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ber Bojen find in 8wifchenräumen

einer Seemeile| Muttersprache in seiner Reinheit, feinem Reichtum und feiner Schön beranfert und geben die Grenzen der Fabrrinne an. An allen heit zu übermitteln, enthält ein bernichtendes Urteil des Schulsystems beutschen Küsten find langs der rechten Grenze des Fahrwaffers die und der Schulmethode. Mit hingebender Verzweiflung wird in der roten Spieren ausgelegt, die stangenförmigen Bojen, während auf Schule dürre Regel- Grammatit gepault; Mittelpunkt des Deutsch der linken Seite die tegelförmigen schwarzen Bojen den Wasserweg Unterrichts ist meistens die Fezen- und Feßchen- Literatur des Lefe flantieren. Zwischen den Reihen roter Spieren und schwarzer Tonnen buches; der Schulaufsaz ist Lehrern und Schülern Dual und fucht das Schiff seinen Weg; bei Tage und sichtigem Wetter ist die Marter Und alle Liebesmühe und alle Arbeit bleibt fast fruchte Einfahrt verhältnismäßig leicht, obgleich natürlich die Strömungs- los. Die Schuld liegt nicht etwa an den Lehrern, sondern an dem berhältnisse, die Steuereigenschaften des Schiffes und andere Umstände System, an dem trotz aller Angriffe mit feltener Beharrlichkeit feft­die Sache komplizieren. gehalten wird.

Aber schwierig und gefahrvoll wird, wie der Seemann sagt, die Ansegelung", wenn Nebel und Nacht den Ausblid hemmen. Manche Bojen, die an einer Biegung des Fahrwassers oder bei gefährlichen Untiefen liegen, find allerdings nachts beleuchtet oder geben felbfttätig Glockenfignale; auch Baken und Feuertürme mit ber­fchiedenfarbigem Licht helfen dem Seemann die Richtung finden. Doch in unbekannten Revieren nach solchen Merkmalen den richtigen Kurs zu steuern, ist eine sehr schwierige Aufgabe, und um sein Schiff nicht in unnüze Gefahr zu bringen, pflegt sich jeder Kapitän eines ortsfundigen Helfers zu bedienen. Der Lotse fährt den ein kommenden Schiffen nach draußen entgegen, um an Bord zu gehen und die Steuerung zu übernehmen. In den preußischen Ditiee­häfen sind die Lotsen Staatsbeamte mit festem Gebalt, an den großen Flußmündungen der Nordsee aber wirken sie als freie, wenn auch unter staatlicher Aufsicht stehende Gewerbetreibende, die meist in sogenannte Lotsgesellschaften organisiert sind, denen die zum Lotsenbetriebe notwendigen Fahrzeuge usw. gehören. Sie beziehen für das Ein- und Auslotsen eine nach dem Tiefgang oder der Größe des Schiffes bemessene Gebühr, die in eine gemeinsame Kasse fließt. Mit ihren Fahrzeugen, den Lotsenschunern, treiben die Nordseelotsen tveit draußen auf See, bei Norderney , Wangeroog , Weser - und Elbe­feuerschiff um Schiffe, die das Lotienfignal zeigen, zu besetzen. Die Gefährlichkeit, Anstrengung und Verantwortung des Lotsenberufes find groß und aufrei5end, besonders zu der stürmischen Winterszeit; denn der Lotse muß vom Schuner aus mittels eines fleinen Bootes nach dem zu befeßenden Schiffe fahren; erst vor einigen Jahren ist das Boot eines Geestemünder Lotsenschuners vom Seegang unter den Kiel eines Dampfers, den es befezen wollte, gedrückt worden; wie durch ein Wunder kam das Boot auf der anderen Seite des Dampfers wieder zum Vorschein, ohne daß einer der Infaffen ber­legt worden war.

