-

518

-

Staft um fich geschlagen hatte. Nu fitt er hinter Schloß| Deutschlands Babillon war allerdings schon damals der Vollendung und Riegel und bläft Trübsal."

11

Bjerregrab nahm Anstand an den Namen und nannte es Gotteslästerung. Die Kraft ist nur einer, wie ge­Serieben stehet. Wir Aermsten, wenn der über unsere Köpfe Losschlagen wollt'!"

Holzbein- Larsen meinte freilich, die Kraft habe mit Gott nichts zu schaffen, sondern sei aus irdischem Stoff; dadrüben benute man sie, um Maschinen zu ziehen an Stelle der Pferde.

" Ich sollt meinen, die Kraft, das sind die Frauen­Bimmer," sagte Bäcker Jörgen, denn die regieren, weiß Gott , die Welt. Und Gott soll uns bewahren, wenn die fich mal losschlagen! Aber was meinst Du, Andres, Du bist doch So schriftgelehrt?" Die Kraft, das ist die Sonne," sagte Meister Andres, die regiert alles Leben, und die Wissenschaft hat ausfindig gemacht, daß alle Kraft von ihr ausgeht. Wenn sie ins Meer fällt und abkühlt, dann wird die ganze Erde ein Eisklumpen." " Ja, denn das Meer ist die Kraft," rief Jeppe überlegen aus. Oder kennt Ihr irgend was, das so niederreißen und alles mit sich wegreißen kann? Und von dem Meer friegen wir das Ganze wieder. Damals, als ich auf Malaga fuhr" Ja, das is auch wirklich wahr," sagte Bjerregrav, denn Die meisten finden ihre Nahrung auf dem Meer und viele auch den Tod. Und die reichen Leute, die wir haben, all ihr Geld haben sie vom Meer."

"

Jeppe richtete sich stolz auf, und seine Brille bekam Glanz: Das Meer fann tragen, was es will, Stein und Eisen, wo es selbst doch weich ist! Die schwersten Lasten Fönnen auf seinem Rücken wandern. Und dann auf einmal saugt es alles an sich. Ich hab' Schiffe gesehen, die mit den Steven gerade in die Wellen hineinsegelten und verschwunden waren, wenn der Ruf an sie kam.

( Fortseßung folgt.)

recht nahe gerüdt. Auch das machtvolle Wasserschloß, von dem mun schon die Wunderfontänen herabrauschen, war in der äußeren An­lage bereits erkennbar. Im übrigen aber war faum ein einziger Bavillon auch nur imf rohesten Rohbau( im Rohgips" müßte man hier sagen) beendet. Als ich dann einige Wochen später abermals in Turin war, hatte zwar die Ausstellung schon einigermaßen Profil, aber auch jekt, nach der offiziellen Gröffnung war des Hämmerns und Auspadens noch lange tein Ende. Immer noch herrschte der Ausstellungsmonarch Gipsos in vollster Souveränität, Einiges war zwar schon fertig gestellt, und ich will einen ganz kurzen lid darauf werfen, will in erster Linie der überaus anschaulichen Darbietung gedenken, die das italienische Rote Kreuz" zeigte: es wird uns da eine treffliche Einsicht in das segensreiche Wirkungs­gebiet dieser Schlachtensamariter ermöglicht. Ein täuschend natur wahres Panorama zeigt uns den Abgang eines Krankentrans­portes in das Gebirge, und gegenüber ist die gleiche Szene in der Ebene dargestellt. Aehnlich wie in der hochinteressanten ethnolo gischen Ausstellung in Rom ( auf die wir später eingehen) fällt an den verwendeten Wachsfiguren die unerbittliche Realistit und Lebensechtheit der Gestalten auf. Hier wird etwas Ganzes, etwas Harmonisches dargeboten, während sonst gerade wieder in dieser Weltausstellung das erdrückende Zuviel des Ausgestellten die Ge­nußfreudigkeit vielfach hemmt. Und noch ein anderer Umstand ist es, der mir gerade auf dieser Ausstellung ganz besonders unsym­pathisch aufgefallen ist. Da war z. B. ein Sonderpavillon, der der Tabatfabrikation galt, gewiß ein nicht uninteressantes Problem, diese Borführung einer Fabritation vor den Augen des Publikums. Er­wartungsvoll traten wir ein aber welche Enttäuschung ward uns da zuteil! Wir wurden wider Willen dazu verurteilt, Preisrichter einer weiblichen Schönheitskonkurrenz, aber auch einer weiblichen Untätigkeitskonkurrenz zu sein! Untätig saßen die bildhübschen Mädchen in ihren Kleidfamen Trachten( es ist klar, daß dies nicht die Original- Fabrikkleider waren!!) an ihren Maschinen und ließen sich willig bewundern! Ich will zur Entschuldigung der Ausstellungsleitung annehmen, daß ich gerade zu einer Arbeits­pause erschienen bin, doch machte mir die Situation nicht einen solchen Eindrud, und auch die Zeit, etwa halb fünf Uhr nachmittags, tann doch keine Vesperzeit für italienische Begriffe darstellen!

