»erWiHencr Apparate erzielt, was ja auch etne Energieübertragung wenn auch nur im übertragenen Sinne und in einem sehr kleinen Maßstab darstellt. Bekannt sind die Versuche, Torpedos elektrisch durch Fcrnübertragung zu steuern. In letzter Zeit wurden auch Vorschläge gemacht, unbemannte Gleit- und Drachenflieger zu »neleorologischen Zwecken aufsteigen zu lassen und vom Erdboden durch elektrische Wellen zu lenken. In einer elektrischen Ausstellung, die augenblicklich in Omaha (Amerika ) stattfindet, wird die ganze Beleuchtung des Aus- stellungSgebäudes, die aus ungefähr 400V Glühlampen besteht, von einem 8 Kilometer entfernten Fort auf drahtlosem Wege allabendlich ein- und ausgeschaltet. Es ist kein Wunder, dafe bei solchen Erfolgen der geniale TeSla, dem die Welt so manchen Fortschritt auf dem Gebiete der Physik und Elektrotechnik verdankt, der aber auch oft feiner Phantasie ein wenig zu sehr die Zügel schlichen läßt, davon träumt, sich auf funkentclegraphischem Wege mit den Physikern des MarS in Verbindung zu setzen. Wir wollen unsere Hoffnungen nicht fo hoch schrauben und können froh und stolz sein, wenn wir eine regelmäßig drahtlose Verbindung zwischen Amerika und Europa hergestellt haben werden._ Sth. Kleines f euilleton* Völkerkunde. DaS Gold der spanischen Conquistadoren. Das Kerliner Völkermuseum hat durch Vcrmittelung von Dr. Lehmann, der seit längerem in Mittelamerika für das Museum tätig ist, und durch einen Akt privater Wohltätigkeit eine selten kostbare Sammlung von Goldaltertümern aus Costa Rica erhalten. Die alten Bewohner dieser Landschaft sind freilich verschollen; aber was die Lebenden nicht mehr hergeben können, nimmt man jetzt den Toten von ehedem. Mit größerem Recht; wenigstens wenn das Gold in unversehrter Gestalt in die Schau- kästen der wissenschaftlichen Institute gelangt und wenn eS nicht, wie es mit einem Funde von 50 000 Dollar Goldwert in Panama geschah, in den Schmclztiegel derselben menschlichen Habgier wandert, aus dem schon die Barren der spanischen Eroberer(ein Fünftel Gauneranteil für die Krone!) hervorgingen. Denn das ist wenig bekannt, daß die Spanier eben weder Barren, noch Körner, noch Goldstaub erbeuteten, sondern Schmucksachen: Figuren, Gürtel, Ringe, Platten usw. Als Kolumbus 1502 bei Gelegenheit seiner vierten Reise auf hoher See im Golf von Honduras ein indianisches Handelsboot antraf, da waren sowohl feine Insassen wie seine Fracht für die Spanier der erste Hand- greifliche Beweis, daß es in dem westwärts angesegelten Teil von �Indien " noch lohnendere Sachen zu holen gab als nackte Sklaven. Kolumbus folgte dieser ersten Spur nicht. Er wendete wieder nach Osten, um die vermutete Durchfahrt nach den Gewürzländern der Gangesmündung zu erzwingen, und ließ so das große Kultur- zentrum Mittelamerikas im Rücken. Die Durchfahrt fand er natür- lich nicht. Aber an den waldigen Küsten Nicaraguas und Costa Ricas stieß er auf Indianer, die Keulen aus hartem Holz trugen, Pfeile mit Rochenstacheln. Wattepanzer und über diesen an einer Halsschnur Adlerfiguren aus Gold- und Kupferlegierung. Weiter- hin gab's auf den Inseln völlig nackte Indianer, die aber auf der Brust große goldene Scheiben von zehn Dukaten Gewicht trugen und sich solche unbedenklich für drei messingne Schellen abschwatzen ließen. Dieser Teil derreichen Küste"(cosw rica) war die Landschaft Veragua, die den Erben des Kolumbus später mitsamt dem Herzogstitel zu persönlichem Eigentum gegeben wurde und wonach noch heut der Nachkomme des Kolumbus Duque (Herzog) de Veragua heißt. Von den folgenden Raubzügen sei nur er- wähnt, daß 1515 ein Kapitän