Minna schwatzte unentweg?. ,.Ne, wie ich mer freue, Sie gu sehn, Bertchen! Ja, das waren noch fidele Zeiten dazumal! Wissen Se noch, die Aujuste mit ihre Ehrbarkeit? Das scheinheilige Luder! Denken Se man an! Jroschen hat se sich jemacht, das können Se doch auch beschwören, un bei'n Rechtsanwälten de Jagerstratze kam se mit'n Krach weg: aber was denken Se woll?! Kriegt'ne Stelle bei'n ollen Rentier. Den mag se ordentlich beschuppst haben mit ihre Ehrbarkeit: , sieh mer nich an, rühr mer nich an, ich Hab de Tugend mit Löffeln jefressen jawoll! Un was denken Se, jetzt Heirat er ihr!" Sie erwartete einen Ausbruch des Erstaunens von Berta, aber diese blieb stumm. Nanu, was sagen Se?! Da schlag doch ecner lang hin. Erst, als ichs zu wissen kriegte, wollte ich mal hinjehn un dem Ollen'n Talglicht aufstecken, von wejen seine ehrbare Auguste. Ae, dachte ich denn, wer wcitz, wie du ihr noch brauchst, sei man stille! Aber is es nich'ne Unjerechtigkeit?! Wer ehrlich is un anständig, bleibt en armes Luder, mutz sich rumschubsen lassen, un andre sitzen in de Wolle." Ja," sagte Berta rauh. Sie, Vertchen, bei unsrer alten Freundschaft, können Se mer nich fünf M pumpen? Wenn Sie so fein raus sind, kommt Sie's doch nich drauf an lunipichte fünf Märker 1 Meine Wirtin, bei der ich in Schlafstelle bin, setzt mir sonst raus. Berta zögerte: was sollte sie sagen? Lieber Himmel, das arme Tier! So elend, so verhungert! Aber fünf Mark hatte sie ja selber nicht mehr! Minna klagte:Ach,'s is auch jarnischt los! Herr- schaften um Herrschaften, un nirjendwo was Reelles! Meine letzte Stelle war ja soweit janz nett: neunzig Taler, oft Trink- geld, anständiges Essen, jutes Bett in'ne jute Stube, jeden Abend meine Flasche Bier un mittags auch: da hielt ich drauf. Drinnen tranken se Wein. Aber was jlauben Se woll?!" Sie blieb stehen und hielt Berta vorn am Jackenknopf fest. Fragt mir die Madani immer, wo ich hinwill, wenn ich abends ausjehe! Un will mir den Schlüssel nich jeben haben Se Worte?! Was jeht ihr das an, wo ich hinjehe?! Na, det konnte mir passen adieu Sie!" Sie seufzte.Ja, wenn einer Pech haben foll! Sie, Bertchen, wie is es denn mit meine fünf Märker? Rücken Se man raus, ja?!" Wie sollte sie die nur los werden?! Unruhig spähte Berta umher. Kam ihr denn nichts zu Hilfe?! Da Tritte! Trapp, trapp rasch kamen sie hinter ibnen. Sie drehte sich um und fuhr zurück in einem nervösen Schreck--- der Dicke! Schon war er dicht neben ihr; sie fühlte sich auf einmal schwach, wie gebannt. Na, Fräulein," sagte Herr Lehmann und griff an seinen Hut.Wie is es?! Noch immer keines Besseren be- sonnen? Na?I" Er machte eine Pause und beschaute sie im Laternenlicht mit einem taxierenden Blick von oben bis unten. Nich zu kochen, blotz Zimmer aufräumen, nur feine Hausarbeit! Und achtzig Taler!" Mit einem leisen Aufschrei kniff Minna sie in den Arm: 'Jlückspilz!" Aber Berta, wie aus einer Erstarrung erwachend, riß sich los. Ohne Adieu, ohne irgend ein Wort, stürmte sie davon, um die nächste Ecke, mitten in das versteckende Gewühl der Friedrichstratze hinein. (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck vervoten.). Der f>ader zweier JVIirgoroder u Größen. Von Nikolaus Gogol, I. (Iwan Jwanowiisch und Iwan Nikiforowitsch.) Welch eine herrliche Pekcsckie(Oberrock) Iwan Jwanowiisch doch anhat I Ein wahres Prachtstück! Und was für ein Lamms- sellbesatz! Hei. welcher Lammfellbesatz! Bläulich grau, wie mit Reif bedeckt. Ich setze mein Bestes ein, wenn jemand eine ähnliche aufweist. Werft nur, ich bitte Euch, einen Blick darauf, be- I anders wenn er stehen bleibt und einen anspricht, schaut dann von et Seite hin: welch leckerer Bissen! Es läßt sich nicht beschreiben: Kamt! Silber! Feuer! Ach du mein Gott! Du wundertätiger Nikolaus, hoher Heiliger? Warum besitze ich nicht eine solche Pc- iesche! Er ließ sie sich nähen, noch bevor Agasia Fedossejewna nach Kijeff reiste. Ihr kennt doch Agasia Fedossejewna? Dieselbe, die dem Assessor ein Ohr abgebissen hat. Ein prächtiger Mensch, dieser Iwan Jwanowitsch! Was für ein Haus er in Mirgorod hat! Rund um dasselbe ein auf Eichen- säulen ruhendes Wetterdach, unter dem Dache Bänke an jeder Seite. Iwan Jwanowitsch wirft, wenn es gar zu heiß wird, die Pekesche und auch die Hose ab, macht sichs im bloßen Hemde bequem und sieht zu. was im Hofe und auf der Straße vor sich geht. Welche Aepfel- und Birnbäume gerade unter den Fenstern! Man braucht nur die Fenster zu