Kerl nahm den Hut ab und grüßte-» eS Ivar ei» alter, breit. krämpiger. halb Künstlerhut. halb pensionierter Mi�rcrgesellen- Hut— und schlenderte langsam den Steig hinab der Apotheke zu. Kassen Weber sah der Erscheinung nach.— ,Wat das is?— Rümdriewer, Lump." Peter Busch? Man sah es ihm an, daß er das Vorkommen solcher Existenzen mißbilligte; mißbilligend sah er nach dem noch immer am Punipenschtvcngel stehenden Hüter der öffentlichen Ordnung.—„Möß ni verlost Wesen, dor möß Karl vor sorgen. Awer Karl henstellen, orn Plünnkerl, Vagels bang tau maken, is eendont." Matthies mitn Stminz ging über die Terrasse und begrüßte die Portweintrinker, aber ganz flüchtig, er eilte nach dem Bahnhof, um beim Abwiegen seiner Schweine zugegen zu sein. Mitn Swung stieg er die Treppe hinunter.— Ob die jungen Leute schon von der Reise zurück seien— fragte Kassen hinter ihm her.— «Durt na acht Dag," war die Antwort. Damit hinkte er weiter. Nach einer Stunde kam er zusammen mit Wilhelm Frahm vom Bahnhof zurück. Bei Gählcrs Platz trennten sie sich, Matthies ging nach seiner Herberge, Wilhelm wollte bei sich zu Mittag essen, (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) patentfcbau. Es. ist wirklich interessant, welche Fülle von technisch wertvollen und praktischen Ideen einerseits und grotesken Einfällen anderer- seits in Deutschland dem Patentamt zum Schutz vorgelegt und auch patentiert wird. Von der Baumtuchenform bis zum Bade- mantel, vom Taschenbleistift bis zur Riesenmaschine— alles wird von mehr oder weniger genialen Erfindern als ihr„geistiges Eigentum " in Anspruch genommen. Große, bedeutende Erfin- düngen sind wohl nur selten in der Fülle der Patente und Ge- blauchsmuster, die allwöchentlich veröffentlicht werden, zu finden. Aber gerade die kleinen Verbesserungen machen zum größten Teil den Fortschritt der Technik aus. Einer der Hauptvorzüge des elektrischen Lichtes gegenüber dem Gaslicht besteht darin, daß die elektrischen Lampen von einer be- liebigen Stelle des Zimmers aus durch einfaches Drücken oder Drehen eines Knopfes angezündet werden können. Es ist nun natürlich, daß man diesen Vorteil auch bei der Gasbeleuchtung zu erreichen sucht. In einer der letzten Nummern des Patentblattes finden wir daher nicht weniger als 3 Patente und 2 Gebrauchsmuster erteilt, die alle das Zünden, besonders die Fernzündung von Gaslampen zum Gegenstand haben. Die gewöhnliche Sclbstzündung von Gasbrennern geschieht durch eine Ncbcnflamme. Ein Patent schützt nun eine Zünd- und Löschvorrichtung für Gas- lampen durch Acnderung des Gasdruckes mit durch Vermittclung eines Drehschiebers abwechselnd brennender Haupt- und Neben- flamme. Ebenfalls durch Aendcrung des Gasdruckes soll bei einem anderen Patent eine Fernzündung erzielt werden. Die übrigen Schutztitel beziehen sich auf die selbsttätige Zündung durch Zünd- Pillen, die sowohl für stehende als auch für die in letzter Zeit immer mehr Verbreitung findenden hängenden Gasbrenner Ver- Wendung finden sollen. Gerade für diese hängenden oder nach unten brennenden Gasglühlichtbrenner— denn nur um solche handelt es sich— finden wir eine Reihe von Verbesse- rungen patentiert, die sich in der Hauptsache auf die etwas schwierige Frage der Regelung der Luftzufuhr beziehen. Bei der Verwendung von Gas zu Heiz- und Kochzwcckcn wird wohl eine durch Gebrauchsmuster geschützte Einrichtung für die sparsame Hausfrau einen Vorteil bedeuten. Es ist dies ein kombinierter Gasbrenner, der zum Kochen oder zum Erhitzen von Gas- plätten verwendet werden kann. Nicht nur von diesen neuen Zweigen der Technik, auch von alten Industrien wie z. B. den Dampfkesselbetrieben können Er» sindcr Anregungen erhalten. Es ist bekannt, daß Kesselstein» b i l d u n g, die durch bestimmte Beimengungen im Speisewasser verursacht wird, zu den gefährlichsten Explosionen Veranlassung geben kann. D. R.-G.-M. 344 010 und D. R.-G.-M. 344 241 geben nun Vorrichtungen an, um die den Kesselstein bildenden Mine- ralien aus dem Speisewasier auszuscheiden, während D. R.-G.-M. 343 939 eine Vorrichtung schützt, die die Bildung von Kesselstein an den Wandungen des Dampfkessels überhaupt verhindern soll. Ein weiterer kritischer Punkt im Kesselbetrieb ist die Ein- Haltung eines bestimmten Wasserstandes im Kessel, dessen Sinken unter einen bestimmten Grad auch zu Explosionen Veranlassung geben kann. Die Konstanthaltung des Wasser st andes vom Bedienungspersonal unabhängig zu machen und so eine größere Betriebssicherheit herbeizuführen«st Gegenstand von drei ver- schicdcnen Personen erteilten Patenten. Es sind das in der Haupt- fache Vorrichtungen, die den Wasserstand mittels eines das Speise- ventil steuernden Schwimmers konstant halten sollen. Unsere Erfinder sorgen überhaupt gern für die Sicherheit des Lebens und der Person. So will z. B. ein Erfinder in nicht un- berechtigter Angst vor der Uebertragung ansteckender Krankheiten durchs Telephon Auskleidungen für die Hör- und Sprachrohre eingeführt wissen. Diese Auskleidungen bestehen aus antiseptischen Papierrollen oder noch besser Papierblättern, welche der For« des HörrohrS oder Sprachrohrs angepaßt sind, Sie haben Befestigungsansätze, mit denen sie in den Rohren be« fest et werden können, so daß jeder, der telephoniert, gewissermaßen eigene, saubere, von Jnfektionskeimen freie Apparate benutzen kann. Das Telephon ist bei seiner Unentbehrlichkeit für den modernen Verkehr nur zu oft eine Quelle steten Aergers für den Groß» städter. Welcher Geschäftsmann hat nicht, nachdem er mit vieler Mühe und Not den gewünschten Anschluß bekommen hat, zu seinem Verdruß erfahren müssen, daß die Person, mit der er sprechen wollte, nicht zu Hause oder nicht abkömmlich ist. Um einem in solchen Fällen die Mühe und den Zeitverlust eines nochmaligen Anrufens zu ersparen, gibt ein neues Patent eine Vorrichtung an» mittels der telephonisch übermittelte Gespräche zwecks späterer Wiedergabe phonographisch aufgezeichnet werden können. Vielleicht kann diese Erfindung sich schneller zur Geltung bringen, als das vor einigen Jahren aufgetauchte Poulsensche Telegraphophon, das einen ähnlichen Zweck auf magnetischem Wege erreichen wollte. Die Sicherheit der Person wollen auch einige Patente schützen« die die Möglichkeit von Eisenbahnunfällen einschränken wollen. Ein Erfinder geht von dem ganz richtigen Grundsatz aus, daß die besten Signale nichts nützen, wenn sie auf der Lokomotive nicht gesehen werden. Er gibt daher eine Vorrichtung an, die die Streckensignale anzeigt und gleichzeitig durch Schließen eine? Kontaktes an der Lokomotive ein entsprechendes Warnungszeichen auf dem Zuge auslöst. Während diese Einrichtung bei allen Bahnen verwendet werden kann, ist eine zweite Erfindung nur für elektrische Bahnen bestimmt. Ein elektrischer Eisenbahnzug kann von außen nach einer gewissen Zeit durch Stromlosmachen der Strecke