Auch der Gefahr eines Zusammenstoßes find die Lotsenfahr­zeuge, da sie sich immer in der belebtesten Schiffahrtsstraße auf halten müssen, besonders ausgeseht; in einer dunklen Februarnacht dieses Jahres ist der Lotsenschuner Erbgroßherzog Nikolaus" bei Wangeroog von einem griechischen Dampfer in den Grund gebohrt avorden; mit Mühe rettete sich die Besatzung in ihr Boot. Uebrigens hatte das Ereignis, das leicht einen tragischen Ausgang hätte nehmen fönnen, ein fomisches Nachspiel. Die Versicherer des Lotsenfchuners wollten den griechischen Dampfer, der zur Kohlen­aufnahme Enden anlief, haftbar machen, doch als sie glücklich einen gerichtlichen Arrestbefehl in Händen hatten und der Gerichtsvoll zieher mit diesem zum Hafen fam, um, wie der Ausdruck heißt, das Schiff an die Kette zu legen", da war der Dampfer eine halbe Stunde vorher abgedampft. Er wird sich hüten, je wieder einen Geutschen Hafen zu besuchen.

Auf diefe Tatsachen verweist fegt ein tapferes Buch zwelez Hamburger Lehrer mit eindringlicher Schärfe: Unser Schul. auffa- ein bertappter Schundliterat".( Ein Ver fuch zur Neugründung des deutschen Schulauffages für Volksschule und Gymnasium, von Adolf Jensen und Wilhelm Lamszus , Verlag von Alfred Janßen, Hamburg 1910).

Der Wert des Buches erschöpft sich nicht darin, daß es das alte Klagelied über die Unfruchtbarkeit der üblichen Schulauffagmethode wiederholt und auch nicht darin, daß es gangbare Wege zur Um gestaltung und Besserung aufdeckt, sondern sein Hauptvorzug liegt darin, daß es unwiderstehlich temperamentvoll geschrieben ist. Sein besonderer Wert liegt in der besonderen Form der Darstellung. Seine Gedanken sind mit ähnlicher Tendenz auch schon von anderen, die das Elend. des deutschen Schulauffages am eigenen Leibe ver spürt haben, ausgesprochen worden: eigenartig ist seine Methode, durch Beispiel und Gegenbeispiel zu überzeugen.

In ihrem Vorwort sagen die Verfasser, ihr schlimmes" Bud fei im Kampfe geworden, darum webe ein polemischer Atem hindurch. Und fennzeichnend sind auch die Säge, mit denen es abschließt: Nicht davon wollen wir reden, wie wir auf unserem Wege Spott und behördliche Geringschäzung fanden.... Es ist eine nur allzu bekannte Tatsache, daß pädagogische Reformbestrebungen ihren schlimmsten und zähesten Gegner an schulmeisterlichem Unfehlbarkeits. dünfel finden.

Und allerdings gehen die Verfasser gerade mit dem schulmeister lichen Pfaffentum unerbittlich ins Gericht. Sie haben vor Auto­ritäten so wenig Respekt, daß fie fie schonungslos in ihrer jämmer Es flingt wie lichen Kläglichkeit und hilflosigkeit enthüllen. vernichtende Anflage, wenn sie schreiben:

"

Fester als je flammert sich die zünftige Auffahmethode an das Stilmuster, und fruchtbarer als je bewegt sie sich in diefer grotesken Umarmung, um hoffnungstofer als je Schund zu gebären. Schund, so schlimm und so rüde, so hohl und so impotent, wie er feniler nicht auf dem legten Wisch zu finden ist, nur daß er aus flassischen Stoffen unter der Aufsicht des Lebrers fabriziert und von ihm ab gestempelt zur Welt gebracht wird."

Der Nachweis, daß die berichtigten Auffagmuster" und Aufsatz rezepte, diese fatalen Gielsbrücken für gedanken- und ideenarme Schul meister aus der Fabrit schreibwütiger schulmeisterlicher Unfähigkeit zu 99 Proz. gröbster, schlimmster und blödester Schund find, gelingt den Verfassern geradezu glänzend. Man wird von Schauder und Efel geschüttelt, wenn man z. B. aus einer Aufiazanweifung von einem Göttinger Rektor folgende Kostprobe einer Bearbeitung" von Goethes Erlkönig genießt:" Der Vater, der die Dinge mit feltenem Berſtande betrachtete, versuchte es nochmals, dem Knaben die an gebliche Erscheinung auszureden, und machte ihn darauf aufmerksam, daß die vermeintlichen Töchter des Erlkönigs nichts weiter feien als

der Schein der alten Weiden"!

