Lremdlmg im Ork?, eine Erscheinung von solcher Lieblichkeit. daß sie sogar in diesem bedeutungsvollen Augenbick Pavel ausfiel.»Dich sollte ich kennen," dachte er, und er kannte sie wirklich, er besann sich dessen; es war dieselbe, die dereinst, als er aufs Gericht geführt worden, das bitterste Hohnwort für ihn gefunden und den Stein geschleudert hatte, der jetzt unter seiner Türschwelle vergraben lag. Seit Jahren hatte man sie im Dorfe nicht mehr gesehen, sie sei im Dienste in der Stadt, hieß es, und nun war sie heimgekehrt und war schön wie die Madonna auf dem Altarbild. Pavel blickte ab- wechselnd sie an und Vinska, und eine so ruhig wie die andere. O Wunder, o Glück, o Siegt Keinen befreiten Ge- fangenen, keinen von schwerer Krankheit Genesenen hat er Ursache zu beneiden. Er ist geheilt von der Krankheit dieser Liebe, er ist befreit von den Fesseln, die er gehaßt hatte, er ist gesund und frei. »Verzeihe mir," bat Vinska von neuem, und er mit wonnig genossener Gelassenheit erwiderte: »Laß gut sein, die Zeit ist vorbei, in der ich mir so was zu Herzen genommen Hütt." Sie errötete, biß sich auf die Lippen und setzte ihren Weg weiter fort. Sie ging verwirrt mit der beschämenden Emp- findung, daß ihr eine Macht geraubt worden war, die sie für unverlierbar gehalten hatte. Die Feine, die Blonde folgte Ühr. Pavel aber stemmte beide Hände in die Seiten, wiegte fich übermütig in den Hüften und sprach vor sich bin: Die Weiber, pfui, zu nichts gut, als zum Schlechten!" .lLortsetzung folgt. E (Nasdru-r vtrvottiri Der JVIosUm. Von Roda Roda . (Schluß.) Der HafiZ wiegte den Kopf, nahm meine Hand in seine Greisen- Hand und führte mich von bannen. Aufs Telegrophenamt. Stundenlang saßen wir da und warteten. Der Abend sank. Vom serbischen, vom katholischen Kircknurm schlug eS sieben vom Münare der Achmed-Djami rief der Muesin zum vierten Gebet: »Allahu ekber. Allahn elber. Eichhedu enla illahe il lellav...' .Ja," sagte der Hadji,.eilet zum Gebet, eilet zur Freude! Und jetzt zeigt man dem armen Kerl sein Schicksal an." Stand auf und schritt langsam davon in die Moschee. Und während der Alle drüben betete, hörte man eine leise Zither klimpern auS dem Cafü Austria. ES ist ein hübscher Garten vor dem Casö, alte Kastanienbäume. An einem runden Tisch saßen drei Fremde, der Zitherspieler unter ihnen. Um die Fremden ein paar Kleinbürger Oesterreicher, Ungarn : der Herren­modehändler Neumann G�za Malzer, Braumeister der Näh­maschinenagent und noch ein paar. Da hatte der Zitherpielcr ge- stimmt und intonierte. Zuerst einen Marsch einen Walzer aus dem Zigeunerbaron wieder einen Marsch... Als der Hadji aus der Moschee zurückkam, war die Gesellschaft schon beim Singen: .Kinder, wer ka Geld, der bleibt z' Haus! Heut komm i rrscht morgen fruah nach HauS l Heut muß i an Sckampus ham, Oder i hau alles z'samm, Oder i reiß der Welt a Haxen aus." Der Alte setzte fich neben mich und blickte hinüber. .Weißt Du, wer da spielt?" stagte er..Das ist der Scharf- lichter. Wenn er müd' ist v»n Spielen, werden sie trinken, und er und seine Gehilfen werden den Oesterreichern Geschichten erzählen. Don früheren Hinrichtungen, weißt Du." Da kam ein Herr des Weges, erkannte mich im Dunkel und rief mich an: .Na, gehen Sie nicht zum Abendessen? Wir haben einen Weg." Der französische Professor vom Gymnasium. Der Hadji verstand nicht, was der Professor gesagt hatte, erriet es aber. .Geh l" sagte er..Wenn eine Nachricht kommt, ich werde Dich rufen lassen." Ich ging mit dem Professor er fing sofort von dem Ereignis deS Tages an: .Sie werden natürlich dabei sein? Haben Sie schon eine Karte? Ich will Ihnen gern eine verschaffen übrigens gibt Ihnen der Präsident ohne weiteres eine O. es ist ein unglaublich in ere, lautes Erlebnis. Mich regt es immer furchtbar auf. Eine enpetzliche und wenn Sie wollen in ihrer Art schöne Sachs das. Inter­essanter denke ich mir natürlich eine Hinrichtung durch Erschießen und am grausigsten durch daS Beil. Ich habe schon neun Hin- richtungen gesehen denken Sie sich: in Agram einmal drei in derselben Stunde--- die Stenjewetzer Raubmörder." Er erzählte mir auf dem ganzen Wege van diesen dreien.»Der letzte, ein junger Bursch< hat unter dem Galgen eine Art Predigt gehalten gegen M« glaubensfreie Schule, die wäre schuld an seinem Unglück und hat zur Anbetung des heiligen Antonius aufgefordert. Widerlich, sag ich Ihnen. Der