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Stellung der Sturmfluten gibt, unter denen das Friesenbolt in histo- Ibie Fastnachtsflut, Sie bei Neumond, Gerbunden mit einer Sonnene rischer Zeit gelitten hat. finsternis, eintrat.

Verheerende Sturmfluten haben an der Nordsee sicher schon zu Schrecklich war die Oktoberflut vom Jahre 1634, die bet einer Beit stattgefunden, da es noch niemand gab, der durch irgend nord friesischen Küste vielleicht den härtesten Schlag versezte. eine Niederschrift uns eine Kunde davon überliefert hätte. Ja, man Nördlich der Eider sind wohl an 15 000 Menschen und 50 000 Stüd muß annehmen, daß in früheren Jahrhunderten die Sturmfluten in Vich in den Fluten ertrunten; ganze Landstriche, Teile von Inseln ühren Wirkungen noch vie. gewaltiger gewesen sind als die der spä- verschwanden spurlos. Die gewaltigste der 53 Sturmfluten deǝ teren Zeitepochen. Diese Wirkungen zeigten sich vor allem in der 18. Jahrhunderts war die Weihnachtsflut bon 1717, in der Abbröckelung und Zerstörung der Nordseeküste, die heute eine gang 10 898 Menschen und über 90 000 Stück Vieh den Tod gefunden andere Gestalt, eine ganz andere Linienführung zeigt als früher. haben; 4915 Häuser wurden vom Wasser vernichtet. Die höchst e Sicher ist, daß 8. B. die vielen Inseln und Halligen, die heute der aller historisch beglaubigten Sturmfluten soll aber doch die bem Westküste von Schleswig- Holstein borgelagert sind, einstmals mit 3. zum 4. Februar 1825 gewesen sein, da sie in Husum 7 Meter dem Festlande ein Ganzes bildeten. Jahrhunderte einer Schreckens- über Normalnull erreicht haben soll, 4 Meter mehr als der Hoch­Herrschaft des Meeres waren erst nötig, um diese Berreißungen der wasserstand bei gewöhnlicher Flut. Allerdings waren damals die Küste herbeizuführen. Wann dies einmal begonnen hat, läßt sich Deiche bereits so verbessert und widerstandsfähig, daß der Schaden nicht sagen, aber sicher ist, daß zu der Zeit, als der alte Grieche nicht entfernt so groß war wie bei früheren Sturmfluten. Emden Pytheas als erster Südländer das Nordseeküstengebiet bereiste, die hat unter dieser Flut am meisten gelitten; die Straßen wurden See ihr Zertrümmerungswerk bereits bis zu einem gewissen Grade gänzlich überflutet und teilweise tief ausgefoltt. Auch die Hallie Fortgeführt haben muß. Dennoch haben wir aus dem eigentlichen gen an der schleswig- Holsteinischen Küste haben wiederum unsäglich Mittelalter, also viele hundert Jahre nach Pytheas , verschwindend gelitten, wie sie denn überhaupt die am meisten Leibtragenden in wenige zuverlässige Nachrichten von Sturmfluten. Bis zum 12. der Kette der Sturmfluten gewesen sind. Jahrhundert liegt die einigermaßen sichere Stunde von 34 Sturm­Fluten vor. Dann häufen sich die zuverlässigen Nachrichten. Im 12. Jahrhundert wird von 17 Sturmfluten berichtet, in 13. von 31, fim 14. von 21, im 15. bon 30, im 16. von 54, im 17. bon 51, im 18. bon 53 und von 1800 bis 1850 bon 32 Sturmfluten, das sind im ganzen in historischer Zeit, dabei nur die einigermaßen sicheren Nachrichten berücksichtigt, 323 Sturmfluten.

