legen des Wildes eine staunenswert« Geschicklichleit. die nur das Ergebnis langer Zeiträume der Entwickelung sein kann. Am wenigsten weist man von den religiösen Vorstellungen, doch scheint der Ahncukultus, wie auch sonst bei Naturvölkern, in deren Mittel- puntt zu stehen, und die Bcerdigunzsgebräuche sollen für das Vor» handenscin des Glaubens an ein Leben nach dem Tode sprechen: >Der Tod ist nur ein Schlaf," lautet ein Buschmannssprichwort. Auf die Buschmänner führt man die über ganz Afrika verbreiteten, zum Teil farbigen Felszeichnungen zurück, die in höchst natur- wahrer Weise besonders Jagden darstellen. Freilich ist nicht be- lannt, daß ein Beobachter einen Buschmann schon hat malen sehen; wenn die Zeichnungen also wirklich auf dieses Volk zurückgehen, fo würde es sich um einen heute verloren gegangenen Kulturbesitz handeln. Dem Europäer erscheint der Buschmann zunächst als freundlicher, kindlich-harmloser Mensch; bei längerem Zusammen- sein treten aber auch die unvorteilhaften Eigenschaften hervor, wie Unbeständigkeit, Mangel an Selbstbeherrschung, Gleichgültig- keit nicht nur gegen das Leben anderer, sondern auch gegen das eigene. Allein bei der Jagd entwickelt der Buschmann Fleiß, Aus- dauer und Zielbewusttsein. Eine zum Teil ähnliche Vorstellung erhalten wir durch die vorliegenden Beschreibungen in den Pygmäen der äquatorialen Urwälder, den Wambutti, Watwa, Tikkii-Tikki usw. In Kamerun gehören die noch wentg bekannten Bakelle dazu, in Ostafrika die Pygmäen des Kiwuseegebietes. Die Körperlänge geht bis unter 130 Zentimeter hinunter, doch läßt sich noch nicht sagen, ob die Durchschnittshöhe der äquatorialen Pygmäen wirk- lich geringer ist als die der südafrikanischen. Die Hautfarbe wird gewöhnlich als dunkelbraun bezeichnet. Beschäftigung ist die Jagd, die mit dem äußerst geschickt gehandhabten Bogen, aber auch mit Fallen betrieben wird; sogar der Elefant ist vor ihren Gruben nicht sicher. Mit den normalwüchsigen Umwohnern pflegt ein friedliches, wenn auch nicht vertrautes Verhältnis zu bestehen, und es finden an bestimmten Tagen auf neutralem Boden Märkte statt, wo die Kleinen ihre Jagdbeute gegen die Feldfrüchte der Großen eintauschen. Ueber den Charakter gehen die Meinunzen auseinander. Die Nachbarn der Pygmäen sagen ihnen manchmal Tücke, Hinterlist und hämische Schadenfreude nai�. Nach anderen find sie harmlos, ruhig, ernst, ja traurig im GesichtsauSdruck und zeigen große Selbstbeherrschung, die jedoch auch Gleichgültigkeit sein kann. Von dem Fetischglauben der Neger ist nichts zu merken, auch Kannibalismus, unter diesen im Kongogebiet so über- «US weit verbreitet, scheint den Pygmäen fremd zu sein. Mit den Buschmännern hat man häufig die Hottentotten in einen Topf geworfen, mit denen allerdings Kreuzungen viel- fach vorgekommen sind. Beide Rassen haben helle Hautfarbe, stark gekräuseltes Haar und die eigentümlichen Schnalzlaute der Sprache. Freilich ist die Sprache nicht immer«in Pfeiler, über den man eine Rasscnbrücke legen kann, und für die Schnalzlaute der Hottentotten darf die Entlehnung aus den Buschmanns- sprachen als sicher gelten. Doch scheint hier die Sprache in der Tat auf den richtigen Weg zu weisen: die Grammatik der Hotten- tottensprache zeigt nach v. Luschan eine höchst merkwürdige Ueber- cinstimmung'mit hamitischen Sprachregeln, und ihr Hamitentum würde die Hottentotten von den Buschmännern vollständig scheiden. Hamiten haben ganz Afrika überschwemmt: die Berber, die Haussa, die Somal , die Massai gehören zu ihnen. Vor Jahrtausenden mag ein hamitischer Stamm aus dem Norden bis zur Südspitze des Erdteils vorgedrungen sein, und hinter ihm mögen die wieder zusammenschlagenden