Gefängnisgeistliche hatte dem armen Kerl bis Predigt Wort für Wort aufgesetzt und souflierte ihm." Weit aus dem Dunkel hinter mir rief eine Stimme meinen Namen. Edhem-Beg. Ich eilte zurück. Im Telegraphenamt stand der Alte und hatte die Hände zitternd auf den Schalter gestützt. Eben fertigen sie's aus, Effendüm: daß der Kaiser keins Gnade gibt." Der Morseapparat surrte noch und tippte. Nach einer endlosen Minute reichte mir der Beamte die Depesche: .An den Vorstand der Mohammedanischen Wakufkommisfion in Bieli-Scheher, Hadji Hafis Schemsii-Beg Ragibbegowitsch. Seine Majestät haben allergnädigst geruht... usw. usw. Ein langer Satz. Ich sah nur das letzte Wort:,... abzulehnen." Im Cafö Austria spielte man: «DaS Drahn, das is mein Leben---- Kanns denn was schöncrs geben.. Die Nacht verging mir peinlich mit blödem Lesen und nervösem Rauchen. Erst am Morgen, als Edhem an mein Fenster pochte, war ich eingeschlafen. .Komm rasch, Effendüm, mein Vater ruft dich." Bor der Tür wartete schon der Hadji und schritt wortlos voran der Pilgerstab schlug taktmäßig auf das Pflaster schritt wort- los voran in die tauige Stille. Der Alte klopfte an ein Türchen des Gefängnishofcs, ein Wächter öffnete. Stumm wies der Alte ein Billett vor. es war wohl ein Erlaubnisschein. Da führte uns der Wächter quer über den Hof und nur mehr ein paar Stufen empor in eine Zelle. Eine lange, helle Stube Tür und Fenster standen weit offen. Am Fenster und an der Tür je ein Soldat Gewehr bei Fuß, Bajonett auf. Und zwischen diesen beiden Soldaien auf und ab mit raschen, verzweifelten, plumpen Schritten ging...... .Rustam Selimagitsch!" Der Gorilla hörte es nicht einmal. Immer auf und ab mit leidenschaftlichen, plumpen Schritten und bei jedem zweiten Schritt ein tierisches Stöhnen. Top top ein tierisches Stöhnen. Er trug ein grobhärenes Sträflingsgewand vielleicht weil seine eigenen Kleider gar zu elend geweien waren und mir schien, er trug auch keine Wäsche. Der Fes war ihm vom Kops geglitten, nun sah man den ganzen glattrasierten Scliädel. Die Ohren standen breit ab, anch die Augen hatten etwas Affenhaftes man sah daS Weiße rund um die Pupille. Er hatte die Oberlippe schmerzhast aufgezogen und bleckte die Zähne und hatte die Brauen hoch- gezogen und ging immer aus und ab, von einem Soldaten zum anderen, mit plumpen, leidenschaftlichen Schritten, und bei jedem zweiten Schritte das Geheul. Der Hals war stei in der Sträflingsjacke, ich sah es schaudernd. Wenn der Mann hätte ausbrechen wollen zum Teufel, es wäre ihm gelungen; denn der Soldat an der Tür stand nicht, der hing angekrampst an seiner langen Büchse. Was der Hadji mit dem armen Sünder sprach, weiß ich nicht. Zuletzt stolperte ich die Stufen hinob auf den Hof, und hinter mir war bei jedem zweiten Schritt das Heulen. Da redete mich einer an mit einer Stimme, in der Lust war, Neid und Begierde. »Sie waren bei ihm? Sie haben dürfen? Oh, ich stehe unter dem Fenster...." Der Gymnasialprofeffor. .Ist auch der andere da. der Serbe? Sie wissen doch schon, daß er begnadigt ist? Eben ist die Depesche gekommen. Begnadigt nach dieser Nacht..." Der Professor schüttelte fich und seine Augen flackerten. Der Hadji packte mich am Arm. Er schluchzte beinah und eS war, als wäre er seit gestern älter geworden fast wars ein Lallen: Effendüm, Du mußt bei mir bleiben." Und mit erhobener Stimme:Effendüm. Du mußt bei mir bleiben. Ich habS gelobt bis zum letzten Augenblick will ich mit ihm sein." Der Gesäugnishos verengte sich nach hinten zu vor der schmälsten der hohen, grauen Mauern stand ein Zug Infanterie, Gewehr bei Fuß. Vier Schritte vor dem rechren Flügel ein beleibter Oberleutnant mit kaisergelber Feldbinde. Er hatte die Hand auf den Säbel gestützt, den Säbel vor sich und blickte zu Boden. Die Soldaten sahen mit Grausen und Neugier auf den Richlpflock, auf den Scharfrichter und seine Gehilfen. Der Richtpflock war mehr als maimöhoch. ein viereckiger, starker Balken; oben abgesägt, da stak ein Bolzen. Vorn ein Schemel mit zwei Stufen und hinten eine kurze Leiter. Der Scharfrichter musterte sein Bauwerk. Der Scharfrichter war ein schlanker Mann, hellblond, mit grauen Augen. Wenn ich ihm auf der Straße begegnet wäre, ich hätte ihn für einen Prediger gehalten denn er trug einen langen schwarzen Nock und schwarze Handschuhe. An der anderen Wand die Zeugen. Ein Wächter drängte den Hadji und mich zu ihnen.