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Abfonderung berschwunden find. Diefer Einwand gegen eine| internationalen Hilfssprache nicht befeitigen, sondern nur weiter ent Weltsprache, die nicht nur Hilfe, sondern Erfag für die National- wideln.
sprachen böte, ist also nicht stichhaltig. Sondern nur darum genügt Aus Gründen, die nachher zu erörtern find, führe ich einen Satz eine Hilfssprache, weil zurzeit weder ein Bedürfnis nach einer Eriaz- zunächst im Alt- Esperanto an: La internacia lingvo sprache, noch der Mangel eines Bedürfnisses der Nationalsprachen Esperanto estas facile lernebla ec de la personoj nemulte vorhanden ist. Denn fo fehr die Kultur über nationale Begrenztheit instruitaj."' Als Kenner romanischer Sprachen übersegt man das, hinausdrängt, so sehr ist sie heute noch in wesentlichen Zeilen an die ohne vom Esperanto eine Ahnung zu haben:„ Die internationale nationale Eigenart gebunden. Sprache Esperanto ist leicht lernbar auch für wenig gebildete Perionen."
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Welche Schwierigkeiten auch eine Hilfssprache, die, wie das Esperanto, auf einen bestimmten Sprachkreis, auf eine Reihe unter- Seidels Reform Esperanto( deffen Granimatif die oben einander verwandter Sprachen eingeschränkt, weil in Anlehnung erwähnte kleine Broschüre enthält) will dafür sagen:„ La intirnatsia fie aufgebaut wird, verursachen muß, zeigt Seidel lingvu Ispirantu istas facile lirnibla its di la pirsuni nimulti in feiner sehr unterrichtenden Broschüre etwa in diesem Falle: Der instruiti". Ferner ieße ich aus Pfaundlers Broschüre einen Satz deutsche Ausdruck,„ er befahl, die Pferde zu bringen", lautet englisch : in Altesperanto nebst seiner Uebertragung in das Reform. ,, he ordered the horses to be brought", was wörtlich übersetzt esperanto der erwähnten„ Delegation" in das do her:„ Ciuj, Heißen würde:„ er befahl die Pferde zu werden gebracht". lleber- tiuj, kiuj volas la sukceson de la lingvo internacia, konstatos, tragen Engländer und Deutscher jeder nach seinem Sprachgebrauch, ke malgrau siaj bonaj ecoj, esperanto devas ricevi sangojn." nach seiner Syntax( Sazlehre) jene Worte in das Esperanto, so ist Mit Hilfe lateinischer, französischer und italienischer Reminiszenzen flar, daß jeder von beiden ein anderes Sazbild hervorbringen wird, übersetzt der Laie: Alle die, welche den Erfolg der internationalen da das bisherige Esperanto noch feine eigene Syntag aufweist, die Sprache wollen, stellen fest, daß, trop feinen guten Eigenschaften, solche Unterschiede beseitigen könnte. Damit wären aber von vorn Giperanto Veränderungen erfahren muß." Im Jdo" heißt der herein mehrere Abarten von Esperanto gegeben, die zu allen mög- Sat:„ Omni ti, qui volas la suceso di la linguo internaciona, lichen Mißverständnissen führen und damit den Wert der Hilfsfprahe konstatos, ke malgre sa bona qualesi, Esperanto devas ricevar vernichten müßten. chanji."