-

-

Es ist überhaupt für den allgemein ästhetisch interessierten Betrachter einer solchen industriellen Ausstellung viel genuß­reicher, wenn er sich auf die Freude an der äußeren Architektur der einzelnen Bauten, wie der ganzen Anlage des Komplexes beschränkt. Dann wird er allerdings in Turin in diesem Jahre reiche Ausbeute haben, reicher als er sie wohl auf irgend einer der lezten großen europäischen Ausstellungen gehabt hat. Ist doch schon allein die

Italienischer feftjubel und Trubel. Lage der Austellung, zu beiden Seiten des von den Voralpen und

den grünen Hügeln Piemontes umragten Bofluffes inmitten eines prächtigen Naturparkes, des Valentinoparts, ganz außerordentlich fchön. Dazu hat man es mit geradezu raffiniertem Geschick ver­standen, alles Zusammendrängen der Pavillons zu vermeiden. So riesengroß auch die bedeckte Fläche ist, so geschlossen, ja fast intim wirkt doch das Ganze. Das kommt daher, daß die beiden Bo- Ufer den Pavillons eine natürliche Umrahmung bieten und daß durch diese Zweiteilung des Geländes dem Auge des Beschauers überaus wohltuende Ruhepunkte gewährt werden. Durchfährt man für fünf­undzwanzig Centefimi( 20 Bf.) mit dem Auto, das eigens dafür da ist, die Ausstellung bis zu ihrem Mittelpunkt, bis zu dem großen internationalen Industrie- Palast, so erkennt man, daß alles wohl erwogen und berechnet ist. Sehr gewandt haben die Italiener ihre eigenen Erzeugnisse in gutes Licht zu sehen gewußt, ohne doch die anderen Nationen, die fast alle auf dem Plan erschienen find, in den Hintergrund zu rüden. Einige Nationen haben sich darauf be schränkt, in der großen gemeinsamen Industriehalle auszustellen, darunter Desterreich, andere haben große eigene Brachtpavillons errichtet. Wirklich interessant verspricht der Zeitungspavillon zu werden, in dem das Entstehen einer und der Zeitung überhaupt von den ältesten Zeiten an vorgeführt werden soll. Doch wir haben diesen Palast noch nicht fertig gesehen und müssen uns daher vor erst mit dem Hinweis darauf begnügen.

