Verlag; Karlsbad , HausGraphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Dos braune(Miaftsthoos Die Wahrheit über den wirtschaftlichen Zustand Hitlerdeutschlands Kr. 126 SOKKTAG, 1«. Kot.<935 ötodjenbla# Aus den) Inhalt; Baut Hitler Selbstmörderschiffe? Göbbels auf Röhms Spuren Gnade für Frauenmörder Reichsbischof und Gestapo stungsindustrien die einzige Konsumindu­strie, die die Nationalsozialisten zum Blü­hen bringen. Kdhledite Ernte in Sidit Die»vorübergehende Erscheinung« ist umso beunruhigender, als die Ernte- aussichten trotz aller Erzeugungs­schlachten recht trübe sind. Das gilt na- menUich für Futtermittel. Futterroggen«, heißt es in dem letzten Marktbericht wie­derum, war»fast nicht am Markt«.»Fut­tergerste und Futterhafer war kaum zu haben.« Aber damit nicht genug. Die Aus­sichten für die Spätkartoffelernte sind schlecht Anfang Oktober wurde die Ernte nur auf 28.23 Millionen Tonnen geschätzt, womit sie um 6.20 Millionen Tonnen hin­ter der Vorjahrsernte und um 3.71 Millionen Tonnen hinter dem Durchschnitt der sechs Jahre 1929 1934 zurückblieb. Auch die Zuckerrübenernte wird nur auf 9.85 Millionen Tonnen veran­schlagt gegenüber 10.39 Millionen Tonnen im Jahre 1934 und 10.65 Millionen Tonnen im sechsjährigen Durchschnitt. Da auch der Zuckergehalt der Rüben geringer als im Vorjahre ist, wird die Gesamterzeugung an Zucker nur auf 15.96 Millionen Zentner, d. h. um 5.2 Prozent niedriger als die 16.83 Millionen Zentner im Vorjahre, ge­schätzt. Die Gesamternte an Runkelrüben bleibt mit 30(im Vorjahr 33.80) Millionen Tonnen ebenfalls hinter den Vorjahrszif­fern zurück. Die Heuernte wird mit 35.11(im Vorjahr 26.43) Millionen Ton­nen erheblich höher geschätzt, allerdings übertrifft sie nur wenig die 33.60 Millionen Tonnen des Sechsjahresdurchschnitts. Was die Gemüsekulturen anbetrifft, so werden die Aussichten letzthin günstiger beurteilt. Recht wenig erfreulich sind die Ernteverhältnisse bei Obst. Die Ernte an Kernobst bleibt sehr bedeutend hinter dem großen Ergebnis des Vorjahres und dem Durchschnitt der letzten Jahre zurück. Für Kirschen kann sogar von einer ausgesprochenen Mißernte gesprochen werden, wurden doch nur 844.000 Zentner Süßkirschen und 916.000 Sauerkirschen geerntet gegenüber 2.85 Millionen bezw. 1.51 Millionen Zentner im Vorjahre. Depression der KonsumgUterindusirle Der Lebensanittelmangel, der im Laufe Gnade für Franenmörder Die»vorübergehende Erscheinung« geht nicht vorüber: die Fleisch- und Butterknappheit nimmt zu. In Ber­ lin , schreibt der»Econoraist«, werden die Schlangen immer länger und müssen im­mer länger warten. Schweinefleisch und Butter sind kaum noch erhältlich. Nach ein- und zweistündigem Anstehen auf den Straßen erhält der Käufer% oder'/» Pfund Butter und oft überhaupt nichts. Schwarze Börsen« verschiedener Art sind nach dem früheren Vorbild Rußlands ent­standen. Die offiziellen Festpreise werden im allgemeinen eingehalten, aber es wird nur an solche Kunden verkauft, die zu­gleich auch andere Waren ohne Festpreise weit über dem üblichen Marktpreis ab­nehmen. Wirksame Maßnahmen gegen die Le­bensmittelknappheit will die Diktatur nicht treffen. Die unerläßliche Steigerung der Einfuhr von Futtermitteln, Fetten und Schweinen läßt sie in nur ganz unaus­reichendem Maße zu. Sie hält die Devisen für die Sicherstellung der Ernährung zurück, weil sie für ihren Krieg rüsten will. Sie sucht den Hunger durch ihre Pro­paganda zu übertäuben. Schacht, Selbst­versorger aus seinem Gut in der Mark, höhnt die Arbeiterfrauen, die eine Stunde auf Butter, aber keine Minute auf die Er­ringimg der»Freiheit« warten wollen. Das Reichsgesundheitsamt, das sich schon im letzten Krieg durch seine lügenhafte Pro­paganda für die Gesundheit fördernde Kohlrüben um jedes Ansehen gebracht hat, macht jetzt den Wirtschaftsliberalis­mus(!) für die Fettnot verantwortlich und erklärt Medizin und Liberalismus für un­versöhnliche Feinde... Da die herrschende Bande selbst ange­sichts der wachsenden Not die Aufrüstung nicht verlangsamen will, muß sie