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Aus folchen Schwierigkeiten erhellt die Notwendigkeit, äußerste Diese Proben dreier Esperantovarianten zeigen uns klar, daß Einfachheit zum obersten Prinzip der Anlage und Aus die Arbeiterschaft wenig oder gar nichts mit dem Esperanto zu bildung jeder internationalen Hilfssprache zu machen. Sie muß tun haben kann. Ohne fremdsprachliche Kenntnisse steht man Schwierig jene Ausnahmen" befeitigen, die in allen Sprachen weniger die feiten gegenüber, die zehnmal größer find als jene, die der fremb Regel bestätigen, als geradezu die Regel bilden. Artikulierte Laute sprachlich Gebildete zu überwinden hat. Seidel verlangt( S. 58), oder Lautkomplere und Wortstellung sind zwei einfache Mittel der man folle aus der deutschen Sprache allerlei Plunder, wie das drei Sprachbildung. Da aber den Eiperantisten eine Beschränkung ihrer fache grammatische Geschlecht, die Deklinationsendung, die unregel Hilfssprache auf einen sogenannten europäisch- amerikanischen Kultur- mäßige Pluralbildung usw. beseitigen, lauter Dinge, die 95 Prozent treis ausreichend und rätlich erscheint, so ergibt sich die Möglichkeit, der Nation niemals richtig gebrauchen lernen". Seidel ruft: Fort " auch andere allen Sprachen dieses Atreises eigentümliche Sprach- mit all dieſem nuglofen rimstrams, der es zuwege bildungsmittel zu benugen, wie die Wortkategorien( Hauptwort, Zeit bringt, daß der größte Teil unseres Bolles seine wort usw.), die Zahl, das Geschlecht u. a. Muttersprache mehr als mangelhaft spricht!"
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Große Schwierigkeiten verursacht auch die Schaffung des Wörter- Wir spießen diesen Ausspruch mit dem Behagen auf, das wir immer buches. Besonders deshalb, weil zahlreiche Begriffe der einen empfinden, wenn es uns gelungen ist, die Achillesferse einer bürgerSprache in anderen überhaupt nicht vorhanden sind, und weil sich lichen Ideologie ausfindig zu machen. Nicht Vereinfachung der Sprache, ferner sehr viele Wörter je zweier Sprachen, die gelegentlich einander nicht eine möglichst einfache internationale Hilfssprache ist es, was die entsprechen, doch feineswegs abiolut deden. Um also nicht den Wort- Masse der Menschen braucht. Man würde in unseren Volksschulen schatz der Hilfssprache ins Ungeheuerliche zu vermehren( Seidel schäßt, so wenig Esperanto lehren laffen, wie Französisch oder Englisch . daß fir die etwa zwölf Hauptsprachen des gesamten Kulturkreises bei Eine wahre Volksschule braucht das Proletariat, eine Voltsschule, Berücksichtigung aller Sonderbegriffe ungefähr eine Million Wörter in der zunächst Deutsch und nochmals Deutsch gelehrt wird, statt notwendig wären, indeffen z. B. das deutsch - englische Wörterbuch von baterländischer und biblischer Geschichte und statt Gesangbuchversen, Muret- Sanders nur rund hunderttausend zählt, von denen auch der die notabene zum großen Teil allem deutschen Sprachgefühl ins Ge Gebildete nur einen kleinen Teil wirklich beherrscht), muß man ent- ficht schlagen. Ehe man also Esperanto predigt, soll man sich für weder sich auf gewisse„ Normalbegriffe" einschränken, was eine ge- eine Schulreform ins Zeug legen, die hundertmal wichtiger ist und waltige Arbeit verursachen würde, oder ein bestimmtes National- obendrein, wenn man sie konsequent durchführt, auch dem Esperanto wörterbuch zugrunde legen, wobei jede Nation eine große Anzahl eine entsprechende Stellung einräumen wird. Das Esperanto soll, ihrer Sonderbegriffe zu opfern und sich mit Synonymen( Sinn nach Seidel, in erster Linie nur wirtschaftlichen Zwecken dienen, berwandten) zu behelfen hat. Das letztere tut nun das Esperanto. den materiellen Interessen der Kaufleute, Reisenden, zum Teil auch Wie das Volapük auf englische Wurzeln gegründet war, fußt das der Diplomaten." Für Wissenschaft und Kunst verspricht man sich Esperanto am stärksten auf den romanischen Sprachen, daneben nichts davon, auch fann echte Kunst des nationalen Nährbodens aber auch auf den germanischen und slawischen. Während und Ausdrucksmittels nicht entraten." der Erfinder des Esperanto, Dr. 2. 