öffnen und die Aeste ragen in die Stube. Das ist nur vor dem Hause; aber was ist da erst im Garten zu sehen! Was findet sich da nicht alles? Zwetschken, Weichsel , Kirschen, alles erdenkliche Küchengemüse, Sonnenblumen, Melonen, Hülsen- flüchte, und hart daneben eine Tenne und sogar eine Schmiede. Ein prächtiger Mensch, dieser Iwan Jwanowitsch! Er war ein großer Freund von Melonen: es war seine Lieblingsspeise. Gleich nach dem Mittagessen läßt er sich im bloßen Hemde unter dem Wetterdache nieder und befiehlt Gapka, ihm zwei Melonen zu bringen. Er schneidet sie dann selbst ruf, sammelt die Samen- körner in einer Papierdüte und beginnt zu essen. Darauf befiehlt er Gapka das Tintenfaß zu bringen, und dann schreibt er eigen- händig auf die Papierdüte:Diese Melone wurde an dem und dem Tage verzehrt." Wenn irgend ein Gast daran teilgenommen, wurde dieses eigens beigefügt. Der selige Mirgoroder Richter pflegte immer mit Wohlgefallen das Haus des Iwan Jwanowitsch anzusehen. Ja wohl, das Häus- chen ist gar nickst übel. Es gefällt mir besonders, daß von allen Seiten Vorhäuser und Vorhäuschen angebaut worden, so daß aus der Ferne gesehen nur übereinander gelagerte Dächer zu sehen sind und es einem gehäuften Teller mit Pfannkuchen oder noch bester einem auf einem Baume wachsenden Pilze ähnlich sieht. Alle größere und kleinere Dächer waren übrigens insgesamt mit Schilf gedeckt: eine Weide, eine Eiche und zwei Aepfelbäume lehnten sich an sie mit ihren vielverzweigten Aesten. Zwischen den Bäumen glitzern die auf die Straße gehenden kleinen Fensterchen mit den geschnitzten weißen Läden. Ein prächtiger Mensch, dieser Iwan Jwanowitsch? Ihn kennt sogar der Kommissar aus Pultawa. Dorosch Tarassowitsch Puchi- wotschka kehrt auf dem Wege von Choral immer bei ihm ein. Und der Protopop, der Pater Peter, der in Koliberda wohnt, wieder- holt es immer seinen Gästen, daß er niemanden kenne, der seina Pflichten als Christ so erfülle und so zu leben wisse wie Iwan Jwa- nowitscl� Mein Gott, wie die Zeit dahingeht! Es sind schon mehr als zehn Jahre verflossen, seit er Witwer geworden. Er hatte keine Kinder. Gapka, die Magd, hat welche, die im Hofe herumlaufen. Iwan Jwanowitsch gibt dann jedem Kinde eine Bretzel, ein Stück Melone oder eine Birne. Gapka ist im Besitze der Schlüssel zur Kammer und Keller. Die Schlüssel zum großen Koffer, der in seinem Schlafzimmer steht, ebenso den zu der mittleren Kammer trägt Iwan Jwanowitsch bei sich und läßt ungern dort jemanden ein. Gapka ist eine dralle Maid mit frischen Waden und Backen, die sich mit umgebundener Schürze tüchtig tummelt. Und wie gottesfürchtig Iwan Jwanowitsch ist! An jedem Sonntage legt er seine Pekesche an und begiebt sich in die Kirche. Dort eingetreten, verneigt er sich nach allen Seiten, nimmt seinen Platz gewöhnlich im Chor und läßt seine Baßstimme ertönen. Nach beendigtem Gottesdienste muß Iwan Jwanowitsch seinen Umgang unter allen Bettlern halten. Er würde vielleicht dieses langweiligs Werk unterlassen, wenn seine angeborene Güte ihn nicht dazu zwänge. Gott zum Gruß!" beginnt er gewöhnlich, das verkrüppcltste, in geflickte Lumpen gehüllte alte Weib aufsuchend.Woher bist Du. meine Arme?" Ich, Herrchen, komme aus dem nächsten Dörfchen. Schon seit drei Tagen bin ich ohne Speis' und Trank; die eigenen Kinder haben mich fortgejagt." Armes Geschöpf! Und weshalb bist Du hierher gekommen?" Um Almosen zu sammeln, mein Herrchen, vielleicht gibt mir jemand einen Groschen zu Brot."' Hm! Du möchtest also Brot haben?" fragt dann gewöhnlich Iwan Jwanowitsch. Wie sollte ich nicht? Ich bin hungrig wie ein Hund." Hm!" antwortet gewöhnlich Iwan Jwanowitsch;Du möchtest also vielleicht auch Fleisch haben?" Ich werde mit allem, was Ihre Mildtätigkeit mir schenkt, fürlieb nehmen." Hm? Fleisch ist also besser als Brot?" Der Hungrige ist nicht wählerisch. Es ist alles gut, reicht nur eine milde Gabe." Dabei streckt die Alte gewöhnlich die Hand aus. Nun, so geh mit Gott," spricht Iwan Jwanowitsch.Was stehst Du noch da? Ich schlage Dich ja nicht!" Darauf wendet er sich mit ähnlichen Fragen an«inen Zweiten und Dritten und kehrt endlich nach Hause zurück oder tritt, um sich mit einem Gläschen Rum traktieren zu lassen, beim Nachbar Iwan Nikiforowitsch, oder beim Richter oder Polizeimeister ein. Iwan Jwanowitsch sieht es sehr gern, wenn ihm jemand irgend ein Geschenk verehrt, ihm eine Aufmerksamkeit erweist. Er findet daran einen sehr großen Gefallen.