merkbar. Selbst wenn jetzt, so wird geklagt, einmal Arbeit da ist, so fehlt es an Arbeitern, nämlich an tüchtigen Arbeitern, wie man sie früher gehabt. Ein Theil des alten Stammes ist ganz und gar dahin; die übrigen sind durch die jahrelange Pause außer Gewohnheit gekommen und es bedarf immer erst einiger Zeit, ehe sie sich wieder eingearbeitet haben und in allen Be- Ziehungen das leisten, was sie früher geleistet haben und man von ihnen, um den eingegangenen Lieferungsbedingungen genügen zu können, erwartet; junge Kräfte endlich stehen eigentlich gar nicht zu Gebote, da es in Folge des Mangels an Beschäftigung eben auch an Gelegenheit fehlte, dieselben anzulernen und aus- zulernen. Dieje Klage mag wohl nicht ganz ungerechtfertigt fein; ein Vorwurf gegen die Arbeiter läßt sich natürlich daraus nicht ableiten, wie es ja auch anerkannt wird, daß die geringere Leistungsfähigkeit wesentlich eine Folge des langen, von den Ar- Leitern nicht verschuldeten Brachliegens ist." Der Verfasser hat ganz recht. Aus der Notiz aber geht zur Evidenz die Nothwendigkeit hervor, daß die Arbeiter sich auch vom heutigen Staate schon das Recht auf Arbeit erkämpfen müssen, wenn sie nicht nach und nach verkommen wollen. Der Anfang dieses Kampfes aber ist die Erringung eines Normal- arbeitstages von nicht zu hoher Dauer. Die Uhrmacher- und Goldarbeiterbranche in der Schweiz befindet sich in einer Krise, die schon längere Zeit an- dauert und bereits Tausende von Arbeitern auf das Pflaster ge- warfen hat. Nach derTagwacht" hat ein Theil der Arbeits- losen im Kanton Genf bei Erdarbeiten Beschäftigung erhalten, und wurden denselben als Staatsarbeitern erst Fr. 2,60, dann Fr. 2,80 und schließlich 3 Fr. pro Tag gezahlt. Kürzlich nun erklärte der Berichterstatter über das Staatsbauwesen im Großen Ruthe, die Tagesarbeit dieser Erdarbeiter sei keine 3 Fr. werth. Die Arbeiter protestirten und verlangten die Arbeit zu den glei- chen Accordpreisen zu machen, die man an Privatunternehmer zahlt. Als dies gewährt wurde, kamen sich die Arbeiter auf Fr. 5,60 per Tag zu stehen, worauf nach 14 Tagen die Accord- arbeit wieder abgestellt und die Arbeiter mit den vorherigen 3 Fr. Taglohn wieder abgefunden wurden. Man sieht aus den angeführten Thatsachen, daß der heutige Staat, daß die Bour- geoisie ob republikanisch, ob monarchistisch ohne die Ausbeu- tung der Arbeiterklasse nicht zu existiren vermögen. Osman Pascha und seine Heldenarmee haben selbst den erbittertsten Feinden Bewunderung abgezwungen. Von den thea- tralischen Ovationen der Russen sprechen wir hier nicht. Aber auch die deutschen Russomanen, die bekanntlich russischer sind als die Russen, können sich dem überwältigenden Eindruck nicht ent- ziehen. DieProvinzial- Correspondenz" und das preußische Militär-Wochenblatt" zollendemLöwen von Plewna" das höchste Lob, und dieMagdeburgische Zeitung" begleitet den Artikel des letzteren Blattes mit folgenden Bemerkungen: Die vorliegenden offiziellen russischen Berichte über die den Russen bei Plewna in die Hände gefallenen Gefangenen und Trophäen bestätigen in glänzender Weise das imMilitär- Wochcnblatte" den Leistungen Osman Pascha's von befugter Hand gezollte Lob. Nach diesen amtlichen Meldungen hat die gesammte Artillerie der Türken, mit welcher sie Plewna und die die um diesen Ort aufgeführten Werke fast fünf Monate hin- durch vertheidigten, nur 