T&elenciIIctn. Und das war leicht zu erraten, daß die grobe Kotzen(Person) sie bloß herauskitzeln wollte vor der Fremden. Was das für eine war, und wie sich die aufspielte und überall was auszusetzen wußte! Sie räusperte sich und stach die Zinken heftiger ins Stroh. A was! Red's, was mögt's, i hör's it." De wella is jetzt de Bescht?" fragte die Schneider- bäuerin. De dritt von vorn eina," antwortete Ursula:mi Hamm s' vom Schieß! z' Eifenhofa kafft." De braung'fleckelte?" Die Schneiderin ging ein paar Schritte zurück und Musterte die Kuh auf ein neues. So, dös is enka(eure) Beschte? Wia viel geit(gibt) na de Milli(Milch)?" Du, hoscht as g'hört?" schrie Ursula grob zur Zenzi hinunter.Wia viel d' Schießlin Milli geit?" A zwölf Lita," brummte die Magd. Zwölfi grad?" sagte die Schneiderin.Dös is amal gar it viel auf de Bescht. Dös gibt bei mir a mitter'ne." Bei dir werd halt a bessa aufpaßt auf's Sach; wia ma f kriagt Hamm, hat de aa mehra geb'n." Die Ursula hatte einen schneidigen Ton an sich: aber diesmal verblieb die Zenzi nicht in Stillschweigen. De Hot no nia mehra geb'n," sagte sie kratzig. So? Muaßt du dös wiss'n? Unta da'r andern Dirn Hamm mi von da Schießlin Vierzeh' Lita kriagt." .Wer's glaabtl" Wos? Wia red'st denn du? Derfst du frech sei do herin, du... du?" (Fortsetzung folgt.) 21 Luis» Von Wilhelm Holzamer . .Ich hätt so wie so gegeben�, ohne erst unter Äie Nase geriebelt zu fliegen, was ich tun sollt, und ich hätt gut Lust, jetzt nix zu geben. Ich will dir aber was sagen, Lisett wie geht's denn drin? na ja mach Speck und Eier, soviel die Pfann hält, und jeder soll einen Krug Wein haben. Aber wer sich besäust, fliegt hinaus, ohne Pardon." Er war wieder allein. Es war dunkel geworden. Lisett," rief er nach,die Lampe !" Und als er beim Lampenschein an dem großen Eichentifch saß, nahm er Tinte und Feder und rechneten zwanzig Morgen Wingert, vierzig Morgen Aecker, zehn Morgen Wiesen abkommen wird davon nichts, daß was dazu kommt, will ich schon sorgen sechs Gäul im Stall, achtzehn Stück Rindvieh, Hühner, Gäns, Tauben, Enten, na ja das Haus, den Garten, Scheuer, Schuppen und Stallungen und dann noch dreißigtausend Gulden bar Geld auf der Mainzer Sparkass' von der Frau extra eingebracht 's reicht aus.'s läßt sich in zwei Teile machen und reicht doch noch. Und Pankraz soll er heißen, wenn's ein Bub wird(daß es ein Mädchen werden könnte, dachte er nicht) nach meinem Vater und Großvater, und's soll der alte Name wieder zu Ehren kommen, statt dem zuckersüßen Heinrich, wie sie mich getauft haben und er soll ein Kerl werden wie ein Baum und eine Stimm kriegen, daß die Wänd wackeln, und wissen soll er. wer er ist. sonst Isoll gleich" Er hielt sich noch zurück, den Fluch schon zu tun, ehe das Kind auf der Welt war. Drinnen hatte das Wimmern angedauert und war schmerzlicher und verzweifelter geworden. Er zählte noch einmal sein Besitztum nach, um's nicht hören zu müssen. Dann folgte aber Schrei auf Schrei. Er meinte, er müsse voneinander platzen. Er wollte hineinstürzen und die Amme anschreien, ob sie nicht helfen könne. Dann wurde es ein Weilchen still. Er lauschte und war nun ungeduldig, daß er nichts hörte. ..Lieber einen Berg abtragen, als so ein Kinderkriegen." Er trommelte mit den Füßen. Das Wimmern begann wieder in zitternden Tönen ein wenig anschwellend, dann ermattend und ein Stöhnen danach, als vergehe ein Leben da drin, nicht daß eies geboren würde und dann ein Schrei und ein anhaltendes Stöhnen. . Er war aufgestanden und lauschte gespannt. Das Gewitter war richtig zurückgekommen, und nun rasselte und prasselte der Donner, als wollte er alles kurz und klein ifchlagen. Der Winternheimcr zuckte nicht. Er hörte und sah nichts. Er spürte nur etwas sich begeben, von dem er nicht wußte, ob es zumeist in ihm selbst oder außer ihm war, und eS war so arg, daß es ihn förmlich auf. die Folter spannte zum Zerreißen. Dann ließ er die Schultern sinken und atmete einmal tief auf. Er hörte eine Stimme sagen: s'S ist geschehen, Wintcrnheimer, und'S ist ein Bub. Neun Pfund, Kann er wenig wiegt, aber zehn ganz bestimmt. Wollt ich nit die Barbern sein. wann'S nit Wöhr war." Er griff in die Westentasche und reichte ihr ein Goldstück. Legt's auf den Tisch, Winternheimer, nachher und ich danl auch schön." Der Pankraz Winternheimer Kar geboren und schlief den ersten Schlaf seines Lebens, indes seine Mutter fast tot vor Schwäche in den Kissen ruhte. Kein Wunder," sagte die Amme, die wohlerfahrene Seite Barber,wann eins so einen schweren Kerl auf die Welt ge- bracht hat."