Rathauses, einen Klubsaal usw. Die.Räume eine? GanatoriumS" find nur Neurasthenilern der oberen Zehntausend zur Betrachtung zu empfehlen. Die.Unterrichtshalle", in die wieder Bruno Paul warme und helle Töne gezaubert, gibt eine mit interessantem und Vielseitigem Material versehene Darstellung des Unterrichtswesens von Preußen, Sachsen und Hamburg und zwar von den Volks- schulen angefangen bis zu den Fortbildungsschulen und Seminaren. Auf eine Ausstellung schickt jeder Kaufmann und Unternehmer sein Bestes. BornehmsteS.... So wenig, wie die zwei Schulzimmer- typen Bruno Pauls— keine Wunder an Anmut und Traulichkeit— etwa die Norm der preußischen Volksschulräume darstellen, so wenig entspricht die sorgsam ausgewählte Ausstellung den allgemeinen Unterrichtsderhältnissen. Aber es ist wunderschön durch diese Keinen Säle zu wandern und den Geist einzuatmen, der bessere, künftige Tage verspricht— für alle Kinder des Volkes: den Geist, der Sport und Spiel, Licht und Hygiene und durch alles das, Lernfreudigkeit und aufblühende geistige Tugenden, einen gesunden Geist in ge- f undem Körper verspricht. Daß auch die heutige Gesell- chast auf diesem Gebiete vorwärts kommen kann, trotz aller Hemmungen, die den freien, pädagogischen Zielen entgegenstehen, zeigt m mancherlei Art auch die königlich preußische Schul- verwaltuug. Welch eine Freude z. B., in den Zeichenheften der Acht« und Zehnjährigen zu blättern und die frischempfundenen, kecken und oft originellen Zeichnungen nach der Natur zu bettachten I Welch ein Unterschied zwischen diesen lebendig-ungebundenen Formen mit dem Stempel des individuellen kindlichen Temperaments und dem öden geometrischen Ornamentenkram, der einst den Zeichenunterricht beherrschte I Auch Lehrer- und Schülerbibliotheken find da, Modelle von Schulen und Erziehungsanstalten, eine Sammlung von Gegenständen für den naturwissenschaftlichen Anschauungsunterricht, Schülerarbeiten lHandfertigkeitSunterricht), Material über den Schulsport und die hygienischen Einrichtungen und noch viel anderes technisch und pädagogisch Interessantes.— Die Belgier werden nun nach diesen Proben freilich glauben, daß eS nirgends bessere und modernere Schulen gibt als in Preußen-Deutschland ... Werfen wir noch einen Blick auf die.Buchgewerbe- a u S st e l l u n g', die die Annehmlichkeit bietet, daß man, in be- quemen Fauteuils ruhend, auf den Tischen die hübschen Mono- graphiensammlungen, die Reproduktionswerke und Kunstzeitschriften durchblättern und besehen kann. Außer den bekannten Verlags- anstalten hat auch der Verein deutscher Buchgewerbekunst aus- gestellt. In der Jndu st riehalle begegnen wir den Spitzen der vogtländtsch-Erzgebtrgischen Klöppelindustrie. Der im Land der.Brüsseler Spitzen" Lebende wird unwillkürlich zu Vergleichen angeregt. In Frankreich und Belgien will man jetzt der der- fallenden Industrie der handgearbeiteten Spitze wieder zu neuem Glanz und Aufschwung verhelfen. Ist nicht auch dieser Schritt einer von den Nassischen Kämpfen gegen den Siegeszug der Maschine? Wer die wundervollen Spitzenerzeugnisse aus der Kunstschule in Plauen etwa betrachtet, die die künstlerische Vervollkommnung der Maschinen- spitze deutlich macht, wird diesem Kampf kaum ein günstiges Ende voraussagen. Wer zudem die Hingabe von taufenden von Existenzen an die zerrüttende, augenzerstörende Arbeit eine? noch dazu elend entlohnten Luxusartikels für den Fortschritt der Menschheit nicht un- bedingt notwendig hält, wird diesem Kampf auch kein glückliches Ende wünschen. Einem Stück Märchen, in das sich nicht minder harte Wirklichkeit mischt, begegnen wir noch am Ende der Jnstriehalle im Bereich der Spielzeugausstellung aus Nürnberg und Sonne - b e r g. Der Anblick erweckt nicht nur»der Jugend muntere Spiele", sondern auch die Erinnerung an die Spielwaren auf der Berliner HeimarbeitSauSstellung, in der auf kleinen Zettelchen die Pfennige zu lesen waren, die K i n d« r für die Anfertigung diverser Spiel- Warenartikel als Lohn erhielten. Die Treppe von der Spielwarenabteilung hinabsteigend, halten wir einen Augenblick inne: wir find in das gefährliche Reich der Musikautomaten, der mechanischen Klaviere, OrchestrionS usw. ge- raten. Man hat die Gelegenheit, diese Instrumente nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Gehör kennen zu lernen; eine Leipziger Firma hat zu dem Zweck einen regelrechten Konzertsaal bauen lassen, in dem man musikalische Genüsse von Beethoven bis zur.Lustigen Witwe " bietet. Auch eine automatische Geige zeigt da, im Verein mit einem Klavier, ihre mehr überraschende als wohl- tuende Kunst. Aber die Belgier lieben die Musik in allen Zu- bereitungen und der Saal ist daher immer voll andächtiger Zuhörer. An die Jndustriehalle, in der ein gewaltiger Elekttomagnet, der !>raziös seine Tausende Kilo Eisenspäne.anzieht" und wieder.ab- tößt", stets feine Zuschauer hat, grenzt das Reich der Technik: die Halle für Jngenieurwesen svon Peter Behrens ent- warfen) von der Düsseldorfer Hochbauzesellschaft aufgeführt, die mit ihren minutiös gearbeiteten Modellen einen Augenblick die Illusion an eine Spielzeugausstellung wachruft. Sie enthält eine vom preußischen Ministerium für öffentliche Arbeiten veranstaltete Aus- stellung auf dem Gebiete de« Wasserbaus und Jngenicurwerke aus den verschiedensten Zweigen. Die bereits erwähnte Hauptmaschinen- halle enthält Hütten- und Walzwerkseinrichtungen, Maschinen aus der Textilindusttie, Buchdruckereimaschinen usi». usw. Die Kraft- Maschinenhalle enthält die Kraftmaschinen, Dynamomaschinen, Pumpen usw. Wer die Hallen der deutschen Ausstellung in Brüssel nur mit einem flüchtigen Blick des Interesses durchwandert, wird das Bild eines Landes empfangen, das in stolzer Kraft auf allen Wegen der Kultur hinauffttebt. Die glänzende Hülle Deutschlands , sein prunkendes Kulturgewand ist in den neun Hallen ausgebreitet. Wer möchte glauben, daß es sich zu Hause für Millionen in einem ärm- lichen, zerrissenen Wams und in trauriger Gestalt zeigt. L. F. (VaturwilTeiircbaftUchc Gcberftcbt. D i e Widerstandsfähigkeit der Lebewesen. Man liest sehr häufig von der wunderbaren Lebensfähigkeit vieler Pflanzensamen, die noch nach Jahrzehnten zum Keimen ge- bracht werden können. Das größte Staunen erregte jedoch vor einer Reihe von Jahren eine Mitteilung, daß selbst die in den ägyptischen Pyramiden aufgefundenen Weizenkörner, die etwa fünf Jahrtausende dort geruht haben sollen, noch keimfähig waren. Eine wissenschaftliche Nachprüfung hat diese Behauptung freilich als eine grobe Täuschung erwiesen. Da die Fremdenführer merkten, daß sie für diesen Phramidenweizen an den fremden Touristen willige und gut zahlende Abnehmer fanden, machten sie sich das bald zu Nutze und schmuggelten gewöhnlichen Weizen in die ehrwürdigen Baudenkmäler ein. Da war es allerdings kein Wunder, daß dies« Körner beim Aussäen kräftig keimten und gediehen. Der echte Pyramidenweizen zeichnet sich schon äußerlich durch eine dunkel« braune Färbung aus und zerfällt bei Anfeuchtung in ein unschein- bares Pulver. Handelte es sich aber hierbei auch um Schwindel, so befitzen viele Lebewesen doch die Fähigkeit, lange Zeit in einem Zustande der Ruhe, in dem alle Lebensfunktionen auf unmerkbare Spuren herabgesetzt erscheinen, auszuharren, um beim Eintritt günstiger Bedingungen zu neuem Leben zu erwachen. Eine be» sondere Bedeutung kommt dieser Fähigkeit bei den �Bakterien zu, deren Sporen erstaunlich lange Ruheperioden zu überdauern ver» mögen. Der Ausbruch mancher Infektionskrankheit ist sicherlich auf das Auskeimen solcher Dauersporen zurückzuführen. So ist es schon lange bekannt, daß Milzbrandsporen wenigstens 10 Jahre lang ein latentes Leben führen können, es ist aber naturgemäß äußerst schwer, über die wirklich maximale Lebensdauer zu sicheren Aufschlüssen zu erlangen. In dieser Hinsicht ist nun eine Unter- suchung von A. N e st l e r sehr interessant, die zeigte, daß manche Bakterienarten noch«ine weit längere Lebensdauer besitzen, als man bisher annahm. Das Untersuchungsmaterial entstammte alten Moosherbarien. Das bot dreierlei Vorteil. Erstens war das Alter genau zu bestimmen, zweitens müssen Herbarien stets an einem trockenen Orte aufbewahrt werden, wodurch ein zeitweiliges Aus« keimen der Bateriensporen verhindert wird, und endlich bietet die Art der Aufbewahrung auch einen ziemlich sicheren Schutz gegen eine Verunreinigung durch Zimmerstaub. Wenn sich daher in den an den Moospflänzchen haftenden Erdeteilchen keimfähige Bäk- tcriensporen finden, darf man als sicher annehmen, daß sie aus der Zeit der Einlage der Pflanzen in das Herbarium stammen und seit dieser Zeit ihre Lebensfähigkeit bewahrt haben. In der Tat gelang es nun unserem Gewährsmanne, aus einer aus dem Jahre 1818 stammenden Erdprobe vier verschiedene Bakterienarten zu züchten. Aus einer winzigen, nur 0,05 Gramm wiegenden Erd» probe entwickelten sich in drei Tagen nicht weniger als 82 Bakterien» kolonien. Wenn daher auch die Angaben einer über mehrere Iah» tausende sich erstreckende Samenruhe unrichtig waren, so ist hier- mit doch der Nachweis erbracht, daß die Bakterien wenigsten? ein Jahrhundert zu überdauern vermögen. Auch die Widerstandsfähigkeit vieler Organismen gegen Hitze und Kälte ist erstaunlich. Unter dem Namen Wollkletten sind wohl jedem die Früchte der sogenannten Schneckenkleearten(Legu- minosen) bekannt. Den Namen verdanken sie ihrer unangenehmen Eigenschaft, sich mit Hilfe der Hakenstacheln, mit denen ihre Ober- fläche überzogen ist, in der Wolle der Schafe zu verfangen, in der sie dann so fest haften, daß sie häufig die ganze Prozedur der Rei« nigung und Färbung der Wolle mitmachen. Wie es sich zeigte, verlieren sie dabei trotzdem nicht ihre Keimfähigkeit. Schneider- O r e l l i hat nun einmal genau die Widerstandsfähigkeit dieser Früchte nachgeprüft. Das Resultat übertraf noch die Erwartungen. In trockenem Zustande vermochten sie unbeschadet 17 Stunden lang eine Temperatur von 100 Grad Celsius und eine halbe Stunde hin- durch 120 Grad Celsius auszuhaltcn. Ja selbst ein mehrstündiges Kock)«n und ein zeitwcises Ueberhitzen des Wassers auf 120 Grad Celsius genügte noch nicht zur Abtötung. Zum Teil muß man diese Widerstandsfähigkeit wohl auf Idie außerordentlich feste Samenschale setzen, die ein Eindringen des Wassers verhindert. Aber auch andere Organismen, denen ein derartiges Schutzmittel fehlt, verhalten sich ähnlich. So weiß man z. B., daß trockene Milz- brandsporen erst einer dreistündigen Erhitzung auf 140 Grad Celsius erliegen und seljtft Gras- und Getreidesamen, denen man vorher künstlich ihren Wassergehalt entzieht, vertragen lange Zeit eine ttockene Wärme von 100 bis 110 Grad Celsius, ohne ihre Keim- sähigkeit einzuoüßen. Die gleich- enorme LebenSzähigkeit finden wir bei vielen der niedersten Organismen auch großer Kälte gegenüber. Nach den Angaben Macfadhens und anderer Forscher überlebten ein- zelne Bakterien eine siebentägige Kälteeinwirkung von— 100 bis
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27 (29.6.1910) 124
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