77 Geschütze betragen, während die Zahl der Kämpfenden, welche am 10. Dezember nach Helden- müthigem Widerstande die Waffen streckten, 33,000 nur wenig überstieg. Mit dieser geringfügigen Streitmacht hatte Osman Pascha einem Heer, welches in den letzten 6 Wochen mindestens 120,000 Mann mit 500 Geschützen zählte, einen so Respekt ein- flößenden Widerstand geleistet, daß es seine Bezwingung dem Hunger und der Kälte überlassen mußte. Zugleich geht aber aus den jetzigen russischen Meldungen hervor, daß Osman Pascha zu keiner Zeit, vielleicht mit alleiniger Ausnahme des ersten am 20. Juli stattgefundenen Kampfes, seinen Gegnern auch nur an- nähernd an Zahl gewachsen war. Alles in allem haben jetzt 60 türkische Bataillone die Waffen gestreckt. Die normale Kriegs­stärke eines türkischen Bataillons ist 780 Mann, so daß diese 60 Bataillone, selbst wenn sie sämmtlich vollzählig gewesen wären, kaum 46,000 Mann geliefert haben würden. In Wirklich- keit aber waren die Bataillone des Corps, mit welchen Osman Pascha von Widdin aus den Marsch antrat, schon durch den Feldzug gegen Serbien stark gelichtet; außerdem aber ist bekannt, baß ein großer Theil der Truppenmacht, mit welcher er schließlich Plewna vertheidigte, erst nach und nach von Sofia aus rhm zur Verstärkung zugeführt worden ist, und so stellt sich jetzt heraus, daß der türkische Befehlshaber von Plewna zu Anfang wohl kaum über mehr als 25.000 Mann, zu keiner Zeit später aber über mehr als 40,000 Mann verfügt haben kann, während er ständige, für das Beste der Nation begeisterte Männer in Deutsch - land ihre Preßvergehen, was man so nennt, mit Straflittel, schweren Schuhen und geschorenem Bart büßen. Eine Einschränkung, welche auch in Deutschland herrscht, ist diejenige, daß der Briefwechsel der Gefangenen überwacht wird. Man lese die Briefe nicht, sagten sie, sondern stelle sie ihnen nur aufgeschnitten zu, aber das Recht der Durchsicht ist unbestritten. Wie rein bureaukratisch dieser Schutz gegen Verschwörung und wie wirkungslos er ist, wird klar, wenn wir uns erinnern, daß Verwandte und Freunde ohne Gegenwart des Wärters oder Di- rektors mit dem Gefangenen verkehren dürfen. Wenn ich nun schließlich verrathe, daß nicht alle Redakteure, die sich jn Sainte- P-lagie befinden, Berufsjournalisten sind, sondern daß auch manche zu jener Klasse gehören, welche der Witz in Deutschland Sitz-Redakteure genannt hat!? Man küm- mert sich in Frankreich nicht darum, ob die als verantwortlich zeichnende Person ein Fachmann oder irgend ein anderer Bürger, ein beliebiger Parteigenosse des verfolgten Blattes sei. Einer der Gefangenen von Sainte-Pelagie hat sich zu seiner Unter- Haltung Bretter kommen lassen und den Hobel, den er sonst führt. Es mag hier ununteriucht bleiben, ob die Zeichnung des Blattes durch nicht publizistisch befähigte Männer statthaft sein soll oder nicht; constatirt muß aber werden, daß in dem fran- zösischen Staat-gefängniß der Mangel dieser Qualität oder der Verdacht des Mangels Niemandem während der Gefangenschaft eine üblere Lage berettet. Das Gefängniß Sainte-Pelagie theilt mit den deutschen Ge- fängnissen die Eigenschaft, daß es von politischen Strafge- fangenen selten leer wird, wenn auch die Kategorien der Ver- gehen hüben und drüben nicht gerade dieselben sind, ein Blick auf die gemachten thatsächlichen Angaben beweist jedoch zur