* Der Winternheimer reckte sich stolz. Dann ging er hinaus, holte drei Gläser aus dem Wandschrank und zog eine Flasche auf, die neben dem Schränkchen bereit stand. Er goß sie alle drei voll. Eines trug er hinein zu seiner Frau und stellte es ihr sachte aus das Nachttischchen, die beiden anderen ließ er aus dem Tische draußen stehen. Kommt, Barbern!" Aber ehe die Amme zu ihrem Glase kommen konnte, hatte er schon seines genommen und prost! gesagt. Erst als es leer war, stieß er mit der Amme an. Dann füllte er seines noch einmal und leerte es wieder auf einen Zug und sagte danach: Prost, Barbern! Wohl bekomm's Euch!" Er meinte das aber gar nicht er sagte es ganz gedankenlos. Er meinte ganz etwas anderes, wofür er aber keine Worte hatte. Und als er letzt den Buben drin schreien hörte, so häßlich prachtvoll schreien, da goß er sich den Rest der Flasche ein und sagte ganz feierlich vor sich hin:Prost Pankraz! Pankraz Winternheimer!" Ganz voll und fest umfaßte seine Hand den Stengel des Glases, als er danach trank, und als er's auf den Tisch stellte, zitterte er. * « Frau Winternheimer war eine geborene Kapesser und stammte vom Thalheimer Hof. Die Kapesser waren eine alte Pfälzer Bauernfamilie, freisinnig-pratestantisch, wie sie in der Pfalz vielfach vorkommen, ein bißchen abgeschlossen, abseitig und mit den beson- deren Eigenschaften einer Bauernvornehmheit und eines Bauern- stolzes, die sich durch das Alter der Familie entwickelt hatten: ge- nießend, wo es galt, und ohne kleinliche Rücksicht aus den Geld- beutel, gern gut angezogen und ein bißchen hochmütig in der Haltung, nie prozessierend und mit irgend jemand streitend, dafür- aber ein wenig spöttisch und verächtlich und daher mit einem ganz bestimmten Zug um den Mund, daran man alle Kapessers sofort erkannte. Es war ein Zug der Bitterkeit eine leichtgeschwungene Linie nach abwärts an den Mundwinkeln, aber ohne Schärfe und Härte, sondern liebenswürdig. Und wenn die Kapessers lachten, so erhielt sich diese Linie ganz genau so nach oben, wie sie nach unten sonst war, mrb dann drückte sie das Genießerische, das gewisse Gourmandische in ihrem Wesen aus. Bei den Männern der Familie konnte man daher mehr eine gewisse Leichtlcbigkeit in ihrem Antlitz lesen, bei den Frauen, und besonders wenn sie noch jung waren, gab dieser besondere Zug den Reiz von etwas Rätselhaftem, fast Bestrickendem, dahinter man kommen wollte. Und wer dahinter kam, der merkte, daß alles, was darin ausgedrückt war, mir' ein .Gutsein war. Ein stilles, unbetontes, sogar ein wenig leidendes Gutsein. Sie hatten gar nichts Forsches mehr, die Kapessermädchen dagegen hatten es ihre Brüder und Vettern, die auch alle früh- zeitig in Liebesgeschichten verstrickt waren i und das ursprünglich Protzenhafte ihrer Bauernvornehmheit hatte sich in ihnen zu einer zarten Feinheit des Aeußeren und einer verschwiegenen Zähheit des Willens entwickelt. So hatte die Mutter des Pankraz Winternheimer, die als Mädchen Lulu Kapesser geheißen hatte, viele Bewerber ausgeschlagen, die mit allen Chancen ihres Reichseins in ihr Haus gekommen waren. Jahrelang war dann keiner mehr gekommen, und man hätte die Lulu schon als eine hochmütig? Gans verschrien, wenn sie nicht so scheu und verlegen vor den Leuten gewesen wäre. Es gingen die Jahre, und sie wurde älter und kam gegen die dreißig, und alle Welt hatte sich schon darauf eingerichtet, daß sie eine alte Jungfer werden würde. Sie saß fast den ganzen Tag im Garten des Thal- heimer Hofes, strickte nicht, las nicht, legte nur gerne die Hände in deif Schoß und blickte ins Unbestimmte. Manche meinten, sie werde früh sterben, und sie habe ein inneres Leiden, das sie ver- zehre, vielleicht trage sie auch eine kranke Liebe mit sich herum, und daran werde sie zugrunde gehen. Wenige hielten sie für ein bißchen dumm, aber diese hatten ganz und gar unrecht. Die Lulu Kapeffer wartete nur auf etwas, das kommen sollte in»ihrem Leben, und sie war zu müde, etwas zu hin, um es herbeizuführen. Manchmal aber gab es einen Auftrieb in ihr, und sie griff mit heißen Händen .nach dem Genuß. Das war einmal auf einer benachbarten Kirch- weih, wenn sie eifriger und toller tanzte als andere Mädchen, und wenn sie nicht genug bekommen konnte an drei Tagen und lieber eine ganze Woche gehabt hätte und noch mehr, sich auszutoben. Sie war nicht krank, sie litt auch nicht, sie hatte nur ewas Müdes, und sie konnte lachen, daß es in den Tag schlug wie ein Finkenschlag; niemals aber grämte sie sich. Meist war sie stille, und sie liebte es, unter den grünen Bäumen zu sitzen und allein zu sein. Im Grunde genommen war sie gar nicht anders wie die übrigen Kapesscr- mädchen, nur die eine Eigenschaft der vornehmen Abseitigkeit be- herrschte sie mehr. Dann kam eines Tages der Heinrich Winternheimer, der auch schon über die ersten Jugendstreiche hinaus war. und freite um sie.