2. Zamenhof , Esperanto ist einer der mancherlei Monismen, in denen sich ein russischer Arzt, selbst die Forderung nach weiterer Romanisierung heute die Ideologie des Bürgertumis austobt. So haben wir den durch Ausmerzung der germanischen und slawischen Wurzeln erhob, fexuellen Monismus in der bürgerlichen Frauenbewegung, den werfen seine Anhänger, die fonservativen Giperantisten, jener Gruppe, religiöfen in jenem Monismus", der nur ein salonfähiges Wort für der Delegation", die unter Führung des Sprachgelehrten Couturat Atheismus darstellt. Alle revolutionäre Energie wirft sich auf einen ein nach dem System I do verbessertes Esperanto propagiert, eine der flaffenden Risse der menschlichen Kultur, die man Dualismus allzu starke Romanisierung vor. Profeffor Pfaundler, selbst nennt. Der Kampf gegen alle diefe Dualismen ist in dem Kampfe Mitglied der Delegation". ftellt in seinem Heftchen über die Welt- für den fozialen Monismus einbegriffen, deffen Konsequenz nicht sprache" zwischen diese extremen Richtungen die Menge der verulegt auch eine radikale Umgestaltung der Sprachen einschließt und, schiedenartigen Reformfreunde, die über das alte Esperanto, das iei es auf dem Wege natürlicher Entwidelung, sei es durch eine " Fundamento" hinauswollen, aber aus verschiedenen Gründen fünftliche Schöpfung, über eine Hilfssprache hinaus das Ziel einer gegen das Jdo eingenommen find. A. Seidel scheint zu diefer un- Weltsprache in ferner, aber erreichbarer Zukunft aufstellt. organisierten Mittelpartei zu gehören. Er fordert z. B., um bei N. Franz jener Grundlegung zu bleiben, eine proportionale Berücksichtigung der einzelnen Völker und demnach, gegenüber dem Esperanto, stärkere Heranziehung der slawischen und magharischen, geringere der romanischen Sprachen. Die sehr ins einzelne gebenden Erörterungen und Vorschläge Seidels lassen erkennen, welche Hindernisse selbst einer Hilfssprache im Wege stehen, die sich ein so enges Gebiet steckt wie Giperanto. Schon jest zeigen sich deutlich Anfäße zur Bildung bon Esperantodialekten auf Grund mancher Eigentümlichkeiten der Nationalsprachen! So scheint es z. B. unvermeidlich, daß gewisse Laute, deren Aussprache einer Nation oder Naffe schwer oder un möglich ist, verändert oder durch andere ersetzt werden. Bei dieser Gelegenheit räumt übrigens Seidel die Bedeutung von förperlichen Bedingungen für die Sprachentwickelung ein, indem er vom Unter schied des Rassen- und Nationalcharakters in der Sprache sagt, er sei nicht nur geistig, sondern auch förperlich, insofern die Rassen veranlagung vermutlich auch nicht ohne Einfluß auf die besondere Artung der Sprechorgane ist und damit indirekt auch das Lautsystem mitbestimmt"( S. 59). Dies scheint mir wichtig im Hinblick auf die in der Neuen Zeit"( XXVII, 21) betonte Rot wendigkeit und Möglichkeit einer materialistischen Sprachforschung.
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Kleines feuilleton.
Sprachwissenschaftliches.
Miniatur. Was heißt eigentlich„ Miniatur"? Wir begegnen dem Worte jegt so oft in Verbindungen wie Miniaturausgabe, wo jedermann weiß, daß es Westentaschenausgabe bedeutet. Aber woher Miniatur kommt, wissen wohl die wenigsten. Nun, es hängt mit Mennig" zusammen. Mit Mennig? Ja, die althochdeutsche Form dieses Wortes lautet minig, und das ist desselben Stammes wie das lateinische minium, der Mennig. Mit Mennig( minium) malte der mittelalterliche miniator die Aufangsbuchstaben in den Handschriften, oft wunderbar fein sie verzierend; die so bemalten und ummalten Buchstaben waren die ersten Miniaturen, die oft die halbe oder ganze Seite ausfüllten. Nachher ist dann der Ausdruck auf alles mögliche geine, Zierliche usw. übertragen worden und die französische Wenbung en miniature entstanden, wofür sich sehr gut im fleinen, ber Kleinert, Zwerg- oder ähnlich sagen läßt.