Genüge, eine wie viel humanere Behandlung in der fran- zösischen Anstalt üblich ist. Und nicht nur daß sie geübt wird, müssen wir bei diesem Vergleiche lobend anerkennen, sondern daß sie, dem Belieben der Beamten entzogen, nach den Gesetzen, welche die reakttonärsten Regierungen nicht zu verschärfen gewagt haben, geübt werden muß. am 31. Juli von 30 000, am 11. September von 63,000 Mann, die er blusig zurückschlug, angegriffen wurde, während ihn in den letzten Monaten weit über 100,000 Mann umschlossen hielten. Die Erkenntniß dieser militärischen Leistung ersten Ranges erklärt denn ivohl auch die sonst auffallende, förmlich bewundernde Art und Weise, in welcher die offiziellen russischen Bulletins von Osman Pascha und seinem Heere sprechen, und die auch in dem Eingangs mitgetheilten Artikel desMilitär- Wochenblattes" zum Ausdruck gelangt." Nach dem neuesten Berichte kapitulirte Osman Pascha mit nur 27,000 kampffähigen Soldaten. Trotz dieser geringen Trup- penzahl wäre der Durchbruchsversuch nach dem Urtheil des Times"- Correspondenten wahrscheinlich gelungen, wenn die Russen nicht Tags zuvor durch Spione von den Bewegungen der Türken unterrichtet worden wären. Der obenerwähnte Artikel desMilitär-Wochenblatts" schließt mit einer Lobhymne auf die Russen:Die Gefangennahme der tapfern Arme Osman Paschas, die Erstürmung von Kars , das Festhalten des Schipkapasses find Waffenthaten, welche die frühe- ren Unglücksfälle dieses Feldzuges in den Hintergrund drängen ja fast vergessen machen, und den alten Kriegsruhm des russischen Heeres wieder hell erglänzen lassen." Das ist stark übertrieben. Die Bezwingung von Plewna hat nichts weniger als einen heroischen Charakter; Kars wurde gekauft bleibt also von den drei militärischen Großthaten die Vertheidigung des Schipkapasses übrig. Und diese eine That hält doch nach keiner Richtung hin den Vergleich mit der Vertheidigung von Plewna aus. Vom Kriegsschauplatze ist nur zu melden, daß die Folgen des Falls von Plewna sich nach allen Richtungen hin fühlbar machen. Die Türken mußten das neulich den Russen abgenommene militärisch sehr wichtige Elena freiwillig aufgeben, und auch auf anderen Punkten sich zurückziehen. Ferner haben die Serben endlich den Krieg an die Pforte erklärt. Das türkische Vermittlungsgesuch ist der russischen Diplomatie offenbar sehr ungelegen gekommen, wie aus der Haltung der Rubelpresse deutlich erhellt. Ihre Hoffnung, es werde von den Garantiemächten»ans faoon in den Papierkorb geworfen werden, hat sich nicht erfüllt. Vorigen Sonnabend wurde in Berlin Genosse Lossau wegen eines Artikels der Rundschau in einer Nummer der Berliner Freien Presse" vom September d. I. zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt. Der Artikel hatte eine Beschwerde des in Trier inhaftirten Hackenberger gegen die dortige Gefängniß- Verwaltung wiedergegeben, in welcher eine Beleidigung des Ge- fängnißdirektors gefunden wurde. Die Zeugenvernehmung Hackenberger's wurde abgelehnt. Am selben Tage wurde daselbst Genosse Grimpe in zweiter Instanz von der Anklage auf Haus- friedensbruch, welchen er in einer fortschrittlichen Versammlung verübt haben sollte, freigesprochen. Wir erhalten folgende Zuschrift:München , 15. Dez. 1877. Geehrte Redaktion! Ich lese in Nr. 143 desVor- wärts" folgende Stelle:Es fällt uns da ein Wort des be- kannten Pfarrers, Land- und