get große Mengen tierischer Nukleine in seiner Nahrung, wenn er Gehirn, Bries, Leber. Nieren verzehrt zu sich. Auch der Gesunde teigt darauf in seinem Blute Harnsäure, die aus den Purinen seiner kahrung stammt. Allein jene— drS sogenannte exogene Purin— verschwindet bald. Bei dem Gichtittr dagegen findet sich auch dann Purin im Blute, wenn er eine„t�-rinfreie" Kost, etwa Much -, Eier- oder Pflanzeneiweiß, gwwssen hat. Diese Erscheinung nnrd neuerdings zur Unterscheidung der Gicht von ähnlichen Getenllei» den benutzt. Zugleich aber bietet sie auch einen Fingerzeig für ue Diät der Gicht. Da ohnehin schon der Purinstofswechsel gestört.st. wäre es ein schwerer Fehler, den Kranken noch mehr d.eser schwer zu verarbeitenden Purinsubstanz in der Nahrung zu bieten. Zu- nächst soll die Fleischzufuhr überhaupt aufgehoben werden, die Diat enthalte viel Milch-, Eier- und Mehlspeisen, da ja die beiden erste- ren sich nicht am Purinstoffwechsel beteiligen. Ist diese Abstinenz zwei bis drei Monate durchgeführt, so empfehlen Forscher wie Prof. Brngsch in Berlin und Prof. Schittenhelm in Erlangen , denen wir sehr viel der neueren Erkenntnisse über das Wesen der Gicht vcr« danken, wicher Fleisch zwei- bis dreimal wöchentlich darzureichen. Man kann ISO— 200 Gramm schwarzes oder weißes Fleisch geben, muß aber unbchingt die oben erwähnten Organe wie Leber usw.' ausschließen. Später darf sechsmal in der Woche, je einmal am Tage, das Fleischgericht verabfolgt werden. Alkohol ist schon des- wegen in nennenswerten Quantitäten zu vermeiden, weil ersah« rungSgemäß ein Zusammenhang zwischen Gicht und Alkoholgenuß bestcht. Alkoholiker gerade werden häufig von Gicht heimgesucht, und es ist weiter eine allbekannte Tatsache, daß bei einem an Gicht chronisch Kranken Alkoholgenuß fast unfehlbar einen akuten Gicht- onfall auslöst. Was die weitere Behandlung der Gicht anlangt, so ist bemerkenswert, daß eS zweckmäßig ist. den Kranken sobald als möglich aus dem Bett zu bringen und ihn zu Bewegungen zu veranlaffen, um die daniederliegenden Stoffwechselvorgänge zu be- S leunigen. Als Medikament wird neuerdings neben dem beim liten Anfall sehr wirksamen, altbewährten Colchicin, das aus der Herbstzeitlose, Colcdicum auturnnale stammt, das Atophan empfoh- len. Dies„mobiliert" die Harnsäure und bringt sie schneller zur Ausscheidung. Wenn man die Wandlungen überblickt, die die Anschauungen über die Gicht im Laufe der Zeit durchgemacht haben, so oleibt als Fazit ein wirklicher Fortschritt zu konstatieren, der uns zwar noch nicht an das Ende des Problems, aber doch wenigstens ein gut Stück weiter geführt hat. In allererster Linie ist dies die EntWickelung der physiologischen Chemie zu danken, die im letzten Jahrzehnt einen Siegeslauf sondergleichen angetreten hat�Bpn ihr sind auch in Zukunft Aufschlüsse zu erwarten, die d?)«»Forschung und der Behandlung vornehmlich der Stoffwechselkrankheiten zugute kommen werden. kleines Feuilleton. Volkskunde. Tabu. Wie da? Wundern der Anfang des Wissens und damit auch der Philosophie ist, so entspringen die religiösen Vorstellungen der primitiven Völker, seien sie nun Dämonenglauben, Ahnenkult oder Tolemismus, der Furcht, die sich erst in langsamer Stufen- folge zur Ehrfurcht erhebt und versittlicht. Diese primitive Furcht erweckt den Glauben, daß das Berühren gewisser Dinge und Per- fönen mit Unheil verknüpft ist. macht diese Dinge und Personen da- durch unberührbar und unverletzlich, heilig und von anderer Seite betrachtet: verfemt. Der gemeinsame Name für sie ist in der primitiven Ret igion: tabu. Aber nicht nur die Person oder das Ding ist tabu; da der primitive Mensch glaubt, daß mit dem Namen