Völkerwellen eine nie mehr überstiegene Schranke gezogen haben, so daß die weitere EntWickelung jene? Stammes nun selbständig vor sich ging. ES gibt auch anthropolo- gische und ethnologische Berührungspunkte zwischen Hottentotten und Hamiten; so sind die Hottentotten Hirten, wie eS alle Hamiten immer gewesen sind, z. B. die Massai und Wahima in Csstafrika. Die Buschmänner sind Jäger, und auch dieser Umstand trennt st« völlig von den Hottentotten. Eigentümlich ist auch die Gleich- heit der bei ihnen geübten BeschneidungSart mit der der Massai. Der Nordhälfte Afrika? drückt die hamitische Rasse in viel weiteren Gebieten ihren Stempel auf. Aber neben ihr und den späteren Mischformen gibt es noch Ueberbleibsel älterer, ganz pri- mitiver Völker, deren Existenz nach so vielen Völkerstürmen und idem Eindringen des Islams fast wunderbar erscheint. Seit wenigen Jahren erst ist man auf sie aufmerksam geworden, und im Nigerbogen hat man sie auch schon etwas studiert. Sie finden stch in den Wäldern, wo sie noch so leben, wie in der vorgeschicht- lichen Zeit. Die U m b o, B o b o, T o m b o, Kala in der Wald- gone übrigens keine Pygmäen sind die ältesten Bevölkerungs- vestandtcile deS Sudan , wenn man von den verschwundenen mythischen Erbauern einiger Höhlendörser und Bergbefestigungen «bsieht. die nach der Ueberlieferung der heutigen Bevölkerung «rote Zwerge", kleinwüchsige Jäger und Fischervölker gewesen sein sollen. Aus der Vermischung jener Primitiven mit Völkern hami- tischer Rasse, die von der Mittclmeerküste gekommen waren, dürften die ebenfalls erst jüngst aufgefundenen geringen Reste abzuleiten sein, die als Sorko im Nigertal und auf den Inseln oder als Habbe in den Gebirgen(Hombori Bandiagara) sich er- halten haben. Sorko und Habbe haben es bis zu einer Kultur ge- bracht, die man mit einem auf europäischen Verhältnissen sich gründenden Ausdruck als ncolithisch(jungsteinzeitlich) bezeichnet. Ihre sonderbaren Sitten und Gebräuche gaben der Völkerkunde Rätsel auf. Die Frau steht dort sehr hoch, ist nicht Dienerin, sondern Gehilfin des ManneS; dementsprechend herrscht Mutter- recht. Die Gräber liegen in Häuschen, die aus Ziegeln und Steinen in horizontalen Felsspalten aufgeführt sind, und jede? Alter und Geschlecht hat sein besonderes Grabhaus. Die Seele teilt sich nach dem Tode. Der eine, nicht materielle Teil, geht in die fernen Gefilden der Vorfahren, der andere bleibt auf der Erde und befruchtet wieder die Frauen. Dies« Seelentrennung findet am Schluß der Trauerwoche statt. Dem allmächtigen, schöpferi. schen, herrschenden Wesen Ämno werden Trilithen als Altäre er« richtet, die einer gedachten Dreiheit jenes Wesens entsprechen. Von Amno gehen zwei schöpferische Kräfte aus, das männliche und das weibliche Prinzip, in dessen Verehrung die Stämme oder Familien sich teilen. Die Stämme, die da? männlich« Prinzip verehren, sehen im Monde da? Sternenemblem der schöpferischen Kraft, dieweiblichen" Stämme sind Sonnenanbeter.> Man könnte an karthagischen Einfluß denken. Die phönizisch« Kultur Nordafrikas hat höchstwahrscheinlich bis über die Wüste in den Sudan ausgestrahlt und auf dessen Völker abgefärbt. Doch sind auch noch ältere Beeinflussungen aus dem Osten, über das Niltal her, nicht mehr ausgeschlossen, nachdem man sich lange ge« sträubt hat, solche zuzugeben. Das Problem der Klarlegung de« hamitischen Wanderungen in Afrika ist neben der Erforschung de» Pygmäen die dringendste Aufgabe der Völkerkunde in diesem Erd- teil. In der Hamitenfrage stehen wir erst an der Schwelle de« Erkenntnis, doch wird sie wohl einmal kommen. Jedenfalls darf man sagen, daß das Wort:(Zuick novt ex Atrica"(was gibt e> Neues in Afrika ) in Zukunft vornehmlich für die völkerkundlichen Gebiete feine Geltung haben wird, nachdem es im ursprüngliche» geographischen Sinne nur noch Tvimig Berechtigung hat. _ H. Singe«. Kleines feinllcton- Technisches. Aus der Geschichte de, Automobils. Die Geschichte deS Automobils, das die deutschen Sprachvereinler Selbstfahrer odet Kraftwagen nennen, ist noch recht jung, noch nicht einmal anderthaM Jahrhunderte alt. Eine kurze Skizze darau» gibt der österreichtsche Ingenieur Karl Blau in seinem eben im Teubnerschen Verlag er- schi'enenen BucheDas Automobil". Der erste Dampfwagen auf schienenlosem Wege wurde 60 Jahre, bevor durch StephensonS Be« mühnngen das Lokomotivwettrennen zu Rainhill 1829 zustande kam und mit einem vollkommenen Sieg der Schienenbahn endigte, mit Unterstützung der Regierung von dem französischen Artillerieingenteur N. I. Cugnot für den Transport schwerer Geschütze gebaut, hatte aber auf der Probefahrt kein Glück, so daß er als zwecklos an- gesehen wurde und inS Archiv wanderte; noch heute bildet er ein Ausstellungsstück deS Pariser voneervatoiro dss arte et inötiera. Erst in den achtziger Jahren de, 18. Jahrhunderts baute Watt, Schüler Murdock, in den neunziger Jahren Trewithick eine Reihe von Dampfwagen. Von dieser Zeit mehrten sich die Erfindungen auf diesem Gebiete, und auch verwunderliche Absichten zeigten sich dabei. So wollte Gordon die Fortbewegung des Wagens durch eine den Pferdefüßen nachgebildete Treibvorrichtung erreichen. Gurneh und Hanoock bemühten stch besonders um die Ausgestaltung des Dampfkessels, noch im ersten viertel des 19. Jahrhundert» konnten sie einen regelmäßigen Personentransport mit automobilen Dampfwagen einrichten: vor achtzig Jahren also schon hatte London seine ersten Autobusse, nahmen dre Zeitungen zu der neuen Er« scheinung Stellung, und 1831 wurde das erste Automobilgcsetz gegeben. Aber schon fünf Jahre später kam die Entwickelung de» AutomobilwesenS zum Stillstand. 1836 erlitt ein Hanoockscher Omnibus einen Achsenbruch, und obwohl der Unfall glimpflich ab« lief, führte er doch zu der Lokomotiv -Akte, die bestimmte, 400 Meter vor jedem pferdelosen Wagen müsse zur War- ming ein Mann mit einer roten Fahne gehen, und der Wagen dürfe höchstens mit 4 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde fahren. Erst 1873 erschien Bollöe mit seinem Damptwagen L'oböissante", der zum Teil noch heute vorbildlich ist. 1875 folgen die Versuche Serpollets, und zugleich die Bemühungen, den Dampf als Kraftquelle durch die Anwendung eines Gasmotors zu ersetzen. Als die Väter der heutigen mit Benzin getriebenen Automobile die elektrische Kraft kommt auch in geringem Maße zur Anwendimg müssen die Deutschen Daimler und Benz gelten. Die technischen Unterschiede in den jetzt genommenen Patenten können wir hier nicht erwähnen; wir wollen nur mitteilen, daß 1884 Daimler ein Patent auf einen einzylinderigen, horizontalen, luft­gekühlten Motor genommen hatte und daß das erste Benzsche Patent vom 25. März 1336 stannnt. Daimler, der seinen Motor von Jahr zu Jahr verbesserte, verkaufte sein Patent 1889 an eine französische Firma und führte so das Eintreten Frankreichs in die Reihe der konkurrierenden Länder herbei, wobei es großen und nachhaltigen Erfolg hatte. Die letzten zwei Jahrzehnte sind dann die Zeit eine» ungeahnten Ausbaues des AutomobilwesenS. Es leidet noch heute bedenklich an Kinderkrankheiten, von denen vielleicht die gefährlichsten das Sportsmannsbeioußlscin und der Mangel des Bewußtseins der Gefob: fehkeic des Betriebes(für andere)(v* den Fahrern ist. Lerantw. Redakteur: Georg Davidsohn , Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,