Gonzala de Badajoz von Panama aus Goldschmuck im Wert von 30 000 Pesos zusammenbrachte, die ihm allerdings von den empörten Eingeborenen wieder abgenommen wurden; nichtsdestoweniger raubte er auf seinem Rückmarsch er- neu! für 20 000 Pesos Goldsachen zusammen. Von all diesen un- gezählten Kunstgegenständen also blieb nichts, als das bloße Metall. Vielleicht steckt ein Teil davon in dem Ring, den wir tragen. Wer kann diese Kreisläufe ergründen? Die Form, d. h. den schöpferischen Geist jener Menschen haben jetzt wenigstens einige Gräber für uns gerettet. Paläontologisches. DeS Teufels Korkzieher. So nennen die Hirten in den Territorien Nebraska und Wyoming der Vereinigten Staaten eigen- tümliche Versteinerungen im Sandstein, die eine auffallende Aehnlich- keit mit unseren Korkziehern haben. Sie sind aber zwei bis drei Meter lang, bestehen auS einem ziemlich eng spiralig gewundenen Steinkörper von 25 Zentimeter Dicke und stehen aufrecht im Gestein, aus dem sie von den Findern bisweilen losgelöst werden. Am unteren Ende gehen die Spiralen schließlich in einen mehr wagerechten Ast von länglicher Form über. Die Annahme eine? Forschers, daß es sich um Versteinerungen einer riesenhaften Schnecke handele, ist nach der ZeitschristAus der Natur' jetzt endgültig widerlegt. Neue Forschungen haben einer anderen Auffassung zum Siege der« Holsen, derzufolge die Spiralen festgewordene Ausfüllungen von einst hohl gewesenen Gängen eines in der Erde lebenden Tieres sind. Man fand Skelette eines Nagetieres, das etwa die Mitte zwischen Kaninchen und Hamster hielt und das sein Entdecker, Petersfon vom Carnegie» Museum w PittSburg , Steneofiber benannte; sie bat nach dem Körperbau Verwandtschast zu den Bibern. Erdgänge sind bekanntlich bei Nagetieren gar nichts Seltenes; wir brauchen nur an Kaninchen, Murmeltier und Maul- Wurf zu erinnern. Der spiralförmige Bau der zum Neste führenden Röhre ist sehr merkwürdig, läßt sich aber leicht erklären, wenn man überlegt, daß das Herausklettern aus einer tiefen senkrechten Röhre den Tieren recht beschwerlich fallen mußte. Eine Spirale läßt sich viel leichter ersteigen und so entpuppen sich die Korkzieher als regel- rechte Wendeltreppen, im Tierreich lange vor dem Menschen erfunden. In dem zur Entstehungszeit weichen Sande angelegt, find die Röhren später überschwemmt und mit Sand ausgefüllt worden, der später zu Sandstein erhärtete und die auffallenden Spiralen lieferte, deren Herkunft nun als aufgehellt gelten kann. Naturwissenschaftliches. ' Gehirn und Instinkt bei den Tieren. Laien- beobachter, die sich mit liebevollem Verständnis in das Tierleben vertiefen, kommen fast immer zu dem Schluß, daß wenigstens den höher organisierten Tieren bis zu einem gewissen Grade ein Seelen- und Verstandesleben eigen ist. Viele verfallen dabei freilich in Uebertreibungen und Vermenschlichungcn, die sich in ihrem innigen Verhältnis zu dem beobachteten Tier unschwer erklären lassen; aber es steckt doch manche Wahrheit in diesen in einer Unzahl von volkstümlichen Zeitschriften zersplitterten Beobach- tungen, aus denen auch die strenge Wissenschaft lernen kann, die daher ein schweres Unrecht begehen würde, wenn sie mit vor- nchmem Achselzucken achtlos daran vorübergehen würde, wie eS leider vielfach geschah und noch geschieht. Eine sehr wesentliche und wirksame Unterstützung dieser volkstümlichen Tierpsychologie ist, wie Dr. K. Flörike in seinerTierpsychologischen Umschau' mitteilt, neuerdings ziemlich unerwartet der Anatomie zuteil ge- worden, die bis dahin das Gebiet der Tierseelenkunde arg der- nachlässigt hat. Berechtigtes Aussehen