des Dinges auch die Macht über das Ding verknüpft sei, verfällt auch der Name dem Aberglauben, und wird, um Schaden zu verhüten, allenthalben gemieden; so kommen wir zu dem Wott-Tabu, dessen Spuren wir noch heute finden. Nur zu natürlich ist, daß der erste Begriff, dessen Bezeichnung dem Wort- Tabu verfiel, der des oder d?r übermächtigen Wesen war, von deren Gunst oder Ungunst sich der Sterbliche abhängig fühlte. In allen Mythologien finden wir, daß der höchste Gott eine unzählbare Bienge Namen hat. Das Ziel dieser Vielnamigkeit oder dieser Unzahl von Beinamen ist die Vermeidung des eigentlichen Namens. Dasselbe Verfahren zeigt auch die jüdische Religion. Ihr Glaubensbekenntnis spricht sich in dem Satze aus:»Hör, Israel , Jahwe, unsere Gottheit ist ein einziger Jahwe". Aber diese einzige Gottheit mit ihrem eigentlichen Namen Jahwe anzurufen schien nicht ratsam zu sein; vielmehr gewöhnte man sich, sie den Herrn. Adonaj , zu nennen; und diese Gewohnheit hat schließlich dazu geführt, daß sein eigentlicher Namen, als man sich getraute ihn auszusprechen, eine ganz falsche Form bekam: man fetzte unter die drei Konsonanten des Namens: I h v die für Adonaj zu benutzenden Vokale und kam so zu dem nun für die Ewigkeit gültigen Gottesnamen: Jeh ova. Das Gebot: Du sollst ven Namen deines Gottes nicht unnütz aussprechen, hat den Versuch gezeitigt, ihn auszusprechen und doch nicht auszusprechen und damit jeder Gefahr zu entgehen: man hat ihn eben verhüllt. So mancher ruft heute ganz harmlos: Potz- blitz. Potz tausend, ohne zu ahnen, daß in der ersten Silbe der iverantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck u. Verlag: Wörter eine Verhüllung des Wortes: Gott steckt, und ebensowenig weiß der Durchschnittsftanzose, wenn er rnordlou flucht oder wenn er bloumourant spricht, sworaus im Deutschen da? schöne„plümerant" geworden ist), daß er in einer Sprach- Verhüllung den in ort de dien, den Tod Gottes, und den dien mourunt, den sterbenden Gott nennt. Scheute man sich nun schon den Namen des guten Gottes auszusprechen, weil man es für gefährlich hielt, das Heilige anzurühren, so mußte es natürlich noch für viel gefährlicher gelten, den Herrscher der bösen Mächte mit seinem wahren Namen zu rufen. Und der Name Teufel, der nun einmal dem Herrn der Finsternis geblieben ist, ist auch kaum für einen eigentlichen Eigennamen anzusehen; von dem griechischen d i a b o 1 o s herstammend, hebt er nur eine Eigenschaft des Lügen- gottes, eben das Lügen, das Verleumden, hervor. Aber auch diese umschreibende Bezeichnung könnte der böse Gott übel nehmen und rächen; man muß auch sie noch verhüllen, und so wenden wir dafür die Formen Deixel, Teixel, die Franzosen diantre an, und die Engländer nennen den Teufel recht liebenswürdig und zutraulich den 0 1 d man(alten Mann). Ein anderer Geist, der die Nennung seines NamenS nicht gut vertragen kann, ist bekanntlich der Herr des Riesengebirges: Rübezahl . Das Wort hat nichts mit der Rübe und dem zählen zu tun, sondern lamet eigentlich Ribe . Die Silbe Zahl— Zagel, Schwanz, birgt fteilich einen Spott in sich. Das Wort-Tabu hat auch ein Werkzeug der grausamen Gerichts- barkeit des Altertums und Mittelalters getroffen, den Galgen. Das deutsche Voll spricht von der Herberge„Zu den drei Säulen", und in Schillers„Räuber" heißt er: das dreibeinige Tier. Meteorologisches. Verdunstung und Regenfall. ES ist ganz in der Ordnung, daß die Meteorologen durch jeden ungewöhnlichen Witte- rungsverlauf zu besonderen Untersuchungen angeregt werden. Sie haben in den letzten Jahren eine reichliche Gelegenheit dazu gehabt. Im vorigen Jahre war es der ungewöhnlich trockene und fast un- bewölkte Sommer, in diesem Jahre ist es im Gegenteil eine Regen- zeit von nahezu entsprechender Hartnäckigkeit. Die Entstehung de? Regens pflegt im allgemeinen durch den Kreislauf des Wassers dar- gestellt zu werden. Das Wasser der Meere und auf den Festländern verdunstet unter dem Einfluß der Sonnenwärme; dadurch gelangt wieder Wasserdampf in die Luft und verdichtet sich durch Erkaltung in größerer Höhe zu Regen oder Schnee. So gelangt das Wasser an die Erdoberfläche zurück, und sein Kreislauf beginnt von neuem. ES ist ganz selbstverständlich, daß der Verdunstung de« Meerwassers wegen der überwiegenden Ausdehnung der Ozeane der Hauptteil an der Versorgung der Luft mit Wasierdampf beigemessen wird. Das Festland kann schon deshalb nicht so viel Wasierdampf liefern, weil es, abgesehen von seiner hinter den Weltmeeren zurückstehenden Aus- breitung, eine erhebliche Menge der erhaltenen Niederschläge in den Boden einsaugt, einen anderen Teil in flüssigem Zustand als Bäche und Ströme dem Meere wieder zuschickt. Außerdem arbeitet die Lebewelt, namentlich die Pflanzendecke an dem Verbrauch des aus Himmelshöhe erhaltenen Wassers. Von den Meeren anderer- feits muß ungefähr immer dieselbe Wassermenge verdunsten, die sie durch Regen erhalten haben. Anderenfalls müßte eine Senkung des Meeresspiegels je nach der Verschiedenheit des Regenreichtums der Jahre bemerkbar sein. Professor Müntz hat jetzt vor der Pariser Akademie der Wissenschasten einen Vortrag gehalten, worin er die Ein- Wirkung der Verdunstung des Bodens und der Pflanzen auf den Eintritt längerer Regenzeit und Kälte untersucht, einen für diesen Sommer zeitgemäßes Thema. Uebriaens hatte auch schon der Sommer 1S10 den Beweis dafür geliefert, daß feuchtes und kaltes Wetter, wenn eS erst einmal mit einiger Hartnäckigkeit eingesetzt hat, auch längere Zeit anhält. Müntz isp nun zu der Ueberzeugung gelangt, daß außer den großen Luftströmungen, die selbstverständlich die Hauptrolle für den Gang des WetterS spielen, die Verdunstung des Bodens und namentlich der Pflanzen von einer Bedeutung ist, die man bisher unterschätzt hat. Wenn nach längerem Regen- fall der Boden ganz durchfeuchtet ist, so muß die Ver- dunstung einen viel größeren Betrag und eine größere Stetigkeit er- reichen. Zunächst prägt sich diese Tatsache in der Nebelbildung aus, wie man sie über feuchten Wiesen des Abends so häufig sieht. Wenn aber diefe Dunstmassen nicht bald wieder als Tau auf die Erdober- fläche niedersinken, wagen sie fortdauernd zur Vermehrung des Dampfgehalts der Lust bei und damit zur Steigerung der Regen- Häufigkeit. In dem regnerischen Juli 1910 ist die Verdunstung hps nackten Erdbodens in unseren Breiten auf 218 Kubikmeter pro Hektar bestimmt worden, und in dem noch regnerischen August 1912 erreichte sie ziemlich genau denselben Betrag. Ein mit Gewächsen bestandener Boden verdunstet aber noch stärker, und eS kommt dabei in Betracht, daß in feuchten Jahren die pflanzliche Entwicke- lung reichlicher ist und länger anhält. Professor Müntz hat an einem mit Luzerne bestandenen Feld im Juli 1910 die Verdunstung. auf den überraschend hohen Betrag von 803 Kubikmeter pro Hektar bestimmt, also fast das Vierfache der für nackten Boden beobachteten Menge. Die Messungen im August dieses Jahres haben wiederum die früheren vollauf bestätigt. Es läßt sich danach ohne weiteres begreifen, daß die Verdunstung auf dem Lande kür die Dauer einer Regenzeit in den Sommermonaten sehr wesentlich ist._ iorwärtsBuchöruckerei u.VerlagsanjtaitPaulSmgertEo.,BertiuLfV.
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29 (25.9.1912) 186
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