Reichstagsabgeordneten Wester- meyer über denPfaffen Döllingerius" ein, als dieser, des neuangefertigten Dogmas der unbefleckten Empfängniß der Maria wegen dem unfehlbaren Papst den Rücken kehrte und die unglücklichste aller politischen Gründungen, den Altkatholicismus verübte:Hat der Kerl schon so viel Blödsinn hinuntergewürgt, da hätte er wahrhaftig auch diese Kleinigkeit noch mitschlucken können." Ich erkläre hiermit, daß ich eine derartige Aeußerung nie gemacht habe, und da ich ein gläubiger Priester bin, sie auch nicht machen konnte. Ich bitte, diese thatsächliche Berichtigung unter Bezugnahme auf das Preßgesetz gefälligst aufzunehmen. Hochachtungsvollst Dr. Westermayer, Stadtpfarrer und z. Z. Reich-tagsabgeordneter." Die Bezugnahme auf das Preßgesetz war sehr überflüssig. Jn einer privaten Nachschrift bemerkt Dr. Westermeyer: Obige Aeußerung wird einem Andern, der selber Nichts glaubt, in den Mund gelegt; aber ich kann schon aus Achtung gegen meinen ehemaligen Lehrer Döllinger diesen keinenKerl" nennen." Nun das wäre kein Grund. Uns wurde Dr. Westermeyer als Urheber diesesgeflügelten Wortes" genannt, dessen er sich wahrhaftig nicht zu schämen hätte. So war's alsoein An- derer." Aus Großbritannien . (Schluß.) Liest man dergleichen und noch stärkere Sprache; sieht man in den Blättern Controversen geführt über diesen Gegenstand unter dem Titel:ITorei�n labour and foreign cattle"Aus­ländische Arbeit und ausländisches Vieh"); sieht man, wie trotz alledem die Herren Deutschen den Platz nicht räumen, sondern im Bewußtsein der Rolle, die sie spielen, sich in den Bauplätzen gefangen halten und abfüttern lassen, blos damit sie mit den Strikenden nicht in Berührung kommen; erfährt man, daß 35 Söhne des Denkervoltes sogar auf eigene Kosten herüberkamen, um die Plätze der strikenden englischen Klassen-Genossen einzu- nehmen, und daß noch mehr solcher Helden auf dem Wege sind; hört man auf der einen Seite die Ausbrüche gerechten Unwillens und auf der anderen die Bourgeois-Complimente über die fleißigen und genügsamen" deutschen Arbeiter: dann überkommt Einen trotz allerVaterlandslosigkeit" ein Gefühl der Scham und man kann sich der Erinnerung nicht erwehren an die leider nur zu trefflichen Verse desNeuen Wintermärchen": Das ist von Bedienten die alte Schaar, Mit dem Rücken, bestimmt zum Gerben," ec. deren Verlegung in ein Coups zweiter Klasse(in der zweiten Auflage) als ein schwerer Jrrthum sich erweist. Zum Ueberflusse arbeiten diese Bedientenseelen auch noch regelmäßig Ueberzeit. Aus einem die Blätter durchlaufenden Bulletin über das Stadium des Strikes ist nämlich zu ersehen, daß von den nun an den Law-Courts beschäftigten Steinhauern während der letzten Woche die Engländer 47, die Ameri- kaner 51(z und die Deutschen 64 Stunden gearbeitet haben!! Das ist eine Kulturgeschichte in drei Zeilen, die Bände spricht. 64 Stunden pro Woche Steine zu hauen und noch dazu zur Winterszeit! Im Sommer würden sich diese Lohnknechte schwerlich zu Bette legen, nur um so viel wie möglich Geld zu machen aus der herrlichen Gelegenheit! Die strikenden Londoner Steinhauer geben sich jedoch noch nicht geschlagen, trotzdem schon 203 Ausländer in den Law-Courts arbeiten, und die Herren Arbeitgeber versichern, mehrHände" bekommen zu können, als sie für den Augenblick benöthigen. Angesichts des wichtigen Präcedenzfalles fließen die Unterstützungen reichlich und es gelangen wöchentlich zwischen 6800 Pfd. St. an das Strike-Comitö. Die Mitglieder des communistischen deutschen Arbeitervereins in London thun ihr Möglichstes, um die Strikenden in der Sache zu unterstützen und ihre Landsleute, so weit sie ihnen beikommen können, zum Aufgeben der schmählichen Rolle zu bewegen. Anderseits hat das Vorgehen der Herren Baumeister Nutzen gestiftet. Die englischen Arbeiter fangen an, einzusehen, daß ihre vaterländischen Verbindungen dem kosmopolitischen Kapitale nicht gewachsen sind; daß es nicht angeht, sich länger mit der chinesi- schen Mauer des nationalen Dünkels zu umzirkeln; daß hinter den Bergen auch noch Leute wohnen, deren Interesse mit dem ihrigen identisch ist und mit denen sie daher Fühlung suchen müssen. Es haben bereits einige Versammlungen stattgefunden mit dem Zwecke, eine universellere Verbindung der Arbeiterklasse zu er- streben, als sie bisher in diesem Lande Mode war. Nebst den Delegirten der Trades Unions nahmen an diesen Versamm- lungen Delegirte des communistischen Arbeitervereins und des sozialdemokrasischen Clubs Theil. Freilich wollen die Engländer von einer politischen Ver- bindung nichts wissen. Die Organisation soll einen rein gewerk- schaftlichen Charakter tragen; allein der Verkehr mit ausländi- schen Sozialisten wird den Engländern immerhin gut thun, und wenn auch nicht mit dem ersten Anlauf, so wird doch nach und nach eine sozialistische Bewegung ins Rollen kommen. Ein gutes Vorzeichen dafür ist, daß dieJndustrial Review", die den Zustand der sozialpolisischen Atmosphäre eher zu lang- sam, als zu schnell rapportirt, die betreffenden Versammlungen ad notam nimmt und sogar dem Aufrufe des Secretärs der General-Union der sozialistischen Partei", van Beveren, ihre Spalten öffnet. Daß die Herren Leiter dieser Zeitung übri- gens ganz wohl wissen, worin die soziale Frage besteht, erhellt aus folgenden Schlußzeilen einesLeaders" der jüngsten Zeit: ...Die arbeitenden Klassen Englands werden es nicht für immer bei dem Kampfe um das trockne Brod ungewiß und knauserig ausgetheilt bewenden lassen. Sie wissen, daß sie als fleißige und bereitwillige Arbeiter zu mehr berechtigt sind: zu einem besseren und höheren Leben, als sich mit ihrer Lage verträgt, und wenn sie nicht großmüthig und weise be- handelt werden, dürften sie ihre gewohnte Selbstbeherrschung aufgeben und sich ein solches Leben mit Gewalt zu ertrotzen suchen." Die zwei zuletzt erfolgten Schiedsrichtersprüche in der Strike- angelegenheit der Schrauben- und Muttermacher durch Herrn Chamberlain und in der Aussperrungs- Angelegenheit der Schiffszimmerer an dem Clyde durch Lord Moncriff, welche beide den Arbeitgebern Recht gaben und die Lohn- reduktionen billigten, haben auch nicht dazu beigetragen, das Vertrauen der Arbeiter in die soziale Harmonielehre des Libe- ralismus zu erhöhen. Jn beiden Fällen zeigen die Arbeiter nicht üble Lust, gegen den Spruch zu revoltiren. Es hindert sie daran blos ihre durch 8, resp. 6Vs monatlichen Kampf er- klärliche momentane Erschöpfung. Sobald sie sich wieder erholt, werden sie zweifellos den Kampf von Neuem beginnen in der alten Weise. Bon den nördlichen Eisendisttikten kommen die trübsten Nach- richten über den Nothstand unter den aufkurze Zeit" oder ganz außer Arbeit gesetztenHänden". So zwar, daß der Mayor*) von Darlington sich