Man könnte die Unglüdschronik noch fortseßen, denn auch im 19. Jahrhundert hat es gewaltige Sturmfluten gegeben bis in die neueste Zeit. Aber in dem Maße, wie der Deichbau mehr und mehr vervollkommnet und gefeßlich geregelt wurde, in dem Ver hältnis nahmen auch die Sturm- und Wasserschäden an sich ab. Die Sturmfluten werden zwar mit Sicherheit immer wiederkehren, aber den gewaltigen Schaden früherer Zeiten fönnen sie nicht mehr Auf Grund der Zahlen von 1500 bis 1800 hat Georg Gilfer an- anrichten, und vor allem werden sie nicht mehr unter dem schwers genommen, daß durchschnittlich 50 fchwere Sturm- geprüften Friesenvolke in der Weise aufräumen, wie in früheren fluten im Jahrhundert über die Nordsee hereinbrechen. Jahrhunderten. Ja noch mehr: Die Landgewinnungsarbeiten, die Von den oben erwähnten 323 Sturmfluten ist die weitaus größte seit einiger Zeit an den friesischen Küsten begonnen worden sind, Anzahl auf die Monate Oktober bis März gefallen, wobei der No- erobern langsam, Schritt für Schritt, Terrain zurück, das das bember mit 53 an erster und der Januar mit 41 an zweiter Stelle Meer verschlungen hat. Vielleicht gelangen wir wirklich so weit, stehen. Das Minimum der Sturmfluten weisen die Monate April daß wir das verschwundene Rungholt auf derselben Stelle, wo das bis September auf, und davon tamen auf den letteren Monat 14 alte gestanden, wieder erstehen sehen; die Sage fündet, daß dereinst, als höchste und auf den Juni 3 als geringste Zahl. Bei 90 von wenn die lange Bußzeit vorüber, Rungholt wieder erstehen wird in diesen 323 Fluten fonnte ein genaueres Datum nicht festgestellt alter Pracht und Herrlichkeit. perden, zumal sie der Hauptsache nach in die Zeit vor 1200 fielen. Bei 76 diefer 323 Sturmfluten ließ sich die Windrichtung ermitteln; der weitaus größte Teil, allein 52, wurde durch Nordweststürme hervorgerufen. Diese Sturmfluten sind eine wahre Geißel der Nord­seeküstenländer. Am schlimmsten wüteten sie, wenn dem Nordwest­oder Westwinde Südwind vorangegangen war. Denn dieser Süd­wind wirft gewaltige Waffermengen durch den Kanal in die Nordsee . Ist diese nun zum Ueberlaufen" voll und dreht dann der Wind nach West oder Nordwest, so ist die Folge, daß die ungeheueren Wasser­mengen mit großer Wucht an die Küste geworfen werden, und dann werden Wasserstandhöhen von 4-5 Meter über der höchsten Höhe einer normalen Flut erreicht.

Kleines feuilleton.

Anatomisches.

Die Verpflanzung bon menschlichen Organen. Der junge französische Gelehrte Profeffor Carret, der in Amerika lebt, ist bekanntlich in diesem Jahre für feine aufsehenerregenden Experimente mit dem Nobelpreis gekrönt worden. Carrel, der die Welchen Schaden diese Fluten angerichtet haben, ist gar nicht Methoden der Verpflanzung menschlicher und tierischer Organe zu auszumalen. Viele Hunderttausende von Menschen sind dabei er- einer ganz neuen Vollendung gebracht hat, hielt fürzlich bei seinem trunken! Was sonst an materiellen Werten vernichtet wurde, ist Aufenthalt in Stockholm in der Schwedischen Akademie der Wissens niemals abzuschäßen, da die Verluste ans Fabelhafte grenzen. Die schaften einen zusammenfassenden Vortrag über seine Arbeiten. Er hob erste datierte Flut ist die vom 26. Dezember 838; fie brachte in zunächst hervor, daß es früher nicht möglich gewesen sei, Drgane Friesland 2437 Menschen den Tod. Infolge dieser Flut sollen sich zu überpflanzen. Es fehlte nämlich eine Methode, durch die es bie Rheinmündungen geändert haben. Die Julianenflut vom gelungen wäre, in den neubereinigten Blutgefäßen die Birku 16. Februar 1164 muß an der gesamten Nordseeküste furchtbares lation hervorzurufen. Nun hat Carrel die richtige Methode Unheil angerichtet haben; sie hat einige westfriesische Inseln vom festgestellt: Man näht nun die Blutgefäße mit Silber Festlande getrennt und die Zuydersee erheblich vergrößert. Die fäden und einer äußerst feinen Nadel aneinander. Auch auf dem größte Flut nach der Sündflut" nennt der nordfriesische Chronist Gebiet der Verpflanzung innerer Organe hat Carrel bedeutsame die Flut vom Jahre 1204( vielleicht identisch mit der vom 17. No- Erfolge erzielt. Besonders interessant sind die Tierversuche, die er bember 1218, die wahrscheinlich den Jadebusen gebildet hat). Für zum Studium der Nierenübertragung angestellt hat. So entfernte Dieses( 13.) Jahrhundert werden Menschenverluste bis zu 400 000 an- er aus dem Körper eines Hundes beide Nieren, dann fezte er die gegeben. Die Fluten von 1277 schufen wahrscheinlich die Anfänge eine wieder ein und gesellte ihr die Niere eines anderen Hundes zu. Des Dollartbufens. Eine der schlimmsten Fluten war die Mar- Man kann sich denken, daß solche Verpflanzungen nur unter den Bellusflut vom 16. Januar 1362. Sie traf mehr die schleswig - größten Schwierigkeiten und mit Anwendung peinlichster Vorsicht holsteinische als die ostfriesische Küste. An ersterer wurden nördlich durchführbar find. Besonders wichtig ist es dabei, Individuen zu Der Eider 47 Kirchen fortgerissen, und die ganze Stadt Bung finden, deren Körperbau fich so ähnlich wie nur möglich sein muß. holt, eine der wohlhabendsten Ortschaften der Insel Strand, ward Handelt es sich doch darum, daß ein Organ des einen Wesens sich in ein Raub er Fluten. das System des anderen einfühlen" soll.