Die Lotsensayuner sind durch eine besondere Tafelage und Flaggenführung, bei Nacht durch besondere Lichter, kenntlich, und am Anstrich und anderen Merkmalen kann der Schiffer schon von Man kann den Verfassern nur aus vollstem Herzen beipflichten, veitem ausmachen, ob er einen Lotsen von der Ems, Elbe oder wenn sie meinen: Man muß es selber erfahren haben, wie der Weser vor sich hat. In der Ostsee mit ihren einfacheren Fahrwasser: Respekt vor der Dichtung durch die Schule geraubt wird, um das berhältnissen und geringerem Schiffsverkehr pflegen die Lotsen nicht auf der See zu liegen, sondern erst, wenn der Ausgud von dem ganze Elend erfassen zu können. Es wird nicht besser damit, solange Lotfenturm die Annäherung eines Schiffes melbet, in Gee au die Stunft zu landläufigen Plattitüden erniedrigt und zur Aufgaben. gehen. Im Kriegsfall werden alle die Einrichtungen zur Bezeich fammlung der Unmündigen degradiert wird." Ihre Forderungen, die das Bessere weisen, um das Schlechte nung der Fahrwasser sofort eingezogen oder außer Betrieb gesetzt. Es Die Bojen werden weggenommen, die Feuer ausgelöscht, der Lotsen- au erftiden, fleiden die Verfasser in folgende Säge: die innere und äußere, Dienst eingestellt. Der Leuchtturm Hoher Weg in der Wesermün- gilt, die ganze natürliche Welt, Der gestaltende Auffag bung trägt noch heute Spuren solcher Maßregeln, denn als im dem künftigen Auffage zu erobern. Sabre 1870 der funstvoll geschliffene Beleuchtungsapparat aus dem nach dem Leben, der natürliche Aufiaz, ist die methodische Grund­lage des Sprachunterrichts. Vom Hosenmaz bis zum Primaner und Turm entfernt wurde, brachen einige Facetten aus. höher hinauf werden fünftig die Schulschriftsteller ihre Umgebung in ihre Feder zwingen, und der Erlebnisauffaz der Kleinen wird sich zum eigentlichen Beobachtungsauffaz der Großen vertiefen und ver feinern. Sie werden, der verwöhnte und verstiegene Gymnafiaft wie der Vorschüler, sie werden beide, was sie erlebt und was fie faben, zunächst nichts weiter als dieses Stüd funkelnde Sein ebenso fun felnd, wie es war, in die schwarzen Zeichen zaubern. Auf dieser Grundlage werden sich alle anderen Stilformen erheben und in die Weite schwingen, um immer wieder zu ihr, als ihrer Nährmutter zurückzukehren." Bukunftsmufit?

Kleines feuilleton.

Erziehung und Unterricht.

D. S.

Shulanfsäge- Schundliteratur. Bei den lauten and mur allzu berechtigten Klagen über Sünden und Ver. fündigungen der Schule, besonders der Volksschule, wird nicht selten nur an den pädagogischen Unfug des Religionsunterrichts gedacht. Häufig genug begegnet man der irrtümlichen Auffassung, alles fei in bester Ordnung, wenn mit dem schulmäßigen Religionsdrill auf. Das ist das wertvollste an dem Buche der beiden Hamburger geräumt würde. Aber schlimme Schulfehler entdeckt man auf allen Lehrer: daß es weit über die engen Grenzen feines besonderen Gebieten das hängt aufs engste mit dem System zusammen. Die Stoffgebietes hinaus reicht. Jeder Einfichtige fühlt, daß der ganzen Schule ist immer noch Lernschule, das heißt Abrichtungs- und Dressur- Schule eine andere Grundlage gegeben werden muß, wenn neues anstalt. Der so oft mißbrauchte Satz" Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!" ist nichts anderes als eine verlogene und wertlofe Phrase.

und reiches Leben aus ihr blühen soll; daß die Vorausfegung: Um wandlung und Umgestaltung der Lern- und Dressurschule zur Er ziehungs- und Arbeitsschule! lautet, wenn jener verstaubte und un Schon die eine Tatsache, daß es der Schule in acht langen fruchtbare Geist aus ihr vertrieben werden soll, der nicht lebendig F. D. Schuljahren nicht gelingt, der Jugend das wertvolle Kulturgut der macht, sondern erstickt, ertötet und erwürgt. Berantwortl. Redakteur: Albert Wachs, Berlin . Drud u. Berlag: VorwärtsBuchdruderei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW