform nieoerhagelten. Sie drängten sich hinein in die große Konditorei, zum Vorstand der Bäckergenossenschaft...Sag'?an a actio I" schrieen sie und zielten mit Steinen auf ihn.„Kenjoras, Senjoritas!" versetzte er zitternd,„hier habt ihr Brot, Mehl, Kuchen. Nehmt meinen ganzen Laden, aber wagt es nicht, mich zn berühren!" ..Sag' Uan a ocho!" kreischten ein halbes Hundert Weiber. „Pan a ocho," murmelte er. „Hier kann er es leicht sagen, laßt es ihn laut draußen auf der Straße bekennen!"— und sie zerrten ihn aus dem Laden hinaus und zwischen sich fort. Mit Stößen und Schlägen zwangen sie ihn, an dem Rufe teilzunehmen. „Hört ihr, wie gut der Bäcker schreit?" „Er hält es mit uns, der liebe Schatz!" „Wer sollte glauben, daß er es war, der das Brot aufge- schlagen hat!" „Und wie fett er ist. Der Engel!" „Und wie gutmütig!" Sie kniffen ihn in Arme und Beine, sie faßten' ihn unters Kinn und liebkosten ihn; eine grinsende Zigeunerin machte Miene, ihn zu küssen. Er sank verzweifelt auf dem Fußdamm zusammen. Schon schwenkte die Hauptschar mit der Leiche hinaus auf die breite Vivarrambla. Die anderen stürzten nach. Bei der Biegung überraschten sie eine junge Frau, die sich auf dem Wege zur Morgenmesse in der Kathedrale hefand...Sag' Pan a ocho!" schrieen sie und umringten sie mit Gelächter. Sie starrt? hinein in die wahnsinnigen Gesichter, die unter den Narben so rot glühten, als hätte es Blut geregnet.„Jesus , Madonna. Mutter meiner Seele!" jammerte sie, zwischen ihnen in die Knie sinkend, „was habe ich getan, daß ich in solche Gesellschaft gerate." „Solche Gesellschaft! hört ihr's, sie spuckt uns an!" „Hebt sie auf!" schrieen einige.„Nehmt sie mit!" Aber schon war die Hnuptschar wieder in Bewegung.„Zum Präfektcn! zum Präfekten!" Man folgte und ließ sie liegen. Der Präfckt wohnte auf der Südseite der Stadt mit der Aus- ficht über die Vega und Sierra Nevada. Man war soeben aufge- standen, und alle Palastfenster waren der Morgensonne geöffnet. Innerhalb eines der offenen Fenster des Erdgeschosses mit dazugehörigem Gitter tanzte und trällerte ein junges Mädchen. Sie war in kurzem Morgenkleide und über den Schultern gelöstem Haar— ihre Augen waren groß. Sie übte fich in la Seviljana und hatte an den Händen Kastagnettcn, mit langen farbigen Seiden- bändern geschmückt, die über die schmalen Handgelenke fielen. Eine Weile stand sie atemschöpfend, denn sie hatte soeben getanzt. Dann mit einemmal schlug sie drei rasche Takte, stemmte die Hände in die Seiten, neigte sich vornüber und begann die kecken Seiten- würfe des Tanzes, während fie sang: „Ich liebe den Bruder, Ich liebe die Mutter, Ich liebe den Vater und andere sehr. Doch gibt es einen, — Ich sollte meinen, — Ich sollte meinen— den lieb' ich noch mehr." Und nun blieb sie mit einem Ruck stehen und ging in einen neuen Takt über. Die Arme flogen in die Luft und bewegten sich in weichen Wellenlinien auf und nieder, indes die Hände die Kastagnettcn schlugen, die Füße den Tanz traten und ihre Lippen das klimpernde Zwischenspiel der Guitarre nachahmten: „Plim plimmelim plim, Kling klang, kling klang, Plim plimmelim plim" — usw. Eine starke Schwenkung zuletzt, und sich rundum wie ein Kreisel drehend und die Kastagnetten über dem Haupte zusammen- schlagend, schloß sie die Tour. Und von neuem wieder; „Gut sind sie immer, Wenn sie nur nimmer Wenn sie nur immer— Ma und Papa, So ängstlich täten Und eifrig spähten, Ob niemand nachts beim Gitter, ha ha!' Und die Füße trippelten, die Kastagnetten schallten, und dl« Lippen trällerten:„Plim plimmelim plim—" Mitten im Tanze hielt sie inne und lachte— sie hatte den Feldruf gehört. Pan a ocho— was das wohl bedeuten mochte? es klang so lustig. Sie stand einen Augenblick und lauschte, die Hände in den Seiten, auf dem Sprunge zu tanzen. Dann machte sie ein paar kleine Hüpfer, um zu versuchen, ob die neuen Worte sich mit hincinnehmen ließen:„Pan a ocho, Pan a ocho, tra, tra—" aber es ging nicht recht. Neues Lärmen und Schreien lockte sie ans Fenster, und