Wir können hier nicht die Fluten sämtlich aufzählen; nur noch Dann tam Prof. Carrel auf das Problem der Blutübertragung einige der bemerkenswertesten mögen Erwähnung finden. Die von einer Person auf eine andere zu sprechen. Es ist dies ein höchst Cäcilienflut vom 22. November 1413 folfte den Dollart aus fomplizierter Vorgang, bei dem das Blut zunächst desinfiziert werden und richtete an der Elbe großen Schaden an. Aber eine der größten muß. Dann wird ein Teil des betreffenden Blutgefäßes von der Sturmfluten war die Elisabethflut- die Namen sind immer Birkulation abgesperrt, und man führt eine fleine Tube in die Die der betreffenden Kalenderheiligen bom 19. November 1421, Arterie ein, die das Blut liefern soll. Nach der Operation die besonders im Rheindelta wütete, dort 72 Dörfer verschlang und wird dann dem Blute wieder freier Zutritt zu der Arterie 100 000 Menschen den Tod brachte. Im 16. Jahrhundert waren es gestattet. Es ist Carrel gelungen, aus dem menschlichen Körper bie Cosmas- und Daariansflut vom 27. September 1509 entfernte Organe noch längere Zeit am Leben zu erhalten. So and die Antoniflut vom 17. Januar 1511, die den Jadebusen hat er ein Stück Menschenhaut durch sorgfältige Berwahrung bei fehr erweiterten, und furchtbar war insbesondere wieder die niedriger Temperatur sechs Wochen lang fonservieren fönnen. Selbst Allerheiligen flut, die mitten in dunkler Nacht am 5. und ein ganzes Drgansystem hat er einmal eine Zeitlang außerhalb des 6. November 1570 über die Nordseeküste hereinbrach. Sie soll an zugehörigen Körpers am Leben erhalten. Es handelte sich da um 100 000 Menschenleben dahingerafft haben, 41 000 davon in Ost- Die Eingeweide einer Staße, die man in eine Stifte gelegt hatte und friesland. Daher der friesische Spruch: Allerheiligen Dag Fresland in denen man künstliche Atmung unterhielt. Während der ersten wohl beklagen mag!" Mit schweren Fluten begann das 17. Jahr- zwölf Stunden arbeitete das Herz noch vollständig normal. Diese Hundert. Der 1. Dezember 1615 und der 26. Februar 1625, die letzteren Versuche sind von besonderer Wichtigkeit; denn es müssen astnachtsflut, sind, so schreibt Haas, Trauertage für die stets Drgane jeder Art zur Verfügung stehen, wenn man an einem gesamte Nordseeküste von der Maas bis Jütland gewesen, besonders Kranken noch rechtzeitig eine Ueberpflanzung vornehmen will. Berantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Drud u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW

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