sich dar­auf beschränken, wenigstens eine gleich­mäßige Verteilung der ungenügenden But­termengen zu erreichen. Die Molkereien und Großverteiler dürfen ihre Abnehmer nur im gleichen Verhältnis wie im August beliefern. Butterlieferungen an Abnehmer, die im August nichts erhalten haben, sind untersagt. Die Versendung der Molkereien und Großverteiler in Postpaketen, zu denen jetzt viele städtische Familien ihre Zu­flucht zu nehmen versuchten, ist auf 5 0 Prozent der Augustmengen einge­schränkt worden. Die erst vor kurzem ein­geführte zehnprozentige Ablieferung der Produzenten an die Reichsmilchstelle zur Schaffung einer zentralen Butterreserve ist mit sofortiger Wirkung eingestellt worden. Läßt sich aber die Gleichmäßigkeit er­zielen ohne Einführung der But­terkarten, denen bald die Fleisch- und Eierkarten, nachfolgen müßten? Aber die Einführung der Karten wäre das offizielle, nicht mehr abzuleugnende Einge­ständnis des völligen Zusam­menbruchs der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik. Deshalb ist diese vom Handel bereits geforderte Einführung von der Regierung abgelehnt worden. Aber inoffiziell ist die Butterkarte da. Die Ge­schäfte geben an ihre Stammkunden ge­stempelte Karten aus, die zum Bezüge eines Viertel- oder Achtelpfundes Butter berechtigen. Die Armen aber können sehen, wo sie bleiben. Denn für sie gibt es weder die teuere Butter noch die»billige« Mar­garine- sie sind bereits auf die Kriegs­marmelade gekommen, neben den- Es gibt in Deutschland eine Kategorie von Mördern, die von Hitler grundsätzlich begnadigt wird. EssindFrauenmör- d e r. Verurteilte Mörder werden in Hitler­deutschland ohne Gnade geköpft ganz abgesehen von den politischen Feinden des Systems, die erbarmungslos abgeschlachtet worden sind. Aber Frauenmörder werden begnadigt. Zwei neue Fälle bestätigen das System: Deutsches Nachrichtenbüro vom 29. Okto­ber: Der Führer und Reichskanzler hat den wegen Mordes an der ledigen Emma Ernst vom Schwurgericht in GIo- gau zum Tode verurteilten Otto Titze aus Sprottau zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Der Gnadenerweis ist ergan­gen, well Titze, der bis dahin unbestraft war und sich des besten Leumunds erfreute, den Entschluß zur Tat in jugendlicher Un­reife und Verzweiflung gefaßt und die Tat unter dem schlechten Einfluß eines anderen begangen hat. Deutsches Nachrichtenbüro vom 30. Okto­ber: Die Justizpressestelle teilt mit: Der Führer und Reichskanzler hat den wegen Mordes an der ledigen Frieda Stein vom Schwurgericht in Glogau zum Tode verurteilten Franz Poczatek aus Sed- schin zu lebenslänglichem Zuchthaus begna­digt. Der Gnadenerweis ist ergangen, weil Poczatek, der bis dahin unbestraft war und sich eines guten Rufes erfreute, den Ent­schluß zur Tat in verzweifelter Stimmung gefaßt hat. Die gleichlautende Begründung zu bei­den Begnadigungen gibt zu denken. Ge­hört es zu den Besonderheiten der braunen Jugend, in»verzweifelter Stimmung« Mäd­chen zu ermorden, deren sie überdrüssig geworden ist? Auf welchen Erwägungen oder Gefühls­momenten beruht dies System der Begna­digung von Frauenmördern? Es liegt nun­mehr der achte und neunte Fall vor. Man könnte glauben, daß im allgemeinen Af- foktverbrechen müder beurteilt werden sollen. Dem steht die eine Tatsache ent­gegen, daß nur Frauenmörder begnadigt werden, und die andere Tatsache, daß es sich bei den Fällen, in denen Hitler be­gnadigt hat, nicht um Affektverbrechen gehandelt hat. Eis sind Fälle darunter, in denen Männer, um sich der Sorge für ein zu erwartendes Kind zu entriehen, um keine Alimente zahlen zu müssen, ihr schwangeres Mädchen kaltblütig abge­schlachtet haben. Gemeinsam ist allen die­sen Fällen ein Geschlechtshaß des Man­nes gegen die Frau, die Degradierung der Frau zum Objekt bis zur Verneinung des Lebensrechts die Stimme des primitiven Blutes in einer brutalen Umwelt. Auf welchen grundsätzlichen Erwägungen be­ruhen also dann diese seltsamen und auf­fälligen Gnadenbeweise? Es ist nicht zum erstenmal, daß dieses System öffentlich festgestellt