nun sah sie die ersten der Revolutions- furien vor den Palast strömen. Sie hatten eine Leiche zwischen sich, und sie hörte sie rufen:„Heraus mit dem Präfekten!" Aengstlich flüchtete sie aus dem Saal. Der Türwächter ward zur Seite gestoßen, der Palast über- schwemmt. Man führte den Präfekten im Triumph heraus, und wieder setzte sich der Zug in Bewegung— dem Rathause zu. Dort sollte das Stadtoberhaupt über die Bäcker zu Gericht sitzen und dem Volke Brot geben. Der Präfekt war barhäuptig und machte Einwände, man schob ihn mit Respekt, aber auch mit großer Bestimmtheit weiter. Auf dem Rathausplatze wurde Halt gemacht. Der Präfekt ersah eine Gelegenheit, durch das Rathaustor zu entschlüpfen. „Gib uns Brot!" rief die Menge und wollte ihm folgen. Aber die Türe blieb fest verschlossen. Eine Weile lang heulte man und schrie. Dann legte sich der Lärm und ward zum Gemurmel. Die Menge starrte hinauf zu einem Balkon und wartete, bis der Präfekt hervortreten und zu ihr sprechen würde— wie er es immer an Königs Geburtstag tat. Der Präfekt aber ließ sich nicht wieder sehen. Man begann zu drohen, schrie ihm zu und nannte ihn feig und Verräter.„Er hat uns betrogen!— Er hält es mit den Henkern!" Die Scheiben des Rathauses wurden eingeschlagen, mau machte Miene, das Tor zu sprengen. Einige Fußgendarmen rückten gegen das Rathaus vor; sie wurden mit Steinwürfen zurückgetrieben.„Den Präfekten!" schrie man.„Wir wollen mit dem Präfektcn sprechen." Da scholl Hufschlag in den Straßen, berittene Gendarmen sprengten in Reih und Glied auf den Platz und hieben mit ihren Säbeln ein. Weiber wurden überritten und niedergeworfen, die hintersten drängten ungestüm vorwärts, um den Säbeln und Pferdeköpfen zu entgehen, einige fielen und wurden von ihren erschreckten Schwestern niedergetreten. Unter Flüchen und schneidenden Schreien flüchteten die zersplitterten Scharen durch die Straßen und überließen den Platz den siegreichen Gendarmen und einigen verwundeten Weibern, die längs des Geländers des Springbrunnens hinkrochen, um zu entkommen. Und mitten auf dem Platze draußen lag die Leiche der verhungerten Mutter, der Hungersmärthrerin von gestern, der Heiligen von heute. Die Regierung hatte endlich beschlossen, auf die Forderungen des Hungers zu antworten, und die Weiberrevolution war vorbei, (Nachdruck verboten.) deber die Scbwimmblafc der fifebe. Das eigentümliche Organ der Fische, das wir Schwimmblase nennen, ist geeignet, in zweifacher Beziehung das Interesse deS f orscherS und des Laien lvachzurufen. Einmal hat die Schwimm» läse eine große entwickelungsgeschichtliche Bedeutung, da aus ihr die Lunge hervorgegangen ist, die, zur Atmung in der Luft dienend, den Tieren das Landleben erst ermöglicht hat. Diese Heraus- entWickelung der Lunge aus der Schwimmblase der Fische macht dem Forscherblick keine Schwierigkeiten. Wohl aber die Frage nach der Funktion der Schivimmblase, nach ihren Aufgaben, der Rolle. die sie im Leben der Fische spielt. Der Bau der Schwimmblase ist einfach: ein mit GaS ge» füllter, nicht allzu dickwandiger Sack, welcher vollkommen geschlossen oder durch einen Gang mit der Speiseröhre, zu» weilen auch mit dem Enddarm, verbunden sein kann. Nach einer Erklärung für die Funktion der Schwimmblase suchte als erster der große italienische Physiker Giovanni Alfonso Borelli , der im XVH. Jahrhundert lebte. Er war Haupt der medizinischen Schule der Jatrophysiker oder-Mechaniker und. aus gesundem Drange heraus, hatte er in seinem Buche„Ueber die Bewegung der Tiere" es unternommen, die Lebenserscheinungen. vor allem die Tätigkeit der Organe, die der Bewegung dienen, nach mechanischen Gesetzen zu erklären. Er hielt die Schwimmblase für ein Organ des Gleichgewichts und stellte sich dabei die Sache so vor: will der Fisch tiefer ins Wasser hinab, so drückt er die mit Gas gefüllte Schwimmblase mit Hülfe seiner RunwfmuSkcln»u»
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25 (6.5.1908) 87
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