Es ist ein seltsam schreiender Gegensaß, der zwischen dem durch allerlei Unbill politischer und kultureller Art hin und her geschleu­berten Italien und dem Festesjubel seiner Bewohner in diesem Jahre Elafft. Wenn man durch das Land fährt und sich bemüht, den An­Schluß an die landsmännischen Herdenreisenden so wenig als mög­lich zu suchen, sondern sich an das Land selbst und an seine Be­wohner zu halten, so wird einem unheimlich flar, wie offiziell und äußerlich recht eigentlich dieser Festjubel ist. Gerade wie sonst Schleicht das Elend mit geschäftsmäßiger Bettlermiene durch die Straßen der Haupt- und Provingstädte, und wenn man gerade in biesem Jahre die nicht in die Festlichkeiten einbezogenen Mittel­Städte, etwa das durch Pietro Perugino unsterblich gewordene Peru­ gia oder Siena betritt, dann fühlt man auch nicht ein Atom mehr bon der geräuschvollen Festlichkeit, die sich in Turin und Rom in biesem Jahre eingenistet hat und mit geblähtem Stolze auf die eigene Vergangenheit herabschaut. Gewiß hat Italien allen Grund, fich der siegreichen Kämpfe um seine Unabhängigkeit freudig zu er­innern, und doch wird der Kenner der Verhältnisse zugeben müssen, baß es in Wahrheit in Italien durchaus noch nicht zu der rechten inneren Einheit gekommen ist. In Unteritalien zumal herrscht noch immer das vollste Analphabetentum und starte industrielle Un­befledtheit. Vorläufig herrscht wohl, von Spanien und Griechenland abgesehen, in feinem europäischen Großstaate ein solches ausge Dagegen sind wir in Rom mehrere Male auf der inter sprochenes Elend wie gerade in Italien , und man muß sich eigentlich nationalen Kunstausstellung und auf der ethnolo wundern, daß nicht all diese Festlichkeiten noch mehr beschränkt gischen Schau"( ,, mostra " nennen es die Jtaliener) gewesen und worden sind, als es der Fall ist. Weil dadurch Arbeitsgelegenheit fönnten nun ins Schwärmen geraten, wir könnten die zwölf verschafft wurde", so wird man mir entgegnen, und doch trifft diese Pavillons der Internationalen" noch einmal rückschauend durch­Entgegnung nicht den Nagel auf den Kopf. Beweis dafür ist doch die wandern, könnten dies System auch bei der wundervollen ethnolo Tatsache, daß die Arbeiter der Turiner Weltausstellung in den gischen Ausstellung befolgen. Aber wir wollen uns darauf be Streit treten mußten, um erträgliche Arbeitsbedingungen zu er- schränken, einige Licht- und Kernpunkte herauszuheben. Da ist halten. Infolgedessen ist die Ausstellung noch nicht einmal zu zwei 3. B. auf der Engelsburg eine kulturhistorische Ausstellung vera Drittel fertig gestellt. Gewisse Korrespondenten wußten die Blamage anstaltet, die von Italiens Werden und Größe in allerlei Doku­dadurch zu vertuschen, daß sie schon vor zwei Monaten sogar menten und Ansichten und auch in anschaulicher Weise erzählt, indem illustrierte Auffäße über die Turiner Weltausstellung versendet etwa eine ganze mittelalterliche Apotheke mit Inventar und mit dem haben, die zum mindesten teilweise den Stempel der Phantasie Apotheker selbst in der charakteristischen Alchymisten- Tracht zu sehen deutlich an der Stirn tragen. Es lohnte sich fürwahr, über dieses ist. Durchschreiten wir ein paar Säle, so gelangen wir zu einer Kapitel des modernen skrupellosen Attualitäts- Fanatismus unserer ganz föstlichen Sammlung alter Musikinstrumente, Breffe einmal ein strenges Wort zu sagen. Die Tatsachen liegen wie wir sie sonst außerhalb Deutschlands ,( das in Berlin und Leipzig vielmehr, wie ich durch Augenschein festzustellen bemüht war, fol- zwei der größten derartigen Museen befibt) nur ganz selten finden. gendermaßen: das erstemal, als ich in Turin war, Ende März, um Dann wieder, gleich gegenüber dem Bahnhof, beherbergen die für die Weltausstellung zu besichtigen, mußte ich mir noch durch Schutt- diesen 3wed überaus pietätvoll restaurierten Diokletians­haufen mühsam einen Weg bahnen, und kaum die ersten Anfäße zu Thermen, diese folossalen Ueberreste antiker Kaiser- Bäder, ein ben äußeren Gerüsten der Pavillons waren zu bemerken. Nur archäologisches Museum, wie es in gleicher Vollständigkeit