worden ist. Die Propaganda-, Lügen- und Dementier- maschine des Dritten Reiches hat dazu ge­schwiegen. Fall um Fall bestätigt die Be­hauptung, daß Frauenmörder in Deutsch­ land grundsätzlich begnadigt wer­den. Es ist daran kein Zweifel mehr mög­lich. Wo aber ist das Motiv? Liegt es in der allgemeinen Erniedrigung der Stellung der Frau im Dritten Reich ? Sind die Verbrechersitten und Manieren der »rauhen Kämpfer« gegen Frauen schon zum Sittengesetz des Systems geworden, so daß die Auslöschung eines Objekts männlicher Lust, das lästig geworden ist, nicht mehr als Mord von den Spitzen des Systems empfunden wird? Oder findet diese systematische Begnadigung von Frauenmcrdern ihre Erklärung in der Person Hitlers ? Richtet sich in jedem sol­chen Falle das Bild seiner Nichte Geh vor ihm auf, die in seiner Wohnung erschos­sen aufgefunden wurde? Kulturmissioii des Hakenkreuzes So sehen die braunen Kulturträger aus! Die Auseinandersetzungen im rumäni­schen Deutschtum werden von den bei­des Winters sich steigern wird, ist neben der allgemeinen Rohstoffknappheit zwar das akuteste aber nicht das einzige Symp­tom für den fortschreitenden Verfall der deutschen Wirtschaft. Kennzeichnend ist die allgemeine Stagnation der Kon­summittelindustrien. Li der Schuhindustrie lag nach Mitteilung des Konjunkturinstituts der Beschäfti­gungsgrad im August um 4 Prozent der Arbeitsplatzkaparität unter dem Vorjahr. Die Produktion hat sich gegenüber 1934 vermindert. Vom Januar bis Juli 1935 wurden arbeitstäglich 9 Prozent weniger Lederschuhe hergestellt als vor einem Jahr, Die Lager an Schuhen sind ge­füllt. In der Textilindustrie gingen nach den Berichten der Handelskammern »einige Zweige« bei der anhaltenden Absatzverlangsamung zu weiter steigender Vorratsbildung über, andere wieder mußten die Arbeitszeit ein­schränken. Die Chemnitzer Strumpfindu­strie weist noch erhebliche Fabrikslager auf; zudem erklären viele Abnehmer, den Wirtschaftsbedarf noch aus den vorhandenen Vorräten dek- den rivalisierenden national aoriaüsti sehen Parteien mit aller denkbaren Gehässigkeit und Erbitterung fortgeführt. Das radikal- nationalsozialistischo Lager der deutschen Minderheit, das nur vorübergehend die Füh­rung im rumänischen Deutschtum innehatte, versucht mit allen Mitteln wieder Oberwasser zu bekommen. Der in den Hintergrund ge­drängte Führer der Radikalnationalsoriallsten, Gust, hatte zu einer Versammlung nach Hermannstadt eingeladen. Selbstverständlich war auch das gleichgeschaltete Lager in der Versammlung stark vertreten. Der Führer der Radikalnationalsozialisten, Gust, erging sich in wüsten Beschimpfungen der gleich­geschalteten Kreise unter Führung des Ing. F a b r i z i u s, deren Bekenntnis zum Natio­nalsozialismus nur eine Tarnung darstelle. Schließlich kam es zu einer lebhaften Schlägerei zwischen den Anhängern der beiden nationalsozialistisch eingestellten Par­teien, wobei nicht weniger als dreißig Ver­sammlungsteilnehmer verletzt wurden. Die Tätlichkeiten haben solche ge­fährliche Formen angenommen, daß rumä­nische Polizei eingreifen mußte, um der wüsten Schlägerei ein Ende zu machen. Der Kampf der Jungdeutschen gegen die Deutsche Vereinigung in Posen-Pom­rae r e 1 1 e n hat trotz aller Verständigungs­versuche von dritter Seite keineswegs mildere Formen angenommen. Die Jungdeutschen wollen mit allen Mitteln ihre Stellung in Posen-Pommerellen behaupten, um dadurch ihren Forderungen entsprechende Geltung zu verschaffen. Die Deutsche Vereinigung hatte für Sonntag im Schützenhaus in Rawitsoh eine öffentliche Versammlung abgehalten, bei welcher Gelegenheit sich Dr. von Gers­dorff mit den Totalitätsanspriichcn der Jungdeutschen auseinandersetzte. Natürlich waren auch die Jungdeutschen zu der Ver­sammlung erschienen. Aus einigem lebhaften Zwischenrufen entwickelte sich eine Schlä­gerei, wobei Dr. von Gersdorff von der Bühne heruntergerissen und ver­prügelt wurde. Die Schlägerei nahm For­men an, daß die polnische Polizei sich schließlich gezwungen sah, die Versammlung aufzulöser