bereits zur Einleitung einer öffent- lichen Subscription veranlaßt gesehen hat. Den Northumber- land Kohlengräbern ist neuerdings von den Arbeitgebern eine 12Vsprozentige Lohnreduktion angekündigt worden. Die Arbeiter verlangen ein Schiedsgericht, was die Herren rundweg abschlagen, da sie der Gerechtigkeit ihrer Sache so sicher find. Sie wissen nämlich, daß die Arbeiter mit ihrer geschwächten Organisation an Widerstand kaum denken können. Während im ökonomischen Kampfe Tausende von Pfunden leichten und freudigen Herzens hingegeben werden, zeigt der SheffielderSocialist " in seiner Dezember-Nummer an, daß, wenn nicht vor Weihnachteil sich eine helfende Hand findet, das Blatt zu erscheinen aufhören muß. Das einzige radikal-soziali- stische Blatt, daß im kleinstmöglichen Format monatlich erscheint, kann sich nicht halten. Der Herausgeber sagt, daß er mit 175 bis 200 Pfunden ein anständiges Wochenblatt herstellen kann, das im ersten Jahre 5000 und im zweiten Jahre 10,000 Abon- nenten zählen würde. Ein Wochenblatt, daß sich auf die Dis- kussion des praktischen Lebens einlassen könnte, würde jedenfalls mehr Anklang finden. Besonders in Sheffield und Birmingham . Ob aber das nöthige Kapital sich finden wird, ist sehr zweifel- Haft.- Das letzte entsetzliche Grubenunglück in High-Blantyre hat, wie sich nun durch die Untersuchung herausstellt, wieder in Ver- nachlässigung der nöthigen Vorsichtsmaßregeln durch die Unter- nehmer seinen Ursprung gehabt. Man hatte trotz einer kleinen Explosion(die blos einen Mann getödtet und die man ver- schwiegen hielt), die das Lorhandeusein von Gasen anzeigte, Sprengungen fortgesetzt und die Leute mit offenen Lichtern ar- betten lassen! Ob Herr Macdonald(ttts miners' owu M. P.- Der Bergarbeiter eigener SpezialVertreter im Parlament) wohl den Math haben wird, die Bestrafung der Schuldigen als Todtschläger zu verlangen? Lord Hartington, der nominelle Führer der Liberalen, hat jüngst auf einer Erholungsreise nach Ichottland auch in Glasgow und Edinburgh Reden geredet. Was die Liberalen thun würden, wenn sie wieder ans Ruder kämen, sagte er nicht, weil er es selbst nicht wußte. Er bemerkte, daß er nicht gekommen sei, um etwas zu sagen, sondern um etwas zu hören. Zu diesem Ge- ständniß brauchte er in Glasgow fünfviertel, in Edinburgh an- derthalb Stunden. Die schottischen Liberalen sind d arüber wohl nicht sehr erbaut, trösten sich aber damit, daß seine Rede sehr staatsmännisch" war. Wohl bekommt's! A. Sch. CorrespondenzeNc sda. Wien . Die Unverschämtheit unseres Klassenstaates hat sich wohl noch selten in so frecher Weise kundgegeben, als es dieser Tage mit Bezug auf den adeligen Mörder Tourville geschah. Dieser noble Bursche wurde bekanntlich des Meuchel- mords an seiner Frau, veranlaßt aus der G:er nach deren Ver- mögen, überwiesen und vom Schwurgerichte zum Tode verur- theilt. Andere, minder blaublütige Mmchelmörder wären länzit gehenkt worden, der Todesurtheile wurden ja in Oesterreich in letzter Zeit genug vollzogen und auf Einen mehr oder weniger wäre es nicht angekommen. Aber de Tourville gehörte zur bign life, zurfeinen Welt", da durfte man sich einer solchen Bru- talität doch nicht schuldig machen die finsteren Zeiten, wo man es gewagt hatte, auch einem hochadeligen Verbrecher den Garaus zu machen, sind ja glücklicherweise vorüber. Genug, ) Sprich Mähr: Bürgermeister.