muß da insbesondere eine Arbeit Edingcrs erregen, der eine scharfe Grenzlinie zieht zwischen dem, alle Teile vom Riechlappen bis zum Ende des Rückenmark? umfassenden, bei allen Wirbeltieren vorhandenen und in seinem Typus stets unverändert bleibenden UrHirn oder Paläenccphalon und dem Neuhirn oder Ncencephalon, da? sich von kleinen Anfängen bei den Haien bis zu einer beim Menschen fast den ganzen Schädel ausfüllenden Masse fortschreitend entwickelt. Elfteres, zu dem als regulierender Eigenapparat auch das Kleinhirn gehört, ist durch seinen Bau geeignet, Sinneseindrücke aufzunehmen und nach ver- chiedenen Stellen des Organismus zu übertragen und ist in einer Entwickelung abhängig von den Anforderungen der Außen» Welt. Die Knochenfische besitzen nur diesen Hirnteil und was sie leisten, könnte man demnach alspaläencephales Handeln' be­zeichnen. Die Beobachtung hat nun gelehrt, daß diese Tiere nicht nur alle auf Fortbewegung, Nahrungsaufnahme. Fortpflanzung usw. bezüglichen Handlungen in der ausreichendsten Weise voll- führen, daß selbst Wanderungen, Nestbau und Liebesspiele bei ihnen vorkommen, sondern daß sie auch durch Erfahrung ihre Tätigkeit modifizieren lernen, allerdings nur in ganz bescheidenem Matze. Die Fische antworten in der Regel auf ganz bestimmte Sinnesreize mit der Entladung ganz bestimmter Bewegungs« kombinationen. Ihr Gehirn kann aber lernen, einen neuen Sinnes- eindruck mit einer Bcwegungskombination zu verbinden, die vorher nicht darauf angesprochen hatte.- Das schon beim Hai schwach vorhandene, bei den Amphybien und namentlich bei den Reptilien deutlicher werdende, bei den Vögeln und noch mehr bei den Säugern mächtig entwickelte UrHirn ermöglicht als Träger der Hirnrinde- durch zahllose Verbindungen in sich die Möglichkeit von Assoziationen. Mit dem Auftreten diese? Neuhirnes ändert sich daher auch das biologische Verhalten der Tiere vollständig. Das kommt schon bei der Nahrungsaufnahme deutlich zum Ausdruck: bei paläencephalen Tieren blindes Zu- schnappen nach der sich bewegenden und dadurch Reizmomente auslösenden Beute, bei necncephalen Räubern ein geduldiges Ver- folgen, ein listiges Beschleichen des Opfers. Beim Vogel ist die Hirnrinde noch wesentlich weiter entwickelt, wie btpm Reptil; aber die Hauptzunahme der Hirnrinde erfolgt doch durch Vergrößerung de? Paläenccphalon, weshalb die zahlreichen festen Instinkte beim Vogel zu einer Vollkommenheit gediehen sind, wie nirgends sonst in der Tierwelt. Daneben finden wir aber bei unseren gefiederten Lieblingen auch unzweifelhafte Züge wirklicher Intelligenz, wie planmäßige Sicherung, verständige Auswahl de? NestplatzeS bei ungewöhnlichen Verhältnissen, Erteilung von Unterricht an die Jungen usw. Bei den Säugetieren, wo da? Ncuhirn in ständig ansteigender EntWickelung schließlich vollkommen das Ucbergewicht über das UrHirn erlangt, muß ein in entsprechendem Maße er- folgendes Zurücktreten der Reflexe und Instinkte hinter die assoziativen Jntelligenzhandlungcn die notwendige Folge sein. Auf Grund seiner umfassenden Studien kommt Edingcr sogar zu der Folgerung:Es ist sicher falsch, dem Menschen auf allen Gebieten das größte Assoziationsvcrmögen zuzuschreiben; die Aus- bildung einzelner Rindengebiete läßt es vielmehr als durchaus wahrscheinlich erscheinen, was die populäre Meinung längst lehrt. daß nämlich viele Säuger auf bestimmten Einzelgebieten in bezug auf Beobachtungs- und Assoziafionsfähigkeit dem Menschen weit überlegen sind.' Kerantw. Redakt.: Wilhelm Düwell, Lichtenberg. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlig»anitalt Paul Smaer SrCo..Berlin SW.