zum Stehen gebracht werden. Ein in voller Fahrt befindlicher Zug wird aber, auch wenn ihm kein Strom mehr zu» geführt wird, ein großes Stück infolge des Gesetzes der Trägheit weiter laufen, falls er nicht gebremst wird. In dem oben er« wähnten Patent wird eine VorrichturCg beschrieben, die auch die Bremsen auf dem Zug selbsttätig auslöst, wenn der Strom eine infolge Stromunterbrechung stromlose Blockstrecke durchfährt. Zu den gefährlichsten Diensten des Eisenbahnbetriebes gehört das Kuppeln und Entkuppeln von Wagen. Es sind schon viele Ver» suche und Vorschläge gemacht, in diesem Punkte Verbesserungen zu treffen. Ein neues Patent schützt z. B. eine selbsttätige Kuppelung für Eisenbahnwagen, die den Vorzug hat. daß die Kuppelung von der Seite des Fahrzeuges eingelegt werden kann, während bis jetzt der Bedicnungsmann beim Kuppeln immer zwischen den Wagen beschäftigt ist. Für unsere modernen Wohnungen in den Großstädten ist die raffinierte Raumausnützung, zu der man durch die hohen Miets» preise gezwungen wird, charakteristisch. In richtiger Erkenntnis schafft die Technik raumsparende Möbel. Durch ein D. R. G. M. wird der gute alte„Sekretär" in Form eines Schreibtischschrankes mit auszich. und umklappbarer, als Schreibtisch ausgebildeter Schublade wieder geschützt, während in einem anderen erteilten Patent ein in eine Schreibtischplatte vcrwandelbarer Klavierdeckek beschrieben wird. Ein dritter Schutzanspruch beschreibt sogar einen Stuhl, der wohl eine Umkehrung eines Kindersessels ist. Dieser Stuhl hat nämlich eine an der Rücklehne gclcnkartig und in jeder Schräglage feststellbar angebrachte Tischplatte. Ein Stuhl scheint überhaupt ein brauchbares Möbel zu sein, wie die Erfindung eines Franzosen zeigt, die er sich bei uns patentieren läßt. Dieser macht aus dem Stuhl ein richtiges Gartcnzelt, indem er an ihm eine Klemmvorrichtung anbringt, durch die aufgespannte Schirme in beliebiger Stellung befestigt werden können. Dem eben erwähnten Platzmangel kommt auch eine von Amerika stammende Erfindung entgegen. Sie besteht in einem als Kleiderhalter ausgebildeten Doppelhaken, der bei Nichtgebrauch in ein Gehäuse zurückgeklappt werden kann und dann gar nicht über die Wand hervorragt. kleines Feuilleton. Literarisches. Karl Henckell , Deutsche Dichter seit Heinrich Heine. Ein Streifzug durch fünfzig Jahre Lyrik. Sammlung: Die Literatur. Herausgegeben von Georg Brandes . Bard, Marquardt u. Co., Ver, lag, Berlin . Viel segenvolle Freude hat Karl Henckell in den neunziger Jahre mit seinen hundert lyrischen Einzelblättchen, den Sonnen« blumen, ausgestreut. Dieser Streifzug durch fünf Jahrzehnte deutscher Lyrik nun, der hier in reich mit Bildnissen und Schrift» proben ausgestattetem Bändchen vorliegt, darf vorab als eine Er� gänzung der Sonnenblumen hingenommen werden; aber er ist viel mehr und vor allem etwas, das für sich besteht. Man hat es da mit einer eigenartigen Anthologie zu tun, mit einer Lese von durch« aus persönlicher Färbung. Henckell hat 35 namhafte Dichter aus» gewählt, die Art jedes einzelnen so versinnlicht, wie sie ihm menschlich-künstlerischcs Erlebnis gewesen sind, und von jedem zwei oder drei Gedichte, kaum jemals mehr, zur Kennzeichnung seines dichterischen und auch menschlichen WesenS eingeflochten. Das Ganze ist so geordnet, daß die große Entwickelungslinie, dt?
